“Mein erster Gedanke war: Dankbarkeit!” Blogbuster 2017

Als Buchhändlerin lese ich oftmals Bücher lange vor ihrem Erscheinungstermin. Dass ich sie aber schon als Manuskript zu lesen bekomme, ist neu und die Schuld daran trägt der Blogbuster, die Idee von Tobias Nazemi (aka Buchrevier). Drei Manuskripte schafften es in meine Endauswahl und die Entscheidung  war wirklich nicht leicht. Für meine Nerven ist das auf Dauer nichts .

Bevor ich meine Kandidatin für den Blogbuster verkünde, möchte ich den beiden anderen, die auch noch im Rennen waren, ein großes Kompliment machen!

Valentin Tschiller und sein Manuskript  Jener Tag, an dem der Tod mit der Gesamtsituation unzufrieden war haben mich herrlich unterhalten. Ich habe weite Passagen meinem Mann vorgelesen und wir haben lauthals gelacht über die Schwierigkeiten, die es so mit sich bringt, als Jugendlicher Assistent des Todes zu werden. Besonders die popkulturellen Anspielungen, die der Autor immer wieder einbaut, trafen genau unseren Humor. Valentin wünsche ich ganz dringend einen Verlag, denn ich wüsste auf Anhieb schon diverse Kunden, denen ich das Buch empfehlen möchte!

Richtiggehend liebgewonnen habe ich die Protagonistin des zweiten Manuskripts Nach dem Tod gleich links von Antje Backwinkel. Auch hier spielt der Tod eine große Rolle, ans Herz gewachsen ist mir aber Else, die eine Vorliebe für alles mit Kuhfellmuster und Eierlikörpralinen hat und sich für ihre große Liebe sogar mit dem Tod anlegt. Klingt schräg? Ist es auch, aber so unterhaltsam und stets mit ein wenig Ernst im Hintergrund. Auch Antjes Werk möchte ich irgendwann in gedruckter Form im Laden liegen haben – sie hat es verdient!

Und nun, der Trommelwirbel, der Tusch, die Lichter im Saal gehen aus und Spot on auf die Blogbuster-Kandidatin mit der ich ins Rennen gehen werde:

Brigitte Morgenroth mit “Hundeseele”

Brigitte Morgenroth (c) Marco Reiss

Ein Dorf im Allgäu der 50er Jahre – Über den Krieg spricht man nicht, die katholische Kirche gibt die Regeln vor und der Rhythmus der Jahreszeiten bestimmt die Arbeit. Als Greta, Lehrerin der Dorfschule, ein Mädchen aufnimmt, das unter Hunden aufgewachsen ist, zeigt die Fassade Risse. Es ist die Geschichte einer Frau, die für ein traumatisiertes Mädchen kämpft – und eine Tochter gewinnt. (Brigitte Morgenroth)

Als ich diesen kurzen Abschnitt, der dem Exposé vorangestellt war las, machte etwas in mir KLICK. In diesen wenigen Zeilen steckte bereits soviel Sprengkraft, allein schon die Fragestellung, welchen Einfluss es auf einen Menschen hat, unter Tieren aufzuwachsen. Ich las das Manuskript mit wachsender Begeisterung, trotz der Schwere der Nachkriegszeit, die über dem ganzen liegt. Bewunderte die Dorfschullehrerin Greta für ihren Mut, für das “Hundemädchen” Waltraut (später Lili) einzustehen. Litt mit Lili, die zwischen Mensch und Hund hin- und hergerissen war, verfluchte das engstirnige Dorf und hielt den Atem an, als es bedrohlicher wurde. Denn längst nicht alle sind einverstanden mit dem Handeln Gretas. Das “Hundemädchen” ist vielen ein Dorn im Auge, die Dorfgesellschaft fühlt sich bedroht und die Situation spitzt sich zu…


Für mich hat dieses Buch alles, was ich von einer guten Geschichte erwarte. Brigitte Morgenroth hat einen Roman geschrieben, der einen packt und nachdenklich werden lässt und ich freue mich so sehr, dass ich mit solch einer starken Kandidatin ins Rennen um den Blogbuster gehen darf.

Greta fragt sich zunehmend, wo die Grenze zwischen Mensch und Tier liegt. Was trennt sie: Intelligenz, Humor, die Fähigkeit zum Mitgefühl? Hat der Krieg nicht gerade gezeigt, wie tierisch Menschen sein können? Und zeigt das Verhalten von Lilis Hundefamilie nicht Qualitäten, die man eigentlich Menschen zuschreibt? Greta lernt, das Tier in Lili zu respektieren und entdeckt ihre eigene Animalität. Das macht ihr Mut, sich auf eine Beziehung mit dem Arzt Karl einzulassen.

Bereits beim Lesen ging es mir so, dass ich die Schilderungen des hündischen Verhaltens enorm gelungen fand. Deshalb beeindruckte es mich besonders, dass Brigitte Morgenroth für ihren Roman intensiv recherchiert hat. Durch ihre eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen mit Tanztheater geprägt, kroch sie beispielsweise auf allen Vieren, um zu erspüren, wie sich die Perspektive der unter Hunden aufgewachsenen, 16jährigen Lili anfühlte. Diese Hingabe an ihr Thema und für ihre Figuren, zieht sich durch den ganzen Roman. Die Thematik hat auch einen realen Bezugspunkt, wie sie im Exposé erläutert: “Der Roman nimmt Bezug auf das Schicksal von Oxana Malaya (geb. 1983) aus der Ukraine, die mit drei Jahren Zuflucht bei der Hündin auf dem Hof ihrer alkoholkranken Eltern fand. Mit acht Jahren kam sie in ein Heim. Sie weist hündisches Verhalten auf, bellt, knurrt und läuft auf allen Vieren, kann jedoch sprechen und sich menschlich verhalten.”  Mehr über Oxana Malaya (Youtube)


Über sich selbst schreibt Brigitte Morgenroth (Jahrgang 1963), die in Darmstadt und Berlin wohnt und arbeitet :

Ich bin Biologin und arbeite in der Pressestelle eines medizinischen Instituts. Dort kann ich meine naturwissenschaftlichen Kenntnisse mit dem Schreiben verbinden, um komplexe medizinische Zusammenhänge zu kommunizieren. Das literarische Schreiben habe ich in der Darmstädter Textwerkstatt bei Kurt Drawert und später Martina Weber entwickelt, an der ich seit über zehn Jahren teilnehme. Mehrere Kurzgeschichten habe ich in Anthologien veröffentlicht und 2009 den 2. Preis beim Stockstädter Literaturpreis gewonnen. 

Ich habe Brigitte gefragt, was ihr erster Gedanke war, als sie erfahren hat, dass sie dabei ist. Sie schrieb mir:

Dankbarkeit! Greta und Lili erhalten die Möglichkeit, andere an ihrer Geschichte teilhaben zu lassen. Für mich eine wunderbare Bestätigung, dass sich die viele Arbeit und der Einsatz gelohnt haben – und die Unterstützung der vielen lieben Menschen, die an mich geglaubt haben.
Jetzt glaubt noch jemand mehr an Brigitte, Greta und Lili, nämlich ich! Liebe Brigitte, ich wünsche uns eine gute, gemeinsame Zeit beim Blogbuster und Dir erstmal nun die herzlichsten Glückwünsche zur Longlist beim Blogbuster 2017!

