Now! Entschleunigung – Selbstfürsorge – Lebensfreude – Ruth Knaup

Dieses Buch ist eine Erlaubnis zum Innehalten. Eine Einladung, tief durchzuatmen und sich für sich selbst Zeit zu nehmen. Denn wann tun wir das momentan, in unserem Leben? Wir multitasken, wir regeln und rödeln. Wenn wir krank sind, versuchen wir, möglichst schnell wieder gesund zu werden. Wir wollen etwas leisten, für unsere Familie da sein, wir hören nicht mehr genau zu, wenn unser Körper uns sagen will: Du brauchst mal Ruhe.

Ehrlich gestanden – so ging es mir auch. Ein wunderbares Jahr liegt bisher hinter mir, aber auch ein verdammt stressiges, forderndes. Es wurde dringend Zeit, mal auf die Bremse zu treten. Dazu hat in großem Maße dieses Buch beigetragen, in dem ich mich mehr als einmal wiedererkannte. In kurzen und aufgeräumten Kapiteln, die Übungen, Meditationen und Denkanstöße beinhalten, geht die Autorin eingeschliffenen Mustern und Verhaltensweisen auf den Grund. Sie beschäftigt sich mit Entschleunigung, damit, dass wir trotz allem, was auf uns einprasselt, die Wahl haben, wie wir leben, auch wenn das öfter mal das Wort “Nein” beeinhaltet und wir wieder neu lernen müssen, uns ganz auf Dinge einzulassen.

Sie schreibt über die oft vernachlässigte Selbstfürsorge, die Wichtigkeit, eigene Bedürfnisse zu erkennen und auch nach außen zu signalisieren. Denn wie können wir gut leben und für andere da sein, wenn wir uns nicht zuallererst mal um uns selbst kümmern? Ein dritter Abschnitt rundet das ganze ab, in dem sie über Lebensfreude schreibt, darüber, die Menschen und Erlebnisse in unserem Leben zu feiern, die uns gut tun. Beziehungen zu pflegen, Platz für Kreativität zu machen, verwegen zu sein.

Als ich dieses Buch gelesen habe, habe ich öfter innegehalten, habe mehr als nur eine Stelle markiert. Manchmal kommt das richtige Buch zur richtigen Zeit zu einem und dann schwingen seine Worte in Resonanz zu unseren Gedanken. Dann hinterfragen wir ehrlich, dann spüren wir, wie sich etwas in unserem Denken verschiebt und wir ein wenig mehr ankommen, in diesem, unserem Leben.

So oft sind wir auf der Überholspur unterwegs und vergessen, was wir und die Menschen um uns herum wirklich brauchen. Habt ihr auch das Gefühl, dass eine kleine Auszeit für euch gerade nicht schaden könnte? Dann nehmt dieses Buch mit!

Milk and Honey – Rupi Kaur

In den letzten Monaten ist mir ein Lyrikband immer wieder online begegnet, solange, bis ich ihn dann im Januar in Berlin in einem englischen Buchladen gekauft habe. Seitdem liegt er auf meinem Nachttisch, neben mir auf dem Sofa, begleitete mich auf Zugreisen, kurz – er ließ mich nicht los, er beschäftigte mich. Rupi Kaurs Gedichte treffen mich, zum Teil ist schon das Lesen schmerzhaft, gerade, wenn sie über Mißbrauch schreibt, was mir unglaublichen Respekt abnötigt.

Liebe kann verletzen, dich zerbrechen lassen und gleichzeitig alles überstrahlen und auch wieder heilen. Diese jeweiligen Extreme und Aspekte der Liebe lotet sie aus, in einer klaren Sprache, so, dass ich als Leserin oft denke – war sie dabei? Woher weiß sie so genau, wie es sich anfühlt, zu straucheln, sich in die Liebe hineinzuwerfen, an sich selbst zu verzweifeln? Gedichte, die man immer wieder lesen kann, die so wahrhaftig sind. Manche haben Stacheln, andere legen sich wie eine weiche Decke um mich.

