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Ewig Dein – Daniel Glattauer

Freitag, 03. Februar 2012

In der gewohnt charmanten Manier von Glattauers Romanen beginnt diese augenscheinliche Liebesgeschichte – ein Kennenlernen, ein Kribbeln, ein neuer Mann im Leben von Judith, der liebenswürdige, sehr verliebte Hannes. Nach dem großen Erfolg seiner beiden Emmi&Leo-Romane hätte Glattauer auch einfach wieder eine Liebegeschichte der “üblichen” Art schreiben können – er hat jedoch alles richtig gemacht und genau das nicht getan!  Statt dessen schleicht er sich auf ungewohnt spannende Pfade, baut langsam eine gewisse Bedrohlichkeit auf und haut dem Leser seine Erwartungen um die Ohren. Und das liest sich einfach gut und abwechslungsreich, denn auch der Humor kommt durch einige wirklich herrlich karikierte Nebenfiguren nicht zu kurz. Mal etwas ganz anderes, überraschendes – hier kommen sowohl Fans vom Autor als auch jene, die ihn noch nicht kennen, auf ihre Kosten!

Für den Rest des Lebens – Zeruya Shalev

Donnerstag, 02. Februar 2012

Voller Wucht und Eindringlichkeit schildert Zeruya Shalev die Facetten einer Familie über 3 Generationen – in einer bildhaften, wundervollen Sprache die einen berührt zurücklasst…Meine erste Shalev und ganz sicher nicht meine letzte! Ja, man braucht einige Tage (und Ruhe!) für das Buch, weil es wirken muss – die Sätze sind lang, manches Mal fast ohne Anfang und Ende, aber genau das ist es was für mich den Reiz des Romans ausmacht.

Unbedingt erwähnen muss man die Tiefe, in die Shalev uns mitnimmt, intensiv spürt man den so oft schmerzhaften Gefühlen der Protagonisten nach. Eine Betrachtung der Familie,  3 eigenwillige Figuren und auch wenn viel Schweres den Roman bewohnt, so finden sich hier und dort doch kleine, wunderschöne Betrachtungen und Wörter und bilden so gemeinsam ein großes, sehr rundes Werk. Ein ganz wichtiger Lesetipp!

Nur eine Ohrfeige – Christos Tsiolkas

Mittwoch, 01. Februar 2012

Im Englischen lautet der Titel ein wenig passender “The Slap“. Ausgehend von dieser Ohrfeige die ein kleines Kind auf einem Barbecue unter Freunden bekommt (allerdings nicht von den Eltern) entfaltet sich anhand von 8 Episoden ein Blick auf  die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Freunde – und vorallem ein Blick hinter die Fassade, hinter der es bei allen nicht halb so gut aussieht, wie sie vorgeben… Und anhand der Ohrfeige stellt sich die Frage: wofür stehen die Freunde? Wer hält zu wem? Welche Moral wird vertreten – und was kann man für sich selbst verantworten? Ein buntes Kaleidoskop an menschlichen Regungen, ein ziemlicher tiefer Sumpf an Vergehen, Übertretungen und Emotionen – Tsiolkas hat nicht gespart, er lotet mit einem gewissen Genuß die Untiefen aus, in die seine Figuren sich unaufhaltsam hineinmanövrieren. Das liest sich spannend, unterhaltsam, die Sprache ist manchmal derb aber wirkt nie aufgesetzt. In Australien war das Buch ein großer Erfolg und wurde für ABC TV verfilmt – kein Wunder, der Stoff überzeugt!

Harold and Maude – Colin Higgins

Montag, 30. Januar 2012

Hier bleibt mir nur zu sagen: ein wunderbares kleines Büchlein über das Sterben und das Leben – selten hat es jemand so gut auf den Punkt gebracht, wie diese beiden Ereignisse sich gegenseitig bedingen. Jeder sollte eine Maude in seinem Leben haben, jeder sollte singen und tanzen wenn ihm danach ist und sein ganz eigenes Leben leben. Ach, es ist einfach so ein großes JA zum Leben und nachdem ich den Film schon lange liebe, war diese Lektüre überfällig.

