Von Messen und vom Bloggen

Der Buchmessensonntag. Nach einem langen Spaziergang durchs Feld ordnen sich langsam die Gedanken. Die Messe und die Berichte danach sind wie jedes Jahr auch ein Anlass, zurückzublicken, zu reflektieren und zu sehen – wo stehe ich in diesem ganzen Trubel?

Meine allererste Buchmesse habe ich damals vor über einem Jahrzehnt wie im Rausch erlebt. Ehrlich gestanden habe ich auch jegliches Material mitgenommen, meine Taschen waren voll mit den Leseexemplaren für Azubis, dort viel wählerischer zu sein habe ich erst lernen müssen, aber wir waren ja alle mal jung. Ich war schon euphorisch, wenn ich eine*n unserer Verlagsvertreter*innen erkannte und ansonsten kannte ich keine Menschenseele.

Das hat sich jetzt, einige Jahre später, komplett gewandelt. Über die Jahre kamen nicht nur noch so einige Branchenkontakte aus den unterschiedlichsten Zusammensetzungen dazu, sondern auch vor einiger Zeit die Blogszene. Sehr zu meiner großen Freude, denn seitdem herrscht vor jeder Messe das Klassentreffen-Feeling vor. Diese Vernetzung, das Verlegen von online ins reale Leben, das genieße ich jedes Jahr aufs Neue.

Denn ich habe das Gefühl, meinen Platz gefunden zu haben. Und das ist für mich immer noch etwas, was mich manchmal ungläubig staunen lässt. Dass es da Menschen gibt, die lesen, was ich schreibe. Dass es Menschen gibt, die genauso nerdig und leidenschaftlich sind, was die Literatur angeht, wie ich. Die mir ein Kompliment aussprechen, welches mich rot werden lässt. Und dass ich in dieser Welt ich selbst sein kann.

Denn ich bin immer noch oft genug zu laut. Immer noch zu emotional. Und immer noch anders als die anderen. Sich trotzdem angekommen zu fühlen, als jemand, der sich so oft gefragt hat, wo der eigene Platz sein kann – Priceless.

Das Bloggen hat mir Möglichkeiten eröffnet und ich rede ganz bewusst nicht davon, das große Geld zu verdienen. Als die ersten eMails mit Kooperationen eintrudelten, fühlte ich mich geschmeichelt – wer wäre das nicht? Und dennoch habe ich im letzten Jahr sehr genau nachgespürt und auch durch den “Messeverstärker” wieder gemerkt, was ich möchte. Völlig unbeinflusst bloggen, das kann wohl niemand von uns und ich mache mich davon auch nicht frei. Wenn eine Kooperation oder eine Zusammenarbeit zu mir und meinem Blog passt, dann werde ich sie eingehen und entsprechend kennzeichnen. Aber wenn ich das Gefühl habe, zu einer Liftfaßsäule zu mutieren und mein Bauch protestiert, dann werde ich darauf hören.

Dennoch werde ich immer wieder Neues ausprobieren.

Ob es Buchpreisbloggen ist, ein Lesefestival als Bloggerin zu begleiten oder in der Jury für einen Offline-Schreibwettbewerb zu sitzen. Ich bin neugierig und jede Tätigkeit hat für mich auch einen großen Lerneffekt – auch wenn er manchmal darin besteht, nicht alles wiederholen zu wollen. Manches kann man nur durch eigene Erfahrungen für sich selbst sortieren. Der Blog ist für mich eine verdammt gute Sache – allerdings habe ich gleichzeitig auch einen verdammt tollen Job, der viel fordert, weshalb ich mir genau überlegen muss, was kann ich stemmen? Nein zu sagen, auch wenn es reizvoll ist, das war durchaus eines meiner persönlichen großen Themen dieses Jahr.

Als Buchhändlerin stehe ich so oder so ein wenig zwischen den Welten, denn die Leseexemplare die ich über meinen Job erhalte (und als Arbeitsmittel sehe, denn im Buchladen ist meine Beratungskompetenz nunmal Teil der Jobbeschreibung) sind immer noch deutlich in der Überzahl als diejenigen, die ich aktiv über den Blog anfordere – ich habe immer noch mehr Arbeitskontakte in den Verlagen als Bloggerrelations. Das macht das Bloggen für mich deutlich entspannter, der Druck wird rausgenommen, denn mein Alltag gibt es nicht her, mehrere Fristen pro Monat einhalten zu können. Und als ich in den letzten zwei Jahren einfach nicht mehr jedes Buch besprechen konnte und deutlich weniger veröffentlichte, war das vielleicht nicht professionell – aber es hat sich für MICH richtig angefühlt.

Warum gehen wir ins Internet und schreiben über Bücher?

Ich blogge auch, weil ich Menschen finden will, die ähnlich ticken. Ich blogge, weil ich meine Liebe für ein Buch in die Welt hinausschreien möchte. Weil ich manchmal über Bücher schreiben und sprechen muss, die mich umtreiben. Weil ich Menschen dazu bringen möchte, wieder mehr zu lesen und weil ich diese Art der Bildung für einen Grundpfeiler unserer Gesellschaft halte, der jede Art der Unterstützung bitter nötig hat. Und wie jeder Mensch habe ich das Bedürfnis, gesehen zu werden. Das Bloggen hat mir auch dieses Messejahr wieder Begegnungen verschafft, die ich sonst nicht erlebt hätte.

