Duell – Joost Zwagerman

Es gibt sie, diese Romane, bei denen Du schon nach dem kurzen Text in der Verlagsvorschau weißt – das wird was. Das wird etwas Großes. Du schreibst also eine e-Mail an den Verleger und bittest um ein Exemplar. Als es eintrifft, liest Du es in einem Zug durch, mit von Seite zu Seite wachsender Begeisterung und einem verschmitzten Grinsen im Gesicht, als Du es fertiggelesen hast.

Ein herrlich böser Ausflug in die Kunstszene und ihre menschlichen Abgründe. Was ist dran an der Kunst, was kann sie bewirken und wozu kann sie Menschen treiben? Ein Kokettieren mit Absichten und versteckten Motivationen und an dem ein oder anderen Seitenhieb wird auch nicht gespart.

Duell” ist einer jener seltenen Fälle, wo alles von Anfang bis zum Ende stimmt. Die ersten Sätze. Die Geschichte, die sich langsam entfaltet und immer mehr an Fahrt zunimmt. Es ist eines jener Bücher, welches man im Beratungsgespräch empfiehlt und was dann nach einem ersten Anlesen mit leuchtenden Augen zur Kasse getragen wird.

Wenn ich dieses Jahr nach einem Lieblingsbuch aus den Herbstneuheiten gefragt werde, steht “Duell” ganz oben auf meinem Zettel – und das mit Recht!

 

 

 

Frankfurter Buchmesse #fbm15

Eigentlich reicht ein Wort, für die Beschreibung der Frankfurter Buchmesse: Fabelhaft! Genauso fühlt es sich nämlich an, hier zu sitzen und an diese Tage zu denken, eigentlich ja nur 1,25, die sich dafür anfühlen wie mindestens vier ausgiebige Tage. IMG_20151016_122638

Fotos habe ich nur wenige mitgebracht dieses Jahr, zu sehr standen die Begegnungen im Vordergrund. Deshalb bekommt ihr dieses Jahr eine ganze Menge Links und Fotoverweise zu anderen Leuten, die Momente eingefangen oder aufgezeichnet haben. Und den ein oder anderen Tipp zu Büchern und Verlagen, der mir über den Weg gelaufen ist.

Auf dieser Messe habe ich alte Liebe neu entfacht – der Secession Verlag, die mich einfach glücklich machen, das Verlagshaus Berlin aus Berlin, für mich unangefochten die Rockstars der Verlagsszene, u.a. wegen solcher Fotos und der Edition Poeticon, der Verlag Hermann Schmidt (Will ich, brauch ich, ist das toll!), Matthes&Seitz, denen zu gratulieren eine Freude war – nicht nur als Verleger des Deutschen Buchpreis Gewinners sondern einmal mehr für ihre wunderschön gestaltete Naturkundenreihe. Beim Verbrecher Verlag fand ich dann noch ein farblich voll auf mich abgestimmtes Buch, was mich auch thematisch sofort interessiert hatP1290053 und noch mehr Kandidaten für die Wunschliste (Klick, Klick,)  LyrikvonJETZT3 aus dem Wallstein Verlag hat mich ebenfalls angelacht. Wegen dem Mairisch Verlag muss ich jetzt eigentlich doch wieder einen Plattenspieler anschaffen (Klick!) und eine für mich ganz neue Entdeckung war ein Festlesen am Voland & Quist Stand, den ich bisher nicht so auf dem Schirm hatte. Ich habe mich Hals über Kopf in die Texte von Nora Gomringer verliebt und auf der Wunschliste sind sofort diese Bücher gelandet (Klick, Klick, Klick!). Netterweise schlenderte ich später zurück zum Orbanismspace und stolperte geradezu über die Lesung vonIMG_20151017_083459 Sarah Bosetti, die aus “Mein schönstes Ferienbegräbnis” las. Eine ganz ausgesprochen witzige Lesung, die zum Schluss mit einem bisher unveröffentlichten Text endete, der mich absolut getroffen hat. Was für ein Talent! Die Autorin sagte, es würde ihn wohl bald bei Youtube geben – ich freue mich SEHR darauf, ihn dann zu teilen. Diese kleinen Erlebnisse, ungeplant und spontan, sind das Salz in der Messesuppe.

