Astrid Lindgrens Welt in Vimmerby

Noch einmal Kind sein

Das schafft Astrid Lindgren bei mir immer noch spielend. Ganz egal, ob mein Sohn seine Bullerbü-CD hört, ob mein Mann ihm die Brüder Löwenherz vorliest oder ich mal wieder Pippi Langstrumpf lese – wir alle verfallen immer wieder diesem ganz speziellen Zauber, den Lindgren ihren Geschichten verleiht.

Die drei Höfe von Bullerbü

Kein Wunder also, dass wir an einem verregneten Juni-Donnerstag den Regen (fast) vergaßen, als wir staunend und in Nostalgie schwelgend durch die Astrid Lindgren Welt in Vimmerby schlenderten.

Die Krachmacherstraße
Die kleine Stadt – in Kindergröße
Mein zukünftiges Häuschen =)

Hier verlieren sich Erwachsene in ihren Kindheitserinnerungen und Kinder treffen ihre heißgeliebten Buchlieblinge, die sie vom gemeinsamen Vorlesen kennen. Allen gemein ist, dass man ins Erzählen kommt. Wie war das bei Dir? Wie hast Du diese Geschichte als Kind verstanden? Wie erlebst Du sie heute? Welche Figuren mögen wir alle? Während wir durch die Schauplätze streifen, erklären wir, entdecken wir und sind ganz und gar eingetaucht in die Geschichten von Astrid Lindgren.

Eintauchen in Geschichten – in Vimmerby kein Problem!

Ab und zu legen wir eine Pause ein, wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler die Geschichten lebendig werden lassen. Wir können kein Schwedisch, doch das macht nichts. Gebannt blicken wir ins Kirschblütental, wir sehen, wie Michel (der im Original ja nun mal ein Emil ist) über den Hof gejagt wird. Wir tanzen mit Pippi und Ephraim Langstrumpf einen Seefahrertanz und verfolgen Ronja auf ihren Abenteuern. Der Jüngste in unserer Runde ist fasziniert und saugt die Geschehnisse in sich auf.

Das Kirschblütental aus “Brüder Löwenherz”

Und es wird gespielt bei Astrid Lindgren!

Der gesamte Park bietet zig Spielplätze, Anregungen und Ideen. Ob das die Spielscheune ist, in der munter ins Heu gesprungen wird (und in der wir Eltern kurz in einer Hängematte rasten), der Nicht-den-Boden-berühren-Pfad oder der große Wasserspielplatz in Ronjas Wald – hier können und sollen Kinder auf Wunsch von Astrid Lindgren den ganzen Tag nach Herzenslust spielen.

In welchem Haus befinden wir uns wohl hier…?

Und manchmal, da erfüllen sich dann auch für die Großen Wünsche. Wenn sie ein wenig andächtig fast, die Villa Kunterbunt entdecken … das Zuhause einer ihrer liebsten Kinderbuchfiguren überhaupt.

Ob ich Pippi treffen werde..? Die passende Frisur habe ich!

Das sind nur ein paar Highlights, die wir an unserem Tag in der Astrid Lindgren Welt erlebt haben. Der Park ist wunderschön, herrlich grün und mit Liebe zum Detail gestaltet. Man kann sich alle Schauplätze ansehen (sofern gerade nicht eine Vorstellung läuft), kann sich auf den Picknickplätzen selbst mit Essen versorgen oder einkehren. Und natürlich gibt es einen großen Buchladen, in dem man trefflichst mit Astrid Lindgren Büchern in diversen Sprachen versorgt wird. Auch meine Wunschliste ist gewachsen, bald möchte ich “Das entschwundene Land” lesen, in dem Astrid Lindgren über das Dorf ihrer Kindheit schreibt. Und die Wünsche des jüngsten Familienmitglieds stiegen schier ins Unermessliche – noch so viele Geschichten sind zu entdecken und erneut vorzulesen…

Von wem er das wohl hat?

Was ist euer liebstes Buch von Astrid Lindgren? Schreibt mir!

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind – Jonas Jonasson

Ein inneres Zwiegespräch

Mich nervt ja selten ein Buch so richtig. Aber hier – ich habe ewig dafür gebraucht, weil es mich beim Lesen so enttäuscht hat und nun will ich eigentlich der Welt mitteilen, was da für mich alles nicht stimmte. Meinste, das kann ich machen? Ich war beim Lesen wirklich entnervt!

Ja dann! Lass es raus!

Aber ich kann doch nun schlecht schreiben: Dieses Buch könnt ihr euch sparen! Oder doch?!

So sehr ich für markige Überschriften bin, vielleicht unterfütterst Du deine Aussage noch mit etwas mehr Argumentation?

Fairer Einwurf. Beim ersten Jonasson fühlte ich mich noch sehr gut unterhalten, beim zweiten war es schon ein Aufguß des ersten, aber immer noch nett zu lesen. Der dritte hingegen…

Ja? Nun bloß nicht schüchtern werden!

Ich habe beim Lesen immer wieder gedacht: Die Idee des Plots reicht nicht! Sie reicht nicht aus!

Wie meinst Du das?