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future!publish 2017 in Berlin

Nun ist sie schon wieder seit einigen Tagen vorbei, die future!publish in Berlin. Ich hatte zwei ausgesprochen spannende Tage dort und bedanke mich nochmals herzlich beim Organisationsteam für die Möglichkeit, als Kongressbloggerin dabei zu sein.

Wieder einmal stelle ich fest, dass auf einem solchen Kongress die Zeit zwischen den Vorträgen mindestens genauso wichtig ist, wie die Inhalte selbst. Ob das ein Gespräch in der Essensschlange ist, was am Tisch fortgeführt wird, ein gegenseitiges Vorstellen und Vernetzen, ein Austausch nach dem Vortrag oder das Wiedersehen von guten, alten Bekannten innerhalb der Branche – es ist so leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen und aus diesen Gesprächen ganz viel mitzunehmen. Einen Einblick zu bekommen in das Tagesgeschäft der anderen, die Stimmungen innerhalb der unterschiedlichen Szenen mitzubekommen und ganz viel Neues zu lernen.

Als Keynote-Speaker war Stephan Porombka zum Kongress gebeten worden, eine gute Wahl, wie ich fand. Sein Blick auf das Digitale Publizieren und vorallem eine seiner Schlussfolgerungen “Future Publishing meint Gestaltung von Öffentlichkeit” gefiel mir. Die Branche ist im Umbruch und wird kaum noch stillstehen sondern sich beständig weiterentwickeln und neu erfinden müssen. Wir sind bei Future!Publishing 2.0 angekommen – sind dafür verantwortlich und gestalten mit.

Eine gute Gelegenheit um meine Fähigkeiten, was Sketchnotes angeht, weiter auszubauen. Einige Vorträge hielt ich so für mich und zum Teilen auf Twitter (@pinkfisch) gleich graphisch fest – z.B. die Keynote:

keynote-Stephan-porombka

Als erster Punkt auf der Tagesordnung stand dann eine Podiumsdiskussion mit Elisabeth Ruge, Dr. Valeska Henze und Yvonne de Andrés zum Thema Gleichstellung in der Buchbranche. Ein Thema, für dass ich mir ehrlich gestanden einen bis zum letzten Platz besetzten Saal gewünscht hätte.

Um nur ein Beispiel zu nennen: die Buchbranche ist zu 80% weiblich. Frauen verdienen trotzdem 28% weniger Geld. Diese Zahlen muss man einfach mal auf sich wirken lassen. (Quelle: BücherFrauen-Studie Mehrwert)

Elisabeth Ruge sagte gleich zwei Sätze, die ich sofort unterschreiben würde:

“Veränderung geht nicht nur mit gutem Willen” und “Gendergerechtigkeit statt Frauenquote”.

Was ich an der Diskussion besonders gut finde, sind die Ideen, die sich in Richtung Lösungsansätze und Handeln orientieren. Wir sind heutzutage in unserer Arbeit so flexibel wie noch nie zuvor, digitales Arbeiten macht es möglich. Diese Möglichkeiten sollten noch viel mehr genutzt werden, ebenso könnte die Idee eines Zeitkontos wieder konsequenter weitergedacht werden. Es geht ja in der heutigen Zeit schon lange nicht mehr nur um die eventuelle Familiengründung, auch die Pflege von Angehörigen ist ein wichtiges Thema. Valeska Henze sagte:

“Es braucht Sicherheiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn sich Lebenssituationen ändern.”

Im Bild: die “Gender-Bärchen”

Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen nachweislich bessere Leistungen – es sollte also eines der Hauptanliegen der Unternehmen sein, Arbeitsplätze (im gemeinsamen Dialog) so zu schaffen, dass sie attraktiv werden. Für alle, die gerne noch mehr Infos zum Thema hätten oder sich dafür engagieren wollen, verlinke ich hier die Seite der Bücherfrauen.

Für mich ebenfalls ausgesprochen interessant waren zwei weitere Vorträge, in denen es sich beim ersten um VLB-TIX (die digitale Vorschau) drehte – eine Thematik, die mich momentan im beruflichen Alltag täglich begleitet. Generell stehe ich dem Thema aufgeschlossen gegenüber, auf lange Sicht wird sich die digitale Vorschau sicherlich etablieren, es gibt allerdings auch noch eine Menge zu tun, auf Seiten der Entwickler*innen, der Verlage und der Sortimenter*innen – wir befinden uns momentan noch in einer Art Trainingslager.

Der nächste interessante Vortrag von Erhardt F. Heinold drehte sich um das Thema “Von der Handels- zur Kundenorientierung“. Generell ein Vortrag, der sich an die Verlagsseite richtete, ein wenig durcheinandergebracht von der Buchhändlerin in der zweiten Reihe ;-)  Durchaus ein provokanter Vortrag, der gerade deswegen aber auch zu einigen spannenden Diskussionen führte. Die direkte Kommunikation von Verlagen mit ihren Leserinnen und Lesern kann eine sehr große Chance bieten (und einen positiven Eindruck, eine Bindung zu den Leser*innen aufbauen), wenn sie richtig genutzt wird. Zwei Dinge gab ich in der anschließenden Runde zu bedenken: Wenn ihr als Verlag diesen Dialog wollt – a) Gebt euren Leuten die Möglichkeit, ihren Job gut zu machen, indem sie genug Zeit dafür und Einarbeitung ins Thema bekommen, damit sie das nicht halbgar machen und b) Setzt diejenigen daran, die auch wirklich Spaß dabei haben. Dann ist die direkte Ansprache eine wertvolle Möglichkeit zur Kundenbindung.

Mit der erschütternste Vortrag war sicherlich der von Storyteller und Autor Thomas Pyczak über eBook-Piraterie. Es war ein Vortrag, der einen durchaus mal scharf die Luft anhalten lies. Die Schäden, die der Buchindustrie durch diese illegalen Portale zugefügt werden, sind keine Peanuts. Aber er sprach auch alternative Modelle an, dass man, statt die Augen zu verschliessen, lieber innovativ denken sollte. Im Börsenblatt findet sich in der Sonntagsfrage eine ganz gute und etwas knappere Zusammenfassung der Vortragsinhalte – sehr lesenswert!

Was ist eigentlich Shared Reading? Dieser Vortrag eignete sich perfekt für eine Sketchnote:

Eines der erhellendsten Impulsreferate war sicherlich jenes von Manuel Herder zur Content Strategie von Herder. Zum einen ist er ein guter Storyteller mit feinem Gespür für sein Publikum, was mir als Zuhörerin dann von vornherein schon mal Freude macht. Zum anderen hat er einen hochspannenden Vortrag gehalten, wie sein Unternehmen die Herausforderung des digitalen Publizierens angenommen hat, wie er sagte – “den Paradigmenwechsel vollzogen hat“. Das war inspirierend und hielt das ein oder andere Best-Practice Beispiel bereit, aber auch schöne Sätze wie “Ein Scheißprozess ist ein Scheißprozess, auch wenn er digitalisiert wird!”. Heutige Unternehmen sollten sich bewusst sein, welche Strategie sie online und digital wählen möchten und sich trauen, diese auch durch externe Beratung oder Dienstleistungen einzukaufen. Etwas Geld in die Hand zu nehmen, um auf professioneller Arbeit aufzubauen bzw. diese zu nutzen, lohnt sich auf lange Sicht.

