Die kleine Bäckerei am Strandweg – Jenny Colgan

Ab und an, brauchen wir da nicht alle mal so eine kleine Buchaffäre? Zwischen dem 800-Seiten-Wälzer und dem Klassiker? Ein winziges Inselnest in Cornwall, eine junge und leicht verzweifelte Protagonistin und natürlich ein Hobby, dass auf wundersame Weise den Umschwung (und die Liebe?) bringt. Die Zutaten für diese Art von Roman sind bekannt – und doch, manchmal lässt man sich mit Freuden darauf ein und weiß am Ende kaum, wo die knapp 500 Seiten schon wieder hin sind…

Die Rückkehr – Rebecca West

Da habe ich Urlaub, und was tue ich? Ich verschanze mich in einer großen Buchhandlung mit Stift, Notizblock und einem guten Dutzend Bücher in einer versteckten Sitzecke. Passioniert, könnte man sagen.

Und da halte ich es in der Hand: Ein schmales Bändchen aus dem verehrungswürdigen Verlag dtv, darauf zu sehen eine Frau von hinten, wie sie die Treppe herabsteigt, die Haare umkränzt vom feinen Gegenlicht. Alles an diesem Bild, die Farbe, die Kleidung, die Haltung, die Vertäfelung der Wände, verrät mir, dass dieses Szene eine Szene aus den 20er Jahren sein muss.

Damit liege ich nicht ganz falsch. Rebecca Wests Roman „Die Rückkehr“ erschien zum ersten Mal 1918 und gilt als einziger Roman einer Frau dieser Zeit, die den ersten Weltkrieg thematisiert.

Kitty und ihre Cousine Jenny sind zwei junge Frauen der gehobenen Mittelschicht im Englischen Süden. Sie bewohnen zusammen ein Herrenhaus. Beide warten darauf, dass Kittys Ehemann Chris wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehrt und damit ihr wohlgeordnetes Leben wieder einziehen kann.

Doch Chris kommt nicht wohlbehalten zurück. Er hat bei einem Angriff durch eine Granate sein Gedächtnis verloren und erinnert sich nicht mehr an seine Ehefrau, nicht an Jenny, nicht an das prachtvolle Haus, dafür aber an seine erste große Liebe Margaret.

Margaret wird in das Haus eingeladen, um Chris zu heilen, und ab da verwirren sich die Geschehnisse zu einem Gespinst aus Eifersucht und Drama. Mit welcher Leichtigkeit und wie fast nebenbei Rebecca West in dieser Gemengelage die großen menschlichen Fragen stellt, zeugt von großer Meisterschaft. Was tut der Mensch nicht alles, um dem drohenden Chaos zu begegnen? Und wie wichtig ist die Wahrheit, um seine Würde als Mensch bewahren zu können? Und so treffen zwei der drei Frauen am Ende eine wagemutige Entscheidung. Sehr großes Kino!13041332_10154063603816153_254044038460643117_o

Alte Texte wie dieser üben einen magischen Sog auf mich aus. Diese Empfindsamkeiten und Naturbetrachtungen sind den meinen so ähnlich. Und das bedeutet nichts weiter, als dass, egal welche Sprache wir gebrauchen und welche Spielzeuge uns gefallen, diese Gefühlswelten im Menschen universell sind. Da blühen Pflanzen und vergehen, manches ist wild, anderes gezähmt, um unser Auge zu erfreuen und uns vor der Erkenntnis zu bewahren, dass wir sterblich sind. Immer wirkt die gleiche Antriebsfeder, das Bedürfnis, gegen das Vergessen und Vergehen etwas zu unternehmen. Überall wo der Mensch seiner Umwelt ästhetischen Zwang antut, Worte in Prosa oder Verse fasst, Lieder schreibt, einen Garten anlegt oder versucht, von seiner Umgebung mit Pinsel und Farbe oder einem Fotoapparat ein erträgliches Abbild zu schaffen, ringt er mit der Vergänglichkeit. Und das schon seit Menschen Gedenken.

Wie nebenbei fließen dann Dinge ein, die es so nicht mehr gibt, die man aus der Distanz gerade eben so erkennt, das knatternde Geräusch von Zeppelinen, die über den Himmel fahren, das Klackern billiger Korsettstäbchen, die Tatsache, dass der Chauffeur aussteigen muss, um den Motor des Wagens anzulassen, verschwommen taucht in uns das Bild einer Kurbel auf, die es so seit ewiger Zeit nicht mehr gibt.