Die Grundidee war einfach zu knapp und wurde dann später noch mehrfach künstlich verlängert, was mich schon ermüden ließ. Nur, weil man einen knackigen Aufhänger hat, rollt sich die Story nicht von alleine aus. Die Figuren wirken holzschnittartig, man symphatisiert wirklich mit niemandem und bei jeder weiteren grotesken Wendung habe ich nur noch geseufzt. Wie bei vielen Dingen im Leben macht es auch in einer guten Geschichte die Dosierung und in diesem Buch ist das Salzfäßchen eindeutig vom Küchenregal in die Suppe gefallen. Die einzige Komponente, die ich nett angedacht fand, war, Mörder Anders unter anderem zu einem Internetphänomen zu machen, aber auch diese Idee wurde in meinen Augen nicht konsequent genug umgesetzt.

Aber in die Ecke geschmissen hast Du es trotzdem nicht, oder?

Nein. Ehrlich gestanden wollte ich wissen, ob er irgendwo noch die Kurve bekommt und fand auch, wenn ich das Buch danach schon kritisch besprechen will, sollte ich es wenigstens zu Ende lesen.

Und, bekam er die Kurve?

Überraschenderweise… Nein, nein, hier gibt es leider kein Happy End. Bis zum Schluß wurden noch einige Klischees ausgewalzt und dreimal in anderen Worten wiederholt und ich fühlte mich wie nach einem sehr, sehr langen Konzertabend mit Zwölftonmusik…

Das klingt als könnte es als französische Komödie funktionieren, aber nicht als Buch…Du rätst also ab?

Wer auf skurrile Figuren ohne größere Substanz, religiöse Kalauer und einen Galopp durch eine leicht löchrige Handlung steht, kommt hier voll auf seine Kosten! Die anderen…

Eher nicht?

Ne. Wirklich nicht. Kauft euch stattdessen lieber einen guten Gedichtband!

Die Analphabetin, die rechnen konnte – Jonas Jonasson

Nachdem gefühlt dieser Jonasson bereits zerissen und hochgejubelt wurde, kann ich mich ja kurzfassen: ich fühlte mich wieder bestens unterhalten (was soll ich sagen, ich mag nunmal seinen ironischen und beissenden Witz und die himmelschreiend schrägen Wandlungen und Irrfahrten seiner Figuren) – mehr Kriterien musste dieser Roman für mich nicht erfüllen.

Mord im Herbst – Henning Mankell

Zwischen den letzten beiden Wallandern klaffte für mich (gefühlt) eine Lücke in der Handlung. Als ich dann las, dass genau diese Lücke geschlossen werden sollte, dachte ich nur: Ha! Endlich! Und genauso war es. Der schmale Band ersetzt natürlich keinen kompletten Wallander-Fall, aber das muss und soll er auch garnicht. Für mich war er aber noch ein weiterer Zugang zu diesem brummeligen Kommissar, den ich doch sehr ins Herz geschlossen habe. Der Anhang, in dem Mankell sehr offen über die Figur des Kurt Wallander schreibt, war für mich somit noch das Sahnehäubchen.

Eine undankbare Frau – Karin Fossum

Kommissar Sejer ist zurück in meinem Leben! Ich weiss garnicht genau, warum ich eine so lange Pause gemacht habe, ich mag die Krimis von Fossum unheimlich gerne. Ihr Kommissar ist mir ans Herz gewachsen, ihre Bücher sind echte Kriminalromane, mit der Betonung auf Roman – denn hier stehen die Menschen im Vordergrund, während ihre Taten sich im Hintergrund langsam aufklären. Und es ist ein Krimi, der die ersten 200 Seiten ohne Mord auskommt, wenn das mal nicht neugierig macht

 

Der Mann im Park – Pontus Ljunghill

Ein sehr langsamer, ruhiger Krimi, der sich in Schweden, Ende der 20ger Jahre spielt. Ich bin ja nun bekanntermaßen kein großer Krimifan, dieser hier sprach mich aber aufgrund der Zeitspanne an. Und tatsächlich war es eine kleine Zeitreise, in eine so ganz andere Polizeiarbeit, als wir sie heute kennen. Aber auch in ein bedrückendes, eher trübes Schweden, zu einem ruhigen, sehr in sich ruhenden Kommisar. Das wurde hier und da ein wenig lang und doch hat es mir gut gefallen, mich ganz in diese Welt versinken zu lassen, ebenso wie die Aufklärung des Falles.

Die Toten, die niemand vermisst – Hjorth/Rosenfeld

Auch der dritte Band hat mich wieder bestens unterhalten: das Ermittlerteam knüpft neue Bande, entwickelt sich weiter. Veränderungen stehen ins Haus, der neue Fall zerrt an den Nerven, die Perspektivwechsel ergeben erst nach und nach ein Bild… Wieder innerhalb kürzester Zeit verschlungen, mit einem fiesen Cliffhanger zurückgelassen: für mich eine Krimi-Reihe, die Lieblings-Potential hat!

Die Töchter der Kälte – Camilla Läckberg

Nach langer Abstinenz bin ich endlich wieder in Fjällbacka/Schweden zum Ermitteln und fühle mich gleich wieder heimisch. Solider Kriminalfall, weiterer Ausbau der sympathischen Charaktere, der mich hoffnungsvoll auf die weiteren Bände blicken lässt. Ich fühle mich bei diesen Krimis gut versorgt: Spannung, Lokalkolorit, und Schmöker-Faktor.