Flugschnee – Birgit Müller-Wieland

Lucy. Lorenz. Helene. Vera. Arnold. Das sind die Stimmen, die in einem Zeitraum von rund 20 Jahren eine Familiengeschichte erzählen. Und auch der abwesende Simon, der Bruder von Lucy, erzählt durch sein Fehlen auf ganz eigene Art seinen Teil der Geschichte. Flugschnee, so heißt der Roman und auch das Cover passt zur Erzählweise des Buches. Viele einzelne Schneeflocken fliegen umher, Erinnerungsfetzen, Kindheitseindrücke, Erzähltes, Gehörtes, Gesagtes. Nach und nach bilden sich Muster in diesem wilden Erzählsturm, um dann doch gleich wieder im Weiss zu verschwinden. Aber je weiter man vordringt, desto klarer wird die Sicht und die Ahnung, dass all diese Schneeflocken zusammengesetzt ein Bild ergeben werden, die Geschichte einer Familie, die ein Geheimnis viel zu lange verbarg und nun droht, an ihm zu zerbrechen.

Kunstvoll erzählt, in einem ruhigen Stil, der mir sehr gut gefallen hat. Für mich zurecht auf der Longlist!

Briefe an junge Autoren – Colum McCann

Es gibt keine allgemeingültige Anleitung zum Schreiben und in seinen Schreibseminaren gibt der Autor zur Eröffnung stets zu bedenken, dass er sich außerstande fühlt, den Lernenden überhaupt etwas beibringen zu können. Und trotzdem setzt Colum McCann sich hin und verfasst einen Schreibratgeber. Warum?

Weil es gut tut, nicht alleine zu sein, mit seinen Sorgen. Weil es tröstlich sein kann, ja und auch inspirierend, sich beim Lesen als Teil eines großen Ganzen zu begreifen. Zu wissen, dass sich alles auch bei den “Großen” manchmal erst nach langen Durststrecken und vielfachem Scheitern entwickeln konnte. Briefe an junge Autoren – Colum McCann weiterlesen

Dass wir uns haben – Luise Maier

Manchmal lese ich ein Buch, das so schmerzhaft ist und soviel in mir anrührt, dass ich mich frage, wie ich dieses Buch empfehlen kann und soll. Und gleichzeitig ist mir bewusst, wie wichtig diese Bücher sind, die den Finger auf die Wunde legen. Die Schmerz sichtbar machen, unsichtbare Familiengefüge ans Licht bringen und die uns aufschrecken lassen. Dass wir uns haben – Luise Maier weiterlesen

“Mein erster Gedanke war: Dankbarkeit!” Blogbuster 2017

Als Buchhändlerin lese ich oftmals Bücher lange vor ihrem Erscheinungstermin. Dass ich sie aber schon als Manuskript zu lesen bekomme, ist neu und die Schuld daran trägt der Blogbuster, die Idee von Tobias Nazemi (aka Buchrevier). Drei Manuskripte schafften es in meine Endauswahl und die Entscheidung  war wirklich nicht leicht. Für meine Nerven ist das auf Dauer nichts .

Bevor ich meine Kandidatin für den Blogbuster verkünde, möchte ich den beiden anderen, die auch noch im Rennen waren, ein großes Kompliment machen!

Valentin Tschiller und sein Manuskript  Jener Tag, an dem der Tod mit der Gesamtsituation unzufrieden war haben mich herrlich unterhalten. Ich habe weite Passagen meinem Mann vorgelesen und wir haben lauthals gelacht über die Schwierigkeiten, die es so mit sich bringt, als Jugendlicher Assistent des Todes zu werden. Besonders die popkulturellen Anspielungen, die der Autor immer wieder einbaut, trafen genau unseren Humor. Valentin wünsche ich ganz dringend einen Verlag, denn ich wüsste auf Anhieb schon diverse Kunden, denen ich das Buch empfehlen möchte!

