Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry – Rachel Joyce

17. Mai 2012

Eigentlich ist hier von Anfang an alles klar – alter Mann, kranke Freundin die er aus den Augen verlor, alter Mann läuft nach dem Erhalt dieser Nachricht los, Kurzschlussreaktion, solange er läuft, kann seine alte Freundin nicht sterben, so sein inneres Flehen. Man könnte fast sagen: netter Roman, nichts aufregendes oder gar „vorhersehbar“. Aber so einfach macht es Joyce einem nicht. Da ist auch Harolds Ehefrau, die sich während der Reise Gedanken über ihre Ehe macht. Da sind die Gedanken an den gemeinsamen Sohn, die beide unabängig voneinander denken. Da ist Harold, der überhaupt nicht für eine solche Reise gerüstet ist. Da sind die unterschiedlichsten Menschen, die Harold auf seinem Weg weiterhelfen, die mich berührt haben. So einiges passiert auf diesem langen Fußmarsch, womit man so dann eben doch nicht rechnen konnte – ein Zeichen für Qualität und doch mehr als nur ein „netter“ Roman.

Tobie Lolness – Timothée de Fombelle

13. Mai 2012

Tobie ist winzig klein und sein ganzes Universum besteht aus einem einzigen Baum, auf dem seine Familie und viele, viele andere Baumlebewesen leben. Doch eines Tages gerät seine Familie in große Schwierigkeiten und Tobie ist auf sich allein gestellt. Es liest sich nett, einige schöne Ideen sind drin und doch hat mich das Buch nicht vollends fesseln können – woran es lag, weiss ich garnicht genau zu sagen. Durchaus eine Leseempfehlung für fantasievolle Kinder, ich muss den zweiten Teil aber nicht mehr unbedingt lesen.

Pampa Blues – Rolf Lappert

10. Mai 2012

Jeder der auch nur ansatzweise auf einem Dorf großgeworden ist, wird sich in diesem Roman ein wenig wiederfinden. Unaufgeregt erzählt Lappert eine kleingroße Geschichte: vom Erwachsenwerden, dem Drang etwas besonderes sein zu wollen, die Suche nach dem Platz für sich selbst im Leben, von Verpflichtungen, von Liebe. Und einem skurrilen Dorf, wie wir wohl alle eines kennen. Liest sich gut, macht sich gut.

Mary Ann im Herbst – Armistead Maupin

06. Mai 2012

Mit einigem zeitlichen Abstand hat er es doch noch getan: den achten Teil der Stadtgeschichten geschrieben. Und ich kann Maupin einfach nur danken. Er schafft es, diese Reihe, die ich sehr ins Herz geschlossen habe, angemessen weiterzuführen: und er bewahrt ihren Charme, scheut sich aber genausowenig davor, das aktuelle Leben in San Fran einzuflechten und auch die heutigen Problematiken und Lebensweisen. Dem allein gebührt mein größter Respekt. Ein Muss für Fans!

Straßen von gestern – Silvia Tennenbaum

03. Mai 2012

Was mich dazu bewog, dieses Buch näher anzusehen? Ein schön gestaltetes Cover, im Begleittext wurde Frankfurt erwähnt, der Titel klang gut. Als noch dazu dieses Buch für „Frankfurt liest ein Buch 2012“ ausgewählt war und ich beim ersten Satz schon merkte – wir werden Freunde – war die Sache klar. Ein Familienepos in Frankfurt, welches seine besondere Wirkung vorallem durch die lange Zeitspanne, die wir die Familie begleiten, entfaltet. Man wächst mit den Figuren, verfolgt ihre Werdegänge, das Wirken der Familienoberhäupter, Liebe, Leid und Verwicklungen. Wahrhaft ein bildreicher, satter, voller Roman – ein bisschen Zeit muss man sich nehmen, dünn ist dieses Buch nicht gerade. Aber jede investierte Minute lohnt sich!

