Archiv für die Kategorie ‘G’

Der Russe ist einer, der Birken liebt – Olga Grjasnowa

Donnerstag, 09. Februar 2012

Hier hat mich vieles interessiert: der lange Titel, die Protagonistin Mascha die viele Sprachen spricht, die kantig schien, ungewöhnlich, sich mit ihrer Herkunft auseinandersetzt – noch dazu bei einem meiner Lieblingsverlage, bei Hanser erschienen. Und doch bleib dieses Buch blass. Es las sich angenehm, die Geschichte fing verheissungsvoll an…und dann lief es so vor sich her, drehte sich immer weiter und ich fragte mich: Wohin geht es? Was möchte mir die Autorin sagen? Und auch Mascha wird immer konturloser, blasser, ist kaum noch zu fassen. Ich habe das Buch zugeschlagen und gedacht: Hm! Leise Enttäuschung bleibt zurück.

Ewig Dein – Daniel Glattauer

Freitag, 03. Februar 2012

In der gewohnt charmanten Manier von Glattauers Romanen beginnt diese augenscheinliche Liebesgeschichte – ein Kennenlernen, ein Kribbeln, ein neuer Mann im Leben von Judith, der liebenswürdige, sehr verliebte Hannes. Nach dem großen Erfolg seiner beiden Emmi&Leo-Romane hätte Glattauer auch einfach wieder eine Liebegeschichte der “üblichen” Art schreiben können – er hat jedoch alles richtig gemacht und genau das nicht getan!  Statt dessen schleicht er sich auf ungewohnt spannende Pfade, baut langsam eine gewisse Bedrohlichkeit auf und haut dem Leser seine Erwartungen um die Ohren. Und das liest sich einfach gut und abwechslungsreich, denn auch der Humor kommt durch einige wirklich herrlich karikierte Nebenfiguren nicht zu kurz. Mal etwas ganz anderes, überraschendes – hier kommen sowohl Fans vom Autor als auch jene, die ihn noch nicht kennen, auf ihre Kosten!

Margos Spuren – John Green

Freitag, 27. Januar 2012

John Green ist so ein Autor der mich seit Jahren geradezu verfolgt. Seien es meine Kolleginnen die sich samt und sonders auf “Eine wie Alaska” eingeschossen haben und das leidenschaftlich empfehlen, Besprechungen auf Blogs oder meine Freundin Christine von Lesemomente, die mir diesen Autor ebenso ans Herz legte. Nun lastet also gewisser Erwartungsdruck auf Herrn Green. Zum Glück weiss er ja nichts davon und hat hier ein Buch vorgelegt, das den ganzen Vorschusslorbeeren stand halten konnte. Er bevölkert das Buch mit vielen ungewöhnlichen Figuren, allen voran der geheimnisvollen Margo. Man spürt wie sehr ihm seine Figuren nahestehen, etwas was mich sehr für dieses Jugendbuch einnahm. Er hat mich mehrfach schwer grinsen lassen, weil ich die verrückte  Szenerie direkt vor Augen hatte   – um ein paar Sätze später schon fast wieder philosophisch zu werden, manchmal fast ein wenig schwermütig. Gerade diese Stellen haben es mir angetan. Es ist mehr als der typische “Roadmovie”, es ist eine temporeiche Geschichte über Abschiede, über Leben, über das Gesehen-werden und Freundschaft. Geht in Kopf, Herz und Bauch und bleibt. Empfehlung meinerseits!

Two Weeks with the queen – Morris Gleitzman

Montag, 17. Oktober 2011

Ein dünnes Jugendbuch über 2 ungleiche Brüder. Als der jüngere Bruder schwer erkrankt, schicken die Eltern den älteren, um ihm die harten Zeiten am Sterbebett zu ersparen, von Australien nach Großbritannien, zu Verwandten. Sein Bruder muss wieder gesund werden, hämmert es in seinem Kopf – was liegt da näher, als die Queen zu bitten, ihre besten Ärzte zu mobilisieren? Nur das so ein Rankommen an die Royales sich deutlich schwerer gestaltet als geplant… Der Titel lässt zunächst das offensichtliche vermuten, nach und nach entfaltet sich aber noch eine ganz andere Geschichte innerhalb der Geschichte. Ein bisschen ratlos bin ich – das Buch war schnell gelesen, aber die ein oder andere Handlung lief mir zunächst zuwider. Vielleicht hat Gleitzman das zeigen wollen – das nicht jede getroffene Entscheidung unbedingt die richtige ist oder auch sein muss, wenn man nur die Courage hat, am Ende auf sein Herz zu hören.

Dann – Morris Gleitzman

Samstag, 08. Oktober 2011

Die Fortsetzung von “Einmal“. Da ja immer die Gefahr groß ist zu spoilern, werde ich mich an dieser Stelle kurz halten und sagen: würdige Fortsetung, Gänsehaut, Tränen, absolut lesenswert. Auch hier wieder: ein Denkmal auch für Menschlichkeit innerhalb härtester Zeiten. Wow!

Einmal – Morris Gleitzman

Donnerstag, 22. September 2011

Manchmal macht man das ja so, im Urlaub…in anderen Buchläden stöbern. Da befand ich mich also in einem kleinen, gut sortierten Kinder- und Jugendbuchladen und zog dieses Buch heraus, weil mich das Cover ansprach. Las die erste Seite und fand diese erste Szene schon so eindringlich, das ich dieses Buch dann, wieder zuhause, direkt bestellt habe.

