Stoner – John Williams

Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.

Die andere Seite des Glücks – Seré Prince Halverson

Familie einmal anders – als ihr Mann stirbt, steht Ella mit den beiden kleinen Kindern alleine da. Nur – sie ist nicht die Mutter. Diese hatte sich vor einigen Jahren, obwohl die Kinder noch sehr klein waren, von der Familie getrennt und Ella nahm ihren Platz ein. Nun beginnt eine ganze Stadt zu überlegen: wen brauchen die Kinder? Die Frau, die sie großgezogen hat? Oder doch die Mutter, die plötzlich wieder auftaucht… Eine einfühlsame Geschichte darüber, dass es soviel mehr gibt als nur Schwarz oder Weiss. Dass Verletzungen und Liebe gleichzeitig existieren können. Und darüber, dass man einen anderen Menschen manchmal doch nicht so gut kannte, wie man dachte. Hat mir gut gefallen, weil das Stiefmutter-Thema mal ganz anders aufgezogen wurde und viele Facetten aufgezeigt wurden.

Der Liebhaber meines Mannes – Bethan Roberts

 

Ich kannte bereits ein anderes Buch von ihr, was mir soweit ganz gut gefiel. Bei diesem Roman gab es auch eine Gemeinsamkeit: die Autorin hat die Gabe, eine bestimmte Zeitspanne, die Stimmung einer Epoche sehr plastisch und authentisch rüberzubringen. Trotzdem wirkt ihr Schreiben und ihre Figuren manchmal sperrig, obwohl die Geschichten gut durchdacht sind und sich auch entfalten, bleibt so ein bisschen das Gefühl, hier und da ein wenig ins Straucheln zu geraten. Trotzdem, allein für das Aufgreifen eines Tabu-Themas habe ich das Lesen dieses Romanes nicht bereut.

Madame Hemingway – Paula McLain

Ein fein gezeichneter Schmöker über die sogenannte „Paris Wife“ – Hadley Hemingway, die erste Ehefrau des Schriftstellers. Man taucht ganz ein in die „roaring twenties“ in Paris und begegnet auf den Seiten der ein oder anderen schillernden Persönlichkeit dieser Zeit. Der (wenn auch zum großen Teil fiktive) Einblick in diese ungewöhnliche Ehe ist unterhaltsam zu lesen und ja – genauso so könnte es gewesen sein…

Unbekannt verzogen – Tom Winter

Fällt in die Kategorie: gemütliches Buch fürs Sofa, zum ein bisschen Seufzen und sich noch tiefer eingekuscheln, eine Sich-Wohlfühlen-Geschichte über zwei, die sich nicht kennen und doch näher kommen, als sie je geglaubt hätten. Das Buch, was man jemandem mitbringt, dem es nicht gutgeht, um ihm ein wenig Mut zu machen, ein bisschen zum Lachen zu bringen.

Besser – Doris Knecht

Ein scharf gezeichnetes Portrait einer Frau, die das  eigentlich “perfekte” Leben lebt – und ständig Angst hat, es könnte  jemand in ihr Innerstes sehen und die Fassade würde bröckeln und ihre Vergangenheit käme zum Vorschein. Bitter, aber nicht verbittert, von herrlicher Ironie und Sprachwitz durchdrungen, angenehm böse und mit starken Sätzen – eine mutige Geschichte, ein kraftvoller Roman.

Für den Rest des Lebens – Zeruya Shalev

Voller Wucht und Eindringlichkeit schildert Zeruya Shalev die Facetten einer Familie über 3 Generationen – in einer bildhaften, wundervollen Sprache die einen berührt zurücklasst…Meine erste Shalev und ganz sicher nicht meine letzte! Ja, man braucht einige Tage (und Ruhe!) für das Buch, weil es wirken muss – die Sätze sind lang, manches Mal fast ohne Anfang und Ende, aber genau das ist es was für mich den Reiz des Romans ausmacht.

Unbedingt erwähnen muss man die Tiefe, in die Shalev uns mitnimmt, intensiv spürt man den so oft schmerzhaften Gefühlen der Protagonisten nach. Eine Betrachtung der Familie,  3 eigenwillige Figuren und auch wenn viel Schweres den Roman bewohnt, so finden sich hier und dort doch kleine, wunderschöne Betrachtungen und Wörter und bilden so gemeinsam ein großes, sehr rundes Werk. Ein ganz wichtiger Lesetipp!

Acht Minuten – Péter Farkas

Sie sind schon lange ein Paar. Der Mann und die Frau. Doch eines Tages fangen die Dinge an sich zu verändern. Wer sind diese Menschen in ihrer Wohnung, die dem Mann zwar vage bekannt vorkommen, aber doch eher stören? Und warum wollen ihm alle erzählen was das Beste ist, für ihn und die Frau? Sie kommen doch gut zurecht und vor die Tür gehen…das müssen sie doch schon lange nicht mehr…

Wir alle kennen den Blick auf Demenz von aussen. Farkas wählt einen ganz anderen Ansatz – er beschreibt die Krankheit aus der Sicht des Betroffenen – und dieser sieht sich auch eher als Beobachter der ebenfalls erkrankten Frau. Die kleinen Rituale dieses Paares, der Kampf um Würde, um Selbstbestimmung – fein gezeichnet, sehr intensiv wird hier ein ganz neues Bild entworfen und die Frage, was das “Beste” ist wird nochmal auf andere Art und Weise aufgerollt!

Ein kleines, wichtiges Buch für alle die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Die fünf Sprachen der Liebe – Gary Chapman

Ratgeber sind ja immer so eine Sache für sich und definitiv Typsache. Dieses Buch hat bei mir aber einen Volltreffer gelandet und sogar meinen Mann konnte ich mit einigen Dingen daraus dafür begeistern und das will was heissen. Wie der Titel schon ahnen lässt, schreibt Chapman über die 5 verschiedenen Sprachen der Liebe und welche Schwierigkeiten daraus erwachsen, wenn nicht beide die gleiche Sprache sprechen. Auch erklärt er anhand von vielen Beispielen, wie man versuchen kann, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und die Sprache des anderen lesen zu lernen. Für mich hat dieses Buch einige sehr wichtige Gedanken aufgeworfen, mich inspiriert und verstehen lassen. Aufgabe perfekt erfüllt!