Eines dieser Highlights war das Treffen mit der mixtvision-Autorin Sarah Crossan, gemeinsam mit Daniela und Anka – dazu demnächst an anderer Stelle mehr. Für solche Möglichkeiten kann ich mich einfach nur bedanken! Genauso liebe ich es, dass meine Murakami-Liebe bei Dumont stets dafür sorgt, dass ich auf der Messe mit anderen Murakami-Hardcore-Fans zusammengeführt werde. Dass es ein Winken und Umarmen in den Gängen ist, ein Wiedersehen mit geschätzten Kolleginnen und Kollegen. Und natürlich gab es diesmal mit dem Buchblog-Award eine sehr besondere Preisverleihung, bei der ich als Jurymitglied auf der Bühne saß, in diese zig Gesichter sah und mich einfach nur gefreut habe, darüber, dass ich die geballte Vielfalt hier live erleben konnte. Das Börsenblatt und die F.A.Z haben darüber ebenfalls berichtet.

Manchmal lässt einen die Messe auch nicht nur mit dem Messeblues allein zurück, sondern auch mit einem Gedankenstrudel – Papiergeflüster hat dazu einen lesenswerten Beitrag über ihre Gedanken zum Buchbloggen verfasst. Und auch, wenn die Messe dieses Jahr für mich sehr viele schöne Momente bereithielt, gab es doch auch den ein oder anderen schwierigen Moment (nicht zuletzt das Ende des Messesamstages, was mich wie viele andere bewegt hat – ich finde mich im Statement von Kathrin Weßling am meisten wieder). Aber an diesen auch emotional herausfordernden Situationen und Empfindungen wächst man, und wenn ich eines gelernt habe, dann , dass Veränderung und das Herausfinden der eigenen Prioritäten und Ausrichtungen selten ohne wehzutun passieren können.

Die Blogszene ist groß geworden, wenn Tobias von Lesestunden über 1300 Buchblogs auflistet, da sind die Booktuber und Bookstagrammer noch nicht einmal dabei. Schon lange kann man nicht mehr die komplette Übersicht behalten und ich kenne mich in einigen Sparten auch nicht gut aus. Was ich aber tue, ist bewundern, was hier auf die Beine gestellt wird! Ich habe tiefen Respekt davor, wieviel Arbeit hier drinsteckt.

Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht viel zu naiv, aber ich wünsche mir weniger Hickhack zwischen den einzelnen Gruppen, mehr Respekt und Toleranz zwischen den unterschiedlichen Sparten.

Ich wünsche mir, dass wir alle miteinander im Gespräch bleiben, uns offen begegegnen und gemeinsam Ideen entwickeln. Dass wir uns unterstützen und wir vorallem für unser Herzensanliegen stehen, die Literatur.

Dass wir miteinander sprechen, statt übereinander. Anfangen, weitermachen, in der schönsten Branche der Welt.

Mein Notizbuch jedenfalls ist voll, voll mit Ideen, manche haben mit Büchern zu tun, manche nicht, eines ist sicher – es gibt bis Leipzig viel zu tun!

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Shortlist-Lesung im Frankfurter Literaturhaus

Fast hat es schon Tradition, die alljährliche Lesung der sechs Autorinnen und Autoren der Shortlist im Frankfurter Literaturhaus. Wenn ich eine Karte ergattern kann, bin ich üblicherweise dort anzutreffen. Für mich hat dieser Abend auch im Nachgang immer ganz viel Wirkung. Man lernt die einzelnen Charaktere kennen, bekommt einen gewissen Eindruck von Text und Autor*in. Es gibt danach immer ein paar schöne Zitate und Geschichten aus dem Abend, die man im Buchladenalltag weitererzählen kann und diese Lesungsabende haben mich immer wieder auch Entdeckungen machen lassen. Shortlist-Lesung im Frankfurter Literaturhaus weiterlesen

Weltalphabetisierungstag – International Literacy Day [Werbung]

Die Firma Viking hat mir im Zuge einer Blog-Aktion zum Weltalphabetisierungstag am 8. September verschiedene Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieser Beitrag enthält Werbung.

Meine ersten Gedanken zum Weltalphabetisierungstag oder auch International Literacy Day gingen in die gleiche Richtung wie vermutlich die von vielen. Recherche, Zahlen heraussuchen zum Thema Analphabeten in Deutschland (2 Millionen totale, 7,5 Millionen funktionale Analphabeten – eine viel zu hohe Zahl!) und so weiter. Für viele, die diesen Beitrag lesen werden, ist Lesen und Schreiben können so selbstverständlich wie Laufen und Atmen. Wir lieben Bücher und sind dankbar für all die Dinge, die wir aufgrund von Sprache und ihrer Anwendung tun können. Für viele dürfte die Erinnerung verblasst sein, an die Zeit, als das noch nicht selbstverständlich war.