Richtiggehend liebgewonnen habe ich die Protagonistin des zweiten Manuskripts Nach dem Tod gleich links von Antje Backwinkel. Auch hier spielt der Tod eine große Rolle, ans Herz gewachsen ist mir aber Else, die eine Vorliebe für alles mit Kuhfellmuster und Eierlikörpralinen hat und sich für ihre große Liebe sogar mit dem Tod anlegt. Klingt schräg? Ist es auch, aber so unterhaltsam und stets mit ein wenig Ernst im Hintergrund. Auch Antjes Werk möchte ich irgendwann in gedruckter Form im Laden liegen haben – sie hat es verdient!

Und nun, der Trommelwirbel, der Tusch, die Lichter im Saal gehen aus und Spot on auf die Blogbuster-Kandidatin mit der ich ins Rennen gehen werde:

Brigitte Morgenroth mit “Hundeseele”

Brigitte Morgenroth (c) Marco Reiss

Ein Dorf im Allgäu der 50er Jahre – Über den Krieg spricht man nicht, die katholische Kirche gibt die Regeln vor und der Rhythmus der Jahreszeiten bestimmt die Arbeit. Als Greta, Lehrerin der Dorfschule, ein Mädchen aufnimmt, das unter Hunden aufgewachsen ist, zeigt die Fassade Risse. Es ist die Geschichte einer Frau, die für ein traumatisiertes Mädchen kämpft – und eine Tochter gewinnt. (Brigitte Morgenroth)

Als ich diesen kurzen Abschnitt, der dem Exposé vorangestellt war las, machte etwas in mir KLICK. In diesen wenigen Zeilen steckte bereits soviel Sprengkraft, allein schon die Fragestellung, welchen Einfluss es auf einen Menschen hat, unter Tieren aufzuwachsen. Ich las das Manuskript mit wachsender Begeisterung, trotz der Schwere der Nachkriegszeit, die über dem ganzen liegt. Bewunderte die Dorfschullehrerin Greta für ihren Mut, für das “Hundemädchen” Waltraut (später Lili) einzustehen. Litt mit Lili, die zwischen Mensch und Hund hin- und hergerissen war, verfluchte das engstirnige Dorf und hielt den Atem an, als es bedrohlicher wurde. Denn längst nicht alle sind einverstanden mit dem Handeln Gretas. Das “Hundemädchen” ist vielen ein Dorn im Auge, die Dorfgesellschaft fühlt sich bedroht und die Situation spitzt sich zu…


Für mich hat dieses Buch alles, was ich von einer guten Geschichte erwarte. Brigitte Morgenroth hat einen Roman geschrieben, der einen packt und nachdenklich werden lässt und ich freue mich so sehr, dass ich mit solch einer starken Kandidatin ins Rennen um den Blogbuster gehen darf.

Greta fragt sich zunehmend, wo die Grenze zwischen Mensch und Tier liegt. Was trennt sie: Intelligenz, Humor, die Fähigkeit zum Mitgefühl? Hat der Krieg nicht gerade gezeigt, wie tierisch Menschen sein können? Und zeigt das Verhalten von Lilis Hundefamilie nicht Qualitäten, die man eigentlich Menschen zuschreibt? Greta lernt, das Tier in Lili zu respektieren und entdeckt ihre eigene Animalität. Das macht ihr Mut, sich auf eine Beziehung mit dem Arzt Karl einzulassen.

Bereits beim Lesen ging es mir so, dass ich die Schilderungen des hündischen Verhaltens enorm gelungen fand. Deshalb beeindruckte es mich besonders, dass Brigitte Morgenroth für ihren Roman intensiv recherchiert hat. Durch ihre eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen mit Tanztheater geprägt, kroch sie beispielsweise auf allen Vieren, um zu erspüren, wie sich die Perspektive der unter Hunden aufgewachsenen, 16jährigen Lili anfühlte. Diese Hingabe an ihr Thema und für ihre Figuren, zieht sich durch den ganzen Roman. Die Thematik hat auch einen realen Bezugspunkt, wie sie im Exposé erläutert: “Der Roman nimmt Bezug auf das Schicksal von Oxana Malaya (geb. 1983) aus der Ukraine, die mit drei Jahren Zuflucht bei der Hündin auf dem Hof ihrer alkoholkranken Eltern fand. Mit acht Jahren kam sie in ein Heim. Sie weist hündisches Verhalten auf, bellt, knurrt und läuft auf allen Vieren, kann jedoch sprechen und sich menschlich verhalten.”  Mehr über Oxana Malaya (Youtube)


