Berge versetzen für Anfänger – Marius Kursawe

Wir alle haben diese Ziele im Leben, die wir erreichen wollen, Ideen die wir umsetzen wollen, Träume die immer wiederkehren. Und doch stellt sich nur allzuoft das Leben und seine Herausforderungen zwischen uns. Wir legen nicht los, greifen nicht zu, bleiben entmutigt mit Blick auf den Gipfel am Fuß der Berge stehen. Warum versetzen manche Menschen diese Berge und manche nicht? Was machen sie anders als andere?

Marius Kursawe wollte es herausfinden und hat einen Blick auf die aktuelle Motivationsforschung geworfen und sich mit acht Menschen getroffen, die alle ihre ganz eigenen “Berge” versetzt, man könnte auch sagen – bestiegen – haben. Es sind sehr unterschiedliche Schicksale und Lebensträume, die uns da begegnen und gerade diesen Mix fand ich extrem reizvoll, weil alle ihre ganz eigene Perspektive einbrachten.

Wenn ich während der Lektüre mit Bleistift und Post-Its hantiere, weiß ich, dass ein Sachbuch bei mir etwas zum klingen bringt.

Und in diesem Buch habe ich so einiges angestrichen und markiert. Kursawe erzählt anschaulich und nimmt einen von der ersten Seite an mit. Während man das Buch liest, merkt man, wie es beginnt, in einem selbst zu kribbeln und die Lust aufs Loslegen kommt ganz automatisch. Damit dieser Auftrieb auch gut genutzt wird, gibt es innerhalb des Buches immer wieder Denkanregungen und mentale Tipps und Tricks zur Unterstützung.

Mich hat vorallem der Untertitel des Buches “Mach doch endlich was du willst!” enorm angesprochen. Wirklich das zu tun, was einen erfüllt, keine Agenda zu verfolgen, die nicht die eigene ist und die Zeit, die wir alle haben, wirklich zu nutzen. Damit vermittelte mir das Buch bereits vom Cover an eine gewisse Aufbruchsstimmung.

Welche Berge wolltet ihr schon immer versetzen? Vielleicht ist dieses Buch für euch der erste Schritt auf dem Weg zum Gipfel!

Rezensionsexemplar

Vortreffliche Frauen – Barbara Pym

Es ist so schön, wenn man durch eine Neuübersetzung auf großartige Bücher stoßen darf! So passiert mit Barbara Pym, deren Roman “Vortreffliche Frauen” nun, aus dem Englischen übersetzt von Sabine Roth, bei Dumont erschienen ist.  Aufmerksam folgen wir im London der späten vierziger Jahre der über  dreißigjährigen, unverheirateten Mildred – in der damaligen Zeit ein Grund zur Annahme, dass dieser Zustand dauerhaft ist. Als neue, exzentrische Nachbarn in der Wohnung nebenan einziehen, wird das bisher eher ruhige Leben von Mildred ordentlich auf den Kopf gestellt…

Das Stichwort für dieses Buch ist “Sittenroman” und genau das bekommen wir geneigte Leser*innen serviert. Ausgesprochen unterhaltsam, mit Witz, leiser Ironie und “very british“. Am besten zu genießen mit einer frisch aufgebrühten Tasse Tee!

Nach dem Tod gleich links – Anna Buchwinkel

Erinnert ihr euch noch an den Blogbuster 2017? Damals hatte ich drei Manuskripte in der engeren Auswahl…und eines davon hat nun eine Verlagsheimat gefunden – YEAH, KONFETTI!

Damals schrieb ich über Annas Manuskript:

Richtiggehend liebgewonnen habe ich die Protagonistin des zweiten Manuskripts Nach dem Tod gleich links von Anna Backwinkel. Auch hier spielt der Tod eine große Rolle, ans Herz gewachsen ist mir aber Else, die eine Vorliebe für alles mit Kuhfellmuster und Eierlikörpralinen hat und sich für ihre große Liebe sogar mit dem Tod anlegt. Klingt schräg? Ist es auch, aber so unterhaltsam und stets mit ein wenig Ernst im Hintergrund. Auch Annas Werk möchte ich irgendwann in gedruckter Form im Laden liegen haben – sie hat es verdient!

Und nun ist es seit Anfang April tatsächlich soweit, denn “Nach dem Tod gleich links” ist bei Piper erschienen! Nach dem Tod gleich links – Anna Buchwinkel weiterlesen

Keep going – Austin Kleon

Austin Kleon begegnete mir zum ersten Mal, als mein damaliger Kollege Franz dessen erstes Buch bei einer unserer Herbstlesen kongenial vorstellte. Seitdem ist Kleon, der sich selbst auf seiner Website mit “is a writer, who draws” vorstellt eines meiner großen Vorbilder.

Seine Bücher “Alles nur geklaut” (“Steal like an Artist”) und das dazugehörige Journal und “Show your work” sind die, die ich regelmäßig zur Hand nehme, wenn ich Inspiration brauche. Und durch seinen Newsletter bekomme ich jede Woche Anregungen rund um Kunst, Literatur und Musik, die ich nicht missen möchte. Kurzum – Austin Kleon ist jemand, dessen Schaffen man aufmerksam verfolgt.

Mit “Keep going – 10 Ways to stay creative in good times and bad” hat er wieder einen Nerv bei mir getroffen. Denn kennen wir das nicht alle? Es gibt unglaubliche viele gute Gründe, gerade nicht künstlerisch tätig zu sein. Die Zeit, die Ängste, die Umstände…egal was es ist, was uns davon abhält, es ist oft mächtiger, als unser Wunsch. Kleon erzählt selbst auf den ersten  Seiten, dass er das Buch schreiben musste, weil er ein solches Buch zum Lesen brauchte. Ich glaube, das ist es, was ich so besonders an ihm mag – er ist greifbar. Kein unnahbares Genie, das in höheren Spären schwebt sondern ein Künstler, der auch zweifelt, schlechte Tage hat, der manchmal das Gefühl hat, es wird nicht einfacher.

Way No. 5

Seine 10 Tipps in “Keep going” sind gewohnt kurz und knapp gehalten und das ein oder andere mag schlicht und einfach erscheinen. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, das gerade die einfachen Dinge oft am schwersten umzusetzen sind – aber am meisten Effekt erbringen. Der ein oder andere Tipp ist Kunstschaffenden vielleicht auch nicht neu. Aber Kleon schafft es immer wieder, auch Altbewährtes so zusammenzusetzen, dass seine Bücher ein Quell der Motivation und Inspiration sind.

Gespickt mit Zitaten und Anekdoten von anderen Künstler*innen ist auch dieses Buch eines geworden, dass ich während des Urlaubs mehrfach gelesen habe. Kleons Ansatz, mit sich selbst und seiner kreativen Arbeit umzugehen, mit seiner Umwelt und dem Leben, das funktioniert für mich immer wieder vorzüglich.

Way No. 3:  Forget the noun, do the verb!

Ein Buch für alle, die kreativ arbeiten und ab und zu feststecken (also – alle!), für neue Motivation und den nötigen Schubs, den wir alle ab und an brauchen. Bei mir hat es jedenfalls wieder geklappt!

Info: Ich habe die englische Originalausgabe gelesen, für die deutsche Ausgabe gibt es nach meinem Kenntnisstand noch kein Erscheinungsdatum.

 

#ichwillihnberühren – OJ & ER

Das Internet ist oftmals Segen und Fluch zugleich. Es kann ein kalter, extrem anstrengender Ort sein. Doch gleichzeitig passieren dann auch wahnsinnig schöne Sachen im Netz. Alles begann im November 2017 bei der Online-Community Jodel, mit einem simplen Satz von OJ.

Ich (m) hab mich in einen Kumpel verliebt und jetzt liegt er in Boxershorts neben mir im Bett.

Das sich aus diesem Geständnis eine der schönsten Online-Liebesgeschichten entwickelt, hätte OJ wohl selbst nie gedacht. #ichwillihnberühren – OJ & ER weiterlesen

Max, Mischa und die Tet-Offensive – Johan Harstad

Das erste, was ich über Max, Mischa & die Tet-Offensive las, war dieses Zitat von Autor Johan Harstad. Danach wusste ich: dieses Buch will ich lesen. Unbedingt.

«Einer der Gründe, warum das Buch so lang ist – abgesehen davon, dass es so sein muss, damit die Charaktere erzählen können, was sie erzählen müssen –, ist, dass es ein Ort für sich sein sollte, etwas, das dich anzieht, dich umgibt, aber auf gute Art und Weise. Ich wollte den Roman zu einem Ort machen, an dem man lange zu Hause sein kann. Eine Heimat für die Charaktere und vielleicht auch den Leser schaffen. Das Buch flüstert dem Leser sachte zu: Bleib hier drin. Hier bist du sicher.»

Und was hat er für einen Ort geschaffen! Ich habe wahrhaftig in diesem Buch gelebt, habe es in seinem eigenen Tempo kommen und gehen lassen. Die 1248 Seiten erschienen zu Beginn noch sehr mächtig, man fängt ein solches Buch nicht ohne einen gewissen Respekt an. Und doch wusste ich schon nach kurzer Zeit – das hier, mit diesem Buch und mir, das wird etwas Großes. Und je näher ich dem Ende kam, desto zögerlicher wurde ich, las langsamer und legte es schließlich 70 Seiten vor Schluss noch eine Nacht zur Seite, obwohl ich wissen wollte, wie es endet. Und dennoch einen Aufschub brauchte, um noch nicht am Ende angekommen zu sein.