Ich glaube das es sehr schwer ist, über die Erlebnisse von Kindern zur Zeit des zweiten Weltkriegs zu schreiben, soviele Facetten die dabei bedacht werden wollen – und soviele schreckliche Dinge die passiert sind – und das für Kinder? Hier kann ich bei diesem Buch nur uneingeschränkt sagen: Ja! Lest dieses Buch mit euren Kindern und redet darüber! Felix ist 9 Jahre alt und altert innerhalb des Buches erschreckend schnell – denn er muss erwachsen werden. Ausnahmsweise möchte ich hier mal eine Paralelle ziehen zu einem anderen Buch das eine ähnliche Thematik und einen ähnlich alten Protagonisten hat, John Boyne mit “Der Junge im gestreiften Pyjama” – dieses Buch habe ich damals ziemlich kritisch beurteilt, es erschien mir sehr naiv und unglaubwürdig. Dagegen ist Gleitzman hier etwas gelungen, was ich als deutlich realistischer empfand: ein zunächst noch naiver, vertrauender Felix, der fest an ein Wiedersehen mit seinen Eltern, jüdische Buchhändler aus Polen die ihn vor 3 Jahren in einem Waisenhaus unterbrachten um zu “reisen”, glaubt. Nach und nach merkt und lernt Felix allerdings, was es 1942 bedeutet, Jude zu sein, auf der Flucht zu sein und sich zu verstecken.Und er steht für sich ein und die Menschen die ihm helfen und beistehen. All das hält er in seinem Tagebuch fest und erzählt Geschichten und vorallem diese eine, seine Geschichte, die ihm hilft zu überleben.

Mir liefen mehrfach die Tränen. Mich hat dieses Buch so berührt und es geht mir auch noch nach Wochen so, das es mich begleitet. Für mich ist diese Reihe (dazu mehr in den weiteren Leseeindrücken) wirklich einfach nur beeindruckend. Gegen das Vergessen. Für Menschlichkeit.

Mama, jetzt nicht! – Daniel Glattauer

Montag, 19. September 2011

Ein Band mit Kolumnen die Daniel Glattauer über die Jahre in einer Wiener Zeitung veröffentlicht hat. Ich sag mal: es war nett, einige Kolumnen haben mir sehr gefallen. Bei der einen oder anderen denke ich, wird der geneigte Österreicher sehr viel mehr lachen als ich, weil er einfach den Witz dabei versteht. Man kanns lesen, es ist jetzt aber kein Muss. Ich freu mich auf den nächsten Glattauer Roman!

Still Alice – Lisa Genova

Samstag, 17. September 2011

Als die Harvard-Professorin Alice anfängt Dinge zu vergessen, kommt ihr das zunächst nicht besorgniserregend vor. Als sie sich eines Tages während dem Joggen orientierungslos auf einer Straße wiederfindet merkt sie aber – etwas ist hier ganz und garnicht in Ordnung. Die niederschmetternde Diagnose: Alzheimer. Und das mit gerade mal 50 Jahren. Alice kämpft, sie will nicht aufgeben – und ihre Familie kämpft mit ihr. Ihr Mann der zunächst nicht an die Diagnose glaubt, die Kinder die sehr unterschiedlich reagieren – und auch die Frage, wielange Alice noch weiterhin unterrichten kann – eine Frau deren Leben aus Linguistik, Vorlesungen und fachlich brillanten Tagungen bestand. Das Buch schafft es einen solchen Einschnitt ins Leben sehr eindringlich zu schildern, mehr als einmal flossen mir mit Alice zusammen die Tränen, weil man merkte: Sie muss sich von ihrem alten Leben verabschieden, ist aber doch noch da…

Der Buchtitel passt wirklich gut, die deutsche Version “Mein Leben ohne gestern” trifft diesen Aspekt des Buches leider nicht richtig. Ein sehr aufwühlendes Buch!

Für jede Lösung ein Problem – Kerstin Gier

Freitag, 17. Juni 2011

Nett für zwischendrin, war sehr schnell gelesen – einige Male laut gelacht. Die Idee, für Abschiedsbriefe nach einem mißglückten Selbstmordversuch gradezustehen, garantierte schräge Situationen. Ist aber wirklich eher was “leichtes” – aber manchmal braucht man eben auch genau das. Was mir an Kerstin Gier gefällt ist ihr bodenständiger Humor – sie klingt in ihrer Schreibe nicht bemüht, was in sovielen “locker-leichten” Frauenromanen der Fall ist. Allein dafür mag ich sie!

Die Einsamkeit der Primzahlen – Paolo Giordano

Samstag, 02. April 2011

Wie oft liest man einen Roman, der einen zusammenzucken lässt, der einen mitleiden lässt – obwohl man die Protagonisten nichtmal unbedingt mag? Noch dazu im Kontrast zur recht düsteren Handlung in einer klaren Sprache und einem guten Stil. Das Buch ist keine leicht-lockere Urlaubslektüre. Und sicherlich auch nicht in jeder Lebenssituation passend, kein Buch das man als Geschenk mit ins Krankenhaus bringen würde. Ein schwieriges, ein kantiges und anstrengendes Buch. Aber gerade deshalb wirklich lesenswert!