Indiebookday 2017

Alle Infos zu den vorgestellten Büchern zum #Indiebookday

New Yorker Geschichten von Dorothy Parker
übersetzt von Pieke Biermann und Ursula-Maria Mössner,
Kein & Aber Verlag

Die gelbe Tapete von Charlotte Perkins Gilman
übersetzt von Alfred Goubran,
braumüller Verlag

Zehn Tage im Irrenhaus von Nellie Bly
übersetzt von Martin Wagner,
AvivA Verlag

Strand am Nordpol von Arnaud Dudek
übersetzt von Bettina Deininger,
austernbank Verlag

Die Sonnenallee von Jörg Sundermeier
be.bra verlag

Das Buch der Wunder von Stefan Beuse
mairisch Verlag

Der Spaziergänger von Aleppo,
Weidle Verlag
übersetzt von Larissa Bender

Pferde wetten nicht auf Menschen von Susann Klossek ,
Gonzo Verlag

Kinder der verlorenen Gesellschaft von Safiye Can,
Wallstein Verlag

Fotzenfenderschweine von Almut Klotz,
Verbrecher Verlag

Jane, der Fuchs & ich von Fanny Britt und Isabelle Arsenault, Reprodukt Verlag
übersetzt von Ina Pfitzner

Warum ich lese herausgegeben von Sandro Abbate,
homunculus Verlag

Chirú von Michela Murgia,
Wagenbach
übersetzt von Julika Brandestini

Fürsorge von Anke Stelling,
Verbrecher Verlag

Mein pochendes Herz, Ae-Ran-Kim
Cass Verlag
übersetzt von Sebastian Bring

Der Club der Traumtänzer – Andreas Izquierdo

Hier und da wurde es mir etwas zu flapsig und unrealistisch, aber nun, das ist eine amerikanische Teenie-Komödie auch, die ich hin und wieder gerne sehe. Trotzdem hat mir der Stil gefallen und Gabor dabei zuzusehen, wie er ein bisschen weiser wird, das war schon sehr unterhaltsam (und ja, es ist eindeutig ein Unterhaltungsroman und der hat seine Sache wirklich ordentlich gemacht – ich fühlte mich unterhalten und hab es ganz schnell gelesen). Die Förderschüler fand ich einfach klasse – für mich die unbezahlbar beste Szene, als er mit den Schülern essen geht…das hatte viel Komik und gutes Timing. Und das Badabing – da musste ich immer schmunzeln. Der Protagonist verändert sich, wird aber immer auch ein wenig oberflächlich bleiben, vielleicht war auch deshalb das Buch an einigen Stellen für mich “too much” weil es eben aus seiner Sicht passiert. Beim Glücksbüro vom selben Autor ging es mir garnicht so.

Das Schneemädchen – Eowyn Ivey

Vielleicht war ich hier ein wenig voreingenommen, hatte ich doch von einigen Kollegen und Freunden soviel Gutes über das Buch gehört, auch, dass Taschentücher vonnöten wären. Wie es dann manchmal mit Erwartungen so ist: der Roman war wirklich gut zu lesen, die Geschichte angenehm aus der Zeit gefallen, aber das große Gefühl blieb (für mich) aus. Ein kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten angenehmen Lektüre.

Das Glücksbüro – Andreas Izquierdo

Ich habe eine große Schwäche für verschrobene und schrullige Charaktere. Und Albert, der im Amt für Verwaltungsangelegenheiten seit vielen Jahren Dienst tut (pflichtschuldigst!) und von allen unbemerkt, auch im Amt lebt, hat mein Herz im Sturm erobert! Dieses Buch strotzt vor herrlichen Einfällen, man grinst viel beim Lesen, ein echtes Wohlfühlbuch mit einigen kleinen magischen Einsprengseln und nicht zuletzt einer Liebesgeschichte…!

In einer Person – John Irving

Mit diesem Irving war es wie mit einem alten Ledersofa: draufsetzen, sich heimelig fühlen, jede Falte kennen, über den Stoff streichen…und sich doch vielleicht mal ein wenig Abwechslung wünschen. Auch wenn ich noch nicht alle vorigen Bücher von John Irving kenne, begegnen mir doch in diesem Buch soviele alte Bekannte, Themen und Motive aus vorigen Büchern, dass ich ein kleines bisschen enttäuscht war, weil es mich nicht mehr so „zog“. Trotzdem: ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und gerade die Theaterbezüge konnten mich begeistern, genauso wie die wunderbare Bibliothekarin, mit der Irving wieder eine herrliche Figur geschaffen hat.