Über sich selbst schreibt Brigitte Morgenroth (Jahrgang 1963), die in Darmstadt und Berlin wohnt und arbeitet :

Ich bin Biologin und arbeite in der Pressestelle eines medizinischen Instituts. Dort kann ich meine naturwissenschaftlichen Kenntnisse mit dem Schreiben verbinden, um komplexe medizinische Zusammenhänge zu kommunizieren. Das literarische Schreiben habe ich in der Darmstädter Textwerkstatt bei Kurt Drawert und später Martina Weber entwickelt, an der ich seit über zehn Jahren teilnehme. Mehrere Kurzgeschichten habe ich in Anthologien veröffentlicht und 2009 den 2. Preis beim Stockstädter Literaturpreis gewonnen. 

Ich habe Brigitte gefragt, was ihr erster Gedanke war, als sie erfahren hat, dass sie dabei ist. Sie schrieb mir:

Dankbarkeit! Greta und Lili erhalten die Möglichkeit, andere an ihrer Geschichte teilhaben zu lassen. Für mich eine wunderbare Bestätigung, dass sich die viele Arbeit und der Einsatz gelohnt haben – und die Unterstützung der vielen lieben Menschen, die an mich geglaubt haben.
Jetzt glaubt noch jemand mehr an Brigitte, Greta und Lili, nämlich ich! Liebe Brigitte, ich wünsche uns eine gute, gemeinsame Zeit beim Blogbuster und Dir erstmal nun die herzlichsten Glückwünsche zur Longlist beim Blogbuster 2017!

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Geständnisse – Kanae Minato

Ich habe einen neuen Favoriten im Krimi-Regal. “Geständnisse” ist in Japan angesiedelt und mit jeder gelesenen Seite steigt die Spannung…denn die Autorin treibt nicht nur mit ihren Figuren ein perfides Katz-und-Maus-Spiel. Ein Krimi der etwas anderen Art, der bis zur letzten Seite spannend bleibt. Große Empfehlung!

DAS MAG – Junge Literatur aus Flandern und den Niederlanden

Da hat sich der mairisch Verlag etwas Schönes einfallen lassen, ein Best of des in den Niederlanden vierteljährlich erscheinenden “MAG” zu dem es im Sommer auch ein tolles Lesefestival gab! Ich bin ja tief in meinem Herzen eine große Magazinfreundin. Wenn ich bei Freunden toll gestaltete Zeitschriften und Magazine liegen sehe, bin ich für einige Zeit nicht ansprechbar – schlimmer ist es nur bei überfüllten Bücherregalen . Ich mag es, wenn mir ansprechend und in kleinen, feinen Häppchen ein Thema auf mehrere Arten präsentiert wird. Um sich auf die diesjährigen Gastgeberländer, die Niederlande und Flandern vorzubereiten, gab es kaum eine bessere Möglichkeit, als DAS MAG.

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Grafisch ansprechend und unterhaltsam kommt es daher, mit ausgesprochen unterschiedlichen Geschichten, Essays, vier Flaschenpostinhalten und Gedichten. Es zeigt einen spannenden Querschnitt durch die aktuelle Literaturszene, hier stehen große Namen wie Herman Koch und Gerbrand Bakker neben Debütantinnen wie Bregje Hofstede. Diese Mischung macht das Magazin so reizvoll. Wer also die diesjährigen Gastgeber besser kennenlernen will, kommt an DAS MAG eigentlich nicht vorbei…!

