Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

Wir kennen ihn alle, den Hype bei Romanen, die lange vor Erscheinen vollmundig angekündigt werden. Auf deren Klappentexten sich ein Superlativ an den nächsten reiht. Jeder scheint es zu lesen, die Meinungen schwanken von einhelliger Begeisterung bis hin zu kokettierender Ablehnung, man würde das Buch nicht lesen, weil es alle anderen auch lesen. Allein diese Aufmerksamkeit, die für den einzelnen Titel geschürt wird, kann also einen sehr gegenteiligen Effekt haben: Neugierde erwecken oder Ablehnung produzieren. Will ich als Leser*in im Mainstream mitschwimmen? Mitreden können? Oder versuche ich, meine vielleicht vorhandenen Vorurteile zur Seite zur schieben und mich zu fragen ob mich die Geschichte überhaupt interessiert?

Seit “Ein wenig Leben” im späten Herbst bei mir eintrudelte, lag es auf einem Buchstapel, geduldig bereit zu warten, bis ich einige Tage frei hatte und mich ganz den 960 Seiten widmen konnte. Bis dahin habe ich, scheuklappenmäßig, alle Berichte und Meinungen, ganz gleich, in welche Richtung vermieden. Am glücklichsten bin ich doch, wenn ich zumindest ansatzweise vorurteilsfrei in eine neue Lektüre finden kann, weder mit zu hohen, noch zu niedrigen Erwartungen.

Ich schlug also diesen Roman auf und verlor mich in ihm, in seiner Sprache und in den Bildern, die Yanagihara vor meinem geistigen Auge entstehen lässt, die auf viele pathetisch, gar übertrieben wirken könnten. Ich hingegen nahm einen Stift und strich sie an, eine Angewohnheit, die ich äußerst selten beim Lesen eines Romanes anwende. Nachdem ich das Buch beendet hatte, las ich in einem Interview, dass eine häufige Kritik am Stil des Romans sein überbordendes Wesen sei – für mich war es eine der Stärken.

Was er an seinen abendlichen Fahrten noch liebte, was das Licht, die Art und Weise, wie es die Wagen füllte wie etwas Lebendiges, wenn die Bahn über die Brücke ratterte, wie es die Müdigkeit von den Gesichtern seiner Sitznachbarn wusch und sie so zeigte, wie sie gewesen waren, als sie in dieses Land gekommen waren, als sie jung waren und Amerika noch für bezwingbar hielten.” (S.40)

Was mich an Romanen fasziniert, dass sind die Menschen, die ihn bevölkern. Die Protagonisten Seite um Seite besser kennenzulernen, was sie antreibt, was sie umtreibt, woher sie kommen und warum sie sich entschließen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es tun. Hier folge ich vier jungen Männern, die einige Jahrzehnte lang eng freundschaftlich miteinander verbunden sind. Ich sehe ihnen beim Wachsen zu, bei ihren Erkenntnissen, ihren Fehlern, ihren Erfolgen, ihren dunklen Stunden.

Der Roman ohrfeigt mich und teilweise muss ich ihn wirklich kurz beiseite legen und Atem schöpfen. Und dennoch habe ich während der Lektüre nicht einmal das Bedürfnis, aussteigen zu wollen. Der Sog ist zu stark, das schwarze Loch ist unerbittlich, die ausschweifende Art des Erzählens wiegt mich in einer fragilen Sicherheit, bis ich wieder nach Luft schnappen muss.

Seine Freundschaft zu Jude, so kam es ihm manchmal vor, beruhte zum großen Teil darauf, dass er sich nicht die Fragen stellte, die er sich eigentlich hätte stellen sollen, weil er sich vor den Antworten fürchtete. (S. 100)

Hier wird ein Leben verhandelt und wieviel Freundschaft und Liebe ertragen und verarbeiten können. Nicht nur die Protagonisten fühlen sich oft hilflos zum Zusehen verdammt, auch wir als Leserinnen und Leser fragen uns intuitiv, was denn ein Leben ausmacht. Was macht uns stark, wieviel kann der Mensch aushalten, wer bestimmt, was auszuhalten ist und was nicht?

