Alles ist längst da. In uns.

Letzte Woche habe ich etwas erlebt, was sich einige Tage später ganz ausgezeichnet als launige Geschichte auf einer Geburtstagsparty verwenden lies. Ich war am Wochenende unterwegs gewesen, das Navi hatte schon auf der Hinfahrt seinen Geist aufgegeben und obwohl ich mir den Rückweg mal kurz auf der Karte angesehen hatte, habe ich mich gnadenlos verfahren. Mehr als einmal. So oft, dass mein Schwiegervater im Verlauf der Geschichte nur noch schmunzelte und sachte den Kopf schüttelte, weil er sich nicht vorstellen konnte, das jemand wirklich so dermaßen orientierungslos sein kann.

Aber doch, ich kann das. Wäre es ein Talent, ich wäre ganz vorne mit dabei und könnte ich damit Geld verdienen, hätte ich die erste Anzahlung auf eine Villa bereits getätigt.

Während ich aber über Autobahnen fuhr, wieder abfuhr, verzweifelt Kartenmaterial wälzte und versuchte, irgendwie wieder nach Hause zu kommen, geschah, was so oft passiert, wenn das Hirn verzweifelt mit Problemlösen beschäