Duell – Joost Zwagerman

Es gibt sie, diese Romane, bei denen Du schon nach dem kurzen Text in der Verlagsvorschau weißt – das wird was. Das wird etwas Großes. Du schreibst also eine e-Mail an den Verleger und bittest um ein Exemplar. Als es eintrifft, liest Du es in einem Zug durch, mit von Seite zu Seite wachsender Begeisterung und einem verschmitzten Grinsen im Gesicht, als Du es fertiggelesen hast.

Ein herrlich böser Ausflug in die Kunstszene und ihre menschlichen Abgründe. Was ist dran an der Kunst, was kann sie bewirken und wozu kann sie Menschen treiben? Ein Kokettieren mit Absichten und versteckten Motivationen und an dem ein oder anderen Seitenhieb wird auch nicht gespart.

Duell” ist einer jener seltenen Fälle, wo alles von Anfang bis zum Ende stimmt. Die ersten Sätze. Die Geschichte, die sich langsam entfaltet und immer mehr an Fahrt zunimmt. Es ist eines jener Bücher, welches man im Beratungsgespräch empfiehlt und was dann nach einem ersten Anlesen mit leuchtenden Augen zur Kasse getragen wird.

Wenn ich dieses Jahr nach einem Lieblingsbuch aus den Herbstneuheiten gefragt werde, steht “Duell” ganz oben auf meinem Zettel – und das mit Recht!

 

 

 

Was mein Leben reicher macht – Hrsg. Die ZEIT

Wer kennt sie nicht, diese kleine Rubrik in der Zeit mit obigem Titel. So wichtig in schweren Zeiten, sie entlockt uns ein Lächeln, macht nachdenklich. Das Schöne? Wir alle gestalten sie mit. Diesen kleinen Band habe ich immer wieder aufgeschlagen und lächend nach dem Lesen einiger dieser Miniaturen wieder zugeklappt. Für Menschen, die schon alles haben. Menschlichkeit, Freude, Wundern können und Leben – das alles in Buchform.

Bonsai – Alejandro Zambra

Auf dieses schmale Bändchen wurden ja geradezu Hymnen gesungen. Was für eine Liebesgeschichte! Und mein Eindruck? Ich war enttäuscht! Offensichtlich ging der Zauber des Buches komplett an mir vorbei, was vielleicht auch an der sehr zur Schau gestellten sprachlichen Derbheit im vorderen Drittel lag. Das zarte Pflänzchen, welches heraufbeschworen wird, ob das nun Liebe ist oder der namensgebende Bonsai, hat für mich gar keine Chance gehabt, heranzuwachsen…

Nichts Weisses – Ulf Erdmann Ziegler

Hier hatte mich die Leseprobe sehr angesprochen, leider muss man sagen: auch etwas in die Irre geführt, denn sie findet erst weit hinten im Buch statt. Das Buch selbst war wie eine Achterbahnfahrt: manche wunderschöne Sätze, gerade über das Kunsthandwerk, was die Hauptfigur lernt, waren so toll geschrieben. Und vieles andere war für mich eher ein Grund, das Buch erstmal beiseite zu legen, die Achterbahn bleibt stehen, ruckelt, zuckelt nach unten. So richtig kam ich in die Geschichte nicht rein, die Motive der Personen, die Personen selbst blieben mir fremd, unnahbar. Verstärkt wurde mein Eindruck (leider) auch durch die Lesung der sechs Finalisten: Herr Ziegler las, eine zwar recht witzige, aber auch etwas abstruse Episode vor – in der seine Hauptperson nicht einmal vorkommt. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, weiss ich nicht, ich fand es irritierend. Im Interview reagierte er relativ schnell auf nur leiseste Andeutungen von Kritik bzw. manchmal nur reine Nachfrage, recht…ungehalten, mit Gegenfragen, mit einem gewissen verletzten Stolz, das kam nicht sehr sympathisch rüber, zumal sein Interviewer sehr positiv eingestellt war. Es mag sicherlich auch damit zu tun haben, dass mir die Zeit, die Ziegler einzufangen versucht, nicht nahesteht, das möchte ich nicht ausschliessen.

Rot wie die Nacht – Daniel Zahno

Mal wieder ein Buch aus dem Hause weissbooks – ein kleiner, feiner Verlag aus Frankfurt. Hatte Zahno hier mit “Die Geliebte des Gelatiere” schon großen Erfolg, erwartete man dieses Werk mit Spannung.

Ich musste das Buch einige Tage sacken lassen um einen endgültigen Eindruck zu formulieren. Es liest sich schnell und angenehm und erzählt eine Dreiecksgeschichte, von der man von den ersten Zeilen an ahnt, das sie kein gutes Ende nehmen wird. Zahno verzichtet hier auf ausschweifende Beschreibungen und bringt gerade durch die Knappheit sovieles zwischen den Zeilen zur Sprache. Ich schwanke während des Lesens zwischen der Faszination dieser “verbotenen” Liebe, dem Verständnis für die Frau zwischen den zwei Männern und der bangen Frage im Hintergrund – kann das alles gut gehen? Für mich eine Erzählung die tief nachwirkt, die vieles anreisst und noch länger nach dem Lesen im inneren nachbrennen lässt…anders als sein Erstling, dennoch nicht weniger faszinierend!

Brief einer Unbekannten – Stefan Zweig

Dieses wunderbare Kleinod fällt in die Kategorie: klein, fein, gehört-ins-Regal. An dieser Stelle ein Dank an Doreen, die mir dieses Buch ans Herz legte. Ich klappte es mit glücklich-tragischem Seufzen am Ende zu…die Geschichte, die in einem Brief an einen berühmten Schriftsteller erzählt wird, ist eigentlich eine schlichte Liebesgeschichte – und ist doch soviel mehr. Eine Geschichte aus dem Schatten heraus, über eine nicht geliebte Liebe – das alles in zweig’scher Manier – lesen!

Ich, Adrian Mayfield – Floortje Zwigtmann

Ein historischer Jugendroman der im Dunstkreis von Oscar Wilde spielt? Schönes Cover und aus dem Hause Gerstenberg – das Buch war gekauft! Mir hat das Buch gut gefallen, es ist aber einer der Spezialfälle, die ich nicht jedem in die Hand drücken würde. Dafür das es ein Jugendbuch ist, geht es ordentlich zur Sache, das mag nicht jedermanns Geschmack sein – aber die Szenerie wirkt nie übertrieben oder voyoristisch. Adrian Mayfield ist eine interessante Figur, die historische Umgebung von London und die Beschreibungen der Gruppierung um Oscar Wilde, Künstler, Journalisten, Maler, Schriftsteller sehr bunt und “nah” dargestellt. Ein ganz anderer Coming-Out Roman, der so endet, das ich mir die Fortsetzung definitiv zulegen werde. Ein paar kleine Längen hat das Buch, die verzeihe ich ihm aber gerne.

Die Geliebte des Gelatiere – Daniel Zahno

Hier muss man definitiv auf die tolle Gestaltung aufmerksam machen (weissbooks – tolle Idee!). Noch dazu ist das Buch einfach richtig toll – es hat das geschafft, wovon viele grade träumen – im kalten Januar hatte ich Eisgeschmack auf der Zunge, ein Lächeln im Gesicht und spürte die Sonne Venedigs auf meiner Haut.
Eine tolle Liebesgeschichte, nicht nur zum Gelato, ganz wunderbar erzählt.