Die Gottespartitur – Edgar Rai

Hier muss ich eigentlich zwei Leseeindrücke formulieren: die zu Beginn stehende Satire auf den deutschen Literaturbetrieb und diejenigen, die ihn bevölkern und beleben – klasse! Spritzig und spitzfindig, einwandfrei getroffen. Die spätere Entwicklung der Ereignisse – da wurde es für mich dann eher zäh – und das, obwohl mich die Thematik Religion und Musik durchaus interessieren.

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Zunächst war ich begeistert, traf das Buch doch einen lakonisch-witzigen Ton. Im Verlauf des Buches wurde meine Begeisterung immer schwächer, denn die Geschichte trägt sich für mich als Roman einfach zuwenig. Wenn man sie als fantastische Reise und als augenzwinkernden Blick in die Zukunft nimmt (und oftmals ist dieser Ausblick gleichzeitig faszinierend als auch verstörend), war es ein kurzweiliges Leseerlebnis. Im Endeffekt ist es eben nicht mehr, als die übliche Auseinandersetzung zwischen dem romantisch-verklärten, gedrucktem Buch und der Hightech-Zukunfts-Horror-Gott-Vision. Auch wenn hier durchaus versucht wurde, ein wenig ironisch auch zwischen Schwarz und Weiss zu schauen, so bleib es doch an den meisten Stellen eher flach.

Honig – Ian McEwan

Ein Agententhriller zählt eigentlich nicht zu meinem Leser-Beuteschema. Aber hier zählten gleich zwei Dinge – zum einen ist es ein McEwan, zum anderen dreht sich dieser Roman um Agenten im Dienste der Literatur. Hier und da hält sich das Buch leider zu sehr an den Titel – ein bisschen zähflüssig… Und doch ist die Operation Honig schmökerig gut zu lesen, die Idee ist konsequent durchdacht und für ein Ende, was mich vom Sofa aufspringen lässt, verzeihe ich ein paar kleinere Längen dann doch gern.

Über ein Mädchen – Joanne Horniman

Eine zarte Liebesgeschichte zweier junger Frauen, beide auf der Schwelle zu einem ganz eigenen Leben. Die sich begegnen, sich öffnen und doch immer wieder voneinander wegdriften. Leise Melancholie zieht sich durch das Buch, Gitarrenklänge und Stapel voller Bücher, eine Teekanne mit Namen und die Erkenntnis, dass man wieder aufstehen muss, auch wenn man tief fällt.

Die Scanner – Robert M. Sonntag

Eine Dystopie im Jugendbuch, die erschreckend realistisch wirkt und durchaus vorstellbar. Sie verzichtet auf rasante Action-Szenen, die Bedrohlichkeit zeigt sich für den Leser schon im „normalen“ Alltag. An Orwells 1984 & Farenheit 451 angelehnt, für Jugendliche aufbereitet, spannend zu lesen – und mir als erwachsenem Leser stellt sich mit leisem Rückenkribbeln die Frage – was wird wohl in 50 Jahren sein?

Der Gefangene des Himmels – Carlos Ruiz Zafón

Der dritte Teil der insgesamt vier Bände der Barcelona-Saga oder soll man sagen – rund um den Friedhof der vergessenen Bücher? Der erste Teil (Der Schatten des Windes) war wirklich ein eindrucksvolles Buch, der Nachfolger (Spiel des Engels) wurde von vielen kritisch beurteilt, ich mochte ihn, trotz kleiner Durststrecken. Hier verhält es sich nun so: es hat nicht die Dichte des ersten Bandes, aber liest sich sehr viel leichter, als der doch sehr verworrene zweite Teil. Es hat eine Leichtigkeit, die es einen schnell wegschmökern lässt. Vorallem hat mir dieser Band aber einige Aha-Erlebnisse im Bezug auf Teil 1&2 erbracht, er schliesst einiges an Lücken. Ich würde einem Neueinsteiger fast empfehlen, erst Band Eins, dann Band Drei und dann Band Zwei zu lesen – mal schauen, wie sich der vierte Band in dieses Gefüge packen lässt. Jedenfalls: toller Schmöker, humorvoll und spannend!Und Barcelona…es ist einfach so toll, wenn man viele dieser Orte im Buch bereits mit eigenen Augen gesehen hat – man fühlt sich, als wäre man dort!

Zwitschernde Fische – Andreas Séché

Eine schwärmerische, fast verschwenderisch ausgeschmückte Geschichte über Bücher, Literatur und das Lesen. Was mich zu Anfang bezaubert hat wurde mir zum Schluss hin ein klein wenig zuviel des Guten – aber das Buch entführt einen für eine Weile in ganz andere Gefilde, lässt einen träumen und schwelgen – ein schönes Buch für den Urlaub, wenn der Alltag mal ganz weit weg rücken soll. Für Wortverliebte und Buchliebhaber sowieso.

Dash und Lilys Winterwunder – Rachel Cohn/David Levithan

Wenn eine süße, romantische Wintergeschichte gesucht wird, mit ein paar popkulturellen Anspielungen, einer charmanten Mischung aus überdreht-niedlicher weiblicher Protagonistin mit schräger Familie und ernsthaftem, sich selbst etwas zu ernst nehmendem männlichen Buchliebhaber – zugreifen. Die Idee des Buches, eine Art Spiel das beide quer durch New York führt, ist eigentlich ganz schön. Aber die große Verzauberung blieb nach anfänglicher Begeisterung bei mir aus. Was vorallem daran lag, das es mir irgendwann zu überdreht wurde. Lustigerweise geht es mir wohl konträr zu anderen Meinungen: viele fanden Lilly ganz entzückend und Dash eher seltsam, ich fand Dash toll und Lilly eher anstrengend. Es ist dennoch ein nettes Jugendbuch, schöner Winterschmöker und wer eine romantische Ader hat, kommt sicherlich auf seine Kosten!