An jedem neuen Morgen – Roger Rosenblatt

Ein schmales Büchlein, keine Fiktion sondern ein Erfahrungsbericht, eines Vaters, der nicht nur seine Tochter verliert, sondern durch ihren Tod, zusammen mit seiner Frau als Großeltern für die drei noch sehr jungen Enkelkinder mehr als nur da ist. Die beiden ziehen bei der Familie ein und versuchen, trotz Trauer, ein unkonventionelles Familienleben zu meistern. Was an diesem Buch heraussticht, ist eine gewisse Sachlichkeit, es sind Momentaufnahmen, Anekdoten, die alle von einem großen Zusammenhalt und einer engen Familienbeziehung zeugen. In diesen Seiten findet sich auch Trauer, meist unausgesprochen, zwischen den Zeilen. Diese Familie entschliesst sich, dass es weitergehen muss, mit einem ungeheuren Willen, manchmal hat mich das ein wenig irritiert, wünschte ich mir, dass mehr miteinander gesprochen würde, aber Trauer ist so vielfältig, dass ich mir da kein Urteil erlauben möchte.

Leben – David Wagner

Literarisch gesehen fand ich es durchaus lesenswert, die Umsetzung ist gut, die Spitzen da, Sprache etc, das stimmt alles. Aber ich werde mit Wagner nicht warm. Ich meine: das MUSS ich ja auch nicht, ich mag ja nicht jeden. Aber irgendwie schaue ich mir sein Leben an und meines und denke: naja, uns trennen zwar ein paar Jahre, aber sag mal: hattest Du mal ein Ziel im Leben? Wieviele Frauen gab es da – worum ging es Dir? Wo ist dein Rück-Halt? Irgendwie weiss ich nicht wofür und warum er lebt, woran sein Herz hängt. Vielleicht kann/will er das dann nicht öffentlich machen, aber ich finde keinen Bezug zur Person, was ich schade finde, weil ich die Idee des Buches mag, auch die Fragen rund um so eine Organspende spannend finde. Ich hab das Lesen nicht bereut, aber es hat mich nicht berührt.

Mit Staunen und Zittern – Amélie Nothomb

Nachdem ich einige andere Werke von Nothomb schon gelesen habe, wurde es dringend Zeit für dieses Buch was oftmals als eines ihrer eindrücklichsten Werke bezeichnet wird. Und ja – es lässt einen atemlos zurück. Atemlos deswegen, weil man die Hälfte der Zeit die Luft anhält, ob der Methoden und Gemeinheiten, die in diesem Büro über der jungen Frau ausgeleert werden. Die japanische Arbeitswelt wird hier (für den europäischen Blick) fast schon bis ins Groteske beschrieben und sicherlich bedient sich Nothomb hier auch dem Stilmittel der Überspitzung. Das Ende hat dann fast schon etwas heiteres, es wird so überdreht das man fast lachen könnte. Muss man auch. Irgendwie. Diese Frau kann einfach schreiben – bitterböse mit dem Blick immer auf die absurde Komik, die in auswegslosen Situationen steckt.

Walden – Henry David Thoreau

“Ich war unabhängiger als irgendein Farmer in Concord, denn ich war nicht an ein Haus oder eine Farm verankert, sondern konnte dem Flug meines Genius, der sich jederzeit gern in Zickzacklininien ergeht, folgen.”

“Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken das ist die höchste aller Künste. Jeder Mensch hat die Aufgabe, das Leben selbst in seinen Einzelheiten der Betrachtung seiner höchsten und  kritischsten Stunde würdig zu gestalten”

Und natürlich kennt fast jeder das wunderbare Zitat, das in diversen Übersetzungen herumgeistert, wohl am bekanntesten ist die verwendete Form in “Der Club der toten Dichter

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte.

Was soll ich sagen? Ich habe extrem viele Zitate aus diesem Buch niedergeschrieben. Es ist mehr als nur eine romantische Auseinandersetzung mit dem Allein-Sein. Es ist philosophisch. Es geht in die Tiefe. Es ist eine Auseinandersetzung mit Arbeiten, mit Konsum, mit der Frage was und wieviel man zum Leben braucht. Es sind Naturbetrachtungen, das Leben mit dieser (ehrlicherweise der Part der mich am wenigsten ansprach, Naturbetrachtungen sind generell nicht meine Baustelle). Es ist ein Experiment. Es hat heute noch Bestand, vielleicht sogar noch mehr, obwohl sich soviel in unserer Welt geändert hat. Es ist beeindruckend, bleibt haften und ändert den Blick.

Es ist ein Buch zum Entschleunigen. Zum Nachdenken. In der Sauna lesen. Im Wald. In Ruhe. Oder zur Fastenzeit, für mehr Klarheit, für Offenheit und die ein oder andere Frage an sich selbst.

Der alte König im Exil – Arno Geiger

Ein ganz berührendes Buch über einen Vater und seinen Sohn, den Schriftsteller Arno Geiger – der Vater erkrankt an Alzheimer, der Sohn hört dem Vater zu – und er schreibt. Ein schmaler Band über eine Krankheit die sovieles vergessen macht und längst vergessenes wieder zu Tage fördert. Ein Buch mit Sätzen die man mehrfach liest weil sie so schön und ungewöhnlich sind und doch im Endeffekt: eine Familiengeschichte und ein Versuch sich zu fragen: wie gehen wir mit der Krankheit des Vaters um? Lassen wir los, halten wir fest, lernen wir, die Krankheit einfach anzunehmen als das was sie ist – eine Krankheit.

