Streulicht – Deniz Ohde

„Die Luft verändert sich, wenn man über die Schwelle des Ortes tritt. Eine feine Säure liegt darin, etwas dicker ist sie, als könnte man den Mund öffnen und sie kauen wie Watte. Niemandem hier fällt das mehr auf, und auch mir wird es nach ein paar Stunden wieder vorkommen wie die einzig mögliche Konsistenz, die Luft haben kann. Jede andere wäre eine fremde“. S.7

Mit diesen Sätze beginnt das Debüt von Deniz Ohde, die mit ihrem Roman „Streulicht“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht. Etwa in der Mitte des Buches reift in mir ein Plan. Der „Ort“ im Buch liegt nur etwa 30 Minuten von mir entfernt und ich beschließe, hinzufahren. So beeindruckt bin ich von der Atmosphäre, die Ohde in wenigen Seiten entstehen lässt.

Mit dem Buch in der Hand laufen meine Begleitung und ich durch den Ort und werden schnell fündig. Bilder entstehen, wir schauen uns um, erkunden die Umgebung. Fast habe ich manchmal das Gefühl, einiges wiederzuerkennen, obwohl ich noch nie dort war – so sehr hatten sich die Beschreibungen Ohdes bei mir festgesetzt. Streulicht – Deniz Ohde weiterlesen

Das Kaffee Buch

Ich war schon länger auf der Suche nach einem Buch über Kaffee, um ein wenig tiefer ins Thema einzusteigen. Mit diesem Buch habe ich genau das gefunden, was ich gesucht hatte. Zum einen Orientierungshilfe, die mir einen guten Überblick auf die verschiedenen Sorten und Anbaugebiete verschafft hat. Dieser machte auch neugierig darauf, mehr zu probieren. Das Kaffee Buch weiterlesen

Bin im Garten – Meike Winnemuth

Ich lese Meike Winnemuth seit vielen Jahren unheimlich gerne, denn sie kann etwas, was ich liebe: sich komplett und aus vollem Herzen für eine Sache begeistern. Ob sie nun ein Jahr lang das gleiche blaue Kleid in immer wieder neuen Varianten trägt oder für ein Jahr in zwölf verschiedenen Städten lebt – es macht immer riesig Spaß, sie zu begleiten.

Bin im Garten ist bereits im März letzten Jahres erschienen und meine gärtnernde Kollegin hatte uns bereits alle angesteckt mit dem enthaltenen Knäckebrot-Rezept (es ist wirklich SAUGUT!). Zu diesem Zeitpunkt besaß ich allerdings nur einen Balkon und sehr wenig gärtnerische Ambitionen. Und dieses Jahr? War mir doch unverhofft ein kleines Gartenstück zugelaufen und somit endlich die Zeit gekommen, es mir mit diesem Buch in der Hängematte bequem zu machen. Bin im Garten – Meike Winnemuth weiterlesen

Running like a Girl – Alexandra Heminsley

Mit der neu erwachten Liebe zum Laufen ist es eigentlich nur logisch, dass sich das Interesse an diesem Sport auch in meiner Buchauswahl niederschlägt. Nachdem ich das ein oder andere Sachbuch durchgeackert hatte, wollte ich gerne einen Erfahrungsbericht lesen und stieß auf „Running like a Girl“ – meines Wissens nach bisher leider nicht ins Deutsche übersetzt. Kurz und knapp gesagt: nach der Lektüre möchte man sich einmal mehr die Laufschuhe schnüren und loslegen.

Denn die Laufhistorie von Alexandra „Hemmo“ Heminsley ist weder schnurgerade noch ohne Herausforderungen. Sie sieht sich vor die gleichen Probleme gestellt wie die meisten Laufanfänger*innen und schreibt erfrischend ehrlich von den Höhen und Tiefen ihrer Laufkarriere. Ich habe mich einige Male wiedererkannt und ganz ehrlich – bei der Schilderung ihres ersten Marathons habe ich mich geradezu an das Buch gekrallt um ihr die Daumen zu drücken und ein paar Tränen vergossen vor Freude, als sie es geschafft hatte. Sie hat mich mitgenommen auf ihre eigene Reise und mir dabei so viele Aspekte des Laufens näher gebracht und mich damit unendlich motiviert. Ein sehr gutes Geschenk für alle, die mit dem Laufen anfangen oder mal wieder einen ordentlichen Schub Motivation brauchen!

Stay Sweet – Siobhan Vivian

Ihr seid noch auf der Suche nach einer Sommerlektüre für den heimischen Liegestuhl oder den See? Ihr könnt aufhören zu suchen, denn „Stay Sweet“ ist der perfekte summer read. Der Job in der geschichtsträchtigen Meade Creamery In Sand Lake ist DER Ferienjob schlechthin und Amelia freut sich auf den letzten Sommer als Teamleiterin der sogenannten Meade-Mädchen, bevor sie ans College geht. Doch als Molly, die eigenbrötlerische Besitzerin der Eisdiele überraschend stirbt, kommt alles anders und Amelia verlebt einen völlig anderen Sommer als geplant – und wächst über sich hinaus. Stay Sweet – Siobhan Vivian weiterlesen

Writers & Lovers – Lily King

Es gibt sie, diese Bücher wo man bereits beim Durchsehen der Verlagsvorschau denkt: BÄM! Das wird was. Der Titel: ein Volltreffer! Das Cover: sofortige Aufmerksamkeit. Die Kurzbeschreibung: passt ins literarische Beuteschema.