Und dann kam mein Sohn in die Schule. Und ich erlebe gerade 1:1 noch einmal, wie die Tür zu einer neuen Welt aufgestoßen wird. Während er seine Hausaufgaben am Esstisch macht, sitze ich mit einem Buch daneben. Ab und an schaue ich flüchtig herüber und sehe zu, wie er sich einen neuen Buchstaben langsam erobert. Und obwohl er das ABC schon kennt, so ist das schreiben lernen, zusammenziehen der Buchstaben, das Silbenklatschen und die Betonung eine große Herausforderung. Und trotzdem kommt er freudestrahlend nach Hause, wenn es “endlich” mit dem nächsten Buchstaben weitergeht. Weltalphabetisierungstag – International Literacy Day [Werbung] weiterlesen

Deutscher Buchpreis 2017

Auch dieses Jahr wird es ihn wieder geben, den Deutschen Buchpreis. Seit Jahren verfolge ich diesen Preis, als Buchhändlerin und als Bloggerin, lese mich quer durch die Longlist und habe einige Male die Shortlist-Autorinnen und Autoren in Frankfurt lesen gehört. 2016 war ich dann auch zum ersten Mal auf der Preisverleihung in Frankfurt dabei – ein tolles Erlebnis!
Ob ich also dieses Jahr, beim 2017-Jahrgang eine der offiziellen Buchpreis-Blogger*innen sein wollte? Aber sowas von!

Was haben wir vor? Wir, das sind:

Sandro Abbate von novelero
Isabella Caldart novellieren
Mareike Fallwickl Bücherwurmloch
Frank Rudkoffsky Frank O. Rudkoffsky
Ilke Sayan (Booktuberin) BuchGeschichten

Wir werden uns durch die Longlist lesen und darüber diskutieren, uns austauschen und uns hoffentlich hier und da herrlich uneins sein – denn so entstehen die interessantesten Auseinandersetzungen über Literatur! In den kommenden Wochen werden wir uns auf dem Buchpreisblog weiter vorstellen.

Zum ersten Mal erscheinen alle Aktivitäten der Bloggerinnen und Blogger gebündelt auf dem „Deutscher-Buchpreis-Blog“ . Hier werden künftig auch weitere spannende Hintergrund-Artikel zum Deutschen Buchpreis veröffentlicht. Wir werden zudem unter dem Hashtag #dbp17 über unsere Erfahrungen als Buchpreisblogger*innen auf unseren Social Media Kanälen berichten.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind zudem die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die Preisverleihung findet am 9. Oktober 2017 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt. Interessierte können die Preisverleihung per Live-Stream unter www.deutscher-buchpreis.de mitverfolgen.

Copyright Buchpreisblogger-Logo: Jochen Kienbaum

Pinkfisch im Main-Echo

Die Journalistin & Bloggerin Moni Münch vom Main-Echo hat sich mit mir zu einem Gespräch getroffen. Entstanden ist dabei dieser schöne Artikel und ein Dossier zu Literaturblogs in der Region und zur Leipziger Buchmesse. Ich finde diese Mischung sehr gelungen – vielen herzlichen Dank!

Pinkfisch-Main-Echo-Buchblogs

 

Buchblogger-Pinkfisch-Main-Echo – Als PDF

Literaturblogs im Main-Echo – Das ganze Dossier online (5 Artikel sind beim Main-Echo monatlich kostenlos abrufbar!)

 

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Leipziger Buchmesse 2017

Und da ist sie schon wieder vorbei, die Leipziger Buchmesse 2017. Zwei vollgepackte Tage habe ich dieses Jahr auf der Buchmesse verbringen können und wie gewohnt war es eine tolle Zeit – zwischen all der Euphorie finden sich aber auch ein paar Molltöne.

Seit vielen Jahren besuche ich die Buchmesse und als ich das vorallem noch in meiner Eigenschaft als Buchhändlerin tat, habe ich mir eine gewisse Routine angeeignet. Mit einem vagen Grundplan im Hinterkopf zu den Verlagen gehen, ein paar kleine Panels und Veranstaltungen auf dem Zettel und genug Zeit, um sich treiben zu lassen. Auch habe ich die Buchmesse immer dazu genutzt, den eigenen Wunschzettel aufzufüllen und hatte genügend Zeit, in diverse Bücher reinzublättern.

Seitdem auch der Blog-Anteil meines Messebesuchs immer größer wird, habe ich deutlich mehr Termine. Und so sehr es mich freut, dass Buchblogger*innen eingeladen werden, dass sich da viele Gedanken gemacht werden und wir auch ausgesprochen feine Sachen erleben dürfen – ich habe für mich beschlossen, dass ich sehr viel mehr unverplante Zeit brauche. Die schönsten Erlebnisse und Gespräche habe ich bei zwanglosen Treffen, wo Raum ist für “Kennst Du schon XX?” und gemeinsames Plaudern. Die Bloggerlounge finde ich deshalb auch eine ganz tolle Einrichtung, die ich dem Leipziger Buchmesse-Team hoch anrechne. Der ständige Blick auf die Uhr hat mich dieses Mal (zumindest am Freitag) doch sehr angestrengt und oftmals auch herausgerissen. Dafür können die Verlage nichts, aber ich sage mir – Lesson learned und werde nächstes Jahr deutlich mehr Freiräume einplanen.

Sobald ich das in meinem Kopf für mich sortiert hatte, war aber auch gleichzeitig klar: Ich hatte dennoch eine feine Messe! Ob das der gelungene Umtrunk zu dem Voland&Quist einlud war, bei dem ich mit Wibke Ladwig ein Öhrchendate hatte und mich traute, auch mal von ein paar Schreib-Plänen zu erzählen. Wo ich Anke Stelling kennenlernte und mir Jörg Sundermeier mein Exemplar von “Bibliodiversität” in die Tasche hüpfen liess. Torsten Woywod auf dem Gang treffen, völlig ungeplant und dann die wohl schönste Murakami-Tasche ever, original aus Taiwan erhalten. Und die Poetin meines Herzens, Safiye Can wiederzutreffen, ein so herzlicher Mensch und ihre Gedichte seien euch hiermit nochmals ans Herz gelegt.

