Später Frost – Voosen/Danielsson

Wenn ich mal Krimis lese, dann gerne solche, die in Skandinavien beheimatet sind. So dachte ich, hier einen Volltreffer vorzufinden: Schweden, ungewöhnliche Ermittler, spannender Fall. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Schweden stimmte, die ungewöhnlichen Ermittler waren allerdings so abgefahren (zumindest eine von ihnen), dass ich wirklich nur dachte: im normalen Leben wären solcherlei Methoden garantiert direkt mit Entlassung geahndet worden. Dichterische Freiheit in allen Ehren, auch Wallander hat oftmals seine Kompetenzen überschritten, aber doch nicht in diesem Ausmaße. Noch dazu las es sich manchmal sehr flapsig – hier wurden große Themen, Zeitsprünge und politische Verwicklungen abgehandelt – für meinen Geschmack allerdings zu kurz, das hätte ruhig länger sein können, was dem Buch die benötigte Tiefe verliehen hätte. Der Fall an sich war allerdings recht spannend. Ich bleibe also sehr zwiegespalten, werde aber vermutlich nichts mehr von beiden lesen.

Alberta empfängt einen Liebhaber – Birgit Vanderbeke

Ein kleines, schmales Bändchen…ich wollte mal etwas von Vanderbeke probieren. Einerseits hat es mich durchaus angesprochen, eine schöne Sprache – leider war der Inhalt für mich eher sperrig, vage, es kam nicht so richtig an mich ran. Vielleicht auch der gewünschte Effekt, wissen die Figuren doch auch nicht recht, wohin mit sich. Da ich nicht genau wusste, wie ich es beurteilen soll, bin ich ein wenig auf die Suche nach anderen Rezensionen gegangen und habe aufs Geratewohl einen Veriss gefunden, der ziemlich genau traf, was mich störte – und dann eine überschwängliche Rezension, die die Punkte herausstellte, die für mich dieses Buch eben doch durchaus lesenswert machten. Anscheinend muss ich einfach gespalten bleiben und dem Buch beides zugestehen

Mein letzter Sommer – Cesarina Vighy

Hier habe ich etwas komplett anderes erwartet. Hinten aufgedruckt steht “Eine Hymne auf  das Leben im Angesicht des Todes” – ich erwartete eine Auseinandersetzung mit der Krankheit ALS, dem Sterben, dem Tod. Ein Buch mit klugen Gedanken, ein Buch das mich nachdenklich macht. Vielleicht liegt es daran, das ich mit diesem Buch nicht warm geworden bin. Die Autorin schildert über weite Teile ihre Lebensgeschichte, die sich zwar ganz nett liest, mich jetzt aber auch nicht gefangennahm. Auf ihre Krankheit kommt sie erst spät zu sprechen, wirklich gedanklich auseinander setzt sie sich damit auf nur wenigen Seiten und auch diese bleiben seltsam flach, es wirkt etwas zusammengeschoben mit den Erinnerungen an ihr Leben. Es mag der Krankheit geschuldet sein, vielleicht wurde das Buch in größerer Eile fertiggeschrieben, das würde es erklären. Für mich war es in dieser Form eher sperrig zu lesen und es hinterliess keinen großen Eindruck bei mir. Sehr schade!

Das zweite Leben des Cassiel Roadnight – Jenny Valentine

Vom ersten Buch an bin ich großer Fan der Jugendbücher von Jenny Valentine. Glücklich bin ich mit dem Leseexemplar nach Hause gestiefelt, gespannt darauf, wie sie sich diesesmal schlägt. Und meiner Meinung nach legt sie mit diesem Jugendroman das beste Buch vor, das sie bisher geschrieben hat. Eine so spannende, intensive Geschichte rund um Cassiel, der Junge von der Straße, der die Identität eines ihm extrem ähnelnden Jungen annimmt, der seit Jahren vermisst wird. Was er damit auslöst, kann keiner voraussagen – und auch ich konnte es nicht. Ich saß gebannt vor dem Buch und konnte es nicht unterbrechen – so muss Jugendliteratur sein: gut erzählt, spannend und mit glaubhaften Figuren. Würde ich Sterne vergeben: hier wäre die Höchstzahl angebracht!

