Die beste Zeit unseres Lebens – Maeve Haran

Als ich als Buchhändlerinnenlehrling, als sogenannter “Stift” anfing, zählte Maeve Haran, auch aufgrund der Sortierung unserer Dorfbibliothek zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Ihr neuer Roman widmet sich der Generation 60+. Das Cover führt ein wenig in die Irre, leicht-lockere Sommerlektüre ist es nicht, die uns hier erwartet, allerdings kommt Haran leider auch nicht ohne eine Menge Klischees aus. Nett zu lesen – ja. Richtig begeistert – leider nein. Aus manchen Lesephasen wächst man wohl doch irgendwann heraus…

Das Ja-Wort – Elizabeth Gilbert

Ich würde jedem empfehlen, die Bekanntschaft von Elizabeth Gilbert zu machen, denn diese Frau ist fantastisch! Kreativ, intelligent, witzig und von einer Herzenswärme, die mich jedes Mal wieder umhaut. Ihr Podcast zu Big Magic, ihre Facebook-Seite, all das sind gute Orte um sie kennenzulernen. Diese Auseinandersetzung von ihr selbst mit der (eigenen) Ehe ist es eher weniger. Auch hier kommen viele der obigen Qualitäten zum Tragen, allerdings ist das Thema doch, trotz ihrer sorgfältigen Recherche und einer spannenden Auseinandersetzung, nicht unbedingt dazu geeignet, ein ganzes Buch füllen zu wollen. Ein längerer Artikel hätte mich hier eher bei der Stange gehalten, bzw. hätte für mich vollauf ausgereicht.

Kindeswohl – Ian McEwan

Über dieses Buch haben wir im Buchladen durchaus leidenschaftlich debattiert. Ich würde mich definitiv als McEwan-Fan bezeichnen, meine Kollegin auch. An diesem Buch haben wir uns aber entzweit Während für mich der rote Faden nicht richtig herauskam, ich die beiden Hauptthemen jeweils als nur halbherzig behandelt empfand, ging es meiner Kollegin genau andersherum. Sie fand gerade diese Zerissenheit zwischen Privatem und Beruflichem der Hauptperson reizvoll. Zwischendrin, Passagen, die uns beide begeistert haben. Diese konnten es für mich zum Schluss, allen Gegenargumenten zum Trotz nicht mehr rausreißen…

Die Verlobungen – J. Courtney Sullivan

Einer meiner absoluten Lieblinge im Frühjahrsprogramm. Vier unterschiedliche Zeitepochen, vier unterschiedliche Lebensentwürfe, vier unterschiedliche Arten von Liebe. Und immer wieder die Frage – was ist Liebe, wozu dient die Ehe? Was ist Erfolg? Und wofür leben wir? Mitreissend geschrieben, toll zu lesen, definitiv eine Autorin die man im Auge behalten sollte!

Das Schneemädchen – Eowyn Ivey

Vielleicht war ich hier ein wenig voreingenommen, hatte ich doch von einigen Kollegen und Freunden soviel Gutes über das Buch gehört, auch, dass Taschentücher vonnöten wären. Wie es dann manchmal mit Erwartungen so ist: der Roman war wirklich gut zu lesen, die Geschichte angenehm aus der Zeit gefallen, aber das große Gefühl blieb (für mich) aus. Ein kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten angenehmen Lektüre.

Sheila Levine ist tot und lebt in New York – Gail Parent

Eine kleine Zeitreise, die sehr slapstickartig beginnt, mit jüdischem Witz und Galgenhumor. Das Buch schlägt aber auch ernsthaftere Töne an und verliert ein wenig die Rasanz des Beginns, gewinnt dadurch aber nochmal an Tiefe. Eine ganz eigene Welt – die Welt von Sheila Levine. Begleiten wir sie ein Stück… denn der Weg lohnt!

Stoner – John Williams

Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.