Es gab auch ganz viele Begegnungen mit interessanten Menschen. Zum einen auf dem Buchbloggertreffen im #orbanismspace, organisiert von Papiergeflüster, die ich bei dieser Gelegenheit endlich auch mal treffen konnte. Auch wenn die Zeit nicht ansatzweise gereicht hat um alle zu treffen (oder zu erkennen) so habe ich es sehr genoßen, mal im “echten Leben” mit Buchrevier, Lustzulesen, 54Stories, Brasch Buch, SteIMG_20151016_145310fan Mesch, Christiane Frohmann, Bookmarksmag, LeckerKekse, teekesselchenhh, SoundsandBooks, Cafehaussitzer, Zwinkerlings Bibliothek, Die Buchbloggerin, die Geschichtenagentin und den zwei Ladies von Herzpotential und einigen anderen zu schwatzen, Tina von Lovelybooks an der Frisur zu erkennen ;-)  und natürlich Fantasie & Träumerei, glasperlenspiel13, Alexandra vom Bücherkaffee, Bibliophilin und textverliebt wiederzusehen.  (Manchmal gibt es auch Begegnungen von Dingen. Manchmal.)

Und am Donnerstag gab es ja ein sehr herzliches Murakami-Pläuschchen bei Dumont (habe es sehr bedauert, nicht zur Party zu können, aber nun, Krank gehört man irgendwann ins Bett!) und das ausgesprochen schöne Treffen mit dem Team von Was liest Du (Mayersche), Maren und Torsten, zu dem Felix von Bookmarksmag dazustieß. Auch ein sehr schöner Austausch über Literatur, Aktionen und Menschen mit Leidenschaft für unsere Branche.

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Die Anschlussveranstaltung unter dem Hashtag #hasufi15 – Verlage treffen Literaturblogger kann ich schwer beurteilen. Einen Teil habe ich leider verpasst, aber selbst als ich anwesend war, war es schwer zu folgen, es war laut und trotz Mikrofon konnte man hinten nur fetzenweise folgen. Aber auch im anschliessenden Gespräch mit dem Publikum war die allgemeine Stimmung eher verhalten, vielleicht auch, weil die Erwartung eher anders war, mehr ein Miteinander, statt Diskussion vorn, Blogger hören zu – denn in dieser Runde erstaunte es schon, dass kein Blogger von Anfang an in der Gesprächsrunde saß.

Das es ganz anders geht, bewies die eindrucksvolle Veranstaltung vom Booksmarkmag. Leider fand diese Veranstaltung am Samstag statt, da hätte ich sehr gerne danach nochmal mit den Anwesenden weiterdiskutiert. So eine angenehme, gut gemischte Runde, toll gesprochen! Zwischen Feuillton und Haul  MEHR DAVON!

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Stephan Urbach trifft Heidi Gebhardt (c) Peter Wenz

Ein weiteres Messehighlight, die kurze Fotosession von Peter Wenz mit Stephan Urbach und mir und das kleine Treffen Hanauer Autoren ;-)  Manchmal ist die Messe sehr groß und dann doch wieder so klein. Ein schönes Zusammentreffen und ein kleiner Ruhepol im trubeligen Messerummel.

 

 

Stephan Urbach und Pinkfisch (c) Peter Wenz

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Danach ging es dann zum Messeausklang: die Virenschleuder-Preisverleihung. Schön aufgemacht und auch hier wieder, einige nochmals treffen, zwanglos ins Gespräch kommen und eigentlich gar nicht gehen wollen. Leute treffen, denen man auf Twitter schon Bücher empfohlen hat (und sie dann auch noch erkennen, wenn man neben ihnen steht) und ja, einfach mit Menschen reden, denen das Buch genauso wichtig ist wie einem selbst. Normalerweise trennen uns alle viele Kilometer, wir verfolgen uns auf Instagram, Facebook und Twitter – aP1290102ber zweimal im Jahr rückt alles zusammen. Wie könnte man das nicht feiern?

Wie jedes Jahr ist die Messe wieder ein guter Impulsgeber, ein Motivationsschub und ein Anstoß. Die Runde wird größer und ja – wir sehen uns alle (und noch mehr) hoffentlich bald wieder, in Leipzig!