Zeitweiliger Orientierungsverlust – Michal Viewegh

Hier kann ich mich kurzfassen: die besten Kurzgeschichten zum Thema Liebe, die ich seit Jahren gelesen habe? Hier, Hier, Hier! Wundervoller Stil, was für herrliche Ideen, was für ein Herzblut steckt in diesem schmalen Bändchen. Ich bin nicht unbedingt Fan von Kurzgeschichten, für dieses Buch mache ich aber eine Ausnahme – hier stimmt einfach alles!

Die Ameisenkolonie – Jenny Valentine

Wieder hat Jenny Valentine es geschafft: sie hat ein Händchen für Figuren die einem nahegehen, die einem noch lange nach dem Buch im Gedächtnis bleiben. Diese Autorin ist fürs Jugendbuch eine große Bereicherung, sie erzählt Geschichten mit Seele die man einfach lieben muss. Man hat das Gefühl, das sie den 17jährigen Sam und die 10jährige Bohemia, die in diesem Buch unter widrigen Umständen aufeinandertreffen einfach nur begleitet – auf ihrem Weg, ihr Leben zu meistern. Da sind keine moralischen Vorhaltungen, da entsteht kein Vorstadtidyll – bei Jenny Valentine wird einfach gelebt – in jeglichen Facetten!

No & Ich – Delphine de Vigan

Was für ein außergewöhnliches Buch. Sprache: toll! Handlung: toll! Gedanken darin: toll! Eine Lektüre die einen nachdenklich stimmt, bewegt und ergreift. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen No, einer obdachlosen jungen Frau und Lou, einer hochbegabten Jugendlichen auf der Suche nach sich selbst  ist mir ein Lieblingsbuch geworden. Vorallem weil dieses Buch kein Märchen erzählt, sondern einfach das Leben wie es manchmal so spielt beschreibt. In allen Facetten, lebenshungrig, traurig und mit einem Silberschweif am Horizont. Unbedingt lesenswert!

Kaputte Suppe – Jenny Valentine

Einfühlsam erzählt Valentine die Geschichte von Rowan, die eigentlich völlig damit beschäftigt ist, nach dem Tod ihres Bruders die Familienstruktur aufrecht zu erhalten – sich um ihre kleine Schwester zu kümmern und den Zustand ihrer Mutter zu “vertuschen”, die schwer depressiv kaum noch am Leben teilnimmt. Als sie von einem unbekannten Jungen ein Foto-Negativ geradezu aufgedrängt bekommt, verändert dieses Foto alles und Rowan lernt durch das Foto Bee, eine ungewöhnliche junge Frau und auch den Jungen, der ihr das Negativ gab, sehr viel besser kennen als sie es je geglaubt hätte.

Valentine hat ein Händchen für die Tragik die im Leben junger Menschen herrschen kann. Sie hat auch hier wieder bewiesen, wie großartig sie die Schwierigkeiten, die das Leben bietet in eine Geschichte verpacken kann, die den Leser anspricht und weiterlesen lässt. Ein ganz wunderbares Jugendbuch!

Engel des letzten Tages – Michal Viewegh

Dieses Buch habe ich aus der Verlagsvorschau “gefischt” allein wegen des wunderschönen Covers. Und gut das dies passierte – eine kleine Perle dieses Buch! Viewegh beschreibt eine kleine Gruppe von Engeln in Prag, deren Aufgabe es ist, die Menschen in ihren letzten Stunden vor ihrem Tod zu begleiten. Und das tun diese nicht unbedingt auf die übliche Weise – da wird durchaus mit dem eigenen Schicksal gefochten – wieviel darf man den Sterbenden noch “helfen” in Ordnung zu bringen? Wer bestimmt die Lebensdauer? Die Schicksale der Sterbenden sind miteinander verwoben – und obwohl das Buch einige Tränen hat rollen lassen, so gab es doch wunderschöne Momente der Hoffnung, wenn die Engel noch durch scheinbare Kleinigkeiten, das Leben der Überlebenden verändern…

Hat mir sehr gefallen und wird sicher einige Male verschenkt werden…