Eine Aufgabe der Literatur ist es, uns aufzurütteln, an unseren Überzeugungen zu kratzen und uns immer wieder und wieder zu hinterfragen. Literatur wird diese Aufgabe vor allem dann erfüllen, wenn ihre Figuren intensiv gezeichnet sind, wenn wir beim Lesen Reaktionen zeigen und selbst an unsere Grenzen gebracht werden. Eine einfache Liebesgeschichte wird selten die gleichen Widerhaken in einem setzen, wie es eine Geschichte kann, deren Handelnde Fehler machen, die Abgründe in sich haben und die uns erlauben, auch ihre dunklen Seiten zu sehen, ihre Narben, Verfehlungen und ihre eigenen Vorwürfe an sich selbst.

Ein Buch, über das man sprechen möchte, Stunde um Stunde.

 

Elefant – Martin Suter

Ein kleiner, rosafarbener Elefant. Ein pinker Fisch. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei der Sache Aber auch fernab von zufällig vorhandenen Farbvorlieben hat mich Suter wieder vollends überzeugt, als Großmeister des intelligent-gewitzten Unterhaltungsromans. Das kann er, darin macht ihm so schnell keiner etwas vor. Und ich begebe mich, mal wieder und mit großer Vorfreude in ein wahres Lesevergnügen und folge den Spuren des rund 20cm großen, im Dunkeln leuchtenden, rosafarbenen Elefanten, dessen schiere Existenz nicht wenige Menschen ganz schön ins Schwitzen bringen dürfte. Solch eine Kostbarkeit erweckt Begehrlichkeiten, doch nicht alle sind der Meinung, dass dieses besondere Geschöpf in die Öffentlichkeit gelangen sollte…

Das Jahr 2017 ist noch recht frisch und doch habe ich mit “Elefant” schon einen meiner Lieblinge für das Frühjahrsprogramm gefunden!

 

2016 in Schlaglichtern

2016 war vor allem eines – ein extrem volles Jahr. Aber auch ein schwieriges, lehrreiches und ereignisvolles. Ganz besonders haben es viele Menschen gemacht, einige Erlebnisse und auch Bücher. Ein paar Schlaglichter mag ich heute kurz und knackig nochmal mit euch teilen!

Meine drei liebsten Bücher:
Meine schönsten Erlebnisse mit Pinkfisch:
Ein Buch, welches mich enttäuscht hat:
Der meistgelesenste Blogartikel:

 

pinkfischsarah

Schöne Entdeckungen im Netz und Anderswo:
Personen, die mich 2016 beeindruckt haben:
Was ging schief?:
  • Ich habe zwar viel gelesen, aber unheimlich wenig Leseeindrücke geschrieben. Gefällt mir überhaupt nicht, aber es war dieses Jahr richtig schwer umzusetzen.
  • Einige Pläne habe ich aus Zeitmangel nicht umsetzen können. Das soll sich ändern.
Die Vorfreude auf folgende Dinge 2017 wächst:
  • Die Buchmesse Leipzig, auf der ich u.a. mit einigen anderen aus der Anthologie “Warum ich lese“, initiiert von Sandro/Novelero und herausgegeben von homunculus lesen werde.
  • Ich werde im Januar zur future!publish fahren und dort als Kongressbloggerin berichten. Ich bin total gespannt, die Themen sind breitgefächert.
  • Der Indiebookday – am 18.03.2017 (rot anstreichen im Kalender!) Meine liebe Kollegin Malu (auch bekannt als die Buchbüchse) und ich planen etwas ganz feines, auf das ich mich schon wie verrückt freue!

Kommt gut ins neue Jahr – auf dass es bunt, friedlich (!), und interessant wird. Voll mit spannenden Büchern, mit viel Lesezeit und der ein oder anderen Überraschung!

Eure Sarah/Pinkfisch

PS: Zuletzt darf eines nicht fehlen. Der ultimative Beweis dafür, wie hart Buchbloggerinnen in der Messezeit Party machen

Buchbloggerinnen-Party-Hard

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Weihnachtswunschzettel

Stöbert ihr auch so gerne in den Wunschzetteln von anderen Leuten? Ich mag es total, mich inspirieren zu lassen und das ein oder andere Buch zu entdecken, auf das ich sonst nicht gestoßen wäre. Naturgemäß  findet sich auf meinem Weihnachtswunschzettel wenig Belletristik (da ist reichlich Vorrat vorhanden) sondern er wird übers Jahr mit Sachbüchern zu Themen gefüllt, die mich beschäftigt haben und auf die ich mich dann zwischen den Jahren stürze.