Dieser Beitrag erscheint in der Reihe “Auf den Spuren von Tulpen und Windmühlen” einer Aktion von Ramona Böhm von El Tragalibros . Alle Beiträge werden unter dem Hashtag #littripNL16 zusammengeführt, noch mehr Infos gibt es bei der Facebook-Veranstaltung!

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Literarisches Trüffelschwein spielen oder So war es in Mainz!

Mainz also. Ein Jahr lang wurde von Petra Seitzmayer und Stefan Weidle geplant und hinter den Kulissen gewerkelt, damit es am 1. und 2. Juli 2016 heißen konnte: Willkommen zur ersten Mainzer Buchmesse der unabhängigen Verlage! Die Atmosphäre in der Altmünsterkirche war angenehm ruhig, das unausgesprochene Motto Klein aber Fein zog sich für mich durch die gesamte Veranstaltung. Eine tolle Gelegenheit, das Programm vieler unabhängiger und kleinerer Verlage in Ruhe zu sichten und mit Verlegerinnen und Verlegern ins Gespräch zu kommen.

Für mich ein langer Tag, gefühlt im Schlaraffenland. Der große Vorteil solcher Veranstaltungen ist, dass Zeit ist. Zeit für engagierte Branchendiskussionen, Zeit, kleine Schätze aus der Backlist zu bergen, Zeit, sich treiben zu lassen. An jedem Stand wieder ein Hallo, ein Sich-Wiedersehen, ein Neu-Kennenlernen. Empfehlungen, Querverweise, gemütliches Reinlesen in den Kirchenbänken. Das Notizbuch füllt sich, die Hände stapeln Bücher auf, der Kopf ist beschwingt.

Natürlich sind solche Messen ein enormer Aufwand für die beteiligten Verlage. Gerade daher finde ich es umso wichtiger, dass wir diese Messen innerhalb der Branche kommunizieren, unterstützen und verbreiten. Denn für jeden ist hier etwas dabei, ob Fachpublikum oder leidenschaftlicher Leser und jede Veranstaltung, die für Bücher und das Lesen wirbt, kann doch nur in unserem Sinne sein. Wenn ich im Buchladen stehe, kann ich Bücher, die mir der Verleger selbst empfohlen hat, ganz anders in einer Beratung rüberbringen und schmackhaft machen. Ich möchte den Menschen Geschichten erzählen und das Reservoir ist nach so einem Messetag wieder mehr als gefüllt. Auch für uns Literaturblogger bietet eine kleinere Messe wertvolle Angebote, denn auch wir wollen ja gerne mal abseits der ausgetretenen Pfade “literarisches Trüffelschwein” spielen.

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Was wäre ein Messebesuch ohne Empfehlungen? Durch Gespräche mit vielen genauso literaturverliebten Menschen habe ich eine ganze Kiste voller Empfehlungen mitgebracht, die ich euch heute gerne ans Herz legen möchte.

Weiter als der Himmel von Pippa Goldschmidt (Weidle Verlag): Spontan sprach mich der Titel an, das erste Reinlesen verfestigte den positiven Eindruck nur noch weiter, zumal ich für alle Physik-Themen eine kleine Vorliebe hege. Bei Frank Rudkoffsky habe ich außerdem eine tolle Besprechung gefunden!

Donner überm Meer von Heinrich Hauser (Weidle Verlag): Dieses Buch möchte ich lesen, seitdem die Buchhändlerin Maria-Christina Piwowarski aus der Ocelot-Buchhandlung in Berlin es von Herzen empfohlen hat. Hach!

Pulang von Leila S. Chudori: Diese Empfehlung wurde mir aus dem Hause Weidle ganz besonders ans Herz gelegt. Bereits auf den ersten Seiten wird die Atmosphäre des Buches fast mit Händen greifbar – für mich ein Kriterium, das mich sofort für sich einnimmt.

