About my Shelf – Hrsg. von Maggie Gernatowski

Ich warne euch vor – wenn ihr dieses Buch zur Hand nehmt, plant entsprechend vor und vor allem genug Zeit ein. Einen Stift und das Notizbuch: zum Notieren der Bücher, die ihr nun lesen möchtet. Und: Lautsprecher und das Musikportal eurer Wahl um euch stundenlang durch die Musiktipps zu hören.

20160202_183858

Was habe ich dieses Kleinod gerne durchgeblättert und gelesen! Die Grundidee ist einfach.

10 Musikerinnen und Musiker erzählen uns etwas über ihre Bücherregale.

10 Autorinnen und Autoren erzählen uns etwas über ihre Plattenregale.

Dabei kam ein ganzer Schatz an Empfehlungen heraus, die durch das luftige und klare Layout leichtfüßig daherkommen. Eine grobe Form ist vorgegeben und doch hat man viel mehr das Gefühl, einem Gespräch zu lauschen als ein Interview zu lesen. Man gerät ins Stöbern, entdeckt komplett Unbekanntes und freut sich, wenn man gar bei einem geliebten Autor eine musikalische Gemeinsamkeit entdeckt ;-)  Ich liebe solche Bücher, die mir einen Einblick erlauben und mir etwas über Menschen erzählen, mit der der gleichen Leidenschaft für ihre Regalinhalte.

20160202_183952

Und daher gibt es jetzt auch gleich drei meiner neuen Anspieltipps, beim Durchhören für mich entdeckt:

 

The Earth Is Not a Cold Dead Place von Explosions in the Sky (die Band hört Karen Köhler manchmal beim Schreiben)

Landslide von Fleetwood Mac & I Still Do von I Am Kloot (hört Benedict Wells, wenn er etwas Trauriges schreibt)

Auf der Buchwunschliste gelandet sind:

Revolting Rhymes von Roald Dahl (liebstes Kinderbuch von Cherylin Macneil

Faserland von Christian Kracht (Hendrik Otremba nennt eine Szene aus diesem Buch auf die Frage nach seiner Lieblingsszene)

Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an meine Buchhändlerinnen-Kollegin Marijke, die dieses fabelhafte Buch für unseren Buchladen entdeckt hat! Ich wünsche ihm noch ganz viele Leser!

 

Die Doors und Dostojewski – Susan Sontag

Heute geht ein großes Lob an Karla von der Buchkolumne. Ohne sie wäre ich nämlich nicht zu diesem Buch gekommen. Von alleine hätte ich wohl kaum zu Susan Sontag gegriffen, deren Name mir zwar bekannt ist, die ich mir aber “nicht zugetraut” habe. Und dann dieser Interview-Band: eine kleine Offenbarung. Was für eine kluge, gewitzte und vielschichtige Frau! Der Titel sagt es eigentlich: “The Doors und Dostojewski”. Mein Mann sagte vor dem Traualtar zu mir, ich sei die einzige Frau, die er kenne, die Literatur und Popkultur gleichermaßen in sich vereint. Dieses Interview (neben einigen anderen AHA-Momenten) hat mich auch darin wieder bestärkt…ich werde dazu ganz sicher noch einen kleinen Artikel schreiben. Bis dahin: lest dieses wunderbare Buch!

Lieber Mr. Salinger – Joanna Rakoff

Letzte Woche las ich “Lieber Mr. Salinger von Joanna Rakoff. Die junge Frau begann ihre Karriere in der Literaturagentur, die J.D. Salinger vertrat. Die Agentur selbst wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen, denn im Jahre 1995 wurden dort weiterhin in allen Büros Schreibmaschinen genutzt. Und obwohl sie selbst bis dato keine Zeile des Autors gelesen hatte, wächst ihre Neugierde auf den zurückgezogenen Schriftsteller und sein Werk immer mehr. Ständig gehen Anfragen an den Autor ein und eine gewaltige Menge Fanpost, die “Jerry” aus Prinzip nicht beantwortet. Das Buch ist gespickt mit Hinweisen auf sein Werk  – und hat so richtig Lust gemacht, mal wieder Salinger zu lesen oder, ihn zu entdecken. Nachdem ich das Buch beendet hatte, musste sofort eine Auslage mit seinen Werken her…und einem großen Zettel mit der Aufschrift “Lest Salinger“. Spricht für das Buch, nicht wahr?

Hanauer Kanon – Hrsg. Dieter Dausien

100 Hanauer wurden nach ihrem Lieblingsbuch gefragt – auch ich. Das erste Buch, was der Buchladen, in dem ich arbeite, herausgibt und ich stehe drin – ein wirklich wunderbares Gefühl. Neben der Bibel, Brüder Grimms Märchen, Harry Potter, Kinderbüchern, Krimis, Liebesgeschichten findet sich auch mein Herzensbuch: Kafka am Strand von Haruki Murakami. Das Projekt hat viel Zeit, Nerven und Kraft gekostet – aber der Stolz, dieses leinengebunde Buch am Ende in den Händen zu halten, über die Seiten zu fahren und die Lieblingsbücher aller zu entdecken, an diesem bunten Strauß Literatur zu schnuppern – unbezahlbar.

Das Haus der vergessenen Bücher – Christopher Morley

Für alle Büchernarren, Bibliophilen, Leseratten, Schmökertypen, Buchhändlerinnen, Verlegerinnen, Buchliebhaber, Bookaholics, Buchsüchtige … ein kleiner Schatz aus dem 19. Jahrhundert, jetzt wieder entdeckt. Ein charmantes Buch, eine Hommage an Buchläden und Literatur und den schönsten Beruf der Welt: Buchhändler(in) sein!

Die Seiten der Welt – Kai Meyer

Mein erster Kai Meyer. Eigentlich ein Wunder, bin ich doch von vielen Seiten von Fans umgeben. Und doch bin ich ja keine ausgesprochen große Fantasyleserin. Hier kam dann alles zusammen, denn der Kombination aus wunderschöner Aufmachung und der Thematik konnte ich dann kaum widerstehen. Und Kai Meyer hat mich nicht enttäuscht, denn er hat mir eine spannende Geschichte erzählt, eine ganz neue phantastische Welt eröffnet und mich prima unterhalten. Besonders wird mir wohl im Gedächtnis bleiben, wie “down to earth” er geblieben ist. Ob das die prompte Reaktion auf unsere Buchladendeko zum Roman war oder der Moment, als wir bei S. Fischer am Messestand nebeneinander zu sitzen kamen und ganz locker ins Gespräch kamen, obwohl er sicherlich 1000 Dinge im Kopf und auf der Messe zu tun hatte. Wirklich, ausgesprochen sympathisch, dieser Autor

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Zunächst war ich begeistert, traf das Buch doch einen lakonisch-witzigen Ton. Im Verlauf des Buches wurde meine Begeisterung immer schwächer, denn die Geschichte trägt sich für mich als Roman einfach zuwenig. Wenn man sie als fantastische Reise und als augenzwinkernden Blick in die Zukunft nimmt (und oftmals ist dieser Ausblick gleichzeitig faszinierend als auch verstörend), war es ein kurzweiliges Leseerlebnis. Im Endeffekt ist es eben nicht mehr, als die übliche Auseinandersetzung zwischen dem romantisch-verklärten, gedrucktem Buch und der Hightech-Zukunfts-Horror-Gott-Vision. Auch wenn hier durchaus versucht wurde, ein wenig ironisch auch zwischen Schwarz und Weiss zu schauen, so bleib es doch an den meisten Stellen eher flach.