Dass ich Susann Pásztor beim Bloggertreffen von KiWi treffen durfte (ihr Buch “Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster” kann ich nur wärmstens empfehlen!) die den denkwürdigen Spruch brachte “Ich fühle mich, als wäre ich backstage im Internet und lerne die Band kennen” im Bezug darauf, wie es sich anfühlen würde, sovielen Bloggerinnen und Bloggern gegenüber zu sitzen. Wir erlebten hier sehr positive Aufgeschlossenheit und ich bin mir sicher, sie hat jetzt einige neue Fans gewonnen – denn sie schreibt nicht nur toll, sie liest auch fabelhaft vor!

Ebenfalls gelungen und ein sehr angenehmer Messeeinstieg war das Bücherfrühstück der Stiftung Buchkunst. Lehrreich und interessant erzählte uns Katharina Hesse von der Juryarbeit für Die schönsten deutschen Bücher und wir konnten anhand von Beispielen auch selbst mal ein wenig Jury spielen. Herstellung und Ausstattung sind eine Kunst für sich, die ich als Buchhändlerin aufmerksam verfolge. Danke für die Einladung!

Der Überraschungsgast beim Diogenes-Treff entpuppte sich als Martin Suter, der zwar sehr ruhig agierte, dessen Auftauchen mich aber besonders gefreut hat. Denn schließlich habe ich so gut wie alles von ihm gelesen und bin Fan!

Entspannung war angesagt in den bequemen Sesseln der LovelyBooks-Truppe, die uns charmant und liebevoll vom Messetrubel entspannen ließen. Hier war dann auch Raum und Zeit für Gespräche und Austausch, genauso wie beim anschliessenden Offline-Treffen der Facebook-Gruppe “Buchhandelstreff“, über das meine Kollegin im Buchladen, Malu Schrader im Börsenblatt berichtet hat.

Am Samstag war dann endlich genügend Zeit und Muße, um zumindest Halle 5 ausgiebig zu durchstreunen. Viele schöne Gespräche habe ich geführt mit engagierten Verlegerinnen und Verlegern, es wurde von Büchern geschwärmt, einige durfte ich auch in meine Tasche packen (Vielen Dank dafür!). Vorallem erlebte ich wieder einmal mehr, wie bunt und vielfältig die einzelnen Independent-Verlage und ihre Programme sind. Besonders schön war es beim Cass Verlag, der mein Interesse für japanische Literatur befeuert und bei den Verbrechern, wo wir unverhofft auf David Wagner trafen, der für “Sich verlieben hilft“, (erschienen beim Verbrecher Verlag) verantwortlich ist und den ich sehr bewundere. Das war definitiv ein ganz großes Highlight.

Und last, but not least war es dann soweit: Katharina von Kulturgeschwätz, Sophie von Literaturen und ich dürften auf der Leseinsel der jungen Verlage aus “Warum ich lese“, (herausgebracht vom Homunculus Verlag) lesen. Hatten wir anfangs noch Bedenken, dass vielleicht nur einige Bänke besetzt sein würden, konnten wir schnell aufatmen – denn unser Ausblick war der folgende:

Kurz bevor man dann selbst zum ersten Mal einen eigenen Text vor Publikum liest, ist man dann doch sehr aufgeregt (dass David Wagner dann am Rand stand und uns die gedrückten Daumen hochhielt, hat sehr geholfen!). Aber wir sind nicht von der Bühne gepurzelt, das Publikum lachte zwischendrin immer mal und wir sahen viele freundliche und bekannte Gesichter unter den Zuhörenden. Danach wurden sogar noch einige Exemplare signiert und besonders freute mich, dass sich zwei Menschen noch einige meiner genannten Bücher aus dem Text am Verlagsstand abschrieben.

(c) Malu Schrader
(c) Malu Schrader

Einige Pläne und Ideen wurden ausgeheckt auf dieser Messe, ein paar Projekte wurden konkreter und für mich blieb vorallem eines im Gedächtnis: Dass man auch mal springen muss. Sich trauen. Und auch hier auf dem Blog, meinen Leserinnen und Lesern etwas zutrauen, wenn ich mal neue Wege gehe. Ich hoffe, ihr seid dabei, denn meine Lust am Schreiben ist aktuell groß wie nie!

Leipzig, auf ein neues im nächsten Jahr! Danke für alle, die inspiriert, weitergeholfen, umarmt und motiviert haben, die ihr Wissen mit mir geteilt haben und diejenigen, bei denen ein stummes Nicken reicht, um zu wissen, man denkt dasselbe. Danke für Support, für Pizza und ruhige Momente und wie immer – den guten Austausch. Ihr seid einer der Gründe, weshalb ich immer noch Lust habe, über Bücher zu schreiben!

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“Mein erster Gedanke war: Dankbarkeit!” Blogbuster 2017

Als Buchhändlerin lese ich oftmals Bücher lange vor ihrem Erscheinungstermin. Dass ich sie aber schon als Manuskript zu lesen bekomme, ist neu und die Schuld daran trägt der Blogbuster, die Idee von Tobias Nazemi (aka Buchrevier). Drei Manuskripte schafften es in meine Endauswahl und die Entscheidung  war wirklich nicht leicht. Für meine Nerven ist das auf Dauer nichts .

