Heartland – Joey Goebel

Ich finde diesen Autor SO toll – ich glaube er ist trotz “Freaks” und vorallem “Vincent” recht unbekannt – zu Unrecht! In diesem Werk nimmt er Amerika und seine Wahlindustrie herrlich aufs Korn, ironisch, böse, mit einer Anti-Hauptfigur, wirklich tollen Wendungen und sehr vielen Anspielungen rund um “das Land der unbegrenzten Möglichkeiten”. Seine Figuren geben so unterschiedliche Statements ab, das die Abgründe, die zwischen den Menschen liegen, sehr deutlich hervortreten. Druck und Machenschaften stellen die Fragen auf – was ist eigentlich korrekt? Und wer steht auf der “richtigen” Seite? Eine gewitzte Satire, ein kluges Buch, ein beissendes Buch – und auf 700 Seiten kein bisschen Langeweile! Danke!

Wie müssen über Kevin reden – Lionel Shriver

So, wer es noch nicht las, sollte vielleicht diesen Text überfliegen.

Es IST toll geschrieben, keine Frage, auch sehr eindringlich – aber (man verzeihe den Kraftausdruck) meine Fresse, bin ich nun deprimiert. Es liest sich auch anstrengend.

Man liest es mit einer Faszination, die ich schon fast wieder abstoßend finde, wie kann man an so etwas so interessiert sein? Ich weiss ja auch nicht, der Mensch will nunmal Lösungen, verstehen, Sachen aufklären. Die Mutter bekam ich nicht zu fassen – ich schwanke zwischen Mitleid, Abscheu, Verständnis und Ratlosigkeit? Im Endeffekt hat doch SIE nicht dem Jungen die Waffen in die Hand gedrückt und gesagt, lauf Amok. Warum geisselt sie sich dann so dermaßen selbst? Und andererseits verstehe ich sie – sie will verstehen, will wissen. Das sie den Vater einerseits so auf ein Podest hebt, sich ihm aber auch klar überlegen fühlt – hm? Und das der Vater nicht sehen will, da wird mir einfach schlecht. Und andersherum, ja, sie wollte nicht wirklich ein Kind, aber laufen deswegen alle Kinder gleich Amok? Das ist mir zu einfach…zu schwarz/weiss…

Und Kevin selbst…keine Ahnung. Das “Ende” fand ich seltsam und doch wieder logisch, das Buch ist ja auch so aufgebaut das jedes Detail erst nach und nach ans Licht kommt. So gab es zum Schluss für mich genügend Gelegenheiten wo ich nur noch dachte “Oh mein Gott”. Was ein Ekel, ich kann nicht mit jemand, der so grausam ist und so intelligent das er WISSEN muss wie andere darunter leiden. Das ist einfach…uah.

Also – ich habs gelesen und finde es auch weiterhin durchaus ein bemerkenswertes Buch. Aber auch unheimlich krass, niederdrückend, und mich hat das nun wirklich ziemlich naja…ernüchtert. Aber gut, ein Buch soll ja auch einen starken Eindruck hinterlassen.

Ich hab dich im Gefühl – Cecilia Ahern

Nachdem meine Statistik ja so aussah: Buch 1/2 richtig toll, Buch 3 Absturz, 4 wieder etwas besser ist Buch 5 nun ja…Mir gefiel die Idee, die war teilweise richtig gut umgesetzt (bestimmt prima verfilmbar..). Aber irgendwie – sie kommt nicht mehr darein, ihre Charaktere glaubhaft zu machen. Es bleibt alles sehr flach, leider, aber immerhin war die Geschichte etwas besser. Dadurch das die Protagonistin viel Zeit mit ihrem alten Vater verbringt, bekommt das Buch aber wenigstens ein paar wunderschöne kleine Szenen (u.a. als der Vater in eine Aufführung das Bild der verstorbenen Mutter aufstellt, damit sie zusieht…) das war scho schee. Lustigerweise haben mich einige Nebenfiguren fast mehr überzeugt, als es die Hauptfiguren taten.
Es ist okay, aber wirklich kein absolutes Muss.

Beim Leben meiner Schwester – Jodi Picoult

Das fand ich jetzt wieder vieel besser! Fands auch garnicht so “vorraussehbar” wie einige angekündigt haben – aber ich bin kein spekulativer Leser, ich lass mich einfach in die Geschichte fallen. Die verschiedenen Sichtweisen waren sehr gut, man war richtig drin und ich wette jeder, hat mal zur einen, mal zur anderen Seite tendiert. Das Buch spricht moralische Vorstellungen, Ethik, Gewissen wirklich aufs feinste an und vergisst dabei nicht, eine Geschichte zu erzählen. Hätte fast noch ein bisschen länger sein dürfen…

Die Mitte der Welt – Andreas Steinhöfel

Die Mitte der Welt wurde für 1999 für den Jugendliteraturpreis nominiert. Eine Geschichte übers Erwachsen werden, über Courage, anders sein, das Leben in einer Stadt, wo man eigentlich nicht willkommen ist – und wie man trotzdem dort lebt. Die Beschreibungen der Familie, die Beziehungen untereinander sind sehr fein, ein Buch in das man eintaucht und lange, lange drin bleiben möchte. Steinhöfel hat die Gratwanderung geschafft, aus der Sicht eines Jugendlichen zu berichten, ohne dass es unangemessen wirkt oder verstellt.