Unsere Geräusche sind vielleicht andere, Zeppeline gibt es nicht mehr, auch nicht die Antriebskurbel am Kühler eines Autos. In Zukunft werden Autos nicht nur keine Geräusche mehr machen, sondern auch noch selber fahren. Die Menschen in diesem Roman sind schon seit geraumer Zeit tot, genauso wie ihre Autorin. Aber ihre moralischen Überlegungen, ihre Eifersucht und ihre Kriege, ihre Liebe und ihre Hingabe waren zu allen Zeiten die gleichen wie unsere. Und sie waren, wie unsere, immer modern. Mit Ehrfurcht und Zittern erkenne ich darin meine eigene Vergänglichkeit und klappe das Buch zu mit dem Gefühl, in einen tiefen Brunnen geschaut zu haben.

Gastrezensentin ist Anja Wylezol, Wortakrobation und Sprachliebhaberin, außerdem seit ganzen 13 Jahren meine geschätzte Kollegin, deren literarische Sachkenntnis und Begeisterung mich über die Jahre vieles gelehrt haben. Danke, liebe Anja!

Ein neuer Pfad zum Wasserfall – Raymond Carver

Dieser Gedichtband hat mich in mehrfacher Hinsicht überrascht und ja, er hat mich berührt, mehr, als ich das im Vorhinein gedacht hätte.

Carver schrieb diese Gedichte in dem Wissen, dass er sehr krank war und seine Ärzte ihm nur noch etwa ein Jahr zu leben gaben. Als ich die Einleitung seines Übersetzers Helmut Frielinghaus las, erwartete mich die erste Überraschung, denn dieser hatte sich nicht nur intensiv mit Carvers Werk auseinandergesetzt, sondern teilte Carvers Erleben, denn auch er war schwer krank und verstarb im Januar 2012. Die Übersetzung von Carvers Gedichten war das letzte, woran er gearbeitet hatte.

Die nächste Besonderheit besteht im Aufbau. Carver und seine zweite Frau Tess, die den Band mit ihm gemeinsam zusammenstellte, stellten seinen eigenen Gedichten Werke anderer Autoren, allen voran Tschechow, aber auch Tranströmer und Milosz, an die Seite. Die Inspiration dazu fand Carver bei Czeslaw Milosz. Das hat einen ganz eigenen Reiz, weil die Gedichte auf eigentümliche Weise oft ineinanderzugreifen scheinen und der Leser/die Leserin eigene Entdeckungen macht. Carver las viel in seinem letzten Jahr und die ausgewählten Gedichte und Versatzstücke anderer in einem Guß mit seinen Worten lesen zu können, das hat etwas sehr Intimes. Es ermöglicht uns eine Art zweiten Blick auf seine Gefühlswelt und den Stellenwert von Literatur in seinem Leben.

Seine Gedichte berühren mich, sie lassen mich still werden und ich versinke in den Worten. Es sind kleine Geschichten, kurze Schlaglichter, sie erzählen von Momenten, in denen sich das Leben verändert, sie handeln von Trauer, Verlust aber auch von Zufriedenheit, von Lebenslust und der Liebe. Und sie handeln von Abschied und mehr als einmal muss ich ein paar Tränen wegwischen. Wegen Gedichten wie „Spätes Fragment„.

Spätes Fragment
Und – hast Du bekommen, was
Du haben wolltest von diesem Leben, trotz allem?
Ja, hab ich.
Und was wolltest Du?
Sagen können, dass ich geliebt werde, mich geliebt
fühlen auf dieser Erde.

Die letzte Überraschung liegt in dem liebevollen Nachwort, dass seine Frau Tess diesem Band hinzufügte. Sie schreibt über die letzten Monate mit ihrem Mann, sie beschreibt das Entstehen von einigen Gedichten und die Geschichten dahinter. Das Nachwort ist ungeheuer packend und spannend, ich habe es gleich mehrfach gelesen. Was für ein Geschenk, dieses nochmalige Vertiefen in Carvers Schaffen.

Was bleibt zu sagen? Alles, was ich bisher von Carver gelesen habe, hat mich beeindruckt, ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Ich darf mich glücklich schätzen, einiges noch nicht zu kennen, denn so bleibt immer noch etwas, auf das ich mich freuen darf.

