Archiv für die Kategorie ‘T’

Nur eine Ohrfeige – Christos Tsiolkas

Mittwoch, 01. Februar 2012

Im Englischen lautet der Titel ein wenig passender “The Slap“. Ausgehend von dieser Ohrfeige die ein kleines Kind auf einem Barbecue unter Freunden bekommt (allerdings nicht von den Eltern) entfaltet sich anhand von 8 Episoden ein Blick auf  die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Freunde – und vorallem ein Blick hinter die Fassade, hinter der es bei allen nicht halb so gut aussieht, wie sie vorgeben… Und anhand der Ohrfeige stellt sich die Frage: wofür stehen die Freunde? Wer hält zu wem? Welche Moral wird vertreten – und was kann man für sich selbst verantworten? Ein buntes Kaleidoskop an menschlichen Regungen, ein ziemlicher tiefer Sumpf an Vergehen, Übertretungen und Emotionen – Tsiolkas hat nicht gespart, er lotet mit einem gewissen Genuß die Untiefen aus, in die seine Figuren sich unaufhaltsam hineinmanövrieren. Das liest sich spannend, unterhaltsam, die Sprache ist manchmal derb aber wirkt nie aufgesetzt. In Australien war das Buch ein großer Erfolg und wurde für ABC TV verfilmt – kein Wunder, der Stoff überzeugt!

Walden – Henry David Thoreau

Freitag, 30. September 2011

“Ich war unabhängiger als irgendein Farmer in Concord, denn ich war nicht an ein Haus oder eine Farm verankert, sondern konnte dem Flug meines Genius, der sich jederzeit gern in Zickzacklininien ergeht, folgen.”

“Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken das ist die höchste aller Künste. Jeder Mensch hat die Aufgabe, das Leben selbst in seinen Einzelheiten der Betrachtung seiner höchsten und  kritischsten Stunde würdig zu gestalten”

Und natürlich kennt fast jeder das wunderbare Zitat, das in diversen Übersetzungen herumgeistert, wohl am bekanntesten ist die verwendete Form in “Der Club der toten Dichter

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte.

Was soll ich sagen? Ich habe extrem viele Zitate aus diesem Buch niedergeschrieben. Es ist mehr als nur eine romantische Auseinandersetzung mit dem Allein-Sein. Es ist philosophisch. Es geht in die Tiefe. Es ist eine Auseinandersetzung mit Arbeiten, mit Konsum, mit der Frage was und wieviel man zum Leben braucht. Es sind Naturbetrachtungen, das Leben mit dieser (ehrlicherweise der Part der mich am wenigsten ansprach, Naturbetrachtungen sind generell nicht meine Baustelle). Es ist ein Experiment. Es hat heute noch Bestand, vielleicht sogar noch mehr, obwohl sich soviel in unserer Welt geändert hat. Es ist beeindruckend, bleibt haften und ändert den Blick.

Es ist ein Buch zum Entschleunigen. Zum Nachdenken. In der Sauna lesen. Im Wald. In Ruhe. Oder zur Fastenzeit, für mehr Klarheit, für Offenheit und die ein oder andere Frage an sich selbst.

Nobody knows – Amanda Taylor

Mittwoch, 27. April 2011

Von einer, die losging, sich mit 13 Jahren an den eigenen wunderschönen langen Haaren aus dem Sumpf ihrer Kindheit zu ziehen. So heisst es auf dem Klappentext. Treffender kann man eigentlich kaum beschreiben was dieses Buch ausmacht. Fast wünscht man sich eigentlich, das dieses Buch nicht auf einer wahren Geschichte fußt…den diese hat es in sich. Eine Mutter die immer wieder an die falschen Männer gerät, zusammengewürfelte Geschwister und stets ein Leben im Umbruch – alles aus der Sicht eines aufwachsenden Kindes. Das Buch lässt einen betroffen zurück, machte mich wütend und traurig. Und doch, es hatte einen starken Sog, weil die Hauptperson eines nie verlor – ihre Hoffnung, unerschütterlich, auf ein besseres Leben. Könnte ich ihr heute die Hand schütteln und ihr all meinen Respekt darbieten, für das was sie durchgestanden hat – ich würde es gerne tun.

Nichts (was wirklich wichtig ist) – Janne Teller

Dienstag, 02. November 2010

Dieses Buch spaltet so ziemlich alles: in Dänemark, der Heimat der Autorin, hat das Buch einen Kulturpreis gewonnen und wird häufig als Schullektüre herangezogen, in Frankreich hingegen ist es als Schullektüre verboten. So unterschiedlich können die Empfindungen sein. In einem bin ich mir jedenfalls mit den meisten Lesern einig: dieses Buch ist heftig und ich hatte nach dem Lesen doch sehr unterschiedliche Empfindungen – von einer gewissen Begeisterung für den geschickt angelegten Plot, die schleichende Entwicklung von einem Schülerprojekt zu einer Katastrophe bis hin zu Entsetzen und Abscheu war bei mir alles dabei. Eines kann dieses Buch definitiv, polarisieren und schockieren. Und es regt verdammt zum Nachdenken an – und ist es nicht das, was gute Jugendliteratur tun sollte? Aber auch Eltern sollten einen Blick hinein werfen – und mit ihren Kindern darüber sprechen.