Der Content ist vorhanden, nun stehen wir vor der Aufgabe, ihn auf die unterschiedlichen Kanäle anzupassen, Apps, Soziale Medien, Newsletter, Homepage. Wer seine Zahlen und sein Zielpublikum kennt, kann so gezielt und schneller potentielle Kundinnen und Kunden erreichen. Insgesamt eine Dreiviertelstunde, in der man eine ganze Menge für sich mitnehmen konnte – wer die Gelegenheit hat, Manuel Herder als Sprecher zu sehen, sollte sie ergreifen.

Bei den Future!Inspirations ging es um kurze 15-Minuten-Pitches, Vorstellungen von zukunftsweisenden Unternehmen. Hier haben mich die folgenden besonders beeindruckt:

Voice Republic kannte ich bereits, weil sie die Bloggersessions der Leipziger Buchmesse im letzten Jahr übertragen haben. Sie bieten Podcasting für die Publishing-Branche an. Ich habe seit letztem Jahr ihren Newsletter abonniert und finde dort immer wieder spannende Inhalte zum Nachhören oder nutze den Livestream bei Veranstaltungen, die ich selbst nicht besuchen konnte.

Die Papego-App ist noch relativ neu, ich finde die Grundidee allerdings schon genauso genial wie einfach. Bücher, die einen Papego-Aufkleber haben, ermöglichen es der Leserin/dem Leser, immer die Wahl zu treffen. Zuhause auf dem Sofa das Papierbuch, bevor es morgens in die Bahn geht, schnell mit der Papago-App die zuletzt gelesene Seite scannen und dann auf dem Smartphone bis zu 25% des Buches bequem unterwegs lesen. Gerade beim aktuellen Trend der dicken 1000-Seiten-Wälzer durchaus eine angenehme Alternative. Bisher gibt es nur rund 60 Titel im Papego-System, ich würde mich freuen, wenn das weiter ausgebaut würde. Wer sich das ganze nochmal in bewegten Bildern erklären lassen möchte, der klicke auf das Video:

Mit log.os stellte sich eine Plattform für “ein umfassendes Leseerlebnis” vor, Volker Oppmann sprach schmunzelnd von einer Lesemaschine, die Interaktion fördern soll. Da ich den Austausch über Literatur online ja bereits sehr genieße, finde ich jegliche Projekte in dieser Richtung extrem spannend, zudem die log.os-App (momentan leider noch in der Beta-Phase!) mir ein paar Möglichkeiten bietet, die mich ansprechen: das problemlose Teilen von Zitaten in meinen Social-Media-Kanälen mit einem Klick oder auch die Möglichkeiten einer geschlossenen Gruppe zum gemeinsamen Lesen. Einige Funktionen und Ideen gibt es bereits online, mich hat aber das ganze Zusammenspiel sehr angesprochen. Ich habe mich schon angemeldet & bin gespannt, wie sich das ganze entwickelt.

Das Outlining-Tool Beemgee ist vorallem für Autorinnen und Autoren interessant. Ein auf den ersten Blick recht klar aufgebautes “Online-Tool für Plot-Outlining, Figurenentwicklung und Dramaturgie” heißt es auf ihrer Homepage. Besonders die Möglichkeit des gleichzeitigen Arbeitens am Text mit Lektor/Lektorinnen finde ich beachtenswert. Da es eine freie Version der Software gibt, werde ich sie mir bei Gelegenheit sicherlich noch einmal näher anschauen.

Mit am reizvollsten fand ich die Vorstellung von Wondermags. Hier hat jeder die Möglichkeit, sein eigenes, sorgsam kuratiertes Magazin digital zu veröffentlichen und damit Geld zu verdienen. Gerade für Bloggerinnen und Blogger bietet sich hier eine sehr einfache Möglichkeit, zusätzlichen Content in hochwertiger Form anzubieten. Auch hier ratterten in meinem Kopf schon einige Ideen. Wer neugierig geworden ist, bekommt hier Antworten auf die dringlichsten Fragen, ganz gleich, ob man nur lesen oder schreiben möchte.

Last but not least endete die Future!Publish für mich mit der Vorstellung der eBook-Anthologie “Willkommen! Blogger für Flüchtlinge“, erschienen bei Mikrotext, die komplett online entstand, als ein gemeinsames Projekt von Katharina Gerhardt, Caterina Kirsten, Ariane Novel, Nikola Richter, Frank O. Rudkoffsky und Eva Siegmund. Die Einnahmen wurden komplett an das Projekt #bloggerfürflüchtlinge gespendet. Ariane und Katharina erzählten von der Zusammenarbeit, die komplett auf digitaler Ebene stattfand, vom zeitversetzen Arbeiten, Tools, die genutzt wurden um die Arbeit am eBook voranzutreiben, über die Arbeitsweise und ihre Erfahrungen. Ganz sicher haben diese sechs hier ein bemerkenswertes Projekt geschaffen, eines, das auf gemeinsamer Vision, Respekt und Wertschätzung beruht. Werte, auf die man in der heutigen Zeit ruhig öfter zurückgreifen könnte, denn ganz egal, wie sehr sich die Art des Publizierens noch wandeln wird, es sind immer noch Menschen an den Projekten beteiligt, die am stärksten sind, wenn die gemeinsame Freude daran, etwas zu schaffen, bei allen vorhanden ist.

Inspiration pur und für mich der perfekte Abschluss zweier Kongresstage!

Die future!publish war für mich lehrreich, sie hat wieder Funken gezündet und mich inspiriert. Für mich geht es bei einer solchen Veranstaltung nicht darum, vorgefertigte Lösungen mit nach Hause zu nehmen, sondern außerhalb der Box zu denken, neue Querverbindungen zu finden und über meinen eigenen Horizont hinauszublicken. Daran, wie sehr es in mir in den Tagen nach soviel Input arbeitet, merke ich, wie wichtig es ist, aus dem Alltag auszubrechen und dem Hirn neues Futter zu geben, gerade auch zu Themen, die auf den ersten Blick nicht wie die eigenen Kernthemen erscheinen. Hier finden sich oftmals Quellen für Neues, die man vorher nicht mal erahnte.

Ebenfalls auf der future!publish war meine Buchbloggerinnen-Kollegin Mara von Buzzaldrins Bücher. Sie hat bereits ausführlich auf ihrem Blog über den Kongress berichtet.

Und – sehen wir uns nächstes Jahr? Die nächste future!publish findet am 25/26. Januar 2018 in Berlin statt.

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Pinkfisch im Hanauer Anzeiger

Das neue Jahr hat begonnen und der Hanauer Anzeiger hatte angefragt, ob wir nicht mal ein Gespräch miteinander führen wollen. Das haben wir getan, dabei viel gelacht und ausführlich über Bücher, das Bloggen und Lesen gesprochen.

Nachlesen könnt ihr das jetzt auch (.PDF), dank der freundlichen Genehmigung des Hanauer Anzeigers – vielen Dank! Ebenfalls nochmal ein Dank an die Redakteurin Kerstin Biehl, die diesen Artikel geschrieben hat und die Fotos gemacht hat – ich hatte viel Freude an unserem Gespräch!

