Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln – Christoph Peters

Ein ruhiges, sehr zartes Buch. Wer wie ich die japanische Langsamkeit mag, die Ruhe und die Rituale, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Christoph Peters dürfte ich einmal nach einer Lesung kennenlernen und er erzählte von seinen Recherchen und seinem großen Interesse für Japan, weshalb klar war – das Buch muss ich lesen! Der Kulturclash zwischen dem japanischen Ofenbauer und der doch eher rustikalen Dorfgemeinschaft hat seine Schmunzelmomente, vorallem gefällt mir aber die absolute Konzentration auf das seltene Thema.

Wovon wir träumten – Julie Otsuka

Dieser Roman hebt sich von der Masse ab, denn er hat nicht einen oder mehrere Erzähler, er hat ganz viele. Die unterschiedlichsten Stimmen japanischer Frauen erzählen, teilweise nur in einem Satz, bevor eine andere den Faden aufnimmt, von ihrer Ankunft in den USA, in den zwanziger Jahren, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Dass sich ihre Vorstellungen mit der Realität nicht decken, das müssen sie alle feststellen. Gerade durch diesen seltenen Erzählstil kommt das Buch sehr eindringlich daher, wie ein Chor der Erlebnisse, dem man gerne lauscht.

Der Elefant verschwindet – Haruki Murakami

Ein Buch mit Geschichte: vor vielen Jahren verliehen und nie zurückbekommen. Immer die leere Stelle neben seinen Artgenossen bedauert. Jetzt ist es durch einen schönen Zufall als Geschenk wieder in mein Regal zurückgekehrt und musste daher gleich nochmal gelesen werden (wieder genauso schön, schräg und verzaubernd wie damals!). Und noch einen Sonderstatus hat es jetzt: Buch 100 im Lesejahr 2014!

Hello Kitty: Ein Phänomen erobert die Welt – Andreas Neuenkirchen

Es dürfte kein großes Geheimnis sein, dass Hello Kitty in meinem Universum eine gewisse Rolle spielt Ein ganzes Buch über die japanische Katze – das musste natürlich gelesen werden. Und ich finde, es wird der stets gutgelaunten Katze gerecht – denn es beschränkt sich nicht darauf, einzelne Fakten herunterzurattern, es blickt hinter die Kulissen, auf die Entstehung und Entwicklung dieser Figur und ihren weltweiten Erfolg. Noch dazu von einem Mann verfasst, der Hello Kitty mit einem gewissen Forscherdrang aber auch Wohlwollen gegenübersteht. Kritische Töne finden in diesem Buch allerdings ebenso Gehör. Für mich eine wirklich spannende und interessante Lektüre, nach der ich wieder wusste, warum ich ganz öffentlich auch nach der Teenie-Zeit zu meiner Zuneigung zu Hello Kitty stehen kann ;-).

Geschichte für einen Augenblick – Ruth Ozeki

Für mich eines der packendsten Bücher im Frühjahr – hier stimmte einfach alles. Ein wenig meiner Begeisterung ist meiner Japanvorliebe geschuldet, aber ich glaube, auch andere Leser werden ihre helle Freude an dieser ausgefallenen Geschichte eines japanischen Teenangers und einer Schriftstellerin, getrennt durch ein großes Meer, haben. Eine richtige Entdeckung für mich, ein Buch, welches ich gerne im Regal stehen sehe, weil es mich an glückliche Lesestunden erinnert.

Heilige Mörderin – Keigo Higashino

Nach “Verdächtige Geliebte” waren meine Erwartungen naturgemäß sehr hoch. Und Higashino hat sie, zum meinem großen Glück, nicht enttäuscht. Ein wenig anders setzt sich diesmal das Team zusammen, aber das war nur eine kurze Irritation. Die japanische Art zu ermitteln unterscheidet sich deutlich von jenen, die wir aus nordischen, deutschen oder amerikanischen Krimis kennen. Ein wenig Geduld muss man mitbringen, sich auf den Roman einlassen. Dann allerdings wird man belohnt, denn die Auflösung glich für mich einem echten Glanzstück – von langer Hand ermittelt und dargelegt. Chapeau!

Die Pilgerjahre des farblosen Herr Tazaki – Haruki Murakami

Haruki Murakami ist ein besonderer Autor. Seit zehn Jahren ist er die Antwort auf die Frage nach meinem Lieblingsautor – diesen Sonderstatus wird er wohl immer haben. Gerade ist sein neuer Roman erschienen. Im Versuch, dieses wirklich wundervolle Buch beschreiben zu wollen, fehlen mir fast die Worte – aber nur fast. Ein dichtes, atmosphärisches Buch, welches mir mit eindrucksvollen Figuren und Gefühlen ein ganz außergewöhnliches Leseerlebnis bereitet hat. In seiner feinen und unnachahmlichen Art erzählt uns Murakami eine Geschichte von Freundschaft, Verletzungen und Schatten der Vergangenheit. Wer Haruki Murakami bisher noch nicht kannte, sollte sich auf diese Reise machen um einen der größten Autoren unserer Zeit kennenzulernen.

Das Museum der Stille von Yoko Ogawa

Dieses Werk von Ogawa kommt etwas ruhiger daher, der Geschichtenverlauf packt einen eher langsam – ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder auf Anhieb in das Buch findet. Mir hat es aber wieder gut gefallen, wenn ich auch zum Einstieg eher “Das Geheimnis der Eulerschen Formel” empfehlen würde. Yoko Ogawa hat sich in meinem Bücherregal definitiv einen Platz erobert, der bleiben wird.

Der zerbrochene Schmetterling – Yoko Ogawa

Die erste, klitzekleine Anmerkung, die ich zu dieser Autorin mache: auch dieser Kurzgeschichtenband ist wieder ein Guter. Aber er hat mich nicht ganz so berührt, wie die vorherigen, was für mich aber keine Abwertung darstellt, auf keinen Fall. Es hat nur (wie es ja so oft in Büchern ist) einfach aus persönlichen Gründen nicht so Klick gemacht, wie bei anderen Geschichten, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben. Aber kein Grund, nicht noch alle anderen Bücher dieser Autorin zu kaufen, nein, nein.

Das Ende des Bengalischen Tigers – Yoko Ogawa

Da ist es wieder – Kurzgeschichten! Noch dazu sind sie nur lose miteinander verwoben, was meiner Meinung nach sehr verwirrend und fürchterlich enden kann. Aber – wir sind ja hier bei Yoko Ogawa zu Gast. Und bei ihr – ist es schlicht wundervoll. Was mich diese Geschichten angerührt haben, so einige Bilder haben sich fest bei mir eingebrannt, wie sie mit leisem Pinselstrich die Menschen zeichnet… und sie dort wieder auftauchen, wo man sie nicht erwartet, Dinge geschehen, die man nicht erklären kann – definitiv ist diese Autorin eine, die man gelesen haben sollte! Ich schreibe es nochmal: Wundervoll!