Vatermord und andere Familienvergnügen – Steve Toltz

Sonntag, 28. März 2010

Was für ein Roman! Nicht nur das er ziemlich dick ist, nein, er ist auch wirklich ein beeindruckendes Debüt eines Australiers! Der gute Herr Toltz hat ein klasse Leben vor sich, wenn er so weiterschreibt. Dieser Roman hat alles – irrwitzige Ideen, eine Verbrecher-Geschichte in der nichts so ist, wie es auf den ersten (einfachen) Blick scheint, Vater-Sohn-Erlebnisse der ganz anderen Art und viel philosophischen und skurrilen Witz. Ich habe viel gelacht, den Kopf geschüttelt, habe das Buch ungern weggelegt. Der Autor wechselt zwischen einigen Erzählpassagen hin und her – zu meinen Lieblingen gehört definitiv der Anfang, der als Erzählung des Vaters an den jungen Sohn gestaltet ist, als er ihn darüber aufklärt, das sein Onkel einer der meistgesuchten Verbrecher Australiens war… Erfrischend und so voller Charme des unangespassten. Mich hat das Buch durchweg begeistert, auch wenn Toltz an einigen wenigen Stellen etwas in Nebenhandlungen abgleitet, so bereiten diese nur den Weg zum furiosen Finale und müssen im Nachhinein genau dort stehen. Ein Feuerwerk, das sich perfekt über 800 Seiten selbst abfackelt…;-)

Drachenwind – Kerstin Tomiak

Freitag, 21. August 2009

Kerstin Tomiak hat etwas getan, was wohl die wenigsten freiwillig tun würden. Sie ist für den ISAF für ein Jahr nach Afghanistan gegangen. Warum? Genau dieser Frage und auch der Frage “Was erwartet mich hier?” geht Tomiak in diesem Buch auf den Grund. Sie möchte dieses Land, diese Kultur, die Menschen wirklich kennenlernen. Aber auch einen Blick auf das hiesige stationierte Militär werfen – was passiert dort eigentlich wirklich? Das ganze hat sie in diesem Bericht beschrieben, sehr nah, authentisch und ungekünstelt. Sie hat mit Menschen gesprochen, ihre Erfahrungen einfließen lassen, die Chancen, die dieses Land hat angesprochen und sich kritisch mit sich selbst und ihrer Aufgabe dort auseinandergesetzt. Ihre Sichtweise liest sich packend und informierend zugleich – man entdeckt ein Stück Afghanistan, das einem so vorher nicht begegnet ist.

Für mich ein tolles Buch, das wirklich länger hängengeblieben ist und mir dieses Land ein ganzes Stück näher gebracht hat!

Das Haus der sprechenden Tiere – Helge Timmerberg

Donnerstag, 01. Januar 2009

Joah…nett. Aber mehr halt auch nicht. Da es nur rund 130 Seiten hatte, hab ichs ganz gelesen, hatte auch einige herrliche Szenen, aber war irgendwie insgesamt nur so lauwarm. Der Inhalt erschliesst sich aus dem Titel: ein Haus voller durchgeknallter, sprechender Tiere…;-)

Gestatten, Bestatter – Tom

Donnerstag, 20. März 2008

Vielleicht kennen einige den Bestatterweblog (http://www.bestatterweblog.de), der sich großer Beliebtheit erfreut. Das liegt sicherlich auch am Thema, Tod, Trauer und Sterben sind ja durchaus nicht die gängigsten Themen. Aber warum dieser Blog soviele Menschen anzieht, das sind die herzlichen, sensiblen und doch immer mit eine Prise Humor gewürzten Einträge von Tom, einem Bestatter der seit über 20 Jahren als solcher im eigenen Institut arbeitet und aus diesen Erfahrungen über sein tägliches Leben berichtet.

Für mich (abgesehen vom Buchhändlerblog ^^) der beste Blog den es so im Internet gibt. Nicht nur das es immer etwas zum Lachen oder auch Weinen gibt (z.B. die Geschichte von Röschen und Kalli …), nein, Tom schafft es auch, das man über Sterben und Tod nachdenken kann, das man Fragen an ihn stellen kann und überhaupt – mal sieht, was nach dem Tod eines geliebten Menschen passiert. Das Buch ist eine gelungene Zusammenstellung einzelner Blog-Texte und absolut lesenswert!!!

Der Schlaf der Toten – Andrew Taylor

Dienstag, 02. Januar 2007

War ganz okay, recht spannend und die Auflösung kam nicht zu “früh”. Ich hab aber an manchen Stellen gedacht, mhm, das hätte man auch in 350 Seiten statt 550 erzählen können. Andererseits ist dieses Netz von Handlungsträngen zwar weit gestreut, aber am Ende ist man ganz froh, das es so ausführlich war, weil sich die Auflösung dann sehr klar erschliesst. Ganz nebenbei ist es auch noch die Geschichte der Jugend von Edgar Allan Poe, allerdings ahbe ich das erst auf den letzten 100 Seiten so richtig verstanden..+hust+