Die Liebe ist ein Schmetterling von Lena Elfrath (weissbooks.w): Ich liebe es, wenn Bücher eine spannende Entstehungsgeschichte haben. Wenn Anya Schutzbach, die Verlegerin von weissbooks erzählt, wie dieses spezielle Manuskript auf ihren Schreibtisch gelangt ist, dann hört man ihr fast atemlos zu. Und weiss, dass man das Buch nun unbedingt haben möchte.

Mit Britta Jürgs, der Vorsitzenden der Kurt-Wolff-Stiftung und Verlegerin des Aviva Verlages möchte man gerne einmal länger Tee trinken und über Bücher, Frauen und die 20ger Jahre sprechen. Auch bei ihr notiere ich mir einige Titel und bleibe besonders an diesen beiden Büchern hängen.

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Zehn Tage im Irrenhaus von Nelly Bly: Undercover im Irrenhaus, unter bedrohlichen Bedingungen für Körper und Seele. Durch diese Empfehlung wurde ich auf eine enorm spannende Frau aufmerksam.

Mädchenhimmel von Lili Grün: Die “20ger Jahre und Neue Sachlichkeit” waren mein Literaturprüfungsthema und haben mich nie ganz losgelassen – schon 2014 landete das Buch nachdem ich es auf der Hotlist gesehen hatte, auf meinem Wunschzettel. Schön, wieder etwas aus dieser Epoche entdecken zu dürfen.

Bei Axel Dielmann entdecke ich die zwei Bände aus dem Buchhändleralltag von Sounds&Books-Redakteur Gérard Otremba. Herrliche Beobachtungen für Branchenkenner – ein Muss in meiner Sammlung!

Mischpoke von Marcia Zuckerman: Auf diese wild-verschlungene Neuerscheinung der Frankfurter Verlagsanstalt freue ich mich enorm. Da die Welt ja bekanntlich ein Dorf ist, haben die Autorin und ich gemeinsame Freunde und deren Vorfreude schürt meine eigene auf dieses Buch nochmal mehr!

Der Peter Hammer Verlag ist bekannt für ungewöhnliche und liebevoll gemachte Kinder und Jugendbücher. Auch hier bleibt mein Blick wieder an einem Buch hängen: 33 Bogen und ein Teehaus  von Mehrnousch Zaeri-Esfahani. Ein Jugendbuch, das die momentan sehr aktuellen und präsenten Themen Flucht, Vertreibung, Ankommen und Heimat behandelt.

Meine Kollegin Anja liebt Platten, ihre Plattensammlung und das Auflegen der Scheiben. Was könnte da besser passen als Plattenkisten aus dem Ventil Verlag?

Beim Verlag Hermann Schmidt kann ich mich gar nicht satt sehen. Ob Typografie, Kreativität, Kunst machen, Kunst leben – dieser Verlag atmet Schönheit und jedes Buch ist ein kleines Kunstwerk für sich. Als nächstes bei mir einziehen werden wohl Kreativität aushalten von Frank Berzbach und Kreativität und Selbstvertrauen von David & Tom Kelleg.

Bereits begeistert besprochen habe ich Formbewusstsein von Frank Berzbach, außerdem möchte ich nochmal auf Die kleine Serifee von René Siegfried hinweisen. Ein Geschenkbuch-Muss, für alle die mit Sprache, Schrift und Design zu tun haben.

Kaum macht man mal was falsch ist das auch wieder nicht richtig von Kirsten Fuchs: Die Autorin lese ich ausgesprochen gerne auf Twitter, also ist es nur logisch und konsequent, wenn ich meinem Bücherrregal ihren Kurzgeschichtenband, erschienen bei Voland&Quist auch mal gönne

Spontan hätte ich ganz sicher nicht zu Der Briefwechsel – Reich-Ranicki/Peter Rühmkorf  gegriffen. Doch der Tipp des Wallstein-Mitarbeiters macht mich neugierig und ich verziehe mich auf einer der Kirchenbänke und lese einige Seiten. Und noch ein paar Seiten. Am Ende muss ich mich wirklich losreissen, weil dieser scharfsinnige und dabei so pointierte Briefwechsel einen sofort fesselt. Hier spielen sich zwei die Bälle zu, die Spaß am Austausch haben, ihre Revier dabei aber sorgfältig abstecken und verteidigen. Netterweise empfahl ich einige Tage später ebendieses Buch meiner Kollegin, die es mittlerweile fast durchhat, absolut begeistert ist und es bereits erfolgreich unter die Leute bringt. Ich freue mich nun also doppelt darauf, es bald zu lesen.

