Wir hier draußen (Eine Familie zieht in den Wald) – Andrea Hejlskov

Manchmal begegnet einem ein Buch, welches man aufschlägt, es nur kurz aus der Hand legt, um sich ein Käsebrot zu machen um dann direkt weiterzulesen. Ehrlich gestanden hatte ich das bei diesem Buch so nicht erwartet und je weiter ich las, desto mehr wuchs meine Begeisterung, weil mich diese Geschichte so überraschte!

Ich bin nun wahrlich nicht das, was man einen waschechten Outdoor-Fan nennt, keine enthusiastische Camperin oder stundenlange Waldspaziergängerin. Aber mich fasziniert es, angefangen bei Thoreaus Walden, dass Menschen sich in dieses einfache Leben in der Natur begeben – und diese Natur kann nicht nur wunderschön, sondern auch sehr unbarmherzig sein. Wir hier draußen (Eine Familie zieht in den Wald) – Andrea Hejlskov weiterlesen

Sechs Fragen zu “Schau mich an, wenn ich mit dir rede” von Monika Helfer

Eine Autorin, ein Buch, zwei Frauen, sechs Fragen,zwei Meinungen.

Österreich ist weit weg, zu schade, denn sonst hätten Mareike und ich uns sicherlich auf ein leckeres Stück Kuchen getroffen, beide mit dem Longlist-Roman in der Hand und hätten engagiert debattiert, welche Aspekte den Roman für uns haben herausstechen beziehungsweise haben durchfallen lassen. So behalfen wir uns mit sechs Fragen – die Antworten hätten wohl nicht unterschiedlicher ausfallen können!

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Du bellst vor dem falschen Baum – Judith Holofernes

Was muss man über meine Anfänge mit Judith Holofernes wissen? Das erste und einzige Festival meines Lebens, beinhaltete einen Auftritt von Wir sind Helden. Unvergessen, wie diese vier Menschen trotz Regen und Unwägbarkeiten die Bühne rockten – eine Erinnerung, die auch rund ein Jahrzehnt später für mich unvergessen bleibt. Ihre CDs habe ich allesamt verehrt, sei es die Musik, seien es die Texte – sie haben mich durch alles begleitet, waren in Dauerschleife in meinem ersten Auto zu hören, haben Lieben und Trennungen begleitet und man kann wohl sagen, dass ich ein wenig mit den Helden erwachsen geworden bin.       20160103_194135

Vor Jahren habe ich mit Freude ihren Tourbericht gelesen und als sich die Band auflöste war ich zwar traurig, gleichzeitig aber auch dankbar dafür, dass ich solange in den Genuß kam – schließlich hatte ich noch immer die CDs und immensen Respekt vor Künstlern, die sich auch trauen, irgendwann zu sagen: Das war schön! Macht es jut!

 

Man kann sich vorstellen, dass ich vor Freude juchzte, als ich entdeckte, dass es ein weiteres Buch geben würde, aus der Feder von Judith Holofernes. Sofort hatte ich es für eine Freundin als Geschenk bestellt und wartete auch selbst darauf. Wie das Leben manchmal so spielt und man jemanden kennt, der jemanden kennt, erreichte mich dann ein liebevoll signiertes Exemplar, was im Regal einen Ehrenplatz erhielt.

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Bevor ich diesen Leseeindruck schrieb, habe ich einige andere Rezensionen gelesen. Und darunter auch einige gefunden, die dem Buch eine ganz schön negative Breitseite verpassten. Jedem seine Meinung, es bleibt ja alles Geschmackssache. Und doch fragte ich mich: Haben diese Rezensenten das Buch verstanden?

Ich habe es mit Begeisterung gelesen, immer wieder herausgeholt. Hier wird mit Sprache gespielt und wenn ich mich dafür nicht begeistern könnte, wäre ich wohl kaum Buchhändlerin geworden. Schon zu Heldenzeiten haben mich die Texte begeistert, gerade die, die sich nicht sofort erschlossen, die meinen Gedanken die Chance gaben, sich auf verschlungene Pfade zu begeben. Die Gedichte von Judith Holofernes zergehen einem auf der Zunge. Lest sie laut vor, lest sie euren Kindern vor und euch selbst. Schmeckt die Worte, genießt das Wortspiel, den Spaß an kleinen Verrücktheiten und daran Sprache sinnlich zu erleben.