Meine Erwartungen waren also hoch, als ich das Leseexemplar vor einigen Wochen in den Händen hielt. Writers & Lovers – Lily King weiterlesen

City of Girls – Elizabeth Gilbert

Das perfekte Sommerbuch! Man taucht sofort in das Flair und die Atmosphäre der 40ger Jahre in New York ein, fast meint man, den Trubel und die Musik dieser Stadt beim Lesen zu hören. Die Geschichte von Vivian, die sich von heute auf morgen als Landei in der großen Stadt wiederfindet, und gemeinsam mit einigen äußerst exzentrischen Charakteren dort einige Höhen und Tiefen erlebt, schreibt Elizabeth Gilbert mit Verve und einer unheimlichen Freude am Geschichtenerzählen.

Ihre Heldin würde man gerne zur Freundin haben, denn sie bleibt sich, allen Stürmen zum Trotz, stets treu und geht ihren eigenen Weg. Wer aus diesem Buch wieder auftaucht, hat das Hupen der Taxis im Ohr, die Revue-Nummern der Showgirls vor Augen, hat den Geschmack von Zigarren auf der Zunge und ein aufgeregtes Kribbeln im Herzen. Schwungvoll, unterhaltsam und einer meiner Lieblinge in diesem Frühjahr!

Übersetzt aus dem Amerikanischen von Britt Somann-Jung

Murakami zum Zweiten – vom Laufen und Wiederlesen

Wenn sich nichts bewegt, musst Du dich bewegen. So in etwa waren meine Gedanken vor knapp fünf Wochen. 2008 habe ich “Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede” das erste Mal gelesen. Auch, wenn mich damals mehr Murakami als Autor fasziniert hat, die vage Idee, irgendwann selbst mit dem Laufen zu beginnen war da. Manchmal muss so ein Entschluss offensichtlich lange reifen, und als nun 2020 die Welt auf eine ganz neue Art und Weise still stand, dachte ich: jetzt oder nie!  Murakami zum Zweiten – vom Laufen und Wiederlesen weiterlesen

Long Bright River – Liz Moore

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wachsen in schwierigen Familienverhältnissen auf. Als Kinder sind sie sich nah, doch als Jugendliche entwickeln sie sich in unterschiedliche Richtungen – Mickey wird Streifenpolizistin, Kacey rutscht immer weiter in die Drogenszene ab.

Die alleinerziehende Mickey nutzt ihren Job, um ein Auge auf die kleine Schwester haben zu können. Doch dann erschüttert eine Mordserie die Straßen Philadelphias… Dieser Roman ist ein echter Pageturner, spannend bis zum Schluss, eine raffiniert erzählte Familiengeschichte und nicht zuletzt das ausgezeichnete Portrait einer Stadt und ihrer Probleme.

Für mich soll es Neurosen regnen – Peter Wittkamp

Über Zwangsstörungen wusste ich bisher wenig, über den Humor von Peter Wittkamp hingegen schon einiges . Als ich dieses Buch in der Vorschau entdeckte, hatte ich also nicht nur instant einen Ohrwurm (gute Titelwahl!) sondern wurde auch sofort neugierig. “Mein Leben mit Zwangsstörungen” ist der Untertitel und der ist auch Programm. Peter Wittkamp erzählt sehr offen darüber, was seine Erkrankung im Alltag für ihn bedeutet. Über seine Therapie, über die unterschiedlichen Zwänge, die auftreten können, in welche absurden Situationen ihn die Zwangsstörungen schon brachten und wo die täglichen Herausforderungen im Umgang mit dieser Krankheit liegen.

Wildwuchs im Neurosengarten

Er schafft es, das ganze ausgesprochen unterhaltsam und humorvoll zu tun, kippt aber nie ins Alberne. Im Gegenteil – gerade weil sich das ganze so gut lesen lässt, wiegen die etwas ernsteren Stellen umso schwerer. Aufgrund seiner so persönlichen Schilderungen habe ich das Gefühl, mehr verstehen zu können und zu lernen. Seine Erfahrungen und Erlebnisse zu teilen kostet Kraft, Mut und ist ganz sicher nicht einfach, zumal Wittkamp im Buch mehrfach erwähnt, dass nur wenige in seinem Umfeld vor Veröffentlichung überhaupt von seiner Zwangststörung wussten. So habe ich beim Lesen manchmal auch das Gefühl, eine Art Befreiungsschlag zu lesen.

Zu dieser Courage, diesem Öffnen und Niederschreiben, kann ich nur gratulieren und dem Buch noch viele Leserinnen und Leser wünschen!