Wiegenlied für kleine Ganoven – Heather O’Neill

Montag, 23. Januar 2012

Wenn man ein Buch beim Lesen immer wieder weglegt, spricht das nicht unbedingt für das Buch. Wenn man es aber weglegen muss, weil es einem ganz schön nahegeht, sieht der Fall schon wieder anders aus. Bei diesem Buch hat mich sofort das Cover angesprochen, der Titel, alles zusammen liess mich auf eine ungewöhnliche Geschichte hoffen. Die habe ich auch bekommen – allerdings ist hier wahrlich nicht mit einem launigen Handlungsverlauf zu rechnen. Ein Mann der mit 15 Vater wird und seine Tochter Baby nennt, die Mutter die es nach ihrem Tod den beiden überläßt, sich durchs Leben zu schlagen. Drogen, Sozialarbeiter, Wohnen in Absteigen die der Beschreibung spotten – aus der Sicht von Baby wird eine Kindheit erzählt, die mich ziemlich mitgenommen hat. Ob es nun der völlig überforderte, drogensüchtige Vater ist, Babys Klugheit, die durchblitzt und es ihr ermöglicht, in den Kleinigkeiten das Schöne zu sehen – es war ein ziemlich deprimierender Mix aus Faszination und Mitleid. Ich war fast ein wenig erleichtert, als ich das Buch zuklappte. Aber auch nur fast: Bücher sollen ja eigentlich genau diese Qualität haben: einen mitziehen, in die Geschichte, in die Atmosphäre, in die Gefühlswelt seiner Protagonisten. Das ich mich meist lieber in eine andere Art Geschichte ziehen lasse, kann ich dem Buch schwerlich anlasten.

Vom Ende einer Geschichte – Julian Barnes

Montag, 26. Dezember 2011

Es wundert mich absolut nicht, das Barnes für diesen Roman den Booker Prize bekommen hat. Von der ersten Seite an war ich in der Szenerie, es enthüllt sich nach und nach das Gesamtkunstwerk dieses Romans, es ist spannend, voller Wendungen und doch so schmerzlich nah an eigenen Erfahrungen, die man mit dem Protagonisten teilt – wow! Hier hat für mich wirklich alles gepasst – die Sprache, der Aufbau, die Geschichte, einfach alles. Das Buch hat mich berührt und begeistert zurückgelassen und jedesmal wenn ich darüber rede, gerate ich ins Schwärmen und bin ziemlich ergriffen. Wirklich, empfehlenswert, bitte kaufen, bitte ausleihen, Hauptsache – lesen!

Wachstumsschmerz – Sarah Kuttner

Dienstag, 06. Dezember 2011

Wenn ich dieses Buch im Laden empfehle, beginne ich meist mit der Frage ob Sarah Kuttner bekannt ist. Oft genug bekomme ich die Antwort, Ja, wäre bekannt aber nicht soooo sehr das Ding des jeweiligen Befragten. Dann kommt meine persönliche Meinung zum Tragen: meines ist Sarah Kuttner nämlich auch nicht so unbedingt, zumindest nicht im Fernsehen. ABER die gute Nachricht: Romane schreiben – das kann sie. Wie beim Vorgänger Mängelexemplar hat sich Kuttner auch hier wieder ein Problem der heutigen twenty-something-Generation rausgepickt. Die “Quarter-Life-Crisis”, die sich in Zweifeln, Beziehungsstress, Druck und Hilflosigkeit breit macht. Mit bildhafter Sprache, ein bisschen derb-schnodderig aber durchaus ehrlich wirkend setzt sich hier ein Paar nach dem Zusammenziehen mit sich auseinander, mit seinen Erwartungen, Lebensplänen und der Herausforderung, mit jemandem wirklich so ziemlich alles zu teilen.