Bevor ich meine Kandidatin für den Blogbuster verkünde, möchte ich den beiden anderen, die auch noch im Rennen waren, ein großes Kompliment machen!

Valentin Tschiller und sein Manuskript  Jener Tag, an dem der Tod mit der Gesamtsituation unzufrieden war haben mich herrlich unterhalten. Ich habe weite Passagen meinem Mann vorgelesen und wir haben lauthals gelacht über die Schwierigkeiten, die es so mit sich bringt, als Jugendlicher Assistent des Todes zu werden. Besonders die popkulturellen Anspielungen, die der Autor immer wieder einbaut, trafen genau unseren Humor. Valentin wünsche ich ganz dringend einen Verlag, denn ich wüsste auf Anhieb schon diverse Kunden, denen ich das Buch empfehlen möchte!

Richtiggehend liebgewonnen habe ich die Protagonistin des zweiten Manuskripts Nach dem Tod gleich links von Antje Backwinkel. Auch hier spielt der Tod eine große Rolle, ans Herz gewachsen ist mir aber Else, die eine Vorliebe für alles mit Kuhfellmuster und Eierlikörpralinen hat und sich für ihre große Liebe sogar mit dem Tod anlegt. Klingt schräg? Ist es auch, aber so unterhaltsam und stets mit ein wenig Ernst im Hintergrund. Auch Antjes Werk möchte ich irgendwann in gedruckter Form im Laden liegen haben – sie hat es verdient!

Und nun, der Trommelwirbel, der Tusch, die Lichter im Saal gehen aus und Spot on auf die Blogbuster-Kandidatin mit der ich ins Rennen gehen werde:

Brigitte Morgenroth mit “Hundeseele”

Brigitte Morgenroth (c) Marco Reiss

Ein Dorf im Allgäu der 50er Jahre – Über den Krieg spricht man nicht, die katholische Kirche gibt die Regeln vor und der Rhythmus der Jahreszeiten bestimmt die Arbeit. Als Greta, Lehrerin der Dorfschule, ein Mädchen aufnimmt, das unter Hunden aufgewachsen ist, zeigt die Fassade Risse. Es ist die Geschichte einer Frau, die für ein traumatisiertes Mädchen kämpft – und eine Tochter gewinnt. (Brigitte Morgenroth)

Als ich diesen kurzen Abschnitt, der dem Exposé vorangestellt war las, machte etwas in mir KLICK. In diesen wenigen Zeilen steckte bereits soviel Sprengkraft, allein schon die Fragestellung, welchen Einfluss es auf einen Menschen hat, unter Tieren aufzuwachsen. Ich las das Manuskript mit wachsender Begeisterung, trotz der Schwere der Nachkriegszeit, die über dem ganzen liegt. Bewunderte die Dorfschullehrerin Greta für ihren Mut, für das “Hundemädchen” Waltraut (später Lili) einzustehen. Litt mit Lili, die zwischen Mensch und Hund hin- und hergerissen war, verfluchte das engstirnige Dorf und hielt den Atem an, als es bedrohlicher wurde. Denn längst nicht alle sind einverstanden mit dem Handeln Gretas. Das “Hundemädchen” ist vielen ein Dorn im Auge, die Dorfgesellschaft fühlt sich bedroht und die Situation spitzt sich zu…


Für mich hat dieses Buch alles, was ich von einer guten Geschichte erwarte. Brigitte Morgenroth hat einen Roman geschrieben, der einen packt und nachdenklich werden lässt und ich freue mich so sehr, dass ich mit solch einer starken Kandidatin ins Rennen um den Blogbuster gehen darf.

Greta fragt sich zunehmend, wo die Grenze zwischen Mensch und Tier liegt. Was trennt sie: Intelligenz, Humor, die Fähigkeit zum Mitgefühl? Hat der Krieg nicht gerade gezeigt, wie tierisch Menschen sein können? Und zeigt das Verhalten von Lilis Hundefamilie nicht Qualitäten, die man eigentlich Menschen zuschreibt? Greta lernt, das Tier in Lili zu respektieren und entdeckt ihre eigene Animalität. Das macht ihr Mut, sich auf eine Beziehung mit dem Arzt Karl einzulassen.

Bereits beim Lesen ging es mir so, dass ich die Schilderungen des hündischen Verhaltens enorm gelungen fand. Deshalb beeindruckte es mich besonders, dass Brigitte Morgenroth für ihren Roman intensiv recherchiert hat. Durch ihre eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen mit Tanztheater geprägt, kroch sie beispielsweise auf allen Vieren, um zu erspüren, wie sich die Perspektive der unter Hunden aufgewachsenen, 16jährigen Lili anfühlte. Diese Hingabe an ihr Thema und für ihre Figuren, zieht sich durch den ganzen Roman. Die Thematik hat auch einen realen Bezugspunkt, wie sie im Exposé erläutert: “Der Roman nimmt Bezug auf das Schicksal von Oxana Malaya (geb. 1983) aus der Ukraine, die mit drei Jahren Zuflucht bei der Hündin auf dem Hof ihrer alkoholkranken Eltern fand. Mit acht Jahren kam sie in ein Heim. Sie weist hündisches Verhalten auf, bellt, knurrt und läuft auf allen Vieren, kann jedoch sprechen und sich menschlich verhalten.”  Mehr über Oxana Malaya (Youtube)


Über sich selbst schreibt Brigitte Morgenroth (Jahrgang 1963), die in Darmstadt und Berlin wohnt und arbeitet :

Ich bin Biologin und arbeite in der Pressestelle eines medizinischen Instituts. Dort kann ich meine naturwissenschaftlichen Kenntnisse mit dem Schreiben verbinden, um komplexe medizinische Zusammenhänge zu kommunizieren. Das literarische Schreiben habe ich in der Darmstädter Textwerkstatt bei Kurt Drawert und später Martina Weber entwickelt, an der ich seit über zehn Jahren teilnehme. Mehrere Kurzgeschichten habe ich in Anthologien veröffentlicht und 2009 den 2. Preis beim Stockstädter Literaturpreis gewonnen. 