Hier geht es zum Artikel: Pinkfisch im Hanauer Anzeiger vom 12/Januar/2017

Quelle: Hanauer Anzeiger vom 12/Januar/2017

Blogbuster 2017 – Der Stand der Dinge

Nun ist es also soweit, die Bewerbungsphase für den Blogbuster – Preis der Literaturblogger endete am 31.12.2016. Fantastische 252 Einsendungen sind beim Blogbuster-Team eingetrudelt, welches uns Bloggerinnen und Blogger dann die jeweiligen Einreichungen weitergeleitet hat – ein großes Stück Arbeit, daher an dieser Stelle auch nochmal ein Dankeschön an die fleißigen Helferinnen und Helfer im Hintergrund!

blogbuster-2017

Insgesamt sind über 20 Einreichungen bei mir gelandet und ich bedanke mich bei jeder Autorin und jedem Autor, die/der mir ihr Vertrauen geschenkt hat. Allein, dass sie das durchgezogen haben, dass sie Seite um Seite gefüllt haben mit ihren Worten und Ideen, dass sie überarbeitet, korrekturgelesen und lange Zeit mit dem Schreiben zugebracht haben – allein dafür gebührt ihnen ALLEN ein ganz großer Respekt! Und, es mag vielleicht abgedroschen klingen, aber – diesen Erfolg, diese Errungenschaft “Ich habe ein Buch geschrieben!“, die kann ihnen ALLEN keiner mehr nehmen. Darauf können sie, nein, sollten sie ganz unbedingt, sehr stolz sein!

Ich habe mir alle Einreichungen angesehen, habe jedes Exposé und jede Leseprobe gelesen. Wie ist es mir dabei ergangen? Zum einen verspürte ich den oben bereits genannten Respekt, für all die Arbeit, die darin steckt. Und auch eine ganz große Ehrfurcht davor, dass sich alle getraut haben, ihre Werke einzureichen. Wer etwas einreicht, der nimmt in Kauf, dass es kritisiert wird, dass es nicht ausgewählt wird oder im besten Falle natürlich gelobt – das ist vorher nie klar. Das erfordert eine nicht unbeträchtliche Portion Mut und Vertrauen und auch dafür möchte ich mich nochmals bei allen bedanken.

writing-time

Was war nun dabei, in diesem bunten Strauß der Einreichungen? So einiges und meine Bewunderung für Lektorinnen und Lektoren, die diesen Job ja jeden Tag machen, ist noch weiter gestiegen. Es sind leider, und das ist wirklich schade, etwas über eine Handvoll Manuskripte herausgefallen, weil es sich um Genreliteratur (z.B. Jugendbuch) gehandelt hat, was wir in diesem ersten Durchgang des Blogbusters nicht gesucht haben. Trotzdem habe ich mir auch diese Einsendungen angesehen und ich empfehle denjenigen, diese Manuskripte weiter einzureichen, wenn die Vorgaben besser passen.

Ich habe sehr unterschiedliche Exposés und Leseproben bekommen. In meinen Notizen habe ich öfters, im positivsten Sinne, das Wort schräg verwendet. Es fanden sich sehr ausgefallene Ideen und Plots, ein paar wirklich gute Texte, die einen soliden, zuweilen sehr eigenen, bereits entwickelten Stil hatten, deren Thematik mich aber nicht “zog“. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, was für einen Glücksfall es darstellt, wenn der Schreibstil und die Thematik perfekt zueinander passen. Gerade um die Leseproben, wo ich nach dem Lesen sagte – der oder diejenige versteht sein/ihr Handwerk – tat es mir besonders leid, wenn ich trotzdem nicht in die Geschichte fand, was rein an meinen ganz eigenen, subjektiven Interessen lag, die allerdings wohl jede/r Leser/in hat. Hier und da fehlte mir die Spannung, die einen Text tragen muss oder ich wusste nicht genau, worauf der/die Schreibende/r hinauswollte. Wenn ich Leseexemplare anlese, um zu entscheiden, was für mich interessant sein könnte, sind die ersten Seiten für mich entscheidend, das galt für den Blogbuster nun genauso.

Blogbuster-2017

Am Ende habe ich mich (vorerst) für drei Manuskripte entschieden, die ich in voller Länge lesen möchte.

Zum einen handelt es sich um einen jungen Autor, dessen Arbeitstitel mir schon ausnehmend gut gefallen hat: “Jener Tag, an dem der Tod mit der Gesamtsituation unzufrieden war“. An solcherlei Titeln habe ich große Freude, als ich das Exposé las, hatte ich eine Geschichte vor Augen, die einen runden Abschluss hat, einen hohen Unterhaltungsfaktor und viel Situationskomik. Die Leseprobe überzeugte mich, gerade weil sie nicht glattpoliert war. Ganz im Gegenteil, sie klang genauso, wie ein jugendlicher Protagonist klingen sollte, ohne dass es künstlich wirkt.

Es ist ein wenig auffällig, andererseits bei meiner Vorliebe für schräges und eine gewisse Komik, nicht verwunderlich, dass es sich auch beim zweiten Exposé einer Autorin um den Tod dreht. “Nach dem Tod gleich links” hatte mich spätestens in dem Moment, als ich mir die Leseprobe selbst laut vorlas – diesen Text konnte ich mir sofort hervorragend in einer Hörfassung vorstellen. Was mich hier besonders reizt, ist nicht nur die vordergründige Absurdität, die der Plot verspricht und der herrliche Witz, sondern auch, dass, so lässt es das Exposé vermuten, es sich in diesem Roman auch um die Fragen des Lebens drehen wird, die soviele von uns umtreiben. Wenn es etwas schwieriges gibt im Bereich des Romanes, dann ist es, leichtfüßig zu schreiben und dennoch hier und da mit feiner Ironie an den Tiefen in uns allen zu rühren. Ich bin sehr gespannt!

Das dritte Exposé hingegen ist komplett anders. Hundeseele. Allein der kleine Text, der dem Exposé einleitend vorausgeht, hätte genauso in einer der unzähligen Verlagsvorschauen stehen können, die ich in den letzten Wochen durchgearbeitet habe, ich wäre sofort neugierig geworden. Hier stimmt ganz viel, ich wurde sofort neugierig auf die Geschichte, fand die Thematik extrem spannend und merkte bereits den Unterlagen an, dass die Autorin einige Zeit in die Recherche für dieses Buch investiert haben muss. Die Leseprobe hatte einen Ton, der mich schnell weiterlesen ließ. Ich freue mich auf die Lektüre, auch wenn ich jetzt schon ahne, dass sie mich ganz schön mitnehmen wird – auf eine traurig-gute Art und Weise.

Nun habe ich also in den nächsten zwei Monaten genug Zeit, diese drei Manuskripte zu lesen (und vielleicht auch noch einige mehr, so ganz endgültig ist diese erste Auswahl nicht und sie kann sich noch ändern). Anfang März sollte die Longlist aller teilnehmenden Bloggerinnen und Blogger stehen und ich verfolge sehr aufmerksam, was bei den anderen so los ist. Nachlesen könnt ihr das bei Kulturgeschwätz, bei Literaturen, bei novelero und bei Bücherwurmloch .

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Her mit der Courage, ich trau mich jetzt!

