Waffelsommer – Polly Horvath

Gewohnt skurril entwirft Horvath hier eine etwas andere Sommergeschichte rund um verschwundene Eltern und ein einsames Mädchen. Ich lese sie wirklich gerne, frage mich aber, ob die Zielgruppe (10 bis 12 Jahre) wirklich schon die großzügig gestreute Ironie der Buches erfassen kann. Die Autorin ist schon sehr speziell, ich empfehle sie aber gerne für geübte Leserinnen und Leser, die etwas anderes lesen möchten als Mainstream.

Kirschen im Schnee – Kat Yeh

Ach! Was war das für ein FABELHAFTES Jugendbuch. Lange habe ich keines mehr gelesen, was mich so glücklich gemacht hat. Eine zu Herzen gehende Geschichte garniert mit leckeren, liebevollen Rezepten. Wendungen mit denen der Leser so nicht rechnet und über all dem dieses Funkeln, was nur die speziellen Bücher haben. Ich liebe es, wenn ein Buch in der Lage ist, mich zu überraschen und glücklich zu machen. Hach!

Morgen vielleicht – Jessica Soffer

Liebe geht durch den Magen, so heisst es. Lorca wünscht sich eigentlich nichts mehr, als von ihrer Mutter, einer begnadeten Köchin wahrgenommen zu werden. Ein Lieblingsgericht der Mutter, an einem besonderen Ort genossen, scheint die Lösung zu sein. Dieser Roman ist vielschichtig und viel weniger vorhersehbar, als ich es zu Anfang erwartete. Denn ausser Lorca begegnen wir auch noch Victoria, deren Leben sich gerade im Aufuhr befindet. Kochen, Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe – eine Familientragödie, ein Buch über die Leidenschaft beim Kochen, ein New York Roman – dieses Buch hat wunderbar viel zu bieten!

Angerichtet – Herman Koch

Ein Essen im 5-Sterne Restaurant ist angerichtet. Dort treffen 2 Brüder und ihre Frauen aufeinander. Oberflächlich sieht es nach einem normalen Abend aus, der übliche Ablauf ist durchkomponiert…aber auch die Kinder der Ehepaare haben etwas angerichtet…und der Leser erwischt sich dabei, wie er immer mehr die Luft anhält und die Katastrophe unaufhaltsam ihren Lauf nimmt, so sicher wie der Maitre die einzelnen Gänge in epischer Breite anpreist. Angerichtet stellt die Vorstellungen von Moral und Werten in Frage, fordert den Leser heraus, ist manchmal erstaunlich witzig, fast schon slapstickartig, tischt eine Szenerie auf die es so bisher nicht gab  – ein äusserst gut gemachter, toll geschriebener Roman der schockieren will – das hat er geschafft!

Familienalbum – Jools Oliver

Ein pinkes Buch, noch dazu von einer sympathischen Frau geschrieben die zufällig mit Jamie Oliver verheiratet ist. Jools beschreibt dort die Zeit ihrer zwei Schwangerschaften und das Leben zu dritt, bzw. zu viert. Das Buch war toll geschrieben, sehr lebensnah und ehrlich, nicht “perfekt” und unecht. Die Olivers wirken wie eine klasse Familie mit den üblichen Sorgen und Nöten, die das Leben aber so nehmen wie es kommt. Ich hatte großen Spaß mit dem Buch, was vorallem auch daran liegt, das man das Gefühl hat, Jools Oliver nach den ersten Seiten zu kennen und das sie über sich selbst und so einigen Unsinn, den sie während der Schwangerschaft anstellt, lachen kann. Bin sehr positiv überrascht, oftmals sind die Bücher der “Stars” ja doch eher seicht – dieses hier nicht!

Der Koch – Martin Suter

Mal wieder ein Geniestreich von Suter – ich bin hingerissen und begeistert. Dieses Buch war viel zu schnell gelesen, zum Schluss hin dachte ich: Mensch, da könnten doch ruhig noch 100 Seiten kommen…oder auch 300…es hätte mich nicht gestört. Wie der Titel schon vermuten lässt, dreht sich diesmal alles um einen Koch. Nur das dieser leider als Küchenhilfe schuftet, weil sein wahres Talent in der Schweiz nicht erkannt wird – dort ist er in der langen Hierachie der Küche als Einwanderer ganz unten. Suter vermischt meisterhaft Rezepte und sinnliche Beschreibungen des Kochens mit der Weltwirtschaftskrise, der unhaltbaren Situation in Sri Lanka und einigen ganz persönlichen Schicksalen im Kreise der Menschen rund um “den Koch”… eine ungewöhnliche Geschäftsidee und der gewohnte Witz von Suter runden das Menü zu einem 5-Sterne Buch ab…!

Erscheint im Februar 2010