Ich habe Brigitte gefragt, was ihr erster Gedanke war, als sie erfahren hat, dass sie dabei ist. Sie schrieb mir:

Dankbarkeit! Greta und Lili erhalten die Möglichkeit, andere an ihrer Geschichte teilhaben zu lassen. Für mich eine wunderbare Bestätigung, dass sich die viele Arbeit und der Einsatz gelohnt haben – und die Unterstützung der vielen lieben Menschen, die an mich geglaubt haben.
Jetzt glaubt noch jemand mehr an Brigitte, Greta und Lili, nämlich ich! Liebe Brigitte, ich wünsche uns eine gute, gemeinsame Zeit beim Blogbuster und Dir erstmal nun die herzlichsten Glückwünsche zur Longlist beim Blogbuster 2017!

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future!publish 2017 in Berlin

Nun ist sie schon wieder seit einigen Tagen vorbei, die future!publish in Berlin. Ich hatte zwei ausgesprochen spannende Tage dort und bedanke mich nochmals herzlich beim Organisationsteam für die Möglichkeit, als Kongressbloggerin dabei zu sein.

Wieder einmal stelle ich fest, dass auf einem solchen Kongress die Zeit zwischen den Vorträgen mindestens genauso wichtig ist, wie die Inhalte selbst. Ob das ein Gespräch in der Essensschlange ist, was am Tisch fortgeführt wird, ein gegenseitiges Vorstellen und Vernetzen, ein Austausch nach dem Vortrag oder das Wiedersehen von guten, alten Bekannten innerhalb der Branche – es ist so leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen und aus diesen Gesprächen ganz viel mitzunehmen. Einen Einblick zu bekommen in das Tagesgeschäft der anderen, die Stimmungen innerhalb der unterschiedlichen Szenen mitzubekommen und ganz viel Neues zu lernen.

Als Keynote-Speaker war Stephan Porombka zum Kongress gebeten worden, eine gute Wahl, wie ich fand. Sein Blick auf das Digitale Publizieren und vorallem eine seiner Schlussfolgerungen “Future Publishing meint Gestaltung von Öffentlichkeit” gefiel mir. Die Branche ist im Umbruch und wird kaum noch stillstehen sondern sich beständig weiterentwickeln und neu erfinden müssen. Wir sind bei Future!Publishing 2.0 angekommen – sind dafür verantwortlich und gestalten mit.

Eine gute Gelegenheit um meine Fähigkeiten, was Sketchnotes angeht, weiter auszubauen. Einige Vorträge hielt ich so für mich und zum Teilen auf Twitter (@pinkfisch) gleich graphisch fest – z.B. die Keynote:

keynote-Stephan-porombka

Als erster Punkt auf der Tagesordnung stand dann eine Podiumsdiskussion mit Elisabeth Ruge, Dr. Valeska Henze und Yvonne de Andrés zum Thema Gleichstellung in der Buchbranche. Ein Thema, für dass ich mir ehrlich gestanden einen bis zum letzten Platz besetzten Saal gewünscht hätte.

Um nur ein Beispiel zu nennen: die Buchbranche ist zu 80% weiblich. Frauen verdienen trotzdem 28% weniger Geld. Diese Zahlen muss man einfach mal auf sich wirken lassen. (Quelle: BücherFrauen-Studie Mehrwert)

Elisabeth Ruge sagte gleich zwei Sätze, die ich sofort unterschreiben würde:

“Veränderung geht nicht nur mit gutem Willen” und “Gendergerechtigkeit statt Frauenquote”.

Was ich an der Diskussion besonders gut finde, sind die Ideen, die sich in Richtung Lösungsansätze und Handeln orientieren. Wir sind heutzutage in unserer Arbeit so flexibel wie noch nie zuvor, digitales Arbeiten macht es möglich. Diese Möglichkeiten sollten noch viel mehr genutzt werden, ebenso könnte die Idee eines Zeitkontos wieder konsequenter weitergedacht werden. Es geht ja in der heutigen Zeit schon lange nicht mehr nur um die eventuelle Familiengründung, auch die Pflege von Angehörigen ist ein wichtiges Thema. Valeska Henze sagte:

“Es braucht Sicherheiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn sich Lebenssituationen ändern.”

Im Bild: die “Gender-Bärchen”

Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen nachweislich bessere Leistungen – es sollte also eines der Hauptanliegen der Unternehmen sein, Arbeitsplätze (im gemeinsamen Dialog) so zu schaffen, dass sie attraktiv werden. Für alle, die gerne noch mehr Infos zum Thema hätten oder sich dafür engagieren wollen, verlinke ich hier die Seite der Bücherfrauen.