[Zitat aus "Ein neuer Pfad zum Wasserfall" von Raymond Carver, S. 128, S. Fischer Verlag, Fischer Klassik, erscheinen 2013]

 

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind – Jonas Jonasson

Ein inneres Zwiegespräch

Mich nervt ja selten ein Buch so richtig. Aber hier – ich habe ewig dafür gebraucht, weil es mich beim Lesen so enttäuscht hat und nun will ich eigentlich der Welt mitteilen, was da für mich alles nicht stimmte. Meinste, das kann ich machen? Ich war beim Lesen wirklich entnervt!

Ja dann! Lass es raus!

Aber ich kann doch nun schlecht schreiben: Dieses Buch könnt ihr euch sparen! Oder doch?!

So sehr ich für markige Überschriften bin, vielleicht unterfütterst Du deine Aussage noch mit etwas mehr Argumentation?

Fairer Einwurf. Beim ersten Jonasson fühlte ich mich noch sehr gut unterhalten, beim zweiten war es schon ein Aufguß des ersten, aber immer noch nett zu lesen. Der dritte hingegen…

Ja? Nun bloß nicht schüchtern werden!

Ich habe beim Lesen immer wieder gedacht: Die Idee des Plots reicht nicht! Sie reicht nicht aus!

Wie meinst Du das?

Die Grundidee war einfach zu knapp und wurde dann später noch mehrfach künstlich verlängert, was mich schon ermüden ließ. Nur, weil man einen knackigen Aufhänger hat, rollt sich die Story nicht von alleine aus. Die Figuren wirken holzschnittartig, man symphatisiert wirklich mit niemandem und bei jeder weiteren grotesken Wendung habe ich nur noch geseufzt. Wie bei vielen Dingen im Leben macht es auch in einer guten Geschichte die Dosierung und in diesem Buch ist das Salzfäßchen eindeutig vom Küchenregal in die Suppe gefallen. Die einzige Komponente, die ich nett angedacht fand, war, Mörder Anders unter anderem zu einem Internetphänomen zu machen, aber auch diese Idee wurde in meinen Augen nicht konsequent genug umgesetzt.

Aber in die Ecke geschmissen hast Du es trotzdem nicht, oder?

Nein. Ehrlich gestanden wollte ich wissen, ob er irgendwo noch die Kurve bekommt und fand auch, wenn ich das Buch danach schon kritisch besprechen will, sollte ich es wenigstens zu Ende lesen.

Und, bekam er die Kurve?

Überraschenderweise… Nein, nein, hier gibt es leider kein Happy End. Bis zum Schluß wurden noch einige Klischees ausgewalzt und dreimal in anderen Worten wiederholt und ich fühlte mich wie nach einem sehr, sehr langen Konzertabend mit Zwölftonmusik…

Das klingt als könnte es als französische Komödie funktionieren, aber nicht als Buch…Du rätst also ab?

Wer auf skurrile Figuren ohne größere Substanz, religiöse Kalauer und einen Galopp durch eine leicht löchrige Handlung steht, kommt hier voll auf seine Kosten! Die anderen…

Eher nicht?

Ne. Wirklich nicht. Kauft euch stattdessen lieber einen guten Gedichtband!

Stand Up: Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene – Julia Korbik

Wenn man mich vor fünf Jahren gefragt hätte: Bist Du eigentlich Feministin? ich hätte eher ausweichend reagiert. In meinem Kopf gab es doch einige angestaubte Ideen davon, wie sich die feministische Bewegung inszeniert und ich fand mich dort nicht so recht wieder. In den letzten zwei Jahren hat sich das grundlegend geändert, was einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, sich Sachgebiete selbst zu erobern, sich mit Informationen zu versorgen und Klischees und Vorurteile stets kritisch zu hinterfragen. In letzter Zeit habe ich mich durch einige Literatur zum Thema gelesen und besonders beeindruckt hat mich Stand Up.

Das Buch punktet bei mir gleich in mehrfacher Hinsicht. Klug und unaufgeregt, und mit Spaß an der Sache erklärt Korbik Feminismus und all seine spannenden Facetten. Sie beginnt bei den Basics und führt uns über Imageprobleme der Bewegung bis hin zu unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Geschichte des Feminismus. Besonders ansprechend fand ich die eingestreuten Kurzvorstellungen von Feministinnen und Feministen – hier habe ich immer wieder Namen notiert und später recherchiert, habe mir Bücher dieser Autor_innen bestellt oder Youtube-Aufnahmen von ihren Aktionen angesehen (Anspieltipp Amanda Palmer – Dear Daily Mail). Das Buch macht dermaßen Lust darauf, selbst weiterzuforschen und ist eine Quelle der Inspiration für mich gewesen. Ich empfehle es momentan bei jeder sich bietenden Gelegenheit .