Das Hotel New Hampshire – John Irving

Wie immer nach einem Irving bin ich ziemlich platt. Man muss ihn bewundern, für sein Fabulieren, seine Fantasie, seine schrägen und doch so glaubhaften Charaktere…und diese Fähigkeit, seitenweise genauestens alles auseinanderzuklamüsern, um einem dann in 3 lapidaren Nebensätzen eine Bombe vorzusetzen. Und es ist so schräg und dermaßen überzeichnet – ich schwanke immer zwischen Lachen und Entsetzen. Und er hat die Fähigkeit, mir eine Geschichte zu erzählen die ich nach einer kurzen Inhaltsangabe nie lesen würde, und die mich doch nicht loslässt. Wahnsinn. Einfach verrückt der Mann, aber in guter Weise. Wobei ich sagen muss, seine späteren Werke wirken dann doch angepasster und “Letzte Nacht in Twisted River” war auch unheimlich abgedreht, hat mir aber supergut gefallen.

Letzte Nacht in Twisted River – John Irving

Es juckt einen ja in den Fingern, ganz viel zu diesem wieder äußerst epischen Roman von Irving zu schreiben – gibt es doch soviel zu interpretieren, zu bemerken, zu entdecken. Und doch kann ich kurz sagen: Hat mir sehr gut gefallen, las sich schnell und mit Vergnügen! Der Roman hat zwar, irvingtypisch durchaus ein paar kleinere Längen, über diese kann ich jedoch großzügig hinwegsehen. Irving hat hier seine (für mich persönlich) am liebenswertesten Charaktere erschaffen. Seine Spielerei mit Namen und vorallem die  Beschreibungen von kulinarischem haben Charme und wecken immer wieder die Lust auf mehr. Trotzdem hat der Roman seine Ecken und Kanten, sein Unangepasstes, einige Schrägheiten und Skurrilitäten, wie man das von Irving gewohnt ist. Ich denke sowohl alte Irving-Fans kommen voll auf ihre Kosten als auch Neueinsteiger – ich jedenfalls war nach diesem Irving wieder absolut von seinem Können überzeugt. Wer mich auf 832 Seiten immer wieder zu überraschen weiss, trotz das einige Motive bereits aus früheren Romanen bekannt sind und mich trotzdem auf hohem, literarischen Niveau unterhält und mich zwischendurch lachen und weinen läßt  – der kann es einfach!

Beim ersten Kind gibts 1000 Fragen – Vicky Iovine

Bei der Flut an Schwangerschaftsratgebern fiel mir auch dieses in die Hände. Man kann es eigentlich kurz sagen: es ist ein netter Begleiter in der Schwangerschaft, wenn man es zusätzlich zu einem richtigen Sachbuch liest – medizinische Ratschläge oder Abläufe findet man hier nicht – aber dafür viele Situationen aus der Erfahrung von Vicky Iovine, die 4fache Mutter ist und ihren Freundinnen. Sicherlich ist einiges überspitzt und muss nicht ganz so schlimm werden. Auch ist nicht alles 1:1 nach Deutschland übertragbar, aber es gibt schon einen ganz guten Einblick auf die ganzen Dinge, die einen in einer Schwangerschaft so überollen und manchmal auch ratlos zurücklassen. Es lässt sich lesen wie ein guter Kaffeeklatsch mit Freundinnen: mit Spaß, direkt und ehrlich, einigen wirklich guten Tipps, es lässt nichts aus und schildert auch die nicht so angenehmen Begleiterscheinungen und man fühlt sich gleich ein bisschen entspannter – den anderen gehts ja auch nicht anders!

Garp und wie er die Welt sah – John Irving

Uff, das wird schwer. Weite Strecken des Buches: super! Grade der Anfang gefiel mir extrem gut. Irving hat einen unverwechselbaren Stil, er ist einfach ein großer Erzähler. Ich verstehe auch immer noch, warum ihn soviele Menschen lieben und gerne lesen. Zwischendrin kämpft man immer ein bisschen, ist aber am Ende immer froh, das man durchgehalten hat. Und trotzdem – ich stehe auf skurriles, mochte auch viele Personen im Buch gern (Jenny Fields, Roberta), die Ereignisse laufen toll zusammen – dennoch bin ich mit Garp selbst absolut nicht warm geworden. Auch einige Passagen waren für mich einfach zu heftig – ich habe mich wirklich gefragt, was der Autor da bezwecken wollte? Schockieren? Maybe…Als Gesamtkunstwerk ist es trotzdem lesenswert – den es geht einfach um die großen Themen, die Tabus, die Ängste – es gibt auch viele wunderbare Szenen und Metaphern. Ich glaube, ich werde Irving immer etwas anstrengend finden und trotzdem immer mehr von ihm lesen