Artikel mit ‘Familiengeschichte’ getagged

Apostoloff – Sibylle Lewitscharoff

Freitag, 28. Oktober 2011

Nachdem Sibylle Lewitscharoff 2011 mit Preisen und Nominierungen für “Blumenberg” geradezu überhäuft wurde, wollte ich mit dem Werk, für das sie den Leipziger Buchpreis gewann, anfangen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wenn diese Autorin zwei Dinge kann, sind es diese: mit ungeheurer Wucht schreiben, das ganze Buch ist ein einziger, schnellverfeuerter Rundumschlag, böse und mit vielen Spitzen versehen.

Und zum zweiten geht sie  kreativ und mit viel Verve mit Sprache um…manchmal auch geradezu zärtlich. Was für Sätze! Was konnte man in diesem Roman schwelgen!  Zeit muss man sich für ihn nehmen, das sei unbestritten, auch das etwas schräge Thema mag nicht jedermanns Sache sein. Ich aber war hingerissen, noch mehr weil ich die Autorin dieses Jahr live erleben dürfte und von ihrer Präsenz, ihrem Humor und ihrer Lesung absolut begeistert war! Ich freue mich auf alle weiteren Werke von ihr!

Einer meiner liebsten Sätze:

“Eine weitere Spezialität der Kellnerinnen, überhaupt der Bulgarinnen: sie sind parfümfreudig. So riecht mein Salätchen, sonst eher eine neutrale Angelegenheit, als hätte es im Regal einer Drogerie  übernachtet.”

River – Donna Milner

Donnerstag, 22. April 2010

Es ist schwer das Buch in Worte zu fassen – geht einem ja manchmal so, wenn man sehr begeistert ist – ich sage mal vorneweg: das Buch lohnt den Kauf absolut! Was als ruhige, fast schon idyllische Familiengeschichte in Kanada auf einer Milchfarm beginnt, das entwickelt sich nach und nach zu einer sehr dichten, spannenden Geschichte die einen ganz gefangen nimmt – den ein Ereignis im Leben der Familie Ward, das Auftauchen des jungen “River” verändert alles – auf eine Art, die sich niemand vorstellen konnte. Ein unglaublich guter Roman den man wirklich ungerne aus der Hand legt. Für mich eine schöne Entdeckung, sehr empfehlenswert!

Die Hüter der Rose – Rebecca Gablé

Samstag, 26. Dezember 2009

Nachdem ich das Jahr mit “Das Lächeln der Fortuna” begann, erschien es mir nur logisch, es auch mit einer Gablé zu beenden – der Fortsetzung der Waringham-Trilogie nämlich. Hatte mir der erste Teil schon gut gefallen und mich durchaus vom historischen Roman überzeugt, so hat es dieser zweite Teil ehrlich gesagt noch viel besser geschafft. Die Hauptfigur war mir von Anfang an sympathisch, die Nebenfiguren und Akteure, rund um die Waringhams waren so bunt, so vielfältig aufgebaut, das es eine reine Freude war. Für mich, die sich in englischer Geschichte nicht so gut auskennt, kamen die Wendungen auch immer wieder sehr überraschen *hüstel*. Ich fühlte mich extrem gut unterhalten und der sehr dicke Wälzer hielt nur lange vor, weil ich in der Weihnachtszeit immer wenig Lesezeit habe…ich kann und werde Gablé also weiterhin empfehlen und freue mich jetzt schon auf den dritten Teil der Waringhams…

Was mich so fasziniert ist: trotz sehr vieler Namen und komplizierten Handlungssträngen verliert Gablé nicht einmal den Faden, ich musste das Personenregister nur 2 mal benutzen. Das sich im Leben die Hochs und Tiefs die Hand geben und sich auch durchaus wiederholen, ist auch hier nicht anders – aber so gut geschildert, das es einem vorkommt, wie eine lange Reise, mit liebgewonnenen Figuren. Und am Ende der Reise schaut man wehmütig auf das Buch in seiner Hand und fragt sich: Wie wird es wohl weitergehen..?

