Logbuch eines unbarmherzigen Jahres – Connie Palmen

Ganz schön harter Tobak, für mein erstes Connie Palmen Buch. Ich wusste ehrlich gestanden nicht viel über sie, mein Verlagsvertreter legte mir aber dieses Buch ans Herz. Ganz klar ist: ich muss unbedingt noch I.M. lesen. Zudem glaube ich, wenn man andere Werke und ihre Geschichte kennt, kann man dieses Buch noch mehr schätzen. Es ist manchmal wie ein Dolchstoß in Herz, die Trauer, die Wut, die Regungslosigkeit. Ein Logbuch sehr dunkler Gefühle und doch immer wieder eine so ausdrucksstarke Liebeserklärung. Nicht leicht zu lesen und doch lohnt sich jede Seite.

Amy on the summer road – Morgan Matson

Ein Roadtrip ist ja ein vielstrapazierter Begriff in der Literatur. Diesmal passt er allerdings wunderbar auf dieses Jugendbuch. Im Verlauf dieses eher unfreiwillig begonnenen Trips werden sich die beiden Fahrer des Wagens sehr viel näher stehen als zu Anfang…Das Buch besticht durch seine Gestaltung: Musiklisten, Eintrittskarten, Infos zu Bundesstaaten, Speisekarten, Fotos und vieles mehr lassen den Leser gedanklich mitreisen und bringen einen näher ans Geschehen, als reiner Text es könnte. Ein wirklich schmökeriges Jugendbuch für den Sommer, mit einer leisen Liebesgeschichte, auch ein wenig traurig aber vorallem einfach schön und mit viel Humor geschrieben!

Abschied für Anfänger – Anne Tyler

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt, recht vorhersehbar und es war mir ein wenig zuviel „alles geht am Ende auf“-Gefühl. Bei einem anderen Autor würde ich es wohl als fast schon kitschig bezeichnen. Nicht so allerdings bei Anne Tyler – zum einen schreibt sie nicht seicht und zum anderen – das Leben kann durchaus diese Wendungen nehmen, „Geschichten die das Leben schrieb“ – und sie schreibt es so auf, dass ich es ihr abnehme.

Lieber Osama – Chris Cleave

Eigentlich fällt mir hier seit dem Lesen nur ein treffendes Wort ein: Heftig. Heftig, heftig, heftig. Hier kommt wirklich einiges an Leid, Dreck, Elend zusammen. Hier wird geflucht, verflucht, eine Frau verliert ihre Familie und fast auch sich selbst. Der Brief, den sie an den „Verursacher“ des Anschlags schreibt, hat sich gewaschen … tue mich sehr schwer: wem möchte ich so ein Buch empfehlen? Wer hält das durch und aus? Auch die Sprache ist nicht gerade “gediegen” – sie scheint mir authentisch, ist aber auch nichts zum lockeren Weglesen. Aber andererseits: es ist schon eine Kunst, so über eine Tragödie zu schreiben…

Mein fast perfektes Leben – Jonathan Tropper

Ein Mann versucht den Tod seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz zu verarbeiten. Eigentlich die ganze Handlung in einem Satz. Oftmals mit recht lapidarer, etwas krampfig wirkender “Lässigkeit” geschrieben … dann wieder ein kleiner besonderer Satz dazwischen, eine kleine Handlungssträhne die dieses Buch wieder aus der Mittelmässigkeit hervorheben will … allerdings so richtig klappt es nicht und es bleibt ein eher klischeebesetzter Roman. War schnell gelesen und auch soweit ganz “nett” – aber definitiv kein Lese-Muss für mich.

Sieben Minuten nach Mitternacht – Patrick Ness/Siobhan Dowd

Ein Buch über eine Krankheit. Ein Buch über das Sterben. Ein Buch über den Tod. Ein Buch über die Liebe eines Sohnes zu seiner Mutter. Ein Buch über Angst. Ein Buch über Liebe. Ein Buch über Loslassen.

Und all diese Dinge machen dieses Buch zu einem besonderen. Die Ausstattung ist sehr auffällig, die Illustrationen bringen die Geschichte noch näher an den Leser heran. Es ist ein Buch das gleich auf drei Ebenen an ein sehr sensibles Thema rührt – Erzähltext, Grafik und Fabeln. Es gab einen kleinen Punkt der mich störte, der mir das ganze zu unrealistisch erscheinen lies, das mag aber auch Geschmackssache sein. Wichtig war, das ich zum Schluss doch etwas erschlagen von der Wucht die dieses Buch hinterlässt dasaß und ein wenig weinen musste.Was dieses Buch schafft ist, zu zeigen, das es im Angesicht des Todes einer geliebten Person kein richtig oder falsch gibt. Das manchmal der Tod selbst uns am meisten über das Leben lehren kann.

Der letzte unsichtbare Junge – Evan Kuhlmann

Finn wird langsam aber sicher unsichtbar. Er hat fast schon Angst, selbst zu verschwinden. Kann diese seltsame Farblosigkeit etwas damit zu tun haben, das sein Vater gestorben ist? In seinem Tagebuch hält Finn die Erinnerungen fest, die er mit seinem Vater verbindet, die neue Struktur der Tage, die ihm so fremd vorkommt und fragt sich immer wieder: wird er irgendwann wieder sichtbar werden?  Finn gestaltet sein Tagebuch mit Zeichnungen und schreibt sich die ganzen Dinge, die er weder mit seiner Mutter noch mit seinem Bruder besprechen kann, von der Seele. Das zu lesen, das rührt einen an, man fragt sich zusammen mit Finn, warum manche Dinge so passieren. Es ist schwer ein Buch zu beurteilen, das etwas so individuelles wie Trauer behandelt. Es wählt jedenfalls eine sehr schöne Idee aus, mit der Finn seine Gefühle ausdrückt – vielleicht gibt es irgendwo einen anderen 12jährigen, dem es genauso geht…ich kanns mir jedenfalls vorstellen…

Eismond – Jan Costin Wagner

Kann ein Deutscher wirklich gut einen Krimi schreiben, der in Finnland spielt? Ja, er kann! Eine sehr zurückhaltende, ruhige Sprache, dazu eine gewisse Grundtraurigkeit und interessante Charaktere rund um den Ermittler Kimmo Joentaa. Hat mir gut gefallen, erinnert ein wenig an Karin Fossum, deren schwedische Krimis ich auch sehr schätze. Ist ja der erste Krimi mit Kimmo, ich denke das dort der Grundstein gelegt wird, für weitere Entwicklungen. Gut gelungenes Debüt! Für alle Krimi Leser, die leise Zwischentöne schätzen und die Schönheit Finnlands.