In den letzten zwei Jahren habe ich wieder gemerkt, dass ich verdammt viel Spaß daran habe, zu schreiben. Ich habe über lange Strecken Morgenseiten geschrieben, habe einen NaNoWriMo vollendet, natürlich gebloggt und habe angefangen, einen freien Schreibtreff zu besuchen, um mich auszutauschen. Und immer, wenn ich mich darauf einlasse, ist es wie ein kleines Nachhausekommen. Dann spüre ich, wieviel Freude es mir bereitet. Wenn ich merke, dass ein Text klickt, wenn ich im Schreiben zu mir finde und sich Dinge auf dem Papier klären. Wenn ich etwas nach einiger Zeit aus der Schublade nehme und denke – Das ist von Dir? Whoussa!

Und dann kommen die Zweifel. Schreiben, das tun viele. Und wenn man beruflich soviel liest, wie ich das tue, dann hat man an sein eigenes Schreiben einen wahnsinnig hohen Anspruch. Einen, den man fast unmöglich halten kann, was dann oft damit endet, gar nicht erst anzufangen – wozu? Man wird seinen eigenen hohen Zielen ja sowieso nicht gerecht!

Dann muss ich wieder und wieder auf das Zitat an meiner Wand schauen :

Almost all good writing begins with terrible first efforts. You need to start somewhere. (Anne Lamott)

Warum sollte es beim Schreiben anders sein, als überall sonst im Leben? Niemand beginnt seine Laufkarriere mit einem Marathon, die allermeisten bekommen nach fünf Minuten Laufen einen roten Kopf und kommen aus der Puste, bis sie sich, durch stetes Training, langsam steigern. Und jeder, der vorankommen möchte, muss sich selbst und sein Vorhaben ernst nehmen, sich Zeit dafür freischaufeln und diese bis aufs Messer verteidigen. Wollen ist schön, tun ist besser!

Und dazu kommt dann noch diese leise Stimme, die dich warnt und flüstert: Wenn Du etwas von deinen Sachen herzeigst, dann könntest Du auf die Fresse fallen. Dann könnte jemand über Dich lachen, Du könntest scheitern. Bleib doch lieber auf deinem Sofa und schaue aus deiner Komfortzone heraus zu. Du kannst ja für Dich selbst herumprobieren, aber öffentlich machen kannst Du es erst, wenn es richtig perfekt ist!” (Also nie. Diese Stimme ist hinterhältig!)

Ich habe beschlossen, dieser leisen Stimme einen gehörigen Tritt zu geben und sie über die Klippe zu befördern. YAY!

Mehr-spielen

Geholfen haben mir dabei drei Leute. Da ist zum einen Austin Kleon, der in “Show your work” schreibt, dass der Prozeß genauso dazugehört, wie das Kunstwerk selbst und das auch so vorlebt. Er gewährt uns Einblick in sein Schaffen, er probiert unheimlich viel aus und er teilt es mit uns. Auch die Dinge, die schiefgehen. Das imponiert mir unheimlich.

Da ist Elizabeth Gilbert, die wie keine andere dazu motiviert, auch mal gehörig danebenzulangen. Weil wir dadurch lernen. Weil wir daran wachsen. Und weil es keinen perfekten Moment gibt, um etwas zu wagen. Mein Lieblingszitat von ihr ist:

Embrace the glorious mess that you are. (Elizabeth Gilbert)

Die dritte im Bunde ist Susan Sontag, deren Tagebücher (1964-1980) ich in den letzten drei Monaten gelesen habe. Eine unheimlich belesene, intelligente Frau, ein wacher und scharfer Geist. Und doch setzt sie sich in ihren Tagebüchern so oft mit sich selbst auseinander, verzweifelt an manchem und schreibt über ihre Ängste, nicht gut genug zu sein. Und ich lasse das Buch sinken und denke: Wenn sie trotz alldem ihre Kunst schaffen konnte, dann kann ich das auch. Nein, dann bin ich mir das selbst sogar schuldig! Danke dafür.

tell-the-story

2017 soll also ein Jahr werden, in dem ich laut und deutlich JA dazu sage, ganz viel auszuprobieren und Hindernissen zu trotzen, indem ich weitermache. In dem ich schreiben will, Kurzgeschichten, Gedichte, an meiner zweiten Romanidee. In der ich mich traue, mein erstes Manuskript auch mal aus der Schublade zu holen und es jemandem zu zeigen, ganz egal, wie unfertig es ist. In dem ich den Austausch suche und mich nicht kleiner mache, als es nötig ist. Wo ich auch andere kreative Felder beackere, wobei es unerheblich ist, ob ich darin besonderes Talent zeige oder nicht. Denn am Ende des Jahres will ich mich nicht fragen: Was wäre, wenn Du Dich mehr getraut hättest? Stattdessen will ich stolz auf mich und das, was ich erschaffe sein, will wieder aufstehen, wenn es mich zerlegt hat und der Angst vor dem Scheitern, dem nicht-gut-genug-sein einfach mal gepflegt sagen, “Hier ist die Tür, adieu!”

Und weil ich am allerliebsten spielerisch an die Dinge herangehe (und man damit auch hervorragend leise Stimmen zum Schweigen bringt, indem man sich “nur mal so” hinsetzt, um ein wenig herumzukritzeln. Und weil man eh schon dabei ist, schreibt man noch ein wenig mehr…und noch mehr…), habe ich mir ein wenig Unterstützung an Bord geholt.

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Austin Kleon habe ich schon einige Male erwähnt, nun wird es Zeit, ein wenig “Steal like an Artist“-Spirit auch bei mir einziehen zu lassen. Beim ersten Durchblättern stieg die Vorfreude schon enorm und ich freue mich darauf, hier den ein oder anderen kreativen Gedanken festzuhalten.

Genauso verhält es sich mit 642 things to write about. Ein hervorragender Eisbrecher, diese Art Schreibübungen gefallen mir und ich kann mich damit gut warm schreiben. Oftmals überrascht es mich auch, was bei einer simplen Vorgabe plötzlich für poetische Miniaturen entstehen können. Der “Leistungsdruck” ist bei so kleinen, überschaubaren Aufgaben gering, der Kopf bleibt frei und es bleibt viel Platz für Kreativität.

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Schon lange Zeit faszinieren mich die “Story Cubes” und nun sind zwei Päckchen davon bei mir eingezogen. Eigentlich ist es ein Spiel, bei dem man aus den neun Würfeln (Begriffe, Tätigkeiten, es gibt noch einige mehr) Geschichten erfinden muss. Ich werde die Würfel wild mixen und das Erwürfelte dann in eigene Kurzgeschichten umsetzen. Auch dieser spielerische Ansatz trifft genau meine Vorlieben, seit Jahren erzählen mein Sohn und ich uns kurze Geschichten, in denen jeweils einige bestimmte Wörter vorkommen sollen und jede Erzählung entwickelt ihre ganz eigene Dynamik.

Ihr seht, das Rüstzeug ist gepackt, es kann losgehen. Aber noch viel wichtiger als diese kleinen kreativen Anstubser sind zwei Dinge. Zum einen sind das die Menschen, die an einen glauben und die es schaffen, dass die leise Stimme auch die Klippe nicht wieder hochgekrochen kommt. Davon gibt es einige in meinem Leben (you know who you are!). Das zweite ist schlicht, einfach anzufangen, auch wenn man schon wieder Angst vor der eigenen Courage bekommen hat und sich überlegt, ob das wirklich eine kluge Idee war. Und dann fällt mir ein letztes Zitat von Neil Gaiman vor die Füße:

At the end of the day, the only thing that’s perfect is a blank sheet of paper – untouched with nothing on it. And if you’re questing for perfection than you will leave that blank paper blank.