Das Buch bewegt und hallt noch lange nach.

Kinderkacke – Julia Heilmann/Thomas Lindemann

Eigentlich ist Kinderkacke kein Ratgeber. Den wollten die beiden Autoren auch nicht schreiben. Statt dessen entpuppt Kinderkacke sich als ehrliches, ungeschöntes Elternbuch das mich mehrfach zum Lachen, heftig-mit-dem-Kopf-nicken und So isses! sagen gebracht hat. Die beiden erzählen aus der jeweiligen Sicht, wie sie die Zeit mit ihren Kindern erleben und das machen sie richtig gut – man hat das Gefühl eine Familie kennenzulernen die um ihre Ecken und Kanten weiss, die ihre Schwierigkeiten genauso mit einem teilt wie die gemeinsamen Glücksmomente – das generell Kinder für beide Autoren zum Leben dazu gehören und sie ihre 2 Jungs nicht missen wollen steht ausser Frage!

Besonders gut fand ich das beide wirklich versuchen, sich offen und tolerant so manchen Fragen zu stellen, betrifft es jetzt die Elternzeit, die Erziehung, den Wiedereinstieg in den Beruf oder Zeit für sich selbst. Ganz klar ist das hier kein Nachschlagewerk, es ist ein Erfahrungsbericht der aber angenehmerweise nicht belehrt oder glaubt die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Nach einigen doch sehr blumig-verklärten Büchern zum Thema – eine echte Wohltat!

Ein Geschenk des Himmels – Anne Enright

Ich hatte schöne kleine Glossen, durchaus mit Humor und gesundem Pragmatismus über Schwangerschaft, Kinder und das Leben mit ihnen erwartet. Ich bekam eine frustrierte Mutter die teilweise wirklich völlig verschwurbelte Theorien zum besten gab, meine Vorstellungen vom Elternsein nur sehr selten traf und insgesamt eine so distanzierte Haltung zu ihren Kindern einnahm, das ich mich geschüttelt habe. An wenigen Stellen griff der aussen angekündigte “Witz”. Das Buch hat mich wütend gemacht, denn es spricht teilweise wirklich ohne Respekt vor andersdenkenden Eltern über diese erste Zeit mit Kindern…Natürlich ist es in Ordnung, seine Erfahrungen zu schildern (und sicherlich hatte die Autorin es durch persönliche Probleme etwas schwerer), das diese Zeit auch unglaublich anstrengend sein kann stellt sicher keiner in Abfrage und auch das es schwarze Tage in einer Familie geben kann. Aber diese negative Grundhaltung gegenüber so ziemlich allem liess mich wirklich fragen, warum die Autorin unbedingt darüber schreiben wollte? Zur Ermunterung sicherlich nicht, eher zur Abschreckung. Ich rate ja selten von einem Buch ab aber hier aus vollem Herzen.

Überall ist Lönneberga – Christoph Borchelt

Ein Deutscher unter Schweden, so heisst es im Untertitel. Borchelt wohnt abwechselnd in Berlin und auf der schwedischen Insel Öland und beschreibt in diesem Buch seine Erfahrungen mit diesem schönen Land. Es war nett, las sich schnell und ein paar kleine Anekdoten kannte ich auch als Schwedenfan noch nicht. Insgesamt blieb aber nicht soviel hängen, so das ich das Buch zwar ganz okay fand, für Schwedeninteressierte aber trotzdem anderes empfehlen würde.

Wer die Kälte liebt – Tilman Bünz

Spätestens seit mein Mann 2 Auslandssemester in Schweden absolviert hat, bin ich Skandinavien-Fan. Was lag also näher als dieses Buch im Laden mitzunehmen? Und es macht genau das was ein solches Buch tun soll: gut unterhalten, mir einige interessante Einblicke in das Land und das Leben der Menschen dort geben und ein bisschen Fernweh wecken. Wer sich ein bisschen einlesen will in die skandinavischen Länder, ist hiermit sehr gut bedient, aber auch Kenner werden denke ich noch einige Neuheiten entdecken. Bünz hat einen sehr angenehmen Stil und ich würde gerne nochmal mehr von ihm lesen.

Schön machts nicht, aber glücklich – Leonie Jakobs

Das Buch trägt den Untertitel “Ein ehrlicher Schwangerschaftsroman”. Und diesen Untertitel trägt das Buch zurecht. So einiges habe ich in letzter Zeit angesehen, angelesen und eher genervt wieder weggelegt…Dieses Buch hingegen hatte ich innerhalb eines vergnüglichen Nachmittages durch und dachte nur: So isses! Sehr angenehm und mit Leichtigkeit geschrieben, nicht belanglos, sondern mit allem, was eine schwangere Frau so umtreibt. Ausserdem hat Jakobs mich einige Male zum Lachen gebracht und macht den Eindruck, sie könne auch über sich selbst lachen – für mich ein wirklich schöner Einstieg in die Schwangerschaft!