Artikel mit ‘Skurril’ getagged

Letzte Nacht in Twisted River – John Irving

Donnerstag, 29. April 2010

Es juckt einen ja in den Fingern, ganz viel zu diesem wieder äußerst epischen Roman von Irving zu schreiben – gibt es doch soviel zu interpretieren, zu bemerken, zu entdecken. Und doch kann ich kurz sagen: Hat mir sehr gut gefallen, las sich schnell und mit Vergnügen! Der Roman hat zwar, irvingtypisch durchaus ein paar kleinere Längen, über diese kann ich jedoch großzügig hinwegsehen. Irving hat hier seine (für mich persönlich) am liebenswertesten Charaktere erschaffen. Seine Spielerei mit Namen und vorallem die  Beschreibungen von kulinarischem haben Charme und wecken immer wieder die Lust auf mehr. Trotzdem hat der Roman seine Ecken und Kanten, sein Unangepasstes, einige Schrägheiten und Skurrilitäten, wie man das von Irving gewohnt ist. Ich denke sowohl alte Irving-Fans kommen voll auf ihre Kosten als auch Neueinsteiger – ich jedenfalls war nach diesem Irving wieder absolut von seinem Können überzeugt. Wer mich auf 832 Seiten immer wieder zu überraschen weiss, trotz das einige Motive bereits aus früheren Romanen bekannt sind und mich trotzdem auf hohem, literarischen Niveau unterhält und mich zwischendurch lachen und weinen läßt  – der kann es einfach!

Vatermord und andere Familienvergnügen – Steve Toltz

Sonntag, 28. März 2010

Was für ein Roman! Nicht nur das er ziemlich dick ist, nein, er ist auch wirklich ein beeindruckendes Debüt eines Australiers! Der gute Herr Toltz hat ein klasse Leben vor sich, wenn er so weiterschreibt. Dieser Roman hat alles – irrwitzige Ideen, eine Verbrecher-Geschichte in der nichts so ist, wie es auf den ersten (einfachen) Blick scheint, Vater-Sohn-Erlebnisse der ganz anderen Art und viel philosophischen und skurrilen Witz. Ich habe viel gelacht, den Kopf geschüttelt, habe das Buch ungern weggelegt. Der Autor wechselt zwischen einigen Erzählpassagen hin und her – zu meinen Lieblingen gehört definitiv der Anfang, der als Erzählung des Vaters an den jungen Sohn gestaltet ist, als er ihn darüber aufklärt, das sein Onkel einer der meistgesuchten Verbrecher Australiens war… Erfrischend und so voller Charme des unangespassten. Mich hat das Buch durchweg begeistert, auch wenn Toltz an einigen wenigen Stellen etwas in Nebenhandlungen abgleitet, so bereiten diese nur den Weg zum furiosen Finale und müssen im Nachhinein genau dort stehen. Ein Feuerwerk, das sich perfekt über 800 Seiten selbst abfackelt…;-)

Gargoyle – Andrew Davidson

Freitag, 26. Februar 2010

Ein schwer zu beschreibendes Buch. Keine wirkliche Fantasy, aber auch nicht “real” genug um rein als normaler Roman gehandelt zu werden. Davidson vermischt die Lebensgeschichte seines Protagonisten, einem Brandopfer das sein Schicksal kaum zynischer bewerten könnte, mit der Geschichte einer ungewöhnlichen Bildhauerin, Marieanne Engel. Diese steht eines Tages am Krankenbett und behauptet, beide würden sich schon lange kennen – aus früheren Leben, wo beide ein Liebespaar waren. Der Autor benutzt Rückblenden, Rauschzustände und Erzählungen um so nach und nach ein irrwitziges Konstrukt zu bauen – und nicht nur der Leser fragt sich – wieviel davon ist “wahr”? Ist Marieanne Engel wirklich so alt oder hat sie einfach nur eine wahnsinnige Vorstellungskraft, vermischt mit Geisteskrankheit?

Ich habe mich etwas schwer getan, dennoch zu Ende gelesen, was für mich bei fast 600 Seiten durchaus ein Merkmal dafür ist, das es mir stellenweise sehr gefallen hat. Allerdings ist die Geschichte zeitweise wirklich sehr abgedreht und nicht jedermanns Sache – auch die einzelnen Erzählperspektiven haben unterschiedliches Kaliber.

Wer gern ungewöhnliches liest, eine Vorliebe für Sagen und Historisches hat und viel Sarkasmus, dem sei Gargoyle durchweg empfohlen. Wer eine innige Liebesgeschichte erwartet, wie es zum Teil beworben wird, dem würde ich eher etwas anderes in die Hand drücken.

Die Lady im Lieferwagen – Alan Bennett

Dienstag, 15. September 2009

Das Buch vereint gleich 3 Vorzüge in einem: erschienen im Wagenbach Verlag, den ich sehr schätze, geschrieben von Alan Bennett, den ich seit „Die souveräne Leserin“ einfach klasse finde UND: es ist einfach eine tolle, irrwitzige Geschichte. Miss Shepherd gehört der Lieferwagen, der irgendwann in der Einfahrt steht – und dort bleibt er 20(!) Jahre. Bennett hat über die Schrullen und Einfälle dieser sehr ungewöhnlichen Frau Tagebuch geführt…die in diesem Lieferwagen Kommandozentrale, Wohnstatt und Denkerklause vereint. Einfach ein herrliches Stück britischer Komik.

Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot – Sibylle Berg

Donnerstag, 20. März 2008

Das hat mir richtig gut gefallen, lauter kurze Fragmente von Menschen zwischen 16 und 80, die auf irgendeiner Art zusammengehören, aber auch wieder nicht. Herrliche Schilderungen. In vielem erkennt man sich doch erschreckt wieder. Und doch, überall blitzt nochmal Hoffnung auf. Vielleicht gibt es das große Glück ja doch noch, nach all dem Scheiß? Klasse! Von ihr werde ich ganz sicher noch mehr lesen!

Freaks – Joey Goebel

Donnerstag, 20. März 2008

Toll! Nur 192 Seiten und doch hab ich nicht das Gefühl das irgendwas zu kurz gekommen sei. Eine Band die aus völlig unterschiedlichen Leuten besteht, das jüngste Mitglied ist etwa 8, die älteste schon weit über 70. Und trotzdem. Sie rocken. Sie wollen auf die Bühne. Und überhaupt: normal sind die alle nicht. Und es macht grandiosen Spaß das zu lesen!

Das Albtraumreich des Edward Moon – Jonathan Barnes

Donnerstag, 20. März 2008

Kann man sich vormerken, wenn man eine Vorliebe für Skurriles, mittelmässig ekelhaftes und eine verwundene Story hat. Irgendwie hat es auch Witz und einige richtig gute Szenen, ein paar ungewöhnliche Charaktere – ein Fantasyhistorisch-abgedrehter Roman. Aber wie gesagt – es ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich glaube trotzdem das es seine Fans findet.

Bücher auf Rädern – Ian Sansom

Montag, 01. Januar 2007

Also das war echt spannend :) Die Geschichte dieses etwas naiven britischen Bibliothekars dessen erste “Amtshandlung” darin besteht, 15.000 gestohlene Bücher wieder aufzustöbern und wie die Einheimischen ihn dabei “unterstützen”, das ist teilweise richtig komisch, man erfährt noch so einiges über Irland und Gepflogenheiten und mir gings jedenfalls so das ich am Ende riiichtig gespannt auf die “Lösung” war. Und vorallem – das Buch hätte ruhig länger sein können, grade hatte man die Charaktere ins Herz geschlossen.