Seit langem nun eine meiner absoluten Empfehlungen!

Die Penderwicks – Jeanne Birdsall

Ich habe ein neues Lieblingskinderbuch! Wow, ist das ein süsses, schönes Buch! Wundervoll altmodisch und doch zeitlos erzählt es die Geschichte der Penderwick-Schwestern, 4 unterschiedlicher Mädels im Alter von 4-13 und ihrem alleinerziehenden Vater. Die Penderwicks verbringen ihre Ferien in einem butteriggelben Ferienhaus – welches an das wunderschöne Anwesen von Miss Tifton angrenzt – die die Penderwick-Mädchen allerdings nicht grade sympathisch findet – ganz im Gegensatz zu ihrem Sohn Jeffrey – wunderbar erzählt, mit Witz, schöner Sprache, Spannung und herrlicher Komik. Ich habe sehr viel gelacht und geschmunzelt…für Mädchen ab 10 oder ab 8 zum Vorlesen bestens geeignet! Ein Sommer-Urlaubs-Wohlfühl-Buch!

Last Lecture (Die Lehren meines Lebens) – Randy Pausch

Der Mann wird sterben, er hat Bauchspeicheldrüsenkrebs..(Er starb 2008). Letztes Jahr (2007) hat er seine “Last Lecture” (eine Tradition an amerikanischen Unis von Profs, die eben ihre “letzte” Vorlesung” halten). Nur das es in seinem Sinne eben wirklich die letzte ist. Vorrangig für seine 3 Kinder hat er diese gehalten. Sein Credo ist es – Lebt für eure Kindheitsträume. Das Buch ist eine Art Zusammenfassung der Vorlesung, ergänzt durch Fotos etc. Einerseits hat mich der Lebenswille und die Liebe zu seinen Kids (für die er Tonnen an Fotos & Videos macht, damit sie sich später an ihn erinnern können…) sehr beeindruckt. Und auch das der Mann wirklich einen Sinn in seinem Leben gefunden hat und auch einige schlaue Dinge in seinem Buch sagt. Manchmal wars mir trotzdem schon fast zu “krass positiv”. Er hat auf seine Art schon eine recht radikale Einstellung.
Habe nun angefangen mir die Vorlesung auf youtube anzuschauen, das hat sich bisher sehr gelohnt – der Mann hat Charisma…

Die Bücherdiebin – Markus Zusak

Hat mir gut bis sogar sehr gut gefallen. Ich musste mich am Anfang etwas in den Stil einlesen, der Erzähler (der Tod persönlich) schweift ab und an in einer Beschreibung sehr ab und benutzt eine andere Schriftart, um manche Dinge (ohne erkennbares Muster) hervorzuheben. Aber das ist Geschmackssache und hat im Endeffekt nicht wirklich nachhaltig gestört. Dieses Buch erzählt von Liesel, der Bücherdiebin. Der Tod begleitet sie zwischen dem Ende der dreissiger Jahre und bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Liesel schafft es innerhalb dieses Krieges durch die Macht der Bücher und Worte ihre ganz eigene Welt zu schaffen – ihre eigene Art des Überlebens. Viel mehr möchte ich garnicht sagen, das braucht es bei manchen Büchern garnicht.

Es ist wirklich eine sehr besondere Sichtweise auf Deutschland und die Nazi-Zeit, kein zimperliches Buch, ein ehrliches, mit sehr bildhafter Sprache auf fast 600 Seiten. Ein Buch das ich wirklich als “All-Age” Titel verkaufen werde, weil es nicht nur Jugendbuch aber auch keine reine Belletristik ist, nicht umsonst gibt es von diesem Titel 2 Ausgaben.

19 Minuten – Jodi Picoult

War mein erstes Buch von der Autorin und wohl nun auch nicht das letzte. Etwas was im Innenklappentext erwähnt wird, trifft es genau: Ihre Bücher sind nicht literarisch. Auch nicht unbedingt “schön”. Aber sehr spannend, genau recherchiert und ihre Figuren wirken sehr eindringlich und menschlich auf mich. Ich habe es jedenfalls dann sehr schnell durchgehabt, weil es einen wirklich interessiert hat. Von der Handlung her kann man eigentlich kurz sagen: die Geschichte eines Amoklaufs aus der Sicht verschiedener Personen, mit Zeitrückblenden. Wirklich sehr gut verwoben, die Tragik jeder einzelnen Person wird gut dargestellt.