Für mich ebenfalls ausgesprochen interessant waren zwei weitere Vorträge, in denen es sich beim ersten um VLB-TIX (die digitale Vorschau) drehte – eine Thematik, die mich momentan im beruflichen Alltag täglich begleitet. Generell stehe ich dem Thema aufgeschlossen gegenüber, auf lange Sicht wird sich die digitale Vorschau sicherlich etablieren, es gibt allerdings auch noch eine Menge zu tun, auf Seiten der Entwickler*innen, der Verlage und der Sortimenter*innen – wir befinden uns momentan noch in einer Art Trainingslager.

Der nächste interessante Vortrag von Erhardt F. Heinold drehte sich um das Thema “Von der Handels- zur Kundenorientierung“. Generell ein Vortrag, der sich an die Verlagsseite richtete, ein wenig durcheinandergebracht von der Buchhändlerin in der zweiten Reihe ;-)  Durchaus ein provokanter Vortrag, der gerade deswegen aber auch zu einigen spannenden Diskussionen führte. Die direkte Kommunikation von Verlagen mit ihren Leserinnen und Lesern kann eine sehr große Chance bieten (und einen positiven Eindruck, eine Bindung zu den Leser*innen aufbauen), wenn sie richtig genutzt wird. Zwei Dinge gab ich in der anschließenden Runde zu bedenken: Wenn ihr als Verlag diesen Dialog wollt – a) Gebt euren Leuten die Möglichkeit, ihren Job gut zu machen, indem sie genug Zeit dafür und Einarbeitung ins Thema bekommen, damit sie das nicht halbgar machen und b) Setzt diejenigen daran, die auch wirklich Spaß dabei haben. Dann ist die direkte Ansprache eine wertvolle Möglichkeit zur Kundenbindung.

Mit der erschütternste Vortrag war sicherlich der von Storyteller und Autor Thomas Pyczak über eBook-Piraterie. Es war ein Vortrag, der einen durchaus mal scharf die Luft anhalten lies. Die Schäden, die der Buchindustrie durch diese illegalen Portale zugefügt werden, sind keine Peanuts. Aber er sprach auch alternative Modelle an, dass man, statt die Augen zu verschliessen, lieber innovativ denken sollte. Im Börsenblatt findet sich in der Sonntagsfrage eine ganz gute und etwas knappere Zusammenfassung der Vortragsinhalte – sehr lesenswert!

Was ist eigentlich Shared Reading? Dieser Vortrag eignete sich perfekt für eine Sketchnote:

Eines der erhellendsten Impulsreferate war sicherlich jenes von Manuel Herder zur Content Strategie von Herder. Zum einen ist er ein guter Storyteller mit feinem Gespür für sein Publikum, was mir als Zuhörerin dann von vornherein schon mal Freude macht. Zum anderen hat er einen hochspannenden Vortrag gehalten, wie sein Unternehmen die Herausforderung des digitalen Publizierens angenommen hat, wie er sagte – “den Paradigmenwechsel vollzogen hat“. Das war inspirierend und hielt das ein oder andere Best-Practice Beispiel bereit, aber auch schöne Sätze wie “Ein Scheißprozess ist ein Scheißprozess, auch wenn er digitalisiert wird!”. Heutige Unternehmen sollten sich bewusst sein, welche Strategie sie online und digital wählen möchten und sich trauen, diese auch durch externe Beratung oder Dienstleistungen einzukaufen. Etwas Geld in die Hand zu nehmen, um auf professioneller Arbeit aufzubauen bzw. diese zu nutzen, lohnt sich auf lange Sicht.

Der Content ist vorhanden, nun stehen wir vor der Aufgabe, ihn auf die unterschiedlichen Kanäle anzupassen, Apps, Soziale Medien, Newsletter, Homepage. Wer seine Zahlen und sein Zielpublikum kennt, kann so gezielt und schneller potentielle Kundinnen und Kunden erreichen. Insgesamt eine Dreiviertelstunde, in der man eine ganze Menge für sich mitnehmen konnte – wer die Gelegenheit hat, Manuel Herder als Sprecher zu sehen, sollte sie ergreifen.

Bei den Future!Inspirations ging es um kurze 15-Minuten-Pitches, Vorstellungen von zukunftsweisenden Unternehmen. Hier haben mich die folgenden besonders beeindruckt:

Voice Republic kannte ich bereits, weil sie die Bloggersessions der Leipziger Buchmesse im letzten Jahr übertragen haben. Sie bieten Podcasting für die Publishing-Branche an. Ich habe seit letztem Jahr ihren Newsletter abonniert und finde dort immer wieder spannende Inhalte zum Nachhören oder nutze den Livestream bei Veranstaltungen, die ich selbst nicht besuchen konnte.