Obwohl ich diese Erfahrung so nicht erlebt habe, schafft Kuttner es, das ich mich reinversetzen kann in die Gefühlsachterbahn in die ihre Heldin gerät. Ein bisschen beklommen, ein bisschen deprimiert wird man beim Lesen, es ist eine traurige Geschichte mit kleinem Silberstreif am Horizont. Garniert mit markigen Sätzen und Lebensanschauungen ist es ein recht gelungener Mix geworden, den ich, wie ich oben schrieb, auch ganz gern empfehle.

Apostoloff – Sibylle Lewitscharoff

Freitag, 28. Oktober 2011

Nachdem Sibylle Lewitscharoff 2011 mit Preisen und Nominierungen für “Blumenberg” geradezu überhäuft wurde, wollte ich mit dem Werk, für das sie den Leipziger Buchpreis gewann, anfangen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wenn diese Autorin zwei Dinge kann, sind es diese: mit ungeheurer Wucht schreiben, das ganze Buch ist ein einziger, schnellverfeuerter Rundumschlag, böse und mit vielen Spitzen versehen.

Und zum zweiten geht sie  kreativ und mit viel Verve mit Sprache um…manchmal auch geradezu zärtlich. Was für Sätze! Was konnte man in diesem Roman schwelgen!  Zeit muss man sich für ihn nehmen, das sei unbestritten, auch das etwas schräge Thema mag nicht jedermanns Sache sein. Ich aber war hingerissen, noch mehr weil ich die Autorin dieses Jahr live erleben dürfte und von ihrer Präsenz, ihrem Humor und ihrer Lesung absolut begeistert war! Ich freue mich auf alle weiteren Werke von ihr!

Einer meiner liebsten Sätze:

“Eine weitere Spezialität der Kellnerinnen, überhaupt der Bulgarinnen: sie sind parfümfreudig. So riecht mein Salätchen, sonst eher eine neutrale Angelegenheit, als hätte es im Regal einer Drogerie  übernachtet.”

Tausend kleine Schritte – Toni Jordan

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Am Cover bin ich schon mehrfach hängen geblieben, der Titel klang gut und so habe ich mich gefreut als es in meinem Lesekreis gewählt wurde. Es ist ein bisschen schwierig meine Enttäuschung zu schildern ohne etwas zu verraten – insgesamt fand ich es ganz okay zu lesen, ein ungewöhnliches Thema wurde angeschnitten … aber es bleib hölzern, schwer zu fassen und ich wurde einfach mit dem ganzen Buch nicht warm. Der ein oder andere Aspekt gefiel mir gut, mein Gesamteindruck blieb aber flach.

Acht Minuten – Péter Farkas

Montag, 24. Oktober 2011

Sie sind schon lange ein Paar. Der Mann und die Frau. Doch eines Tages fangen die Dinge an sich zu verändern. Wer sind diese Menschen in ihrer Wohnung, die dem Mann zwar vage bekannt vorkommen, aber doch eher stören? Und warum wollen ihm alle erzählen was das Beste ist, für ihn und die Frau? Sie kommen doch gut zurecht und vor die Tür gehen…das müssen sie doch schon lange nicht mehr…

Wir alle kennen den Blick auf Demenz von aussen. Farkas wählt einen ganz anderen Ansatz – er beschreibt die Krankheit aus der Sicht des Betroffenen – und dieser sieht sich auch eher als Beobachter der ebenfalls erkrankten Frau. Die kleinen Rituale dieses Paares, der Kampf um Würde, um Selbstbestimmung – fein gezeichnet, sehr intensiv wird hier ein ganz neues Bild entworfen und die Frage, was das “Beste” ist wird nochmal auf andere Art und Weise aufgerollt!

Ein kleines, wichtiges Buch für alle die sich mit dem Thema auseinandersetzen.