Es beinhaltet auch für die Fans von Fakten, Zahlen und Statistiken reichlich Material, was ich besonders als Untermauerungsstoff für Diskussionen hilfreich finde (ebenso den Anhang mit feministischem Glossar und Literaturempfehlungen). Noch dazu ist oftmals so ein Uff-Moment eingetreten, wenn man Zahlen schwarz auf weiss so geballt sieht (Gender Pay Gap als Beispiel). Im zweiten Teil des Buches widmet sich Korbik der Gleichberechtigung in fünf dicken Kapiteln zum Thema Biologie, Körper, Politik, Popkultur und Los geht’s. Auch hier finden sich wieder viele Aha-Effekte, Tipps zum Andersmachen, Weitermachen, Gedanken machen. Es gibt unzählige tolle Zitate und Fragen, die im Kopf bleiben und zum Nachdenken anregen – denn nach der Lektüre ist klar – es gibt noch viel zu tun!

Mein absolutes Lieblingszitat aus dem Buch ist das folgende:

You’re rooting for gender equality? Congratulations, then you are a feminist!

Und last but not least – Die Aufmachung. Knallbunt, modern und grafisch sehr ansprechend gestaltet ist das Buch ist eine wahre Augenweide!

About my Shelf – Hrsg. von Maggie Gernatowski

Ich warne euch vor – wenn ihr dieses Buch zur Hand nehmt, plant entsprechend vor und vor allem genug Zeit ein. Einen Stift und das Notizbuch: zum Notieren der Bücher, die ihr nun lesen möchtet. Und: Lautsprecher und das Musikportal eurer Wahl um euch stundenlang durch die Musiktipps zu hören.

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Was habe ich dieses Kleinod gerne durchgeblättert und gelesen! Die Grundidee ist einfach.

10 Musikerinnen und Musiker erzählen uns etwas über ihre Bücherregale.

10 Autorinnen und Autoren erzählen uns etwas über ihre Plattenregale.

Dabei kam ein ganzer Schatz an Empfehlungen heraus, die durch das luftige und klare Layout leichtfüßig daherkommen. Eine grobe Form ist vorgegeben und doch hat man viel mehr das Gefühl, einem Gespräch zu lauschen als ein Interview zu lesen. Man gerät ins Stöbern, entdeckt komplett Unbekanntes und freut sich, wenn man gar bei einem geliebten Autor eine musikalische Gemeinsamkeit entdeckt ;-)  Ich liebe solche Bücher, die mir einen Einblick erlauben und mir etwas über Menschen erzählen, mit der der gleichen Leidenschaft für ihre Regalinhalte.

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Und daher gibt es jetzt auch gleich drei meiner neuen Anspieltipps, beim Durchhören für mich entdeckt:

 

The Earth Is Not a Cold Dead Place von Explosions in the Sky (die Band hört Karen Köhler manchmal beim Schreiben)

Landslide von Fleetwood Mac & I Still Do von I Am Kloot (hört Benedict Wells, wenn er etwas Trauriges schreibt)

Auf der Buchwunschliste gelandet sind:

Revolting Rhymes von Roald Dahl (liebstes Kinderbuch von Cherylin Macneil

Faserland von Christian Kracht (Hendrik Otremba nennt eine Szene aus diesem Buch auf die Frage nach seiner Lieblingsszene)

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an meine Buchhändlerinnen-Kollegin Marijke, die dieses fabelhafte Buch für unseren Buchladen entdeckt hat! Ich wünsche ihm noch ganz viele Leser!

 

Und manchmal doch ein Film.

Ich bin ein Buchmensch, durch und durch. Wenn ich lese, dann läuft in meinem Kopf ein eigener Film ab, ich besetze die Figuren und sie erwachen in meiner Vorstellung zum Leben. Und so gerne ich diese Freiheit habe, manchmal interessiert mich doch, wie ein geliebtes Buch filmisch umgesetzt wurde. In den letzten Monaten habe ich einige Buchverfilmungen gesehen und einige noch auf der Liste stehen.