(Neil Gaiman, on Magic Lessons Podcast by Elizabeth Gilbert)

Trau Dich!

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Living Library – Für mehr Menschlichkeit und weniger Vorurteile!

Eine Veranstaltung hatte mich beim Durchblättern des Zürich liest’ 16 Programms sofort angesprochen, die sogenannte Living Library. Als Beschreibung stand dort folgendes:

Anstelle von Büchern kannst du an der Living Library Zürich Menschen für ein Gespräch ausleihen. Auf der «Leseliste» stehen ein Burnout-Betroffener, eine Asylbetreuerin, ein eritreischer Flüchtling, eine Jüdin, ein Journalist, zwei BDSM-ler, ein Krimi-Autor und ein Imam.

Living-Library-Zürich

 

Ich war also ziemlich gespannt, was mich erwarten würde. Die Auswahl eines “Buches” wollte ich spontan vornehmen, interessiert hätten mich definitiv alle. Wie es manchmal so ist – als ich zwischen zwei Veranstaltungen ins Festivalzentrum Karl der Grosse kam, waren alle Bücher ausgeliehen und ich hätte meine nächste Veranstaltung verpasst, bis zum nächsten Ausleihtermin. Zunächst war ich etwas geknickt, aber die anwesenden Veranstalter, eine Bibliothekarin und ein Bibliothekar standen mir Rede und Antwort, so dass ich nicht ganz unverrichteter Dinge wieder gehen musste.

Die beiden erzählten mir , dass sie die Idee 2010 in Istanbul entdeckt und sich gleich dafür begeistert hatten.Nach ihrer Erfahrung interessieren sich etwas mehr Frauen für die Living Library, etwa in einem Verhältnis 60 zu 40. Die Altersspannweite der Ausleiher*innen ist groß – alles zwischen 12 und 80 Jahren ist vertreten! Ich erfuhr, dass besonders großes Interesse an der jüdischen Religion und Kultur bestand und diese Person besonders oft “ausgeliehen” wurde. Außerdem erfuhr ich, dass das Konzept in Japan auch ausgesprochen erfolgreich ist.

Ausleihe-Living-LibraryBesonders spannend fand ich, dass auch die “Bücher” untereinander oftmals in den Dialog gehen. Durch die extrem unterschiedlichen Ausrichtungen ergeben sich dort schnell sehr intensive Gespräche und die Beispiele, die mir die beiden erzählt haben, waren sehr beeindruckend.

Bei bisherigen Veranstaltungen gab es noch weitere “Bücher”, z.B.

  • Hacker
  • Katholischer Ordenspriester
  • HiV-PositiveR
  • Banker
  • Transsexuelle
  • Sehbehinderte Person
  • Bauernpaar

Die Living Library ist ein unheimlich interessantes Konzept. Wenn wir uns aktuell in unserer Welt umschauen, bemerken wir immer wieder, wieviel Schaden Vorurteile anrichten können. Was Halbwissen verursachen kann und wie wichtig es ist, sein eigenes Handeln und Denken immer wieder zu hinterfragen. Statt schimpfend und aus irrationalen Ängsten heraus Schuldfragen herumzuschieben, ist es heute umso wichtiger, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und wirklich interessiert nachzufragen, statt Pauschalisierungen Glauben zu schenken.

Wer einmal jemand gegenüber saß, dessen Handeln man aus der Ferne nicht versteht und interessiert nachfragt, der wird danach nicht mehr derselbe sein. Denn er wird merken, dass, ganz egal welche Vergangenheit, Sexualität, Nationalität, Religion oder Weltanschauung der andere hat – mir gegenüber sitzt ein Mensch. Ein Mensch wie ich, dessen Leben genauso viel wert ist wie meines. 

Zurück in Deutschland ließ mich die Veranstaltung nicht los und so entdeckte ich bei meiner Recherche, dass die Veranstaltung bereits im Jahre 2000 das erste Mal in Roskilde/Dänemark durchgeführt wurde. Besonders viele Informationen zu Durchführung und Idee habe ich bei der Broschüre der Wuppertaler Initative für Demokratie und Toleranz e.V. gefunden – das PDF gibt einem alle nötigen Informationen an die Hand, wenn man selbst aktiv werden will, in Sachen Living Library. Ich würde mich freuen, wenn sich in meiner Stadt im nächsten Jahr die Möglichkeit ergibt, diese Veranstaltung ebenfalls durchzuführen. In Deutschland gibt es bereits einige Städte und Örtlichkeiten, die regelmäßig lebendige Bibliotheken anbieten: Haltet also die Augen offen!

Welches “Buch” würdet ihr gerne einmal ausleihen?


An dieser Stelle nochmals ein Dank für die Einladung an alle Initiatoren und Veranstalter von Zürich liest 2016 – es war ganz und gar wunderbar! 

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Nachtlesung in der Krypta mit Nadja Küchenmeister

Manchmal veredelt der Ort, an dem eine Lesung stattfindet, die gesprochenen Worte. Als wir in die Krypta des Grossmünsters in Zürich kommen, ist es noch hell und wir nehmen den Raum in Augenschein. Karg, zurückhaltend, die Mauern könnten viele Geschichten erzählen, würden sie sprechen können. So bleibt nur eine Ahnung, ein Flüstern. Das Licht erlischt, es wird dunkel, geradezu andachtsvoll. Kerzenlicht erhellt den Raum nur leicht, flackernde Schatten an den Wänden.

Und dann – liest Nadja Küchenmeister und sie hat mich schon nach dem ersten Gedicht für sich eingenommen. Unaufgeregt und doch mit einer Ernsthaftigkeit, die tief geht, trägt sie ihre Gedichte vor, findet den roten Faden mit uns gemeinsam. Ihre Darbietung wird von der Sängerin und Gitarristin Nadja Zela begleitet – beide gehen ganz in ihrer Kunst auf. Die Mischung ist reizvoll und ergänzt sich gut, musikalische und sprachliche Melodie treffen sich auf ein Stelldichein.

Nachtlesung-Nadja-Küchenmeister

Es herrscht gespannte Stille im Publikum, während ihre Gedichte in den Raum hineinschweben. Während sie erzählt und ein Gedicht nach dem anderen die Seiten verlässt und vor uns neu entsteht. Ich blicke nach rechts und nach links. Manche haben die Augen geschlossen. Andere blicken auf einen Punkt, weit entfernt von diesem Raum. Wieder denke ich: Lyrik. Was für ein Wunderwerk. Dass wir, in einer kurzen Betrachtung, sovieles finden. Dass wir ein Gedicht, mit zwanzig, dreißig, fünfzig hören – und es jedesmal anders tönt. Am Ende des Abends werden rund vierzig Menschen die Krypta verlassen, jeder in seinen Gedanken gefangen. Bei jedem wird eine andere Saite zum Klingen gebracht worden sein. Das ist es, was eine Lyriklesung unvergleichlich macht.

