Strand am Nordpol – Arnaud Dudek

Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch nach der Lektüre zuklappt und denkt: also hier hat einfach alles genau gepasst? Eine ungewöhnliche Freundschaft und eine alte Liebesgeschichte mit abruptem Ende. Ein federleichter, französischer Stil, der hier und da in einen charmanten Plauderton verfällt und doch nie ins Kitschige abgleitet. Es gibt ein paar Ausflüge in die Schwermütigkeit und doch ist es nie bitter. So ein Buch ist Strand am Nordpol – ein wunderbares Geschenk für alle, die gerne Geschichten lesen, wie sie das Leben schreibt.

Interview mit dem Tod – Jürgen Domian

Ich glaube, ich habe mir etwas anderes unter diesem Titel vorgestellt – und war trotzdem nicht enttäuscht. Die Idee, den Tod als Interviewpartner einzuladen, holperte für mich zwar an einigen Stellen, aber das kann auch an unterschiedlichen Blickwinkeln liegen. Spannend fand ich die Erzählungen über die Arbeit von Jürgen Domian und sehr eindringlich seine eigenen Erfahrungen mit dem Tod und dem Sterben, vorallem auch der Begleitung von Sterbenden, Hospizarbeit und das Erleben. Ein Buch zu einem wichtigen Thema, über das insgesamt noch viel zu wenig gesprochen und geschrieben wird.

Hanauer Kanon – Hrsg. Dieter Dausien

100 Hanauer wurden nach ihrem Lieblingsbuch gefragt – auch ich. Das erste Buch, was der Buchladen, in dem ich arbeite, herausgibt und ich stehe drin – ein wirklich wunderbares Gefühl. Neben der Bibel, Brüder Grimms Märchen, Harry Potter, Kinderbüchern, Krimis, Liebesgeschichten findet sich auch mein Herzensbuch: Kafka am Strand von Haruki Murakami. Das Projekt hat viel Zeit, Nerven und Kraft gekostet – aber der Stolz, dieses leinengebunde Buch am Ende in den Händen zu halten, über die Seiten zu fahren und die Lieblingsbücher aller zu entdecken, an diesem bunten Strauß Literatur zu schnuppern – unbezahlbar.

Taxi – Karen Duve

Unterhaltsam mit Schwächen. Mir hat der erste Teil gefallen, angenehm kurios und süffig geschrieben, der zweite fiel für mich etwas schwächer aus. Insgesamt schwerer, es zu beurteilen, weil sie zwar 13 Jahre Taxi gefahren ist, aber nicht klar ist, inwiefern es nun ihr eigenes Erleben ist oder ein Roman mit eingewebten Erinnerungen. So etwas kann mir während des Lesens ein bisschen den Spaß nehmen.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

Es gibt Bücher, zu denen kehrt man gerne zurück. Die man nur widerstrebend beiseite legt, um sich im gleichen Moment darauf zu freuen, sie wieder zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Spannend, genau beobachtet und durchzogen von Erinnerungen, lässt dieser Roman, der fast ein Krimi sein könnte, keine Langeweile aufkommen, fesselt den Leser und obwohl er schon 700 Seiten umfasst, er hätte auch noch länger andauern können…Wunderbarer Schmökerstoff!

 

Raum – Emma Donoghue

Selten hat mich ein Buch so zerissen zurückgelassen. Kein Wunder, hatte ich es doch vor diesem Versuch bereits zweimal begonnen und wieder ins Regal zurückgestellt. Mit dem ersten Abschnitt, in dem eine junge Frau und ihr Sohn, eingesperrt von einem hochgradig gestörten Mann, in „Raum“ versuchen, ihr Leben so gut es geht auf wenigen qm zu bestehen, hatte ich so meine Probleme. Das lag vorallem an der Beschreibung, der sehr kindlichen Sprache, die wohl als Stilmittel dienen sollte, sich für mich aber enorm anstrengend las. Rausgerissen hat es für mich der zweite Teil, nachdem sich die Situation verändert – das fand ich einnehmend zu lesen, ein besonderer Einblick. Insofern – ich frage mich, wem ich dieses Buch empfehlen kann, der eine Teil kann nicht ohne den anderen und doch hält er mich davon ab, das Buch allzu enthusiastisch zu beschreiben.

Anständig essen – Karen Duve

Bei meiner momentan, neben dem Lesen, größten Beschäftigung, mit Kochen und Ernährung, war die Duve ja quasi Pflichtlektüre. Speziell ihre Verbindung von persönlichen Erfahrungen, sehr ehrlichen Statements und auch mal Ratlosigkeit, gepaart mit ihrem Selbstversuch verschiedener Ernährungsweisen machten das Buch für mich zu einer runden Sache – spannend zu lesen, für den ein oder anderen in der Entscheidungsphase sicherlich ein Augenöffner. Ausreichend provokant, der moralische Zeigefinger taucht so nicht direkt auf, viel mehr eine offene Empörung, ein Anprangern von Missständen, das ganze in einem direkten und ansprechenden Stil.

Peace Food – Rüdiger Dahlke

Grundsätzlich war dieses Sachbuch interessant zu lesen, die ein oder andere Erkenntnis über Ernährung und Lebenmittel auch wirklich erhellend. Was mir das Lesen allerdings ordentlich verleidet hat, waren so der ein oder andere stark esoterische Anklang, einige wirklich völlig subjektive Anschuldigungen, moralische Keulen und auch ein Stil, bei dem ich mich fragte, wie ich dieses Buch ernst nehmen soll. Teilweise wirkte es wie ein Ausatz, in dem Schlussfolgerungen nach dem Prinzip “Habe mir viele Gedanken darum gemacht, also ist das so!” geschrieben wurden! Ärgerlich, weil der Grundgedanke des Buches gut ist und ich ganz vieles, auch durch weitere Lektüre auch durchaus als richtig emfinde. Die Darstellung und Präsentation schafft es aber für mich, sich da selbst einen Strich durch die Rechnung zu machen.