Zuletzt schlendere ich zum Verbrecher Verlag und es wird sich herzlich gedrückt und mit einem Kaffee in der Hand parliert. Über Bücher, das Verlegen, die Branche und alles, was so um uns herum passiert. Am Ende verlasse ich den Stand, einen Stapel Bücher in der Hand, die sich, jedes für sich so anfühlen, als wüssten sie, dass sie in einem großartigen Verlag erschienen sind. Bereits mit großer Begeisterung habe ich Fotzenfenderschweine von Almut Klotz gelesen und wiedereinmal für mich festgestellt, dass ich den Verbrecher Verlag sehr schätze. Weil sie Stoffe machen, die sie selbst interessieren und hinter denen sie zu 100% stehen und es damit immer wieder schaffen, am Puls der Zeit zu sein. Weiter so, liebe Verbrecherei!

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Noch viele weitere Verlage und Verlagsmenschen habe ich an diesem Tag angetroffen, ein herzlicher Dank für Empfehlungen und Gespräche geht an Danube Books, Transit, Pendragon, Klöpfer&Meyer, Kunstanstifter Verlag , Verlag das Wunderhorn und den Gonzo Verlag.

Die Veranstaltung endet mit einer spannenden Podiumsdiskussion, moderiert von Katrin Seibold (3sat Kulturzeit) zum Thema “Das allmähliche Verschwinden älterer Titel aus dem Buchhandel – was kann man tun?” bei der ich als Buchhändlerin meine Sicht der Dinge beisteuerte. Mal sehen, was sich aus diesem Austausch noch alles ergibt, mir hat diese Diskussion großen Spaß gemacht und ich glaube, es gab auch den ein oder anderen Impuls für die Anwesenden. U.a. haben das Börsenblatt , der BuchMarkt und das Wiesbadener Tageblatt berichtet.

Sehen wir uns also nächstes Jahr in Mainz? Ich werde dort sein .

Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Kai Mühleck/Redaktion des Börsenblatts. Merci!

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Freddie Mercury – Ein Leben in eigenen Worten

“Man muss da rausgehen und ihnen alles in den Rachen stopfen und sagen: “Hier bin ich! Ich bin kreativ! Ich bin wunderbar! Hier, fresst es!” Das muss man tun. Wenn es noch andere Möglichkeiten gibt, dann sagt’s mir bitte.

Eine meiner frühesten Erinnerungen an Queen ist, wie mein Vater “We will rock you” ganz laut aufdreht und meine Geschwister und ich wie die Verrückten auf dem Bett herumhüpfen. Mein Vater übersetzte den Liedtext für uns damals mit “Wir wollen schaukeln” – eine schöne Interpretation für so kleine Knirpse wie uns.

Ich kenne sicherlich nicht alles von Queen. Mein liebstes Album (vor allem, weil es eines der ersten war, die ich überhaupt besaß) wird wohl immer “Made in Heaven” bleiben. Einige Songs mag ich überhaupt nicht. Manches berühmte Stück geht nicht an mich, andere kann ich dafür auswendig. Queen-Fan? Ja, das bin ich. Aber noch viel mehr verehre ich Freddie Mercury. 413192_4266151822630_1616722876_o

Was dieser Mann sich auf der Bühne getraut hat, was er provoziert und mit den Erwartungen gespielt hat! Was er angestoßen hat an musikalischen Entwicklungen. Ein Selbstbewusstsein, eine Vision die ihn und seine Bandkollegen antrieb. Mich hat dieser Glamour und sein kompromissloses künstlerisches Dasein seit Jahren immer wieder fasziniert. Hier sah ich jemanden, der Kunst machen wollte, nach seinen Regeln – und das mehr als erfolgreich tat, entgegen aller üblichen Konventionen. Dass er bei all dieser Kreativität aber auch eine wichtige Sache über das Musikbusiness zu 100% verinnerlicht hatte, zeigt dieses Zitat:

