Die Doors und Dostojewski – Susan Sontag

Heute geht ein großes Lob an Karla von der Buchkolumne. Ohne sie wäre ich nämlich nicht zu diesem Buch gekommen. Von alleine hätte ich wohl kaum zu Susan Sontag gegriffen, deren Name mir zwar bekannt ist, die ich mir aber “nicht zugetraut” habe. Und dann dieser Interview-Band: eine kleine Offenbarung. Was für eine kluge, gewitzte und vielschichtige Frau! Der Titel sagt es eigentlich: “The Doors und Dostojewski”. Mein Mann sagte vor dem Traualtar zu mir, ich sei die einzige Frau, die er kenne, die Literatur und Popkultur gleichermaßen in sich vereint. Dieses Interview (neben einigen anderen AHA-Momenten) hat mich auch darin wieder bestärkt…ich werde dazu ganz sicher noch einen kleinen Artikel schreiben. Bis dahin: lest dieses wunderbare Buch!

Kindeswohl – Ian McEwan

Über dieses Buch haben wir im Buchladen durchaus leidenschaftlich debattiert. Ich würde mich definitiv als McEwan-Fan bezeichnen, meine Kollegin auch. An diesem Buch haben wir uns aber entzweit Während für mich der rote Faden nicht richtig herauskam, ich die beiden Hauptthemen jeweils als nur halbherzig behandelt empfand, ging es meiner Kollegin genau andersherum. Sie fand gerade diese Zerissenheit zwischen Privatem und Beruflichem der Hauptperson reizvoll. Zwischendrin, Passagen, die uns beide begeistert haben. Diese konnten es für mich zum Schluss, allen Gegenargumenten zum Trotz nicht mehr rausreißen…

Ein ganzes Leben – Robert Seethaler

Über dieses Buch ist soviel gesagt und geschrieben worden, da kann ich mich kurz fassen: ja, die Empfehlungen sind gerechtfertigt. Seethaler macht nicht viele Worte, ist ein genauer Beobachter und lässt hier ein ganzes Leben auf wenigen Seiten entstehen. Ein Buch, dessen Verkaufszahlen absolut gerechtfertigt sind. Mich hat es nicht zu 100% überzeugt, was ich in diesem Fall aber meiner mangelnden Begeisterung für die Berge zuschreibe

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe – A.J. Betts

Nachdem viele Jugendbücher nach dem großen Erfolg John Greens damit warben, ganz ähnlich zu sein wie “Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, war meine Lust auf eine solche Lektüre schon stark gedämpft. Trotzdem habe ich zu diesem Buch gegriffen – und habe es nicht bereut. Hier finden sich doch ganz andere Töne als bei Green. Den Vergleich mit Green hat die Autorin garnicht nötig – sie hat ihre eigene Stimme gefunden und ich empfehle sie im Jugendbuch gern!

Die wundersame Beförderung – Vikas Swarup

Swarup ist ein Garant für unterhaltsame Geschichten. Seine in Indien spielenden Romane tragen stets ein Augenzwinkern in sich und erzählen rasant vom Leben der unterschiedlichsten Landsleute. Als Sapna Sinha die wohl ungewöhnlichste Beförderung aller Zeiten angeboten wird, wittert sie eine Falle. Aber was auf das Angebot folgt, das hätte sich die junge Frau wohl in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt.  Swarup begibt sich wieder auf eine verrückte Reise, bei der ich nur zu gerne auf dem Beifahrersitz sitze.

Sag nicht, dass Du Angst hast – Giuseppe Catozzella

Eine tragische Geschichte einer jungen Sportlerin, die leider auf wahren Begebenheiten fußt. Eine ganz andere Welt, hinter dem Olympiareigen und der Show werden junge Menschen sichtbar, für die der Sport oft die einzige Möglichkeit ist, ihre Lebensbedingungen zu verändern. Ein bisschen schwierig ist es immer, eine Geschichte, die journalistisch recherchiert wurde, in dieser romanhaften Art zu lesen, das wird wohl nie ganz meines werden.

Sonntags bei Sophie – Clara Sternberg

Eine Bauchentscheidung: das Cover so pink und verspielt wie es desöfteren bei mir zuhause aussieht. Im Prinzip auch nicht wirklich enttäuscht worden: ich habe einen etwas rührenden Roman über Freundschaft und Krankheit erwartet und diesen auch bekommen. Wie sehr am Rande zum Kitsch er sich bewegte, hängt wohl auch von der jeweiligen Leserin ab.

Defender – Andreas Steinhöfel

Endlich habe ich sie gelesen: die Kurzgeschichten, die zum Teil auf Figuren aus “Die Mitte der Welt” basieren. Man kann DMDW sicherlich auch ohne das Wissen aus diesen Geschichten lesen. Aber wenn man den Roman kennt, dann ist es ein tolles Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren. Es ist ein leises Schauen hinter die Kulissen, ein Mehr-verstehen von der ein oder anderen Handlung. Und auch die Geschichten ohne Bezug zur MDW haben mich berührt – Steinhöfel ist ein grandioser Beobachter.

Murakami und die Melodie des Lebens – Jay Rubin

Wer Haruki Murakami liebt, muss dieses Buch lesen, welches leider nur noch antiquarisch zu erwerben ist. Eine solche Fülle an Hintergrund zum Werk Murakamis, dabei in engener Zusammenarbeit mit dem Autor. Es hat nichts voyeuristisches, es ist wie eine neue Brücke, die Jay Rubin (einer seiner amerikanischen Übersetzer) uns zu seinem Werk schlägt. Zusammenhänge werden klarer, das Schaffen Murakamis bis 2004 wird begleitet. Ein sehr, sehr lesenswertes Buch, nach dessen Lektüre ich am allerliebsten jedes einzelne Buch von Murakami nochmal lesen wollte!