Frau Gablé, falls Sie dies übrigens irgendwann mal lesen sollten: ihr treuester Fan, der mich und viele, viele andere in unserer Lesegruppe erst dazu brachte, etwas von Ihnen zu lesen, ist Karolin aus Berlin…

Die Musik der Wale – Wally Lamb

Freitag, 20. November 2009

Was ein Wälzer. Und auf über 600 Seiten passiert unserer Hauptperson so ziemlich alles, was so schiefgehen kann. Glaubt man anfangs noch, das die Dinge für Dolores Price sich noch gut entwickeln werden, so entdeckt man mit Schrecken, das die Abwärtsspirale sich noch viel weiter nach unten drehen kann. Ich muss ganz ehrlich gestehen, das ich nicht so glücklich mit dem Roman war und nicht ganz warm mit ihm wurde. Es ist andererseits aber auch faszinierend, in wieviel Drama sich eine Person manövrieren kann und wie weit Menschen gehen…es ist ein wenig unentschieden mit diesem Buch: nicht verkehrt, aber auch für mich kein Buch über das ich Freudenschreie ausstoße. Am besten – selber lesen, über dieses Buch könnte man sicher gut diskutieren, also los ;-) .

Die Zwillinge von Highgate – Audrey Niffenegger

Sonntag, 08. November 2009

Ich fing dieses Buch an und die ersten 100 Seiten waren weg wie nichts – ein toller Stil, ein echter Page-Turner. Wie die meisten ahnen, wird Niffenegger auch diesmal ein phantastisches Element eingebaut haben – das muss man mögen, in jedem Fall eine Geschmackssache. Als Elspeth stirbt, hinterlässt sie eine große Wohnung in London, direkt am Highgate-Friedhof. Die Nichten ihrer Zwillingsschwester, mit der Elsbeth kaum noch Kontakt hatte, sollen die USA verlassen und diese für ein Jahr beziehen. Aber Elsbeth hinterlässt auch ihren Liebhaber, Robert, der den Mädchen das Einleben erleichtern soll. An alles hat Elsbeth gedacht – sie hat nur nicht damit gerechnet, selbst als Geist in der Wohnung zu verweilen…

Insgesamt musste ich lange nachdenken, wie ich das Buch fand. Ich fand die Geist-Elemente eigentlich sehr spannend und auch die Geschichte hatte genug Geheimnisse und Faszination. Einige Kleinigkeiten als auch Angewohnheiten der Protagonisten sowie die etwas unheimlichen Zwillinge machten es schwer, dem Buch uneingeschränkt eine Bestnote zu geben. Andererseits hatte ich es extrem schnell durch und auch genoßen. Einzig der Schluss, der sehr abrupt kam und mich ehrlich gesagt nach Luft hat schnappen lassen, hinterlässt einen etwas schalen Nachgeschmack. Trotzdem mit Abstand, hab es gern gelesen.

Die Karte meiner Träume – Reif Larsen

Dienstag, 20. Oktober 2009

Dieses Buch ist eines meiner absoluten Highlights dieses Jahr. Eigentlich müsste es der geneigte Leser jetzt einmal in die Hand nehmen um allein schon das ungewöhnliche Format und die Ausstattung zu spüren. Beim ersten Durchblättern…doch halt ich greife vor.

Unser Held ist T.S. Spivet der mit seiner schrägen Familie auf der Coppertop Ranch, irgendwo in Montana wohnt. Seine Schwester träumt von einer Karriere, weit ab von der Landwirtschaft, der Vater ist durch und durch Farmer und Westernfan. Seine Mutter selbst ist Wissenschaftlerin. Doch was ist nun so besonders an T.S? Er ist ein genialer Kartograph.

Die Geschehnisse auf der Ranch werden graphisch dargelegt, der Whiskeykonsum des Vaters in Diagrammen aufgezeichnet, er schickt detaillierte Flora und Fauna Zeichnungen an das Smithsonian, das große Naturwissenschaftsmuseum im fernen Washington. Eines Tages bekomtm T.S. den Anruf der alles verändert: aufgrund seiner Leistungen soll er den renommierten Baird-Preis erhalten und dafür nach Washington reisen. Was keiner der Museumsangestellten ahnt: T.S. ist erst 12 Jahre alt.