Finn released – Oliver Uschmann

01. Mai 2012

Ich mag die Figuren von diesem Autor einfach unheimlich gern. Genauso wie die Geschichten die er sich ausdenkt. Also eigentlich alles. Und überhaupt: nun hat er schon wieder ein tolles Jugendbuch geschrieben, welches mich unterhalten hat, amüsiert hat, mit glaubhaften Jungs, einer verrückten Spielidee und dem Quentchen Verrücktheit, dass es braucht damit man ein Buch so richtig wegzischt. Oliver Uschmann, Sie müssen damit aufhören, mir fällt langsam nicht mehr ein, wie ich noch sagen soll: ihre Bücher sind genial! Mehr davon!

Muttergefühle. Gesamtausgabe – Rike Drust

29. April 2012

Im allgemeinen sind Mutterberichte ja etwas äusserst subjektives. Das eigene Leben und Erleben wird wohl niemals eines dieser Bücher in seinen Beschreibungen zu 100% treffen. Trotzdem, es gibt Unterschiede – und Rike Drust schneidet bei mir gut ab. Oftmals fühlte ich mich verstanden, hatte ich ähnliches erlebt und gerade ihre Einstellung zum Arbeiten mit Kind fand ich spannend (ein Thema, welches noch nicht allzuoft beackert wurde – leider!). Manchmal war sie mir fast ein wenig zu rotzig-trotzig, aber ein wenig provozieren will ein solches Buch ja auch. Gute Lektüre, wenn man gerade viel  zu wenig Schlaf abbekommt, der Haushalt überhand nimmt und man sich einfach mal ein wenig in elterlicher Solidarität wiegen möchte.

Florentine oder wie man ein Schwein in den Fahrstuhl kriegt – Jutta Wilke

27. April 2012

Dieses Kinderbuch ist einfach durch und durch charmant geschrieben – ich habe es mit einem Lächeln im Gesicht gelesen und bei einigen Szenen konnte ich das Lachen auch nicht mehr unterdrücken. Wie aus einer kleinen Idee (Schwein im Fahrstuhl) ein so liebevoll gestaltetes Kinderbuch entsteht, das erfreut mein Leserherz. Florentine ist einfach ein tolles Schwein und ganz nebenbei erzählt Jutta Wilke hier nicht nur eine spannende Geschichte, sondern räumt noch gehörig auf, mit Vorurteilen und Klischees. Klasse!

Wahr – Riikka Pulkkinen

22. April 2012

Ein atmosphärisch dichtes Familiendrama, welches mich von den ersten Seiten an gepackt hatte. Müssen Erinnerungen hochgeholt werden? Wäre manchmal nicht Schweigen die bessere Alternative? Doch dafür ist es irgendwann zu spät und man fragt sich, wie gut man eigentlich diejenigen, die einem am nächsten stehen, wirklich kennt. Intensiv, anrührend, dramatisch – toller Roman!

Das Hotel New Hampshire – John Irving

16. April 2012

Wie immer nach einem Irving bin ich ziemlich platt. Man muss ihn bewundern, für sein Fabulieren, seine Fantasie, seine schrägen und doch so glaubhaften Charaktere…und diese Fähigkeit, seitenweise genauestens alles auseinanderzuklamüsern, um einem dann in 3 lapidaren Nebensätzen eine Bombe vorzusetzen. Und es ist so schräg und dermaßen überzeichnet – ich schwanke immer zwischen Lachen und Entsetzen. Und er hat die Fähigkeit, mir eine Geschichte zu erzählen die ich nach einer kurzen Inhaltsangabe nie lesen würde, und die mich doch nicht loslässt. Wahnsinn. Einfach verrückt der Mann, aber in guter Weise. Wobei ich sagen muss, seine späteren Werke wirken dann doch angepasster und “Letzte Nacht in Twisted River” war auch unheimlich abgedreht, hat mir aber supergut gefallen.