Ganz oben auf der Begeisterungsskala steht für mich „Der große Trip“ von Cheryl Strayed. Das Buch habe ich verschlungen, mich hat der Weg dieser Frau sehr imponiert und ich war enorm gespannt, wie das alles im Film wirken würde. Das Buch geht natürlich weiter in die Tiefe was die Auseinandersetzung mit sich selbst von Strayed angeht, aber der Film kann absolut mithalten: Witherspoon (als Cheryl Strayed) ist genauso eine Top-Besetzung wie Laura Dern (als Mutter Bobbi) und beide sind exakt so, wie ich sie mir vorgestellt hätte. Dazu kommen natürlich die beeindruckenden Naturaufnahmen und die intensive Stimmung, die sich durch den ganzen Film zieht. Für mich definitiv ein Muss-man-sehen-Tipp!

 

 

Wenn ich große Gefühle möchte, greife ich sowohl im Buchregal als auch bei den DVDs nach Nicholas Sparks. Besonders gelungen (und für mich in diesem Falle fast einen Zacken besser als der Roman) war „Mit Dir an meiner Seite“ . Ein Taschentuch-Film, ein Familiendrama und eine Liebesgeschichte mit Musik.

 

 

Im Jahr 2009 hat mich „Die Karte meiner Träume“ von Reif Larsen total begeistert. Das Buch stach besonders durch seine Ausstattung hervor, zig Anmerkungen und wissenschaftliche Notizen der Hauptperson an den Seitenrändern, eine kleine Leseherausforderung, in der ich völlig versunken bin. Diese Besonderheit kann der Film nur in Teilen wiedergeben, dafür besticht er mit einer sehr überzeugenden Helena Bonham Carter. Der Regisseur Jean-Pierre Jeunet (Die fabelhafte Welt der Amelié) lässt die große Weite der U.S.A auf den Zuschauer wirken, er lässt mit bunten Farben und mit großem Spaß an den ungewöhnlichen Charakteren einen sehenswerten Film entstehen.

 

 

John GreensDas Schicksal ist ein mieser Verräter ist mittlerweile natürlich einem großen Publikum bekannt, hat sich zur Schullektüre gemausert und Green hat es wie kein zweiter Jugendbuchautor geschafft, seine jungen Leserinnen und Leser (und auch das ein oder andere ältere Semester) für sich einzunehmen. Das Buch hat mich weinen und lachen lassen, es hat lange gedauert bis ich mich entschliessen konnte, den Film zu schauen. Ich denke jeder Buchfreund kennt dieses bange Gefühl, ob die Verfilmung dem Buch gerecht werden kann. Man merkt dem Film an, dass hier eng mit dem Autor zusammengearbeitet wurde und die Veränderungen minimal sind. Ich brauchte genauso viele Taschentücher wie beim Lesen, den beiden Hauptfiguren nahm ich jede einzelne Sekunde ab, es gab Szenen bei denen ich ergriffen auf dem Sofa saß … Volltreffer!

 

 

Auf meiner Will-ich-sehen-Liste für die nächsten Monate stehen noch diese Filme:

Mein Leben ohne gestern von Lisa Genova wurde unter dem englischen Titel „Still Alice“ verfilmt. Der Trailer lässt mich einiges erwarten, das Buch hatte seinen ganz eigenen Ton und die Thematik hat mich länger beschäftigt. Julianne Moore ist eine großartige Schauspielerin, schon dieser kurze Einblick in der Vorschau zeigt dass sie die nötige Klaviatur von Emotionen schauspielerisch darzustellen weiss.

 

 

Das also ist mein Leben“ von Stephen Chbosky („Vielleicht lieber morgen„). Das Jugendbuch habe ich bereits vor Jahren gelesen. Was mich daran so berührte war, dass sich das Buch entblätterte und erst nach und nach klarwurde, worum es wirklich geht. Charlies Schicksal ging mir nahe und ich hoffe sehr, dass der Film diesen Aspekt gebührend behandelt. Ich bin außerdem ein Fan von Emma Watson und kann sie mir gut in dieser Verfilmung vorstellen.

 

 

Um diesen Film schleiche ich seit langem herum. „Naokos Lächeln“ gehörte zu einem der allerersten Bücher von Haruki Murakami das ich las – zum Teil in meiner Mittegspause auf dem Rücksitz meines allerersten Autos, das Buch ist mittlerweile ordentlich abgeliebt und bleibt eines meiner Lieblinge. Ob ein Film da jemals heranreichen könnte? Ich bin nicht sicher, ob ich hier wirklich meine Vorstellung gegen die des Regisseurs eintauschen möchte – wir werden sehen

 

 

Was habt ihr in letzter Zeit für Literaturverfilmungen gesehen? Habt ihr Tipps oder ratet ihr vom ein oder anderen Film leidenschaftlich ab? Und welche Reihenfolge bevorzugt ihr – erst das Buch und dann den Film oder andersherum?

