Tsubaki * Tsubame * Wasurenagusa – Aki Shimazaki

Es ist quasi unmöglich, diese drei wahrlich kunstvoll aufgemachten Bände aus dem Kunstmann Verlag einzeln zu besprechen. Lose gehören sie zusammen, sicherlich kann man sie auch einzeln genießen, aber dieses besondere Gefühl, alle drei hintereinander zu lesen und dabei ganz tief in ihre Welt einzutauchen, das möchte ich jedem nur ans Herz legen. Was für eine zarte Sprache, die in wenigen Worten von Dramen und Leid spricht und so viel stärker wirkt, als Fluten von Sätzen es könnten. Was für eine Stille legt sich auf uns, wenn wir diese Bücher zur Hand nehmen, mit ihnen leiden und die Geschichte eines Landes und weniger Menschen uns gleichzeitig berührt und nachdenklich werden lässt.

Alles außer irdisch – Horst Evers

Alles außer irdisch? Ja! Irrwitzig war es – ein sehr schräger Mix aus Pratchett, Moers und ganz viel trockenem Evers-Witz. Manchmal war mir das in seiner Überdrehtheit schlicht und ergreifend zuviel, aber über weite Strecken des Romans habe ich gekichert und mich gut unterhalten gefühlt. Und da ich es für eine hohe Kunst halte, den Lesenden überhaupt zum Lachen zu bringen, während des Lesens, gibt das von mir ein Lob!

Kafka am Strand oder eine Hommage an Haruki Murakami

Es gibt Bücher, die begleiten den Leser ein Leben lang. Es gibt das Buch, was man auf die vielzitierte, einsame Insel mitnehmen würde. Es gibt das Buch, welches man aus dem brennenden Haus retten würde, was man in schweren Stunden zur Hand nimmt, um Trost in ihm zu finden. Es gibt das Buch, das man versonnen lächelnd im Regal stehen sieht und sich daran erinnert, wie es war, es das allererste Mal zu lesen. Der kleinste Knick im Umschlag fühlt sich vertraut an. Viele Menschen werden darüber schmunzeln – all das, in einem einzigen Buch? Es erstaunt mich selbst, aber nach 10 Jahren mit diesem Buch an meiner Seite kann ich nur glücklich nicken.

Wie oft habe ich, gefragt nach meinem Lieblingsautor und seinen Werken, Kunden auf unser Sofa hingewiesen, ihnen “Kafka am Strand” in die Hände gelegt und gesagt: “Fangen Sie an zu lesen – lesen Sie die Szene mit dem Sandsturm”. Und oft genug begann für jemanden so eine weitere, ja geradezu stürmische Begegnung mit diesem Ausnahmeautor. Wieviele Male ich selbst mittlerweile die Sandsturm-Szene gelesen, zitiert, abgeschrieben oder vorgelesen habe – ich kann es nicht beziffern und werde es wohl noch viele Male wieder tun.

Warum ist dieses Buch mein Lebensbegleiter? Weil es eine Geschichte erzählt, die soviel mehr ist, als nur eine Geschichte. Weil es Abenteuerroman, Adoleszenzerfahrung, tragische Liebesgeschichte und Weisheit in einem ist. Ich werde herausgefordert, zwischen den Zeilen entdecke ich bei jedem Lesen neue Facetten und Fragen und über all dem liegt der stille und doch so faszinierende Zauber dieses japanischen Autors.

Und wenn Sie jetzt neugierig geworden sind – nehmen Sie diesen Roman beim nächsten Buchladen-Besuch in die Hand, setzen Sie sich aufs Sofa und lassen Sie sich von Haruki Murakami und seinem sprachgewaltigen Sandsturm davontragen. Sie kommen durch diesen Sandsturm, versprochen.

 

(dieser Text erschien im Hanauer Kanon der Literatur, Hrsg. Dieter Dausien, 2014)

Die beste Zeit unseres Lebens – Maeve Haran

Als ich als Buchhändlerinnenlehrling, als sogenannter “Stift” anfing, zählte Maeve Haran, auch aufgrund der Sortierung unserer Dorfbibliothek zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Ihr neuer Roman widmet sich der Generation 60+. Das Cover führt ein wenig in die Irre, leicht-lockere Sommerlektüre ist es nicht, die uns hier erwartet, allerdings kommt Haran leider auch nicht ohne eine Menge Klischees aus. Nett zu lesen – ja. Richtig begeistert – leider nein. Aus manchen Lesephasen wächst man wohl doch irgendwann heraus…

Zwölf mal Juli – Astrid Rosenfeld

Dieses schmale Büchlein enthält zwölf Miniaturen. Sie sind auch gelungen, haben einen ganz eigenen Zauber. Aber ich scheine nicht unbedingt der Mensch für Miniaturen zu sein… Juli schlüpft mir immer wieder durch die Finger, zurück auf die Seiten, ich komme ihr nicht so richtig nah und wir trennen uns voneinander, ohne dass wir uns wirklich berührt haben. 

Und Du bist nicht zurückgekommen – Marceline Loridan-Ivens

Ein Buch mit dem ich nicht warm wurde. Eigentlich seltsam, denn die Thematik beschäftigt mich oft in meiner Lektüre, ich denke da nur an Perlmans “Tonspuren“. Loridan-Ivens verarbeitet hier den Verlust ihres Vaters im Konzentrationslager und schreibt in einem langen Brief über ihre Trauer. Und obwohl man dieses Leid kaum fassen kann, was hier passierte und bis heute Nachwirkungen hat – dieser Text konnte mich einfach nicht erreichen, die Briefform wirkte distanziert, was vielleicht in diesem Fall auch nicht anders zu lösen war.

Gehe hin, stelle einen Wächter – Harper Lee

Es wird mir wohl nicht gelingen, über “Gehe hin, stelle einen Wächter” zu schreiben ohne auf den Inhalt einzugehen. Dieses Buch ist kein einfaches und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Unvoreingenommen kann sich wohl niemand der Lektüre stellen. Ich bin nicht enttäuscht, denn das Buch hat ziemlich viel in mir ausgelöst. Zunächst eine große Wiedersehensfreude mit den so liebgewonnen Figuren. Einige Beschreibungen der Zeit, in der “Wer die Nachtigall stört” spielt, ließen mich sofort wieder in diese Stimmung des “ersten” Romanes fallen, wie schön! Aber natürlich lassen mich auch die Umstände dieser Veröffentlichung grübeln: Warum jetzt? Die unklaren Angaben des Fundes. Nunja, ich bin da leider so pessimistisch, dass ich glaube, die verschiedenen Versionen dienen einzig und alleine der Presse. Und warum überhaupt? Natürlich kann man einwenden, dass zuerst die Geschichte, das Buch im Vordergrund stehen sollte, aber in diesem Falle sind die Begleitumstände ja auch nicht gerade normal. Gehe hin, stelle einen Wächter – Harper Lee weiterlesen