Shotgun Lovesongs – Nickolas Baker

Spontan würde ich einfach gerne rufen: „Tolles Buch! Nehmen Sie es mit! Machen Sie es sich in der Sonne gemütlich und genießen Sie ihre Reise nach Wisconsin, ins Herz Amerikas“ Von einer Kleinstadt und ihren Bewohnern, von Freunden, die ihr ganzes Leben miteinander teilen. Von Erfolg, Verlusten, Liebe, Entscheidungen und besonderen Momenten lebt dieses Buch. Ich habe richtiggehend mitgefiebert und auch mitgelitten, mit jeder einzelnen Person, was nicht oft passiert. Also, ich rufe: Tolles, tolles Buch!

 

Kleine Schritte – Louis Sachar

Eine Fortsetzung und zwar von „Löcher“, einem wunderbaren Klassiker der Jugendliteratur. Ehrlicherweise habe ich hier sehr wenig erwartet, denn ich konnte mir nicht recht vorstellen, wie der Bogen zur Vorgeschichte geschlagen werden sollte. Umso schöner, überrascht zu werden: ein unterhaltsamer Jugendroman, der sich mit der Frage auseinandersetzt: was passiert eigentlich nach dem Vorhang, dem Happy-End, wie geht es weiter? Noch dazu besetzt mit ungewöhnlichen Figuren und Ereignissen, richtig schön zu lesen.

Über ein Mädchen – Joanne Horniman

Eine zarte Liebesgeschichte zweier junger Frauen, beide auf der Schwelle zu einem ganz eigenen Leben. Die sich begegnen, sich öffnen und doch immer wieder voneinander wegdriften. Leise Melancholie zieht sich durch das Buch, Gitarrenklänge und Stapel voller Bücher, eine Teekanne mit Namen und die Erkenntnis, dass man wieder aufstehen muss, auch wenn man tief fällt.

1Q84 (Teil 3) – Haruki Murakami

Ihr erinnert euch noch an meinen Leseeindruck zu Teil1&2 von 1Q84? Ich habe ihn gerade nochmal gelesen, um mich ein wenig in Stimmung zu bringen, wenn ich über Teil 3 schreibe. Noch dazu läuft Janacek Sinfonietta. Und nun: für mich hatte der Abschluss der Trilogie wieder viel zu bieten. Ein wenig mehr fast schon kriminalistische Elemente fliessen ein. Mehr Sehnsucht, mehr Einsamkeit. Ich glaube, ein wenig besser wäre es, alle drei Bücher hintereinanderweg zu genießen – andererseits hat Murakami auch wieder viel aus den ersten beiden Teilen wiederholt, so dass man auch mit der Wartezeit, die es ja nunmal gab zwischen den Veröffentlichungen, sich gleich wieder heimisch fühlt. Murakami hat hier für mich einige neue Pfade betreten – seine Figuren handeln ein wenig anders, auch wenn sich immer noch vertrautes findet, die Gefühlswelt steht weniger im Vordergrund als bei anderen seiner Romane. Und dennoch: es ist soviel Murakami, soviel seiner federleichten Schilderungen, die mich in einer anderen Welt ankommen lassen, dass ich auch hier nur wieder sagen kann: er ist und bleibt mein Lieblingsautor, einer der ganz großen, jemand der Welten erschaffen kann, die ich in meinem Kopf wieder und wieder betrete. Danke.

die laute – Michael Roes

Noch ein Buch, welches ich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2012 gelesen habe. Ich war auch ziemlich enttäuscht, dass es nicht auf der Shorlist landete, es hatte zwar harte Konkurrenz, aber hätte es durchaus verdient gehabt. Die Geschichte einer gehörlosen Komponisten klang für mich schon so abstrakt, dass ich allein deswegen das Buch lesen wollte – und es hat sich gelohnt. Die Leseprobe führte mich in eine der beiden Erzählstränge, die Gegenwart des Protagonisten, der versucht, sein Leben zu führen, seiner Begabung nachzugehen, seiner Musik und damit mehr als einmal aneckt. Diese Episoden haben mir recht gut gefallen – was das Buch für mich aber wirklich sehr lesenswert machte, waren die Kindheitserinnerungen des Komponisten, die mich stark (und damit lehne ich mich sicher aus dem Fenster, aber gut) an Khaled Hosseinis „Drachenläufer“ erinnerten. Was für eine Sprache, was für eine Geschichte, ich habe mitgefiebert, mitgelitten, mitgeträumt und eine mir fremde Welt fast berühren können, während ich lesend in ihr versank. Wirklich aussergewöhnlich und ganz unbedingt eine Leseempfehlung von mir!

