Alles, was ich bin – Anna Funder

Ich versuche, meine Worte mit Bedacht zu wählen. Denn ich habe hier beileibe kein Buch vor mir liegen, welches mich nicht interessiert hätte. Und doch tat ich mich schwer. Was sicherlich nicht am Schicksal der Figuren lag: jeder einzelne Mensch, der soviel erleiden und durchstehen musste, hat verdient, dass seine Geschichte erzählt wird, seine Stimme gehört wird. Vielleicht hätte mich der Text als Sachbuch mehr angesprochen (die Autorin hatte mit “Stasiland” bisher ja auch als Sachbuchautorin Erfolg), als Roman empfand ich ihn teilweise etwas sperrig, er lief nicht rund. Möglicherweise lag hier die Schwierigkeit, denn sie arbeitete sowohl mit der wahren Begebenheit und Quellen, als auch mit Fiktion um die Lücken zu füllen.

24 weihnachtliche Geschichten – Diana Steinbrede (Hrsg.)

Mein diesjähriger Adventskalender, der mir wiedermal gezeigt hat, warum ich seit Jahren dieses Werk aus dem Boje Verlag kaufe: tolle Kinder und Jugendbuchautoren sind hier versammelt, die Geschichten sind mal ernst, mal witzig und immer fühlt man sich ein Stückchen weihnachtlicher nach dem Lesen. Wieder sehr gelungen!

Die Glücksbäckerei: Die magische Prüfung – Kathryn Littlewood

Wie auch schon der erste Teil bezaubert auch diese Fortsetzung wieder mit kreativen Backwerken und tollen Einfällen der Autorin: diesmal verlässt die Familie Glyck ihre Heimat in Richtung Paris, zu den Backmeisterschaften. Dort läuft allerdings nicht alles rund und die Familie muss ihre gaze Kreativität und Liebe zum Backen aufbringen, um dort zu bestehen. Ein Kinderbuch, dass man einfach nur rundherum gerne empfehlen möchte!

Herr und Frau Hase: Die Superdetektive – Polly Horvath

Schräg, Schräger – Polly Horvath. Wer wirklich das „ganz andere“ Kinderbuch sucht, ist hier definitiv richtig. Allerdings wurden selbst mir ab und an die sprudelnden Einfälle der Autorin etwas zuviel – ich habe mich zwar bestens amüsiert, habe mich aber doch gefragt, ob Kinder hier einfach die Fantasie und herrlich andere Welt genießen beim Lesen oder doch eher etwas verwirrt werden. Würde ich nur geübten Lesern empfehlen.

Stella Menzel und der goldene Faden – Holly-Jane Rahlens

Das ist ein Buch, mit dem man sich, zusammen mit seinen Kindern hinsetzen möchte und es immer und immer wieder vorlesen möchte. Am besten natürlich, unter einer mitternachtsblauen Decke mit silbernen Sternen, zusammengehalten von goldenem Faden… Fast ist es mir, als würde ich die Stimme von Stellas Großmutter hören, wie sie Stella immer wieder die Geschichte dieses besonderen Stoffes erzählt, die so viel früher begann: als Überwurf, als Tischdecke, als Vorhang, als Kuscheldecke, als Kleid…(aber ich will ja nicht alles verraten). Eine warme Familiengeschichte darüber, was wichtig ist und was bleibt. Und das auch aus dem kleinsten immer wieder etwas neues entstehen kann. Wunderschön!

Die wilden Piroggenpiraten – Maris Putninš

Ein mehr als nur leckeres Abenteuer. Herrliches Fabulieren, wunderbare Bilder im Kopf, Gewürze in der Nase, Hunger im Bauch, die ganze Zeit über. Ein Sieg der Phantasie, eine wilde Abenteuergeschichte und über 600 Seiten kulinarischer Lesespaß! Einzig die Leseempfehlung ab 8 Jahren kann ich so nicht teilen: das Buch ist schon enorm anspruchsvoll und durch seine Dicke dürfte es Leseanfänger vielleicht etwas einschüchtern. Aber geübte Leser ab 10 dürften hier voll auf ihre Kosten kommen – oder gemeinsames Vorlesen, denn die Eltern werden ihren Spaß dabei haben, das kann ich garantieren!

Die Glücksbäckerei: Das magische Rezeptbuch – Kathryn Littlewood

Ein zauberhaftes Kinderbuch mit gelingsicheren Zutaten: einer leicht chaotisch-sympathischen Familie, einer Bäckerei, der magische Kräfte zugeschrieben werden und einer ungewohnten Situation, die mit viel Kreativität gemeistert wird und aus der alle Familienmitglieder ein klein wenig anders hervorgehen. Schön geschrieben, ein wirklich liebenswürdiges Cover, was die jungen Leser bei uns im Laden immer geradezu “magisch” anzieht – feines Buch!

Wunder – Raquel J. Palacio

Dieses Buch nimmt einen von der ersten Seite an für sich ein. Der Ich-Erzähler August, der sein Aussehen so beschreibt, dass man es sich nichtmal so schlimm vorstellen könnte, wie es wirklich ist. Sein Gesicht ist von Geburt an und trotz vieler Operationen „entstellt“ und August muss von Kindesbeinen an Blicke, Geflüster, Lästereien und Unsicherheiten erleben. Was dieses Buch besonders macht? Zum einen ist es August, der sich dem ganzen unerschrocken stellt und auch nach Tiefschlägen wieder aufsteht und eine erstaunliche Sicht der Dinge aufweist. Aber auch die Menschen, die mit August in Kontakt stehen, kommen zu Wort und so ergibt sich für den Leser eine Sicht auf das grosse Ganze. Zum Schluss hin standen mir die Tränen in den Augen und ich dachte noch: Mensch, das ist jetzt aber ein wenig dick aufgetragen. Und dann dachte ich: Was für ein Blödsinn. Ich will solche Bücher! Ich will Bücher die mich zum Weinen bringen, Bücher wo ich die Hand in die Luft strecke, zur Faust geballt und JAAAA brülle, weil es sich gut ausgeht. Weil es mich berührt, weil ich will, dass solche Dinge geschehen und passieren können und dass es stets Menschen mit großen Herzen und klugem Verstand geben wird. Oh ja!