Wie ein Wanderer in mondloser Nacht – Dai Sijie

Erscheint im August 2009!
Nachdem ich ja von “Balzac und die kleine chinesische Schneiderin” so überaus begeistert war, habe ich mich voller Vorfreude auf das Leseexemplar vom neuen Sijie gestürzt! Die Verlagsvertreterin warnte mich etwas vor, die ersten 60 Seiten wären ein wenig holprig, aber das würde sich dann geben. Es ist schwierig dieses Buch zu fassen: es hat wundervolle, sehr intensive Passagen, es ist sehr speziell, es taucht tief ein in eine Kultur und deren Künste und Eigenheiten, die mir als Westler sehr fremd sind. Und immer wieder – diese Sprache! So kunstvoll und schön. Was es für mich trotzdem schwierig machte, sind viele Geschichten innerhalb der Geschichte, viele, viele Namen, zuwenig von der (durchaus toll konstruierten) Handlung. Diese spielt zwischen einer französischen Studentin und einem chinesischen Gemüsehändler, die eine gemeinsame Suche verbindet…Manchmal musste ich mir einen kleinen Ruck geben, um weiterzulesen. Ein nicht so leichtes Buch und trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben – denn die kleinen Perlen innerhalb es Buches machen es lesenswert. Dazu ein wunderschöner Titel, eine tolle Gestaltung von Piper….bei Büchern gibt es eben nicht nur Gut oder Schlecht. Trotzdem reicht es einfach nicht an “Balzac…” heran, was mich sehr begeistert hatte.

Frau Paula Trousseau – Christoph Hein

Ein wirklich, wirklich tolles Buch. Am Ende war ich richtig geschafft, fast schon deprimiert, aber auch sehr beeindruckt. Paula setzt sich im Laufe ihres Lebens gegen alle durch: ihre Eltern, ihre Männer – und lebt und liebt doch nur die Kunst. Das ist mehr als die Geschichte einer Emanzipation. Das ist Drama, das ist klare Linienführung, das ist ein Roman über Kunst, eine Familiengeschichte, Liebesgeschichte am Rande. Auch wenn Paula soviele Fehler macht – oder auch nicht, je nach Blickwinkel – sie wirkt trotz ihrer Kälte ungeheuer menschlich.

Hat mich wirklich sehr gefesselt. Wer bereit ist, sich auf ein trauriges, aber sprachlich so lesenswertes Buch einzulassen, der wird hier belohnt!

Der letzte Weynfeldt – Martin Suter

Grandios. Hatte dieses Jahr meine totale Suter-Phase. Der Mann ist echt ein Genie. Schlanke Plots, tolle Figuren, immer ein halber Krimi im Hintergrund und SO raffiniert gemacht – herrlich. Hintergrund: Ein Kunsthistoriker lernt eine junge Frau kennen, die nach der ersten Nacht schon von seinem Balkonfenster springen will – danach ist sie in seinem Leben präsent, ob er will oder nicht. Nebenbei hat er noch mit einem versuchten Kunstbetrug zu tun – alles virtuos verwebt. Absolut empfehlenswert!