Deutschland Schwarz Weiß – Noah Sow

Lest dieses Buch. Lest dieses Buch. An alle, die heutzutage in den sozialen Netzwerken unterwegs sind und sich durch Rassismus und Sexismus und jegliche Arten von Ausgrenzung wühlen müssen, dieses Buch legt noch eine Schippe oben drauf. Und es tut weh, teilweise richtig, wenn man, schonungslos ehrlich, auch erkennt, dass man selbst nie davor gefeit ist, auch in Denkmuster und Vorurteile zu verfallen. Als Auffrischungskurs, als Geschenk für diejenigen mit dem berühmten Brett vorm Kopf, als Argumentationshilfe, als Augenöffner, als zukünftige Schullektüre – hier ist ein wichtiges Buch!

Gehe hin, stelle einen Wächter – Harper Lee

Es wird mir wohl nicht gelingen, über “Gehe hin, stelle einen Wächter” zu schreiben ohne auf den Inhalt einzugehen. Dieses Buch ist kein einfaches und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Unvoreingenommen kann sich wohl niemand der Lektüre stellen. Ich bin nicht enttäuscht, denn das Buch hat ziemlich viel in mir ausgelöst. Zunächst eine große Wiedersehensfreude mit den so liebgewonnen Figuren. Einige Beschreibungen der Zeit, in der “Wer die Nachtigall stört” spielt, ließen mich sofort wieder in diese Stimmung des “ersten” Romanes fallen, wie schön! Aber natürlich lassen mich auch die Umstände dieser Veröffentlichung grübeln: Warum jetzt? Die unklaren Angaben des Fundes. Nunja, ich bin da leider so pessimistisch, dass ich glaube, die verschiedenen Versionen dienen einzig und alleine der Presse. Und warum überhaupt? Natürlich kann man einwenden, dass zuerst die Geschichte, das Buch im Vordergrund stehen sollte, aber in diesem Falle sind die Begleitumstände ja auch nicht gerade normal. Gehe hin, stelle einen Wächter – Harper Lee weiterlesen

Kolibri – Kati Hiekkapelto

Packender, finnischer Krimi mit einer jungen ungarischen Ermittlerin. Multikulturelles Miteinander, Rassismus und die Frage der eigenen Identität sind nur einige Themen die hier gekonnt innerhalb der Ermittlungen zu einer Mordserie auftauchen. Einzig der unvermeidliche zunächst bärbeißige neue Kollege hätte vielleicht nicht sein müssen, andererseits – gibt es einen Krimi ohne diesen Prototypen?

Americanah – Chimamanda Ngozi Adichie

Ein hochaktueller Roman, der sich für mich durch gleich drei Dinge auszeichnete: er war intelligent, pointiert bis bitterböse und er behandelte ein Thema, was mir immer wieder vor die Füße gespült wird: Diskriminierung und Alltagsrasissmus (der oft etwas versteckte, den wir in unserer ach-so-aufgeklärten-Welt oftmals nicht sehen wollen und der doch so erschreckend verbreitet ist – immernoch!). Zu diesen Themen einen Text zu lesen, der zudem vom Handlungsverlauf her überzeugt, eine frische Stimme und eine authentische Protagonistin bereithält – das nennt man dann wohl einen Glücksfall in der Belletristik!

Ein Ort wie dieser – Marie-Aude Murail

Ich bin sehr zwiegespalten. Dieses Buch von Murail kommt definitiv nicht auf meine Liste der Bücher, die ich von ihr gerne gelesen habe. Es mag an meiner generell nicht sehr ausgeprägten Liebe zu Frankreich liegen – aber ich verstehe manches einfach nicht. Ich finde die Menschen affektiert und aufgesetzt, die Figuren die so angelegt sind, dass sie mir sympathisch werden sollen, wirken blass, unselbstständig und künstlich. Ich hatte manchmal das Gefühl, es sollte möglichst viel an Brennpunktthemen in dieses Jugendbuch, dreimal umgerührt, ein paar Klischees und Anti-Klischees dazu… Es mg hart klingen, aber gerade weil ich Murail mit “Simpel” so mochte, kann ich hier einfach nur ehrlich sein. Für mich sind diese beiden Werke wirklich enorm unterschiedlich.

Tonspuren – Elliot Perlman

Es ist sehr gewagt, bereits im April ein Buch definitiv zu einem der Besten des Jahres zu küren. Allerdings weiß ich ehrlich gestanden nicht, was da noch kommen soll, was Perlman diesen Rang ablaufen sollte. Ich bin so tief beeindruckt, so dermaßen bewegt von diesem Buch. Es ist so intensiv, dass ich beim Lesen immer wieder Pausen eingelegt habe – um die Wörter wirken zu lassen, Sätze leise vor mich hinzusprechen, mich ergreifen zu lassen, die Tränen liefen. Ich habe in dieser Geschichte gelebt und konnte, trotz fast körperlicher Anstrengung beim Lesen, das Buch kaum weglegen. Was ist dieser Autor für ein Sprachvirtuose! Was für eine Geschichte, welch Kunstwerk hält man mit diesem Buch in den Händen. Es ist ein absolutes Muss für jeden, der sich auf eine einmalige Begegnung mit außergewöhnlichen Menschen einlassen will, der erleben möchte,  wie unfassbare Schrecken eine Form bekommen und wie Erinnerungen so lebendig werden, dass man das Gefühl hat, sie greifen zu können. Wenn ich davon spreche und schwärme, bekomme ich eine Gänsehaut. Dieses Buch hat mich schlicht überwältigt!

Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims – Annabel Pitcher

Ehrlich gestanden habe ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Das Cover, der Titel, eigentlich alles sprach für ein Jugendbuch nach meinem Geschmack. Warum es nicht gepasst hat? Ich kann den Finger leider nicht genau darauflegen, aber während des Lesens merkte ich: das kommt nicht an mich ran (dabei werde ich es belassen, weil ich dem Leser sonst zuviel vorweg nehmen würde, wenn ich genauer auf bestimmte Stellen eingehe). Insbesondere schade finde ich das, weil eine liebe Freundin dieses Buch sehr mochte und wir häufig den gleichen Lesegeschmack haben.

Paris Trout – Pete Dexter

Hier war ich eher enttäuscht. Das Buch hat sich für mich gezogen, die Geschichte kam nicht richtig in Gang und verlief sich wie Kaugummi der nicht recht vom Schuh will. Ich habe glaube ich eine ganz andere Auseinandersetzung mit Rassismus und Kleinstadt-Justiz erwartet und kam dann nicht klar. Ein bisschen schade, weil das Buch von einigen Kunden und Kollegen sehr geschätzt und oft empfohlen wurde, bei mir hat es leider nicht den Nerv getroffen.

Die Liste – John Grisham

Grisham hat hier nicht sein bestes Werk verbrochen. Die Krimihandlung ist nicht so ausgeprägt obwohl es Morde gibt, es ist im Bezug auf die Atmosphäre der Südstaaten gelungen – auch die Problematiken der damaligen Zeit, Rassentrennung und das zum Teil fatale Rechtssystem der USA werden aufgegriffen. Dennoch – das Buch mutet mehr wie ein Roman an, ein durchaus ordentlicher, mit einigen sehr interessanten Figuren – aber so recht Spannung will nicht aufkommen. Wer Grisham mag, der kann zugreifen, solange er keinen Thriller erwartet – dafür die Geschichte einer Kleinstadt, eines eigenwilligen, jungen Zeitungsverlegers und seiner spannendsten Interviewpartnerin….