 Dieser Artikel entstand in Kooperation mit clipfish.com.

Du bellst vor dem falschen Baum – Judith Holofernes

Was muss man über meine Anfänge mit Judith Holofernes wissen? Das erste und einzige Festival meines Lebens, beinhaltete einen Auftritt von Wir sind Helden. Unvergessen, wie diese vier Menschen trotz Regen und Unwägbarkeiten die Bühne rockten – eine Erinnerung, die auch rund ein Jahrzehnt später für mich unvergessen bleibt. Ihre CDs habe ich allesamt verehrt, sei es die Musik, seien es die Texte – sie haben mich durch alles begleitet, waren in Dauerschleife in meinem ersten Auto zu hören, haben Lieben und Trennungen begleitet und man kann wohl sagen, dass ich ein wenig mit den Helden erwachsen geworden bin.       20160103_194135

Vor Jahren habe ich mit Freude ihren Tourbericht gelesen und als sich die Band auflöste war ich zwar traurig, gleichzeitig aber auch dankbar dafür, dass ich solange in den Genuß kam – schließlich hatte ich noch immer die CDs und immensen Respekt vor Künstlern, die sich auch trauen, irgendwann zu sagen: Das war schön! Macht es jut!

 

Man kann sich vorstellen, dass ich vor Freude juchzte, als ich entdeckte, dass es ein weiteres Buch geben würde, aus der Feder von Judith Holofernes. Sofort hatte ich es für eine Freundin als Geschenk bestellt und wartete auch selbst darauf. Wie das Leben manchmal so spielt und man jemanden kennt, der jemanden kennt, erreichte mich dann ein liebevoll signiertes Exemplar, was im Regal einen Ehrenplatz erhielt.

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Bevor ich diesen Leseeindruck schrieb, habe ich einige andere Rezensionen gelesen. Und darunter auch einige gefunden, die dem Buch eine ganz schön negative Breitseite verpassten. Jedem seine Meinung, es bleibt ja alles Geschmackssache. Und doch fragte ich mich: Haben diese Rezensenten das Buch verstanden?

Ich habe es mit Begeisterung gelesen, immer wieder herausgeholt. Hier wird mit Sprache gespielt und wenn ich mich dafür nicht begeistern könnte, wäre ich wohl kaum Buchhändlerin geworden. Schon zu Heldenzeiten haben mich die Texte begeistert, gerade die, die sich nicht sofort erschlossen, die meinen Gedanken die Chance gaben, sich auf verschlungene Pfade zu begeben. Die Gedichte von Judith Holofernes zergehen einem auf der Zunge. Lest sie laut vor, lest sie euren Kindern vor und euch selbst. Schmeckt die Worte, genießt das Wortspiel, den Spaß an kleinen Verrücktheiten und daran Sprache sinnlich zu erleben.

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Es ist ein Gedichtband, dessen Illustrationen von Vanessa Karré ebenfalls dazu einladen, sich in einem Gedankendschungel zu verlieren. Was haben einige Kritiker davon erwartet, dass sie sich so enttäuscht fühlten? Ich begreife dieses Buch als eigenwillige Kunst, denn so ist mein Gefühl beim Lesen. Ich verharre, ich spreche, zische, trillere die Verse. Ich verweile bei einem Gedicht länger als bei einem anderen, bin in einem Museum der Tiere unterwegs, welches mich herausfordert und zum Lachen bringt, wo jemand den Mut hat, sich auszudrücken und seine Kunst zu leben.

Was kann ich von einem Buch und der Kunst mehr wollen? Danke dafür!

Weihnachtsbücher 2015

Wenn ich etwas sehr, sehr mag – dann sind das Weihnachtsbücher. Ob Adventskalenderbücher, Bilderbücher, Vorlesegeschichten, Weihnachtsgeschichten, Gedichte, Liederbücher, Rezepte, Liebesgeschichte, Satire – ich habe dafür einfach eine Schwäche.

Nun habe ich eine ganze Weile lang Weihnachtsbücher gesammelt und Anfang des Jahres leider meine ganze Sammlung unfreiwillig hergeben müssen. Aber schneller als ich schauen konnte, waren einige neue Kandidaten im Regal und so wird die Sammlung aufs Neue wieder wachsen.