Also habe ich mich mal durch meine Notizbücher gewühlt und meine zehn größten Buch-Wünsche notiert. Here we go!

 

Four Quartets von T.S. Eliot

Dieses Jahr haben Gedichte und Lyrik für mich nochmal mehr an Bedeutung gewonnen. T.S. Eliot kannte ich bisher nur als Autor von “Old Possums Katzenbuch”, auf dem das Musical “Cats” basiert. Auf dieses Buch bin ich bei Austin Kleon gestoßen, der in seinem Newsletter einen Holiday Gift Guide veröffentlichte – eine wahre Fundgrube… Kleon hat einen kleinen Auszug gepostet und zack, ich war überzeugt! Überhaupt: der wöchentliche Newsletter ist eine eindringliche Empfehlung meinerseits. Vollgepackt mit Inspirationen und Links zu kreativen Projekten und Menschen.)

 

OMG! Doodles, Handlettering & Scribbles

Dieses Jahr bin ich durch Sonja von Lustzulesen angeregt worden, mich auch mal an Sketchnotes zu versuchen. Ich habe großen Spaß an dieser visuellen Darstellung von Inhalten und dieses quietschbunte Buch voller Anregungen macht sofort Lust, noch mehr zu doodeln, scribbeln und zu lettern.

 

Abstract City – Mein Leben unterm Strich von Christoph Niemann 

Auch dieses Buch ist eine Augenweide. Christoph Niemann illustriert pointiert und mit dem gewissen Etwas auf seinem Blog Abstract City, den er für die New York Times verfasst. Ein kreatives Feuerwerk in Buchform – eines von vielen, auch ein Blick auf die bisherigen Veröffentlichungen des Autors lohnt sich sehr!

 

Shakespeare & Company: Ein Buchladen in Paris von Sylvia Beach

Auf meinem diesjährigen Wichtelwunschzettel ist ein Buch gelandet, an das mich Mara wieder erinnert hat – dass ich diesen Klassiker der Buchhandelsliteratur immer noch nicht besitze ist eigentlich ein Unding

 

The Steal like an Artist Journal & Show your work von Austin Kleon

Und noch einmal Austin Kleon, mit gleich zwei Büchern. Ich fand “Steal like an Artist” einfach wunderbar (Hier empfiehlt es mein Kollege Franz kongenial in bewegten Bildern!) Somit ist es eigentlich klar, dass hier dringend das Journal gebraucht wird, um die ganzen Tipps aus SLAN umzusetzen. Und um “Show your work” schleiche ich schon das ganze Jahr herum. Ich liebe Bücher, die mir einen Energieschub verpassen, meine kreativen Kanäle heißlaufen lassen und meinem Horizont einen neuen Anstrich verpassen.

Wunschzettel

 

Schrift wirkt! Einfache Tipps für den täglichen Umgang mit Schrift von Jim Williams 

Ich schleppe immer drei Füller mit mir herum. Ich bewundere Menschen, die eine besondere Handschrift haben und kann mich an gelungener Typografie erfreuen. In diesem Buch habe ich schon öfter gestöbert, es ist unheimlich interessant und eigentlich ein Muss für jeden kreativen Kopf. Ein wunderschönes Zitat aus dem Verlagstext: “Typografie ist die Stimme des geschriebenen Wortes“. Hach.

 

Freddie Mecury: A kind of Magic von Mark Blake (Bildband)

Es wird Zeit, meine Sammlung zu vervollständigen. Dass ich großer Queen-Fan bin und noch größerer Freddie-Mercury-Fan, ist spätestens seit diesem Blogartikel bekannt. Dieser Bildband verspricht, oft in die Hand genommen zu werden.

 

Freddie Mercury von Leslie-Ann Jones

Wie könnte es anders sein – natürlich ist auch die 2016 erschienene Biographie über Freddie (25 Jahre nach seinem Tod) auf meiner Liste gelandet und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welches schillernde Bild hier von diesem Ausnahmekünstler gezeichnet wird.