Ja, dieser Gedichtband darf mich noch das ganze restliche Jahr begleiten und mir eine Zuflucht sein, ein Garten voller Wörter, eine kluge Begleiterin an meiner Seite.

“i am a museum full of art

but you had your eyes shut”

(S. 100, milk and honey)

Fotzenfenderschweine – Almut Klotz

Dies ist ein Buch über Liebe. Über Liebe, für die hart geackert wird. Die nicht einfach ist und kein Hollywoodklischee bedient. In der endlose Nächte lang gestritten wird, in der die Unterschiede oft stärker klingen als die Gemeinsamkeiten. Das klingt nicht nach Liebe, sagt ihr? Oh doch – und es beeindruckt mich um vielfaches mehr. Mit Wucht bekommen wir ungeschönte Szenen serviert, um gleich darauf wieder eine kleine Zärtlichkeit zwischen den Zeilen zu spüren. Gerade dieser so ehrliche und unverstellte Blick auf ihr Leben, ihre Beziehung mit Rev. Christian Dabeler und ihren künstlerischen Werdegang ist es, der mich das Buch in einem Zug durchlesen lässt.

Es ist ein Fragment, ein Text der nicht fertiggestellt werden konnte, aufgrund des Todes von Almut Klotz im August 2013. Dem Verbrecher Verlag gebührt großer Respekt dafür, dass er diesen Text, dessen Veröffentlichung der unbedingte Wunsch der Autorin war, nicht verändert hat, auch nicht die Stellen, in denen sie selbst auch mal nicht gut abschneiden. Und der Titel? sehe ich noch ein Fragezeichen in euren Augen aufleuchten. Der ist großartig. Wer dieses Buch liest (und dazu rate ich euch dringend) wird verstehen, warum.

 

 

Das Beste, was wir tun können, ist nichts – Björn Kern

Hier spielt natürlich der Titel eine ganz klare Rolle bei der Entscheidungsfindung, ob das Buch etwas für mich sein könnte. Bereits das großartige Buch von Katrin Passig und Sascha Lobo über das Aufschieben hatte mir eine charmante Gegenposition zu To-Do-Listen und Effizienz aufgezeigt. Kern tut in etwa dasselbe, nur, dass er dabei noch eine ganze Stufe weitergeht. Er schreibt unterhaltsam, man folgt ihm gerne auf seinem Abenteuer des Nichtstuns.

Und die abendliche Bank unter dem Birnbaum, die er auch gerne mal an einem Montag morgen um acht besetzt, die möchte man sich am liebsten auch sofort in den Garten oder auf den Balkon stellen. Ob sein Konzept 1:1 für jeden umsetzbar ist? Ganz sicher nicht. Aber er schafft es, dass man auf angenehme Art hinterfragt – was wird passieren, wenn ich XXX nun nicht tue? Und wieviel muss ich tun, um das Nichts tun noch genießen zu können? Ein Anstoß, der in hektischen und getriebenen Zeiten fast schon altmodisch anmuten mag, aber gerade heutzutage aktueller ist denn je.

Stand Up: Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene – Julia Korbik

Wenn man mich vor fünf Jahren gefragt hätte: Bist Du eigentlich Feministin? ich hätte eher ausweichend reagiert. In meinem Kopf gab es doch einige angestaubte Ideen davon, wie sich die feministische Bewegung inszeniert und ich fand mich dort nicht so recht wieder. In den letzten zwei Jahren hat sich das grundlegend geändert, was einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, sich Sachgebiete selbst zu erobern, sich mit Informationen zu versorgen und Klischees und Vorurteile stets kritisch zu hinterfragen. In letzter Zeit habe ich mich durch einige Literatur zum Thema gelesen und besonders beeindruckt hat mich Stand Up.

