Der große Trip – Cheryl Strayed

Wenn in deinem Leben gerade selbst einiges grandios schiefgeht, hilft es, von anderen zu lesen, denen es ähnlich geht. Strayed hat so ziemlich jeden Grund, ihr Leben als schwer zu empfinden, einige Schicksalsschläge, Drogen und der Tod ihrer Mutter katapultieren sie völlig aus ihrem Leben. Sie entschliesst sich, den Pacific Crest Trail zu wandern. Ein hehres Unterfangen, bedenkt man, dass sie keinerlei Übung und nur einen halbwegs zureichenden Plan hat. Mich hat dieses Buch beeindruckt. Was diese Frau diesem Weg abgetrotzt hat, ihr Scheitern, Wiederaufstehen, Weiterlaufen. Wie sie reflektiert und ihre Trauerarbeit leistet, wie sie Rückfälle hat und doch nicht aufgibt. Ich empfand das Buch als ungeschönt und ehrlich. Ein beeindruckendes Buch über den ganz eigenen Weg, den jeder zu gehen hat.

Magical Mystery – Sven Regener

Ein Roman über eine Figur aus den Herr Lehmann Büchern. Mhm. Über Techno. Doppel-Hm. Interessiert mich das? Will ich das? Und wie! Ich war begeistert, wie Regener meine zwei Fragezeichen mit einem Rutsch weggewischt hat – ich habe gelacht und wissend genickt, das Buch in kürzester Zeit ausgelesen und gedacht: wahrscheinlich könnte er auch über Hühnerhaltung schreiben – ich würde es auch mit Begeisterung lesen!

Wiegenlied für kleine Ganoven – Heather O’Neill

Wenn man ein Buch beim Lesen immer wieder weglegt, spricht das nicht unbedingt für das Buch. Wenn man es aber weglegen muss, weil es einem ganz schön nahegeht, sieht der Fall schon wieder anders aus. Bei diesem Buch hat mich sofort das Cover angesprochen, der Titel, alles zusammen liess mich auf eine ungewöhnliche Geschichte hoffen. Die habe ich auch bekommen – allerdings ist hier wahrlich nicht mit einem launigen Handlungsverlauf zu rechnen. Ein Mann der mit 15 Vater wird und seine Tochter Baby nennt, die Mutter die es nach ihrem Tod den beiden überläßt, sich durchs Leben zu schlagen. Drogen, Sozialarbeiter, Wohnen in Absteigen die der Beschreibung spotten – aus der Sicht von Baby wird eine Kindheit erzählt, die mich ziemlich mitgenommen hat. Ob es nun der völlig überforderte, drogensüchtige Vater ist, Babys Klugheit, die durchblitzt und es ihr ermöglicht, in den Kleinigkeiten das Schöne zu sehen – es war ein ziemlich deprimierender Mix aus Faszination und Mitleid. Ich war fast ein wenig erleichtert, als ich das Buch zuklappte. Aber auch nur fast: Bücher sollen ja eigentlich genau diese Qualität haben: einen mitziehen, in die Geschichte, in die Atmosphäre, in die Gefühlswelt seiner Protagonisten. Das ich mich meist lieber in eine andere Art Geschichte ziehen lasse, kann ich dem Buch schwerlich anlasten.

DU – Zoran Drvenkar

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, nachdem ich wahnsinnig begeistert von “Sorry” war. Ein schwieriges Buch. Einerseits habe ich es zu Ende gelesen, wollte wissen wie es endet – bei 600 Seiten ja auch schon eine Aussage. Andererseits war es zwischendurch so zäh, anstrengend zu lesen, kein Durchblick…Drvenkar erzählt aus 3 Perspektiven – eine davon war genial, absolut packend, auf die hab ich mich dann immer gefreut. Leider nimmt sie den kleinsten Teil ein. Er versteht sein Handwerk, keine Frage, aber hier war ich dann doch eher enttäuscht – für einen Krimi fehlt es mir an Tempo…Trotzdem – komplett verreissen kann und will ich es nicht.

Axolotl Roadkill – Helene Hegemann

Schwer zu diesem Buch noch ansatzweise unbefangen etwas zu sagen, nachdem die Wellen hochschlagen. Ich habe es einige Tage vor dem Kopier-Skandal gelesen und kann meine Erfahrung eigentlich kurz zusammenfassen: ein paar schöne Sätze und Beschreibungen drin, sehr weit weg von meiner Welt und die Frage ist: kann jemand, der vieles davon angeblich nicht erlebt hat, dann authentisch darüber schreiben? Als Film wäre dieses Buch sicher nochmal anders zu werten, oft kam es auch vor, das ich gewisse Passagen eher als filmisch beschrieben empfand (wenn man Hegemanns Werdegang betrachtet auch kein Wunder). Mein Fazit ist eigentlich: Kann man lesen, hat nichts mit Feuchtgebiete zu tun, wenn man es nicht liest hat man aber auch nichts verloren.

Zum Skandal an sich kann ich nur sagen: Klauen gehört sich nicht. Und Dreistigkeit siegt zum Glück nicht immer. Aber auch hier wurde das letzte Wort noch nicht gesprochen und ich bin gespannt auf weitere Entwicklungen!

Viertel nach Handgelenk – Pippin Wigglesworth

Abgesehen vom Autorennamen und dem wirklich guten Titel, ist es schwer etwas wirklich gutes über diesen Roman zu sagen ausser: wer wissen will, wie man möglichst viel saufen, Drogen konsumieren, heftig abstürzen kann und keinen Plan haben kann, der ist hier richtig. Man muss ihm zu Gute halten, das ganze doch auf erquickliche Länge gestreckt zu haben und wenigstens zum Schluss hin einen kleinen Silberstreif überzulassen. Moral von der Geschicht: irgendwann kommen die Leute im weissen Kittel ja doch…

Sex2 – Sibylle Berg

Obwohl es mir mal wieder wirklich gut gefällt – es liest sich nicht so leicht, ist ziemlich deprimierend und traurig, diese Großstadt, jedes Einzelschicksal auf seine Art depressiv oder auch krankhaft…und doch finde ich, bringt Frau Berg es sehr auf den Punkt. Keine leichte Lektüre…werd wahrscheinlich in Etappen lesen, habe Lust zu lesen, aber den ganzen Tag über, da wird einem selbst irgendwann trüb…[…]

Nun ist die Berg auch durch – der obige Eindruck bleibt – ich find das Buch toll, aber es ist wirklich heftig – jedes Schicksal hat seine Leiche im Keller (fast schon wörtlich zu nehmen..), Sex, Drogen, Mordgelüste – alles dabei. Aber sowas muss man halt auch erstmal schreiben können …;-)

Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot – Sibylle Berg

Das hat mir richtig gut gefallen, lauter kurze Fragmente von Menschen zwischen 16 und 80, die auf irgendeiner Art zusammengehören, aber auch wieder nicht. Herrliche Schilderungen. In vielem erkennt man sich doch erschreckt wieder. Und doch, überall blitzt nochmal Hoffnung auf. Vielleicht gibt es das große Glück ja doch noch, nach all dem Scheiß? Klasse! Von ihr werde ich ganz sicher noch mehr lesen!