Wer mehr von Nadja Küchenmeister lesen möchte, dem seien “Unter dem Wachholder” und “Alle Lichter” empfohlen – beide Bände erschienen bei Schöffling & Co.   Ein wenig mehr zu ihrem Schaffen und ihrer Person gibt es in diesem Interview zu lesen – und wer lieber hört, dem sei dieses kleine Feature von WDR2 empfohlen.


Diese Lesung habe ich im Rahmen von Zürich liest besucht. Wer mehr zu diesem Festival erfahren möchte, findet ganz viele Infos, Tweets und Erfahrungsberichte unter dem Hashtag #zl16

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10 gute Gründe für Zürich liest!

Warum ihr 2017 Zürich liest besuchen solltet!
  •  Zürich hat eine sehr angenehme Größe. Die allermeisten Veranstaltungsorte ließen sich in 5-15 Minuten zu Fuß erlaufen, ansonsten fuhr das Tram auch sehr regelmäßig. So ist es leicht, einige Veranstaltungen pro Tag besuchen zu können. Zudem ist Zürich so schön, dass es einfach Spaß macht, sich die Stadt zu erlaufen.
zuerich
Wunderschönes Zürich

 

  • Tolle Locations. Ob im Literaturhaus Zürich, im wunderhübschen Ausstellungsort und Museum Strauhof, im kultigen Karl der Grosse, auf dem Schiff, im Tram oder in der Krypta des Grossmünsters  – über coole Locations muss man sich hier keine Gedanken machen, die gab es zuhauf. Ach, fast vergessen: sogar in einem Bett des Hotel Rothaus wurde gelesen – vom Autor höchstselbst!
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Nachtlesung in der Krypta von Nadja Küchenmeister

 

  • Das Programm selbst lässt keine Wünsche offen. Klassische Lesungen, Live-Performances von Spoken Word-Künstler*innen, opulentes Frühstück mit Kulturprogramm, Diskussionsrunden, Verlagsführungen, ein buntes Kinderangebot, kulinarische Verwöhnmomente, musikalische Darbietungen – wer hier nicht fündig wird…
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Lesung aus “Oh Schimmi” von Teresa Präauer im Literaturhaus Zürich

 

  • Die herrliche Buchhandelsdichte. Zürich bietet eine Fülle an Buchhandlungen, in denen man sich zwischen den Veranstaltungen treiben lassen kann. Mara war ausgesprochen umtriebig und hat hier ihre reiche Ausbeute an großartigen Buchhandlungen dokumentiert!
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Buchhandlung Beer

 

  • Die Fülle an Neuentdeckungen, die man machen kann. Weil das Programm so vielseitig ist, kann man hier Lieblingsautoren beschwärmen, sich auf ganz Neues einlassen und Unbekanntes erforschen. Die Kombination machts!
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Gomringer & Gomringer – hier ein “Hörraum” zum Gedichtband “Morbus” von Nora Gomringer

 

  • Das Essen. Ob Brioche, der gute Käse, die Schokolade (es gibt sogar das Schoggi-Tram!) oder das klassische Bircher Müsli – die Schweizer wissen schon, was schmeckt! (Und nicht zu vergessen: ein Food-Tasting ist ein sehr, sehr gutes Argument dafür, sich drei bis fünf neue Kochbücher zuzulegen…sieht man, dass die Buchbloggerin und ich im kulinarischen Himmel waren?)
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Food Tasting bei Orell Füssli

 

  • Zürich liest kann man auch gut gemeinsam mit der Familie besuchen. Ich war bei einigen Veranstaltungen für Kinder (Comic live zeichnen mit anschließendem Workshop z.B. und beim Bilderbuchkino “Armstrong” mit dem unfassbar sympathischen Torben Kuhlmann). Wenn man sieht, wie konzentriert und begeistert die Kinder bei der Sache waren, ging einem das Herz auf. Der literarische Nachwuchs ist so gesichert!
Torben-Kohlmann-Armstrong
Bilderbuchkino “Armstrong”

 

  • Der Züri-See. Kaffeepause am See. Morgenspaziergang zum See. See im Nebel. See in der Sonne. Need i say more?
Zürich-See
Kaffee am See

 

  • Dieses Lesefestival und die herrliche Stadt Zürich sind einfach das perfekte Gegenmittel zum Nachmesse-Blues.
Bücher
Die Stadt atmete während der Festivalzeit Literatur

 

  • Manchmal sagen Bilder ja noch mehr als Worte, daher ist der letzte Punkt ein kleines Album, das euch hoffentlich ganz viel Lust macht auf Zürich und Zürich liest 2017!

Ganz besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Monika Schubarth von Adibuma, die uns nach Zürich eingeladen hat. Bei den Organisatorinnen dieses Festivals Violanta von Salis & Nathalie Widmer, der Programmkommission und allen Helfern, die jederzeit Frage und Antwort standen und einfach unheimlich nett zu uns waren! Zürich Tourismus, die uns die Züri-Cards  gestellt haben, damit wir die Öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnten (und an die nette Tram-Fahrerin, die extra für uns nochmal wartete – Merci!). Auch dem Hotel Rothaus, für Gastfreundschaft & Service darüber hinaus – einen herzlichen Dank!

Und nicht zu vergessen: meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: Friederike, Janine, Mara und Uwe – mit euch zusammen war der Spaß gleich dreimal so groß! Ich finde, das sieht man uns auch an Es war einfach eine geniale Zeit!

Blogger-Zürich-liest

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Zu wissen, was ich nicht will, macht Platz für Dinge die ich will!

Als Kinder wussten wir ganz genau, was wir einmal werden wollen und was uns wichtig ist. Wir hatten Träume, Ziele, unzählige Pläne. Und noch viel wichtiger – wir wussten, was wir NICHT wollen. Das haben wir dann ausgesessen, nicht gemacht, impulsiv abgelehnt, es kam uns gar nicht in den Sinn, unsere Zeit damit zu verplempern, Dinge zu tun, an denen unser Herz nicht hing.

Wir waren neugierig, sogen das Wissen auf, vertieften uns mit einer Hingabe in unsere Hobbies, die uns heute so oft fehlt. Uns stand die Welt offen, unsere Fantasie kannte noch nicht so viele Einschränkungen und Hürden. Waren mutig und unerschrocken, wir probierten uns aus. Wenn wir hinfielen, dann sahen wir das nicht sofort als Scheitern an. Wir standen auf und liefen eben wieder los. Es gehörte schlicht und ergreifend dazu.

In der letzten Zeit frage ich mich ab und an, ob wir das verlernt haben? Trottend durch einen Alltag, der aus ganz viel Müssen und wenig Wollen besteht. Und das Müssen kommt von überall her. Aus der Gesellschaft, aus unserem Job und aus den Ansprüchen, denen wir glauben genügen zu müssen. Sollten wir nicht in manchen Bereichen unseres Lebens (dass es einige gibt, in denen Kompromisse und Vorgaben nunmal dazugehören, sollte klar sein) deutlich mehr darauf achten, was WIR wollen und nicht, was andere uns als Vorgabe liefern?

Natürlich kann ich heute nicht mehr meine Jacke nehmen und meinen Kunden an der Kasse stehen lassen, um am Flüßchen meiner Heimatstadt das Wasser zu stauen, wie ich es als Kind stundenlang mit Freunden getan habe, völlig im Flow und mit mir im Reinen. Aber ich kann mich entscheiden, die Zeit, die mir bleibt um das zu tun, was ich wirklich will, aufs Schärfste zu verteidigen. Vor all den “Das solltest Du!” und “Das macht man aber so!

ueber-das-wollen

Zu wissen, was wir wollen und noch wichtiger, was wir nicht wollen, kann der Augenöffner und der Anschub sein, den wir brauchen.