 

642 things to write about von San Francisco Writers Grotto

Last but not least – Inspiration für mein Schreiben. Ich mag spielerische Herangehensweisen, mag es, wenn ich auf dem Papier kleine Aufwärmübungen veranstalten kann. Diese sogenannten “Writing Prompts” sind ein guter Einstieg, wenn man feststeckt oder nicht recht ins Schreiben kommen will.

 

Und – was steht auf euren Weihnachtswunschzetteln?

Strand am Nordpol – Arnaud Dudek

Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch nach der Lektüre zuklappt und denkt: also hier hat einfach alles genau gepasst? Eine ungewöhnliche Freundschaft und eine alte Liebesgeschichte mit abruptem Ende. Ein federleichter, französischer Stil, der hier und da in einen charmanten Plauderton verfällt und doch nie ins Kitschige abgleitet. Es gibt ein paar Ausflüge in die Schwermütigkeit und doch ist es nie bitter. So ein Buch ist Strand am Nordpol – ein wunderbares Geschenk für alle, die gerne Geschichten lesen, wie sie das Leben schreibt.

Gomringer & Gomringer Ausstellung

Zürich liest rückt näher und ich freue mich ganz besonders auf den Besuch im Strauhof . Gomringer & Gomringer wird es für mich geben, Vater und Tochter in einer Ausstellung. Beide widmen ihr Leben der Lyrik, wenn auch jeweils in recht unterschiedlicher Weise! Einen ganz guten ersten Einblick in die Ausstellung findet ihr in diesem Artikel von SRF Kultur, inklusive zweier kleiner Hörproben von Eugen Gomringer, dem Erfinder der “konkreten Poesie“.

Mehr zu seiner Tochter Nora Gomringer findet ihr auf ihrer Website. Sehr sehenswert finde ich ihr Gespräch bei Druckfrisch mit Denis Scheck  welches in einem leeren Schwimmbecken gedreht wurde. Besonders sympathisch finde ich die Stelle, an der sie sich mit Denis Scheck darüber unterhält, dass sie immer “mit Reclam-Bänden bewaffnet zu Veranstaltungen gegangen ist” als Jugendliche, um lesend flüchten zu können. Sie sagt den schönen Satz:

“Es ist sehr schön, dass man dieses Ressort hat, diese Möglichkeit, sich an einen Dichter im Prinzip zu lehnen in dem Moment der größten Einsamkeit.”

Am Ende liest sie eines ihrer Werke aus dem Gedichtband Morbus  vor und man möchte mehr hören, möchte mehr von ihr erleben. Nora Gomringer ist eine faszinierende Performerin. In der Ausstellung wird es auch Videoinstallationen geben, auf die ich sehr gespannt bin. Im Netz gibt es ja schon einiges zu finden und ich habe mich in dieses kleine Kunstwerk verliebt: Nora Gomringer liest Ringelnatz . Dieses kreative Spiel mit Worten, Sprache, mit bewegten Bildern und diesem feinen Witz im Hintergrund – das trifft bei mir ins Schwarze!

Wer vorab mehr lesen will oder den Weg nach Zürich bedauerlicherweise nicht antreten kann, dem sei ausdrücklich ihr Buch “Mein Gedicht fragt nicht lange reloaded” empfohlen, erschienen bei Voland & Quist. Dank der beigelegten CD kommt man zusätzlich in den Genuß, sich die Texte anhören zu können. Nora Gomringer liest hinreißend und einvernehmend, eine große Empfehlung!

Lyrik und Poesie gleich im Doppelpack – Herz, was willst Du mehr?

 

Haruki Murakami und ich

Die Beziehung, die Murakami und ich nun schon seit über einem Jahrzehnt führen, mag ein wenig seltsam anmuten, ja, geradezu einseitig. Ich habe fast alles von ihm gelesen, jedes Interview verfolgt, seine Bücher in mehreren Sprachen gekauft, sogar im japanischen Original. Er hingegen ahnt nicht einmal, dass es mich gibt. Und doch ist es eine der längsten und wichtigsten Beziehungen in meinem Leben. Und ganz so einseitig, wie es sich zunächst anhört, ist es vielleicht dann doch nicht.

