Zwölf mal Juli – Astrid Rosenfeld

Dieses schmale Büchlein enthält zwölf Miniaturen. Sie sind auch gelungen, haben einen ganz eigenen Zauber. Aber ich scheine nicht unbedingt der Mensch für Miniaturen zu sein… Juli schlüpft mir immer wieder durch die Finger, zurück auf die Seiten, ich komme ihr nicht so richtig nah und wir trennen uns voneinander, ohne dass wir uns wirklich berührt haben. 

Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck? – Maryanto Fischer

Maryanto Fischer hat lange in Hanau gewohnt und hat viele Jahre als Kulturredakteur beim Hanauer Anzeiger gearbeitet. Nun hat er seinen ersten Roman veröffentlicht. Damit ist ihm ein ganz neuer Blick auf  den Kosmos Schule gelungen. Wir begleiten Désirée Steinbeck in ihrem Alltag als Schulsekretärin – und der hat es in mehr als einer Hinsicht in sich. Der besondere Charme des Buches liegt auch darin, dass all die versammelten Geschichten, die sich im Buch in die Handlung einreihen, in langer Recherche von Maryanto zusammengetragen worden sind – also einen wahren Ursprung haben. Maryanto schreibt witzig, schwungvoll und das Buch hat großes Schmunzelpotential.

Nachdem ich Maryanto bereits als Journalist und Blogger oft und gerne gelesen habe, freue ich mich umso mehr, dass er auch die Langform für sich entdeckt hat – und das erfolgreich! Es bleibt nur zu sagen: Jede Schule sollte eine Frau Steinbeck haben. Und wenn das nicht so ohne weiteres geht, dann zumindest ein Exemplar von “Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck” in der Schulbibliothek!

Neues von den Penderwicks – Jeanne Birdsall

Endlich ein Wiedersehen mit den Penderwicks! Diese Reihe gehört für mich mit zu den schönsten, die es die letzten Jahre im Jugendbuch gab. In diesem Band werden die Schwestern alle ein wenig erwachsener und ich schaue ihnen mehr als gerne dabei zu. Jeanne Birdsall hat wunderbare Ideen und man spürt, dass auch sie ihre Charaktere ins Herz geschlossen hat. Wer die Penderwicks noch nicht kennt, kann jetzt gleich alle Bände am Stück lesen und sich damit sehr, sehr glücklich machen!

Besser jetzt als irgendwann – Lauren Graham

Ich werde Lauen Graham wohl immer verehren für ihre vielen Jahre als Lorelai Gilmore, denn dort hat sie einen fantastischen Job gemacht. Ob sie auch schreiben kann? Ich war gespannt. Insgesamt hat mich der Roman nicht vom Hocker gehauen, allerdings habe ich in der Sparte schon deutlich schlechteres gelesen und das Buch hatte Witz und Charme. Nettes Wohlfühlbuch.

Kindeswohl – Ian McEwan

Über dieses Buch haben wir im Buchladen durchaus leidenschaftlich debattiert. Ich würde mich definitiv als McEwan-Fan bezeichnen, meine Kollegin auch. An diesem Buch haben wir uns aber entzweit Während für mich der rote Faden nicht richtig herauskam, ich die beiden Hauptthemen jeweils als nur halbherzig behandelt empfand, ging es meiner Kollegin genau andersherum. Sie fand gerade diese Zerissenheit zwischen Privatem und Beruflichem der Hauptperson reizvoll. Zwischendrin, Passagen, die uns beide begeistert haben. Diese konnten es für mich zum Schluss, allen Gegenargumenten zum Trotz nicht mehr rausreißen…

Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden – Raymond Carver

Das Jahr begann mit Kurzgeschichten – und was für welchen! Carver und Murakami werden oft in einem Atemzug genannt und das nicht von ungefähr, weshalb ich das Buch auch vor Jahren kaufte. Während ich seine Geschichten nun endlich las fragte ich mich: warum habe ich so lange gewartet?! Kurzgeschichten haben mich noch nicht oft überzeugen können, aber dieser Band hat mich umgehauen und begeistert, diese verdichtete Atmosphäre, die wenigen Striche mit denen Carver hier Szenarien entwirft, er packt mich, er rüttelt mich wach, kurz: ganz, ganz große Kurzgeschichtenempfehlung!

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe – A.J. Betts

Nachdem viele Jugendbücher nach dem großen Erfolg John Greens damit warben, ganz ähnlich zu sein wie “Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, war meine Lust auf eine solche Lektüre schon stark gedämpft. Trotzdem habe ich zu diesem Buch gegriffen – und habe es nicht bereut. Hier finden sich doch ganz andere Töne als bei Green. Den Vergleich mit Green hat die Autorin garnicht nötig – sie hat ihre eigene Stimme gefunden und ich empfehle sie im Jugendbuch gern!