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Es ist ein Gedichtband, dessen Illustrationen von Vanessa Karré ebenfalls dazu einladen, sich in einem Gedankendschungel zu verlieren. Was haben einige Kritiker davon erwartet, dass sie sich so enttäuscht fühlten? Ich begreife dieses Buch als eigenwillige Kunst, denn so ist mein Gefühl beim Lesen. Ich verharre, ich spreche, zische, trillere die Verse. Ich verweile bei einem Gedicht länger als bei einem anderen, bin in einem Museum der Tiere unterwegs, welches mich herausfordert und zum Lachen bringt, wo jemand den Mut hat, sich auszudrücken und seine Kunst zu leben.

Was kann ich von einem Buch und der Kunst mehr wollen? Danke dafür!

Die beste Zeit unseres Lebens – Maeve Haran

Als ich als Buchhändlerinnenlehrling, als sogenannter “Stift” anfing, zählte Maeve Haran, auch aufgrund der Sortierung unserer Dorfbibliothek zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Ihr neuer Roman widmet sich der Generation 60+. Das Cover führt ein wenig in die Irre, leicht-lockere Sommerlektüre ist es nicht, die uns hier erwartet, allerdings kommt Haran leider auch nicht ohne eine Menge Klischees aus. Nett zu lesen – ja. Richtig begeistert – leider nein. Aus manchen Lesephasen wächst man wohl doch irgendwann heraus…

Samariter – Jilliane Hoffman

Ich weiß noch, dass ich “Cupido” las und zart besaitet wie ich damals war, die halbe Nacht nicht schlafen konnte, weil ich meinen Balkon nicht verriegeln konnte … Hoffmans Thriller standen für mich also für Spannung und Gänsehautgefühl. Das kam bei diesem Krimi allerdings nicht so recht auf. Obwohl die Morde gewohnt brutal vonstatten gingen, lag der Fokus viel mehr auf der unfreiwilligen Zeugin und ihrem schleichenden Zusammenbruch. So richtig abgeholt hat mich das nicht, die Protagonisten wirkten hölzern, ich habe mir sehr viel Zeit gelassen, das Buch zu beenden. In diesem Falle, kein gutes Zeichen.

Arbeit und Struktur – Wolfgang Herrndorf

Ich wollte dieses Buch in Ruhe lesen, Herrndorf quasi die letzte Ehre erweisen, indem ich das Buch nicht so zwischendrin lese. Ich fand es schwer, großartig und wieder verdammt schwer. Ich konnte es nicht am Stück lesen, es brauchte Zeit und Herrndorf hat für seinen gewählten Weg und seinen Blog meinen höchsten Respekt. Ich habe beim Lesen so oft an meine Freundin U. gedacht, die einen ähnlichen Weg gehen musste und die, wie Herrndorf bis kurz vor dem Ende schrieb, sich mitteilte und uns bat, es mitzutragen, es zu “ertragen“. Sie hat mich damals beeindruckt und tut es heute immer noch, 5 Jahre später. Ich bin mir sicher, dass ihr Herrndorfs Blog gefallen hätte. Das Buch hat mich mitgenommen, durchgerüttelt und ganz und gar nicht unbeeindruckt hinterlassen. Und auch, wenn ich genau wusste, wie es ausgeht – die Träne auf den letzten Seiten, die rollte. Danke Wolfgang Herrndorf!

Alle Eltern können schlafen lernen – Heilmann/Lindemann

Ich finde dieses Elternpaar einfach fabelhaft! Die beiden sind witzig, ehrlich und ich habe mehr als einmal gedacht: Ach, ist ja wie bei uns! Zwischen Herdprämie und Selbstverwirklichung gibt es noch einiges mehr und die Autoren geben einen wunderbaren und authentischen Einblick in das Leben mit Kindern, den Alltagswahnsinn, die fabelhaften Momente, die Peinlichkeiten, die besten Erlebnisse. Noch dazu erzählen sie ehrlich von gescheiterten Erziehungsversuchen, geben Tipps, die ich als alltagstauglich empfinde und vergessen eines dabei nicht – den Humor und die Liebe für ihre Familie. Daumen hoch!

Waffelsommer – Polly Horvath

Gewohnt skurril entwirft Horvath hier eine etwas andere Sommergeschichte rund um verschwundene Eltern und ein einsames Mädchen. Ich lese sie wirklich gerne, frage mich aber, ob die Zielgruppe (10 bis 12 Jahre) wirklich schon die großzügig gestreute Ironie der Buches erfassen kann. Die Autorin ist schon sehr speziell, ich empfehle sie aber gerne für geübte Leserinnen und Leser, die etwas anderes lesen möchten als Mainstream.