20151206_190936Für den Buchladen sichte ich bereits im Herbst die Weihnachtsbücher und habe bei Tulipan, Diogenes, Insel und Aufbau angefragt, ob ich ein paar Leseexemplare haben kann, denn gerade im Weihnachtsgeschäft bin ich bei uns die „Weihnachtsfrau“ – ich kenne die Adventskalendergeschichten, ich schwärme für tolle Weihnachts-CDs und eben die richtige Lektüre für die Adventssonntage. Ich wurde reich bedacht – vielen Dank dafür, so ist die Sammlung schneller wieder gewachsen, als ich dachte.

Die Bücher liegen hier in einem extra Regal und gerade bei den Kurzgeschichtensammlungen blättere ich immer wieder herum, lese zum Feierabend immer wieder eine neue Geschichte. Einige habe ich bei meinem Job als Vorleserin im Altenheim schon zum Besten gegeben – ein voller Erfolg!  (Gabriele Wohmann – Weihnachten ohne Parfüm* Insel Verlag – Die Wunder zu Weihnachten * Diogenes Verlag – Diesmal schenken wir uns nichts *Anaconda Verlag – Weihnachtsmärchen aus aller Welt * Außerdem 24 Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen, FKJB (nur noch als Taschenbuch erhältlich)

Besonders verliebt habe ich mich in das Adventskalenderbuch von Tulipan (was man auch wunderbar einfach so lesen kann, es ist also noch nicht zu spät, sich diese herrliche Geschichte zu sichern!) „Du spinnst wohl!“ von Kai Pannen. 20151206_191030

Ich habe so gelacht! Eine absurde Geschichte, die auch den Erwachsenen beim Vorlesen Spaß macht. Mein 5-jähriger ist jedenfalls schwer begeistert!

 

 

 

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Für das leibliche Wohl habe ich mir zwei kleine, feine Kochbücher gegönnt:

Vegan X-Mas von Stina Spiegelberg

Mein veganer Adventskalender von Franzi Schädel

Leider komme ich nicht ansatzweise soviel zum Backen und Selbermachen, wie ich gerne würde, aber ich mag es sehr, abends in den Büchern herumzustöbern und mein Besuch steuert zielsicher auf das Küchenregal zu und liest sich in den Büchern fest, weil sie einfach wunderhübsch aufgemacht sind. Ein paar wenige Rezepte habe ich schon getestet und die Ergebnisse als ausgesprochen lecker erlebt

Ein Buch musste ich mir einfach nochmal wieder kaufen, da ging kein Weg dran vorbei, es handelt sich um „Fröhliche Weihnacht…„. Es ist mein liebstes Weihnachtsbuch, u.a. auch deswegen, weil ich es beim Auszug von meiner Mutter „geerbt“ habe. Geschrieben hat es Sandra Boyton, es ist 1995  im Dumont Verlag erschienen und ich liebe es heiss und innig und habe gejuchzt, als ich es für kleines Geld antiquarisch wiedergefunden habe.

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Ich denke, jeder hat so ein Buch, an dem Erinnerungen hängen. Das hier ist meines. Es ist liebevoll gezeichnet, witzig und die Fallstricke der „ach so besinnlichen Weihnachtszeit“ werden hier herrlich vorgeführt. Es ist ein kleiner Ratgeber für die „schönste Zeit des Jahres“ – und wie man dieses Jahr vielleicht endlich wirklich etwas davon hat. Wenn der Weihnachtsrummel losgeht, ist dieses Buch immer wieder mein Adventsbegleiter, weil es mich zum Lachen bringt.

Nun sind wir fast am Ende angelangt, aber fehlt da nicht noch etwas? Richtig, der Adventskalender! Die letzten Jahre habe ich meist ein Adventskalenderbuch aus dem Boje Verlag mein eigen genannt (einfach wunderbar!), dieses Jahr habe ich auf Facebook etwas Schönes entdeckt und nun ist es endlich bei mir angekommen und macht mich glücklich <3!

20151206_185746 Es könnte kaum besser passen, habe ich doch dieses Jahr einmal mehr gemerkt, dass ich ein echter Kurzgeschichtenfan geworden bin. Diese kleine Box von „Literaturquickie“ enthält den Kurzgeschichten Adventskalender, sehr schön in der Beschreibung festgehalten als „24 Literatürchen bis Weihnachten„. Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich total auf dieses besondere Schmuckstück.