Die Papego-App ist noch relativ neu, ich finde die Grundidee allerdings schon genauso genial wie einfach. Bücher, die einen Papego-Aufkleber haben, ermöglichen es der Leserin/dem Leser, immer die Wahl zu treffen. Zuhause auf dem Sofa das Papierbuch, bevor es morgens in die Bahn geht, schnell mit der Papago-App die zuletzt gelesene Seite scannen und dann auf dem Smartphone bis zu 25% des Buches bequem unterwegs lesen. Gerade beim aktuellen Trend der dicken 1000-Seiten-Wälzer durchaus eine angenehme Alternative. Bisher gibt es nur rund 60 Titel im Papego-System, ich würde mich freuen, wenn das weiter ausgebaut würde. Wer sich das ganze nochmal in bewegten Bildern erklären lassen möchte, der klicke auf das Video:

Mit log.os stellte sich eine Plattform für “ein umfassendes Leseerlebnis” vor, Volker Oppmann sprach schmunzelnd von einer Lesemaschine, die Interaktion fördern soll. Da ich den Austausch über Literatur online ja bereits sehr genieße, finde ich jegliche Projekte in dieser Richtung extrem spannend, zudem die log.os-App (momentan leider noch in der Beta-Phase!) mir ein paar Möglichkeiten bietet, die mich ansprechen: das problemlose Teilen von Zitaten in meinen Social-Media-Kanälen mit einem Klick oder auch die Möglichkeiten einer geschlossenen Gruppe zum gemeinsamen Lesen. Einige Funktionen und Ideen gibt es bereits online, mich hat aber das ganze Zusammenspiel sehr angesprochen. Ich habe mich schon angemeldet & bin gespannt, wie sich das ganze entwickelt.

Das Outlining-Tool Beemgee ist vorallem für Autorinnen und Autoren interessant. Ein auf den ersten Blick recht klar aufgebautes “Online-Tool für Plot-Outlining, Figurenentwicklung und Dramaturgie” heißt es auf ihrer Homepage. Besonders die Möglichkeit des gleichzeitigen Arbeitens am Text mit Lektor/Lektorinnen finde ich beachtenswert. Da es eine freie Version der Software gibt, werde ich sie mir bei Gelegenheit sicherlich noch einmal näher anschauen.

Mit am reizvollsten fand ich die Vorstellung von Wondermags. Hier hat jeder die Möglichkeit, sein eigenes, sorgsam kuratiertes Magazin digital zu veröffentlichen und damit Geld zu verdienen. Gerade für Bloggerinnen und Blogger bietet sich hier eine sehr einfache Möglichkeit, zusätzlichen Content in hochwertiger Form anzubieten. Auch hier ratterten in meinem Kopf schon einige Ideen. Wer neugierig geworden ist, bekommt hier Antworten auf die dringlichsten Fragen, ganz gleich, ob man nur lesen oder schreiben möchte.

Last but not least endete die Future!Publish für mich mit der Vorstellung der eBook-Anthologie “Willkommen! Blogger für Flüchtlinge“, erschienen bei Mikrotext, die komplett online entstand, als ein gemeinsames Projekt von Katharina Gerhardt, Caterina Kirsten, Ariane Novel, Nikola Richter, Frank O. Rudkoffsky und Eva Siegmund. Die Einnahmen wurden komplett an das Projekt #bloggerfürflüchtlinge gespendet. Ariane und Katharina erzählten von der Zusammenarbeit, die komplett auf digitaler Ebene stattfand, vom zeitversetzen Arbeiten, Tools, die genutzt wurden um die Arbeit am eBook voranzutreiben, über die Arbeitsweise und ihre Erfahrungen. Ganz sicher haben diese sechs hier ein bemerkenswertes Projekt geschaffen, eines, das auf gemeinsamer Vision, Respekt und Wertschätzung beruht. Werte, auf die man in der heutigen Zeit ruhig öfter zurückgreifen könnte, denn ganz egal, wie sehr sich die Art des Publizierens noch wandeln wird, es sind immer noch Menschen an den Projekten beteiligt, die am stärksten sind, wenn die gemeinsame Freude daran, etwas zu schaffen, bei allen vorhanden ist.

Inspiration pur und für mich der perfekte Abschluss zweier Kongresstage!

Die future!publish war für mich lehrreich, sie hat wieder Funken gezündet und mich inspiriert. Für mich geht es bei einer solchen Veranstaltung nicht darum, vorgefertigte Lösungen mit nach Hause zu nehmen, sondern außerhalb der Box zu denken, neue Querverbindungen zu finden und über meinen eigenen Horizont hinauszublicken. Daran, wie sehr es in mir in den Tagen nach soviel Input arbeitet, merke ich, wie wichtig es ist, aus dem Alltag auszubrechen und dem Hirn neues Futter zu geben, gerade auch zu Themen, die auf den ersten Blick nicht wie die eigenen Kernthemen erscheinen. Hier finden sich oftmals Quellen für Neues, die man vorher nicht mal erahnte.

Ebenfalls auf der future!publish war meine Buchbloggerinnen-Kollegin Mara von Buzzaldrins Bücher. Sie hat bereits ausführlich auf ihrem Blog über den Kongress berichtet.

Und – sehen wir uns nächstes Jahr? Die nächste future!publish findet am 25/26. Januar 2018 in Berlin statt.

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Pinkfisch im Hanauer Anzeiger

Das neue Jahr hat begonnen und der Hanauer Anzeiger hatte angefragt, ob wir nicht mal ein Gespräch miteinander führen wollen. Das haben wir getan, dabei viel gelacht und ausführlich über Bücher, das Bloggen und Lesen gesprochen.

Nachlesen könnt ihr das jetzt auch (.PDF), dank der freundlichen Genehmigung des Hanauer Anzeigers – vielen Dank! Ebenfalls nochmal ein Dank an die Redakteurin Kerstin Biehl, die diesen Artikel geschrieben hat und die Fotos gemacht hat – ich hatte viel Freude an unserem Gespräch!

Hier geht es zum Artikel: Pinkfisch im Hanauer Anzeiger vom 12/Januar/2017

Quelle: Hanauer Anzeiger vom 12/Januar/2017