Er begibt sich auf eigene Faust auf eine abenteuerliche Reise, quer durch Amerika. Ein Roadtrip, auf den er uns mitnimmt, der einen mitreißt, der einen nicht kalt lässt. Wie dieser ungewöhnliche, kluge Kopf versucht anhand seiner Karten das Leben, Gefühle und Ereignisse zu erklären, das ist magisch, brillant und unbedingt lesenswert. Wer nun das Buch aufschlägt, wird sehen, das T.S. seitlich der Geschichte alles kartographiert, kleine Ereignisse „dazwischenerzählt“ und so dieses Buch noch mehr zu dem macht, was es ist – ein brillanter Roman!

Ohne etwas verraten zu wollen – mich hat das Buch gerade durch seine vielen Facetten bis zum Schluss gefesselt und durchaus einige Kehrtwendungen enthalten, wo ich nur sagen kann: Hut ab – ich wurde immer wieder überrascht. Was bleibt mir als zu sagen – ich liebe es!

Das Geisterhaus – Isabel Allende

Mittwoch, 15. April 2009

Wenn man dieses Buch in einem Wort beschreiben möchte, würde ich sagen: Opulent! Allende entwirft eine Familiensaga über 3 Generationen in Chile. Skurrile Personen, Geister, Prunk, Geheimnisse beherrschen dieses Buch. Am Anfang tat ich mich ein bisschen schwer, man muss sich auf das Buch einlassen und eine recht ausschweifende Erzählweise mögen. Hat man sich aber eingelesen, gibt es einige Stellen wo man sich so richtig festlesen kann und kaum aufhören kann. Auch wenn die Erzählweise langsam und gemächlich ist, schafft Allende es doch, einen sehr langen Spannungsbogen, auch durch viele Andeutungen, zu halten.
Nichts für zwischendurch aber für lange Schmökerabende – perfekt!

Die Mittwochsbriefe – Jason F. Wright

Sonntag, 01. März 2009

Jack & Laurel waren seit vielen Jahren verheiratet, leiten gemeinsam ein B&B. Alle dachten, das Jack, der an einem Tumor litt, vor Laurel stirbt, doch in einer Nacht sterben beide, Arm in Arm. Als ihre 3 Kinder anfangen, die Papiere zu sortieren, finden sie die „Mittwochsbriefe“ – Jack hat Laurel jeden Mittwoch einen Brief geschrieben. So wechselt sich erzählender Text mit Briefen ab und die sind wirklich richtig schön romantisch und zeugen von viel Arbeit und Liebe in dieser Ehe. Doch sie enthalten auch ein lang gehütetes Familiengeheimnis.
Eine einfache Sprache und liebenswerte Charaktere machen dieses Buch schnell lesbar, man ist gerührt und verfolgt die Geschichte mit Spannung. Ein bisschen sehr idealistisch, natürlich auch etwas kitschig ist es, aber an einem Regentag, allein auf dem Sofa stört das nicht wirklich…und eine kleine Überraschung birgt das Buch auch noch – fand ich eine tolle Idee!

Empörung – Philip Roth

Donnerstag, 01. Januar 2009

Wow! Mein erster Philip Roth und ich verstehe, warum der Mann so oft gelobt wird. Er hat einen sehr klaren Ausdruck, sehr einfach aber nicht ohne Anspruch. Erzählt wird in diesem kurzen Roman die Geschichte eines Metzgersohnes der im Jahre 1951, während des Koreakrieges, um der elterlichen Sorge zu entgehen, an ein weit entferntes College flieht. Klingt langweilig? Ist es aber nicht! Die verdrehten Moralvorstellungen, die eigentlich so “einfache Welt” verdeckt das im Getriebe ganz gehörig Sand steckt. Toller Stil, regt zum Nachdenken an und vielen Fragen. Richtig gut!

Unser allerbestes Jahr – David Gilmour

Donnerstag, 01. Januar 2009

Eine ungwöhnliche Geschichte, die, wie ich am Ende feststellte auf realen Erlebnissen beruht. Jesse möchte am liebsten die Schule hinschmeissen, hasst diesen Ort. Sein Vater erlaubt es ihm – er kann die Schule beenden, keine Miete zahlen, keinen Job annehmen nur eines – 3 Filme pro Woche mit ihm schauen. So entsteht eine sehr besondere, keineswegs geschönte Vater-Sohn Beziehung. Für Filmfans auf jeden Fall aber auch so kommt man auf seine Kosten. Ein ungewöhnliches Buch das ohne große Ereignisse daherkommt. Mal eine andere Art von Selbstfindung und sehr ehrlich.