Nicht immer reicht es, vom Nicht-Wollen darauf schließen zu können, was unser nächstes Ziel, unsere Vision sein wird. Dazu gehört auch, dass wir in uns hineinhorchen – in diesen Gedanken steckt eine Menge Bewegung und es ist nicht die einfachste Übung. Aber, um eine erste Idee dafür zu bekommen, was ihr wollt, denkt darüber nach, an was ihr sehnsuchtsvoll denkt, wenn ihr in einer langweiligen Alltagstrott-Situation feststeckt. Wo wärt ihr gerade lieber? Was tut ihr? DAS ist es, was ihr auf eurem Zettel notieren solltet und nach und nach für euch und euer Leben als Priorität einstufen solltet.

Denn wenn wir ein Ziel vor Augen haben, den festen Wunsch, zu lernen und offen zu sein, dann fällt uns das Nein sagen plötzlich leicht. Die Sicht wird klarer und wir können uns für uns selbst und unsere Ziele einsetzen. In uns spüren wir, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind, dass wir wieder Freude haben, an dem was uns fasziniert. Dann reiben wir uns verwundert die Augen und fragen uns, warum wir das nicht schon längst getan haben. Ja, es mag einige irritieren. Ja, ziemlich sicher ecken wir damit sogar an, werden herausgefordert, uns zu erklären.

Ich habe nur ein Leben, dieses eine Leben, was ich gerade lebe und ich möchte es mit Tätigkeiten füllen, die mich ERFÜLLEN. Mit Liebe, mit harter Arbeit für Sachen, an die ich glaube, mit dem Entdecken und lebenslangen Lernen. Mit diesem Gefühl, welches das Herz weit macht, den Geist jung hält und vorallem – was es mir leicht macht, zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist, und was nicht.

Geht ihr momentan jeden Abend ins Bett, ein klares Ziel oder einen Wunsch, wie euer Leben aussehen soll vor Augen und sagt euch – heute habe ich einen weiteren Schritt dorthin getan, selbst wenn er mit bloßem Auge kaum sichtbar war? Wenn eure Antwort Nein lautet – Warum nicht?

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Zürich – und ihr kommt mit!

So langsam gluckert die Vorfreude immer wieder in mir hoch – in knapp drei Wochen ist es soweit und Zürich liest’ 16 öffnet am 26. Oktober seine literarischen Pforten. Nun würde ich euch ja am liebsten alle mit in den großen, pinken Koffer packen und dann gemeinsam mit euch Zürich kennenlernen. Den Festivaltrubel genießen, Lesungen besuchen, ins Gespräch kommen – kurz – das Lesen und die Literatur ordentlich feiern! Für alle, die daheimbleiben müssen, aber sich mit mir gemeinsam auf das Lesefestival einstimmen wollen und auch für alle, die ich dort antreffen werde und die “schon immer mal” gerne ein bißchen Zürich zwischen zwei Buchdeckeln entdecken wollten, kommt hier meine Beschäftigung der letzten Wochen!

Um mich ein wenig auf Zürich und seine Geschichte vorzubereiten, habe ich ganz klassisch zum Buch gegriffen. Denn meiner Meinung nach kann man die Atmosphäre einer Stadt ganz besonders gut erfassen, wenn man sie durch die Augen eines Autors/einer Autorin sieht.

Die “Gebrauchsanweisung für“-Reihe von Piper mag ich sehr und wenn ich auf Reisen gehe, bin ich immer glücklich, zu entdecken, dass das jeweilige LGebrauchsanweisung-fuer-zuerichand oder die Stadt in der Reihe auftaucht. Milena Moser, (deren Buch “Das wahre Leben” mir sehr gut gefallen hat) schreibt offen und ehrlich über Zürich, die Stadt, die sie gleich zu Anfang mit einer angeheirateten Tante voller Widersprüche vergleicht und dieses Bild zieht sich durch das ganze Buch. Zum Schluss ist mir eben diese “Tante Turica” richtig ans Herz gewachsen – mit all ihrer Schönheit und ihren Eigenheiten. Außerdem füllt sich dank Milena Moser meine Leseliste schnell und ich erfahre auch einiges über die bewegte Vergangenheit des Hotel Rothaus, welches nicht nur unser Hotel während der Festivalzeit sein wird, sondern auch die Bühne für die Lesung von Thomas Meyer bieten wird.

Krimis sind meiner Meinung nach eine der besten Methoden, um sich einer Stadt und ihrem Flair anzunähern. Daher war ich hocherfreut, als ich die Krimi-Reihe rund um Rabbi Klein von Alfred Bodenheimer, erschienen bei Nagel&Kimche (die am Samstag, 29. 10, 14:00 – 18:00 beim Offenen Nachmittag der Verlage mitmachen) entdeckte. “Das Ende vom Lied” zeichnete mir nicht nur ein anschauliches Bild von Zürich und auch dem jüdischen Leben dort, sondern machte mich auch mit dem herrlich menschlichen Rabbi Klein bekannt, der auf eigene Faust ermittelt. Dieser hat mir so gut gefallen, dass ich die beiden anderen Bände bald lesen möchte. Und das, obwohl ich normalerweise eher selten Krimis lese! 20161009_202057

Weil ich gerade ausnahmsweise in richtiger Krimistimmung war, dürfte direkt der nächste Fall folgen. Erschienen bei Emons, finden wir bei “Müller und die Tote in der Limmat” von Raphael Zehnder eine ganz eigene Sprache, eine sehr unvermittelte, direkte Ansprache, die ihren eigenen Rythmus hat – das muss man mögen, mir gefiel es sofort. Auch hier erfahre ich viel über Zürich und Zürcher Besonderheiten. Ich fühle mich bestens unterhalten und “Müller” ist ein spannender Protagonist. Einer der Roman-Figuren, dem Polizisten Manfred Bucher kann man sogar unter @BucherManfred auf Twitter folgen.

Wer sich noch mehr Zürich um die Nase wehen lassen will, kommt an Martin Suter nicht vorbei. Ich mag ihn seit Jahren, freue mich jedesmal wie ein Schneekönig über ein neues Buch von ihm. Eigentlich kann man fast blind zugreifen, aber meine besonderen Lieblinge bleiben doch “Small World” und “Die Zeit, die Zeit“. Außerdem – seine Business Class Kurzgeschichten – köstlich!Martin-Suter

Wenn in den hektischen Wochen vorher (die Buchmesse ruft) noch Zeit sein sollte, werde ich auch noch versuchen “Nackt gebadet, gejauchzt bis zwölf, Weltliteratur in Zürich – 50 Porträts“, ebenfalls erschienen bei Nagel&Kimche zu lesen. Allein der Titel klingt so, als könnte das ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen werden! Diese Stadt hat wirklich viel zu bieten im Hinblick auf Literatur und Kultur – kein Wunder also, dass es dieses Jahr bereits das sechste Mal ist, dass “Zürich liest” stattfindet.

Habt ihr Lust auf Zürich bekommen? Ich kann es mittlerweile kaum noch erwarten…