Solch ein Buch, solch einen Ort hat Harstad geschaffen.

Noch während ich las, versuchte ich im Kopf, erste Sätze zu formen, um dieses Buch zu beschreiben. Um immer wieder festzustellen, dass jede Beschreibung zu kurz, zu ungenügend sein würde, meinen Ansprüchen nicht gerecht. Dass ich nicht darüber schreiben wollte, wem wir in diesem Buch begegnen, welche Stilmittel Harstad verwendet und wie das Buch literarisch einzuordnen ist.

Stattdessen möchte ich am liebsten jedem, der dieses Buch nachdenklich in der Hand abwiegt, in die Augen sehen und sagen: “Ja, dieses Buch wird dich fordern. Es wird mit Dir tanzen. Es handelt davon, sich einsam zu fühlen und das Gefühl von Heimat nicht in sich spüren zu können. Es handelt vom Krieg, von der Liebe, von Kunst und Theater und Harstad lässt seinen Figuren alle Zeit der Welt, davon zu erzählen. Aber Du, indem Du Dich ganz und gar darauf einlässt, wirst damit zu einem Teil dieses Buches. Und dann wird es schön. Verdammt schön.”

Lernt Max, Mischa und all die anderen kennen. Vielleicht hat Harstad sich das so vorgestellt, dass wir, die wir beim Lesen allein mit dem Buch sind, uns dann trotzdem alle in Gedanken treffen, an diesem Ort, den er geschaffen hat.

Ich werde jedenfalls noch eine ganze Weile dort sein. Versprochen.

 

Kurt – Sarah Kuttner

Natürlich habe ich überlegt. Kann ich dieses Buch überhaupt lesen? Halte ich das aus? Von Anfang an weiß ich, dass in diesem Buch etwas Schlimmes passieren wird. Dass ein Kind sterben wird und es ist noch nicht so lange her, dass mein eigener Sohn in diesem Alter war. Ich zögere also. Und nehme das Buch dann doch vom Stapel, lese mich mit einer gewissen Anspannung durch die ersten Kapitel. Der herzlich-schnodderige Tonfall nimmt mir ein wenig die innere Unruhe, lässt mich grinsen. Und doch merke ich, wie ich unbewusst die Luft anhalte, weil ich weiß – da kommt etwas auf uns zu. Kurt – Sarah Kuttner weiterlesen

Sheroes – Jagoda Marinic

Manchmal braucht es nur 125 Seiten um ein ganzes Feuerwerk an Fragen zu zünden! Jagoda Marinic möchte die Debatte nach #MeToo weiterführen und dafür Frauen und Männer gemeinsam an einen Tisch setzen. Nur, wenn alte Rollenbilder aufgebrochen werden, kann sich etwas Neues entwickeln, können Strukturen sichtbar und verändert werden. Neue Held*innen braucht das Land, fordert uns Marinic im Untertitel des Buches auf und spricht uns ALLE an. Es ist an uns, unser Denken zu verändern und uns auf diese Debatte einzulassen – gemeinsam! Sheroes – Jagoda Marinic weiterlesen

Feministin? Hell yeah! Nächste Lektüren und Empfehlungen.

Der Zeitpunkt, zu dem ich begann, mich langsam selbst als Feministin zu sehen, war bei mir etwa mit Mitte 20. Je mehr ich mich jedoch mit Feminismus beschäftigte, desto weniger konnte ich verstehen, wieso man heutzutage kein*e Feminist*in sein will. Umso mehr ich wusste, desto stimmiger konnte ich diesen Begriff für mich definieren und verstehen. Mittlerweile ist die Bezeichnung Feministin eine, die ich mit Stolz trage, ist Feminismus eine Bewegung, für die ich mich selbstverständlich im täglichen Leben einsetze.

Natürlich gibt es nicht nur “den einen Feminismus” und durch die unterschiedlichen Strömungen kommt es immer wieder zu Diskussionen und Reibungen. Weswegen es für mich noch wichtiger wird, Bücher über Feminismus, von und über Frauen zu lesen um für mich persönlich auszuloten, wo ich stehe und Stellung beziehen zu können. Mich stark zu machen für das breite Spektrum an feministischen Themen, bei dem es noch viel zu tun gibt und meine Stimme mit in die Diskussion miteinzubringen. Feministin? Hell yeah! Nächste Lektüren und Empfehlungen. weiterlesen