 

Was bleibt zu sagen? Was sind eure Lieblingsweihnachtsbücher? Oder lest ihr lieber etwas gänzlich anderes in der kalten Jahreszeit? Ich wünsche euch jedenfalls hier und da die Zeit, mit einem Heißgetränk auf dem Sofa zu liegen und ein wenig in Geschichten zu schwelgen – ob weihnachtlich oder nicht ;-)  Meine Mama hat mir heute jedenfalls DEN Mini-Weihnachtsbaum für Buch-Fans mitgebracht… wer also an den Adventssonntagen noch ein wenig basteln möchte, während er Kekse knabbert – legt los!

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Freddie Mercury – Ein Leben in eigenen Worten

„Man muss da rausgehen und ihnen alles in den Rachen stopfen und sagen: „Hier bin ich! Ich bin kreativ! Ich bin wunderbar! Hier, fresst es!“ Das muss man tun. Wenn es noch andere Möglichkeiten gibt, dann sagt’s mir bitte.

Eine meiner frühesten Erinnerungen an Queen ist, wie mein Vater „We will rock you“ ganz laut aufdreht und meine Geschwister und ich wie die Verrückten auf dem Bett herumhüpfen. Mein Vater übersetzte den Liedtext für uns damals mit „Wir wollen schaukeln“ – eine schöne Interpretation für so kleine Knirpse wie uns.

Ich kenne sicherlich nicht alles von Queen. Mein liebstes Album (vor allem, weil es eines der ersten war, die ich überhaupt besaß) wird wohl immer „Made in Heaven“ bleiben. Einige Songs mag ich überhaupt nicht. Manches berühmte Stück geht nicht an mich, andere kann ich dafür auswendig. Queen-Fan? Ja, das bin ich. Aber noch viel mehr verehre ich Freddie Mercury. 413192_4266151822630_1616722876_o

Was dieser Mann sich auf der Bühne getraut hat, was er provoziert und mit den Erwartungen gespielt hat! Was er angestoßen hat an musikalischen Entwicklungen. Ein Selbstbewusstsein, eine Vision die ihn und seine Bandkollegen antrieb. Mich hat dieser Glamour und sein kompromissloses künstlerisches Dasein seit Jahren immer wieder fasziniert. Hier sah ich jemanden, der Kunst machen wollte, nach seinen Regeln – und das mehr als erfolgreich tat, entgegen aller üblichen Konventionen. Dass er bei all dieser Kreativität aber auch eine wichtige Sache über das Musikbusiness zu 100% verinnerlicht hatte, zeigt dieses Zitat:

„Man muss dafür sorgen, dass man entdeckt wird. Ein Teil des Talents besteht darin, dass man mit seiner Musik die Menschen erreicht. Man kann nicht einfach nur ein wunderbarer Musiker und ein herausragender Songwriter sein – von denen gibt es viele. Man muss lernen, sich selbst zu vermarkten, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, und von Anfang an lernen, wie man sich um seine Geschäfte kümmert. […] Man muss ein instinktives Bewusstsein für alle Dinge entwickeln, die zum Erfolg beitragen können.

Die Besonderheit dieses Sachbuchs liegt darin, dass es komplett aus Äußerungen und Interviewaussagen von Freddie Mercury besteht. Ein wenig thematisch zusammengefasst findet sich hier nur „O-Ton„. Was für eine spannende Art, einen Ausnahmekünstler kennenzulernen, Aussagen über Jahre hinweg zu verfolgen, seine Entwicklung, seine Sicht der Dinge.

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„Grundsätzlich schreibe ich nichts wirklich Neues; ich sitze nicht hier und will sagen: „Schaut her, ich habe einen Song geschrieben, den noch nie jemand vor mir geschrieben hat!“ Nein. Aber ich tue es von meiner Warte aus.

Ich jedenfalls muss jetzt erstmal diese wunderbare Aufnahme „Queen Live at Wembley Stadium 1986“ noch ein paarmal in Dauerschleife laufen lassen und danach mal wieder in meine absoluten Lieblingssongs reinhören ( I was born to love you, Too much love will kill you, The Show must go on, A Winter’s Tale, Fat Bottomed Girls, Spread Your Wings, Who wants to live forever). Freddie Mercury wird für mich immer ein Vorbild sein, jemand, der hart für seinen Erfolg gearbeitet hat und Kreativität, Leidenschaft und eine Fähigkeit, seine Kunst in die Welt zu bringen, in sich vereint. Dem nochmals in so konzentrierter Buchform nachzugehen – ein Genuß!