Das Buch punktet bei mir gleich in mehrfacher Hinsicht. Klug und unaufgeregt, und mit Spaß an der Sache erklärt Korbik Feminismus und all seine spannenden Facetten. Sie beginnt bei den Basics und führt uns über Imageprobleme der Bewegung bis hin zu unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Geschichte des Feminismus. Besonders ansprechend fand ich die eingestreuten Kurzvorstellungen von Feministinnen und Feministen – hier habe ich immer wieder Namen notiert und später recherchiert, habe mir Bücher dieser Autor_innen bestellt oder Youtube-Aufnahmen von ihren Aktionen angesehen (Anspieltipp Amanda Palmer – Dear Daily Mail). Das Buch macht dermaßen Lust darauf, selbst weiterzuforschen und ist eine Quelle der Inspiration für mich gewesen. Ich empfehle es momentan bei jeder sich bietenden Gelegenheit .

Es beinhaltet auch für die Fans von Fakten, Zahlen und Statistiken reichlich Material, was ich besonders als Untermauerungsstoff für Diskussionen hilfreich finde (ebenso den Anhang mit feministischem Glossar und Literaturempfehlungen). Noch dazu ist oftmals so ein Uff-Moment eingetreten, wenn man Zahlen schwarz auf weiss so geballt sieht (Gender Pay Gap als Beispiel). Im zweiten Teil des Buches widmet sich Korbik der Gleichberechtigung in fünf dicken Kapiteln zum Thema Biologie, Körper, Politik, Popkultur und Los geht’s. Auch hier finden sich wieder viele Aha-Effekte, Tipps zum Andersmachen, Weitermachen, Gedanken machen. Es gibt unzählige tolle Zitate und Fragen, die im Kopf bleiben und zum Nachdenken anregen – denn nach der Lektüre ist klar – es gibt noch viel zu tun!

Mein absolutes Lieblingszitat aus dem Buch ist das folgende:

You’re rooting for gender equality? Congratulations, then you are a feminist!

Und last but not least – Die Aufmachung. Knallbunt, modern und grafisch sehr ansprechend gestaltet ist das Buch ist eine wahre Augenweide!

Wenn guten Menschen Böses widerfährt – Harold S. Kushner

Wenn eine sehr gute Freundin Dir in schweren Zeiten ein Buch schickt, welches Linderung verspricht, dann ist allein das schon Balsam für die Seele. Dieses Buch hat nichts einfacher gemacht, es hat vielleicht keine Lösungen oder auch nur Licht ins Dunkel gebracht. Aber der Autor schlug sich mit den gleichen Fragen wie ich herum, er irrte, lief gegen Wände, fühlte und trauerte und er versuchte, Antworten zu finden, die er nicht bekam. Manchmal ist es schon tröstlich zu wissen, dass irgendwo auf der Welt irgendjemand das gleiche durchmacht wie Du selbst.

Macht, was ihr liebt – Anja Förster/Peter Kreuz

Ein Feuerwerk an Ideen, Inspiration und Motivation! Die Autoren wollen Energien freisetzen, zum kreativen Denken anregen und vorallem die Leser in ihrer täglichen Arbeit dazu bringen, aus gewohnten Denkmustern auszubrechen. Ein tolles Buch für einen (beruflichen) Neuanfang, für den Abiturienten, dem die Welt offen steht oder denjenigen, der seine Zeit, sein Wissen und seine Leidenschaft für das einsetzen will, was er liebt! Yeah!

Sehr geehrter Herr M. – Herman Koch

Ein etwas kantigeres Werk von Koch, welches durch die Perspektivwechsel nicht einfach zu lesen ist. Länger irrt der Leser ein wenig im Roman herum, weiss nicht recht, in welche Richtung er gehen wird. Gibt man dem Buch allerdings eine Chance, so entspinnt sich eine Geschichte, die langsam und unaufhaltsam auf die Katastrophe hinsteuert – perfide, böse und mal wieder eine Herausforderung an unsere Vorstellung von Moral und Ethik.

Der Code – Fredrik T. Olsson

Ich sage es ja immer wieder gerne, ich lese kaum Krimis. Auf diesen hier stiess ich durch den hr-iNFO-Büchercheck und es hat sich für mich gelohnt. Actiongeladen, spannend und natürlich geht es um nichts weniger als um die Rettung der Erde. Hat mir Spaß gemacht, war intelligent geschrieben und hat immer noch ein Schippchen Spannung draufgelegt.