Aus den Fugen – Alain Claude Sulzer

Ein gefeierter Pianist beendet völlig unvermittelt sein eigenes Konzert – er kippt seinen Stuhl um und verlässt, ohne sich umzudrehen die Bühne. Mit dieser schönen Szenerie beginnt das Buch. Um den Pianisten und diesen ungewöhnlichen Konzertabend ranken sich so einige Schicksale. Leider können diese nicht alle ganz mit dem starken Anfangsmotiv mithalten – es bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht die Intensivität, die es hätte haben können. Ein kleines bisschen schade, trotzdem gerne gelesen.

Ich habe mich gewarnt – Hugo Egon Balder

Ich lese selten Biographien – hier aber besitze ich das Buch schon sehr lange. Hugo Egon Balder war nämlich mal zur Lesung bei uns in der Stadtbibliothek und ich dürfte, damals noch Azubi, den Büchertisch machen. Ich war großer Fan von “Genial daneben” und dementsprechend aufgeregt. Als er dann kam, stellte ich mich vor  und sagte “Zimtfisch, ich mache heute abend ihren Büchertisch!” und er entgegnete trocken “Balder, ich lese heute hier“. Das kam so trocken und die darauffolgende Lesung die er sehr frei gestaltete fand ich so klasse, das die Biographie es auch zu mir schaffte. Hugo Egon Balder hatte keine “Blitzkarriere”, es war eher ein stetes Dranbleiben, Weitermachen, mit vielen Stationen bei Bands, Radio, dem Fernsehen…es las sich schnell und auch durchaus spannend, auch wenn natürlich viele Namen mir aufgrund meines Alters und meines wenigen Fernseh-Konsums nicht sagten. Ich habs gern gelesen, Hugo Egon Balder ist ein interessanter Mensch mit Ecken und Kanten der es versteht sich in seiner Biographie auch selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Ein geschenkter Tag – Anna Gavalda

Gavalda ist zurück und zwar so, wie wir sie lieben. Mit leiser Ironie, herrlich französisch und es bringt schonmal einen Hauch von Sommer…. Dieses Buch erzählt von einem geschenkten, ich mag fast sagen, einem geklauten Tag. Schon die ersten Seiten offenbaren den wundervollen Stil Gavaldas und das Buch verzaubert mit der Geschichte der 4 unterschiedlichen Geschwister und ihrem Leben. Ein Geschenk für die beste Freundin, die Schwester, die Mutter, die liebenswerte Arbeitskollegin – ach was, alle sollten in den Genuß dieses Buches kommen…!!!

Becks letzter Sommer – Benedict Wells

Ich kann mich hier kurzfassen: dieses Buch muss in jede Reisetasche im Sommer 2010. Wells schreibt rasant und mit einer Kraft, das man von Anfang an gefesselt ist, von der Geschichte des Lehrers Beck, der statt mit eigener Band durchzustarten, dann doch “nur” Lehrer wurde. Liest sich super, lässt einen laut lachen und mitleiden, ob der obskuren Entwicklungen, die schlussendlich zu einem Roadtrip quer durch Europa führen…die kleine Anmerkung sei mir erlaubt, das ich zuerst nach Beenden des Buches etwas enttäuscht war, das Beck das rasante zum Schluss hin verlor, fast schon unerträglich langsam wurde und so einige schriftstellerische “Breaks” drin hatte. Nach einer Nacht darüber schlafen bin ich jedoch froh darum – die Schreibweise hat sich der Entwicklung des Romans angepasst – Beck würde sagen – ein langsames “fade out…”