“Man muss dafür sorgen, dass man entdeckt wird. Ein Teil des Talents besteht darin, dass man mit seiner Musik die Menschen erreicht. Man kann nicht einfach nur ein wunderbarer Musiker und ein herausragender Songwriter sein – von denen gibt es viele. Man muss lernen, sich selbst zu vermarkten, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, und von Anfang an lernen, wie man sich um seine Geschäfte kümmert. […] Man muss ein instinktives Bewusstsein für alle Dinge entwickeln, die zum Erfolg beitragen können.

Die Besonderheit dieses Sachbuchs liegt darin, dass es komplett aus Äußerungen und Interviewaussagen von Freddie Mercury besteht. Ein wenig thematisch zusammengefasst findet sich hier nur “O-Ton“. Was für eine spannende Art, einen Ausnahmekünstler kennenzulernen, Aussagen über Jahre hinweg zu verfolgen, seine Entwicklung, seine Sicht der Dinge.

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“Grundsätzlich schreibe ich nichts wirklich Neues; ich sitze nicht hier und will sagen: “Schaut her, ich habe einen Song geschrieben, den noch nie jemand vor mir geschrieben hat!” Nein. Aber ich tue es von meiner Warte aus.

Ich jedenfalls muss jetzt erstmal diese wunderbare Aufnahme “Queen Live at Wembley Stadium 1986” noch ein paarmal in Dauerschleife laufen lassen und danach mal wieder in meine absoluten Lieblingssongs reinhören ( I was born to love you, Too much love will kill you, The Show must go on, A Winter’s Tale, Fat Bottomed Girls, Spread Your Wings, Who wants to live forever). Freddie Mercury wird für mich immer ein Vorbild sein, jemand, der hart für seinen Erfolg gearbeitet hat und Kreativität, Leidenschaft und eine Fähigkeit, seine Kunst in die Welt zu bringen, in sich vereint. Dem nochmals in so konzentrierter Buchform nachzugehen – ein Genuß!

 

Wenn der Wind singt / Pinball 1973 – Haruki Murakami

Und nun war sie endlich gekommen, die Stille und innere Ruhe, Murakamis erste beiden Romane zu lesen. Was für ein vertrautes Gefühl, ein Entdecken späterer Fährten, ein Aufseufzen von Wohligkeit in mir. Wie kann man es beschreiben, wenn der Autor, den Du seit Jahren verehrst, der bei Dir Gefühle hervorbringt wie kein anderer Autor das schafft, endlich seine Zustimmung gibt, für die Übersetzung seiner ersten beiden Romane? Zu sagen, dass ich das gefeiert habe, wäre noch weit untertrieben. Für mich war es wie eine kleine Expedition, in diese erste, schriftlich festgehaltene Gedankenwelt Murakamis, auf deren Fundamenten später weitere Romane fußten. Murakami-San, vielen Dank für dieses Erlebnis!

Die letzten Tage im Leben von Rabbit Hayes – Anna McPartlin

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zu diesem Buch nur griff, weil mein Kopf so voll war und ich dachte, mehr als wirklich “leichte Lektüre” schaffe ich nicht. Aber das eher romantisch-verspielte Cover täuscht. Die Geschichte um Rabbit Hayes geht zu Herzen – aber nicht nur das. Man gewinnt ihre schräge, irische Familie nach und nach lieb, die fluchende Mutter, den kämpfenden Vater, den unzuverlässigen Bruder, ihre Tochter und soviele mehr. Jap, es ist hier und da auch kitschig und vorhersehbar, und traurig wird es auch nicht zu knapp. Aber doch steckt in diesem Roman deutlich mehr Potential, als ich ihm am Anfang zugetraut habe.