Dass wir uns haben – Luise Maier

Manchmal lese ich ein Buch, das so schmerzhaft ist und soviel in mir anrührt, dass ich mich frage, wie ich dieses Buch empfehlen kann und soll. Und gleichzeitig ist mir bewusst, wie wichtig diese Bücher sind, die den Finger auf die Wunde legen. Die Schmerz sichtbar machen, unsichtbare Familiengefüge ans Licht bringen und die uns aufschrecken lassen. Hätte man genauer hinsehen können? Wo ist die Linie, wo sind die Grenzen? Was kann geschehen, wenn die Liebe sich umkehrt?

Solch ein Buch ist “Dass wir uns haben” von Luise Maier. Dass wir es hier mit einem Debüt zu tun haben, ist kaum zu glauben, so präzise ist die Sprache, so genau die Beobachtungsgabe. Luise Maier zeigt uns eine Familie, die auseinanderfällt. Eine Familie, in der schon lange nicht mehr wirklich geredet wird, in der laute und leise Gewalt an der Tagesordnung sind. In der die Rollen der Eltern und Kinder verschwimmen, in der Schutz gesucht und nicht immer gefunden wird. Und all das in einer schier unerträglichen Alltäglichkeit, in einem Gewohntsein, so dass es den Leser, die Leserin fast zerreisst, weil man zum Zuschauen verbannt ist.

Ja, wie soll ich so ein Buch empfehlen? Ich weiß es immer noch nicht. Aber eines weiß ich – dass es solche Bücher geben muss, damit Wunden heilen können.

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