In seinem neuen Essay-Band “Von Beruf Schriftsteller” gewährt Haruki Murakami uns in seiner bescheidenen und sehr zurückhaltenden Art einen Einblick in sein Schaffen. Eitelkeit liegt ihm fern, im Gegenteil, er ist demütig und bleibt immer realistisch in seiner eigenen Einschätzung. Er setzt sich besonnen und unaufgeregt mit Fragen auseinander, die ihm im Verlauf seiner schriftstellerischen Tätigkeit immer wieder gestellt wurden. Es geht um die Entwicklung seiner Figuren oder seine Einstellung dazu, wie Sport und körperliche Fitness für ihn die Grundlage für geistigen Tätigkeiten bilden. Er schreibt über Originalität, wie sich der künstlerische Prozeß für ihn selbst gestaltet und wie er dazu kam, sich überhaupt dem Schreiben zuzuwenden.

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An mehr als nur einer Stelle des Buches habe ich das Gefühl, dass diese Sätze nur für mich und für mich ganz allein dort stehen. Er schafft es, über all diese Kilometer hinweg eine Verbindung zu mir, seiner Leserin herzustellen, einen Moment, in dem ich die Worte und Sätze wieder und wieder lese um sie mir am Ende laut vorzulesen und das Gefühl zu haben als wäre es ein einziger, langer Brief an mich persönlich. Haruki Murakami ist 30 Jahre alt, als er seinen ersten Roman schreibt. Vielleicht kann er gerade deshalb dieses Jahr, in dem ich selbst 30 Jahre alt bin und mich künstlerisch ausprobiere, bei mir besonders Eindruck hinterlassen.

“Dennoch verspüren wir den Wunsch, uns auszudrücken, und erkennen dabei unvermutet unser eigenes Wesen”. (S.78)

Damit wären wir wieder bei der Beziehung angekommen. Murakamis Bücher begleiten mich, jedes hat seine Geschichte. Viele haben mich innehalten lassen, haben mir Mut gemacht, die Figuren gehören zu meinem Leben. Einige Zitate aus seinen Büchern sind Mantras geworden, Leitsprüche.

Ich habe bei den letzten Seiten der wilden Schafsjagd geweint, ich habe unzählige Male die “Sandsturm“-Stelle bei Kafka am Strand gelesen und zitiert, ich habe mich in Naoko verliebt und die Sinfonietta von Janacek aus 1Q84 gehört. Ich habe einen Blick auf das 100% Mädchen geworfen, bin neben Murakami-Sama die Marathonstrecken gelaufen, habe Spaghetti gekocht und in gedanklichen Brunnen gesessen.

Was für ein Geschenk ist es, jemanden zu bewundern und festzustellen, dass die Einstellung desjenigen zu Kunst und Literatur der eigenen ähnelt. Es ist, als würde ein Freund zur gleichen Zeit nach deiner Hand greifen, in der Du deine Hand nach ihm ausstreckst. Ein Mensch braucht hin und wieder Gleichklang, er braucht das Gefühl, dass ihn jemand versteht.

“Die Basis für alle Künstler muss immer eine überschäumende, spontane Freude sein” (S.77)

Wenn Murakami ein Buch herausbringt, dann ist das wie eine Verabredung für mich, etwas ganz Besonderes. Deswegen reiche ich schon seit Jahren für ein neues Werk Urlaub ein, um mich ganz diesem Ereignis widmen zu können. Er schreibt in diesem Buch von seinen Lesern: “Ich habe erstklassige Leser, wenn ich das selbst einmal so sagen darf” (S. 201). Diese Wertschätzung, die viele Arbeit, die er wieder und wieder für seine Leser*innen investiert, ist für mich in jedem seiner Bücher zu spüren.

Murakami-Sama, ich freue mich auf die nächsten Jahre mit Ihnen.

In tiefer Freundschaft,

Ihre Pinkfisch

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DAS MAG – Junge Literatur aus Flandern und den Niederlanden

Da hat sich der mairisch Verlag etwas Schönes einfallen lassen, ein Best of des in den Niederlanden vierteljährlich erscheinenden “MAG” zu dem es im Sommer auch ein tolles Lesefestival gab! Ich bin ja tief in meinem Herzen eine große Magazinfreundin. Wenn ich bei Freunden toll gestaltete Zeitschriften und Magazine liegen sehe, bin ich für einige Zeit nicht ansprechbar – schlimmer ist es nur bei überfüllten Bücherregalen . Ich mag es, wenn mir ansprechend und in kleinen, feinen Häppchen ein Thema auf mehrere Arten präsentiert wird. Um sich auf die diesjährigen Gastgeberländer, die Niederlande und Flandern vorzubereiten, gab es kaum eine bessere Möglichkeit, als DAS MAG.

Das-Mag

Grafisch ansprechend und unterhaltsam kommt es daher, mit ausgesprochen unterschiedlichen Geschichten, Essays, vier Flaschenpostinhalten und Gedichten. Es zeigt einen spannenden Querschnitt durch die aktuelle Literaturszene, hier stehen große Namen wie Herman Koch und Gerbrand Bakker neben Debütantinnen wie Bregje Hofstede. Diese Mischung macht das Magazin so reizvoll. Wer also die diesjährigen Gastgeber besser kennenlernen will, kommt an DAS MAG eigentlich nicht vorbei…!

Dieser Beitrag erscheint in der Reihe “Auf den Spuren von Tulpen und Windmühlen” einer Aktion von Ramona Böhm von El Tragalibros . Alle Beiträge werden unter dem Hashtag #littripNL16 zusammengeführt, noch mehr Infos gibt es bei der Facebook-Veranstaltung!

littripnl16_final

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Duell – Joost Zwagerman

Es gibt sie, diese Romane, bei denen Du schon nach dem kurzen Text in der Verlagsvorschau weißt – das wird was. Das wird etwas Großes. Du schreibst also eine e-Mail an den Verleger und bittest um ein Exemplar. Als es eintrifft, liest Du es in einem Zug durch, mit von Seite zu Seite wachsender Begeisterung und einem verschmitzten Grinsen im Gesicht, als Du es fertiggelesen hast.

Ein herrlich böser Ausflug in die Kunstszene und ihre menschlichen Abgründe. Was ist dran an der Kunst, was kann sie bewirken und wozu kann sie Menschen treiben? Ein Kokettieren mit Absichten und versteckten Motivationen und an dem ein oder anderen Seitenhieb wird auch nicht gespart.

Duell” ist einer jener seltenen Fälle, wo alles von Anfang bis zum Ende stimmt. Die ersten Sätze. Die Geschichte, die sich langsam entfaltet und immer mehr an Fahrt zunimmt. Es ist eines jener Bücher, welches man im Beratungsgespräch empfiehlt und was dann nach einem ersten Anlesen mit leuchtenden Augen zur Kasse getragen wird.

Wenn ich dieses Jahr nach einem Lieblingsbuch aus den Herbstneuheiten gefragt werde, steht “Duell” ganz oben auf meinem Zettel – und das mit Recht!

 

 

 

Furiously Happy – Jenny Lawson

Ich habe “Das ist nicht wahr, oder?” wirklich sehr geliebt und auch “Furiously Happy – A funny book about horrible things” konnte mich wieder überzeugen. Jenny Lawson ist wirklich “one of a kind” – eine außergewöhnliche Frau! Sie ist geistreich, hat einen großartigen (Galgen)-Humor und nicht zuletzt kann ich nur sagen “She’s fucking great!” weil sie sehr offen über mentale Krankheiten und Depressionen spricht, in einer Zeit, in der diese Themen unverständlicherweise noch viel zu oft verschwiegen werden. Wir brauchen mehr davon! Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn wir beginnen würden, über diese Dinge zu sprechen – denn sie sind da. Ich bin dankbar für Autoren wie Lawson, die uns zeigen – es gibt immer einen Weg. Auch wenn Du denkst alles und vorallem Du selbst und dein Leben ist einfach nur ein Schlachtfeld aus Versagen und schwarzen Gedanken – dieses Buch flüstert Dir zu: Du bist großartig. Vielleicht schräg, vielleicht ungewöhnlich, vielleicht ein*e Aussenseiter*in – aber liebenswert und einzigartig. Und es wird wieder Zeiten geben, in denen DU das auch sehen kannst.

Thank you Jenny, for writing this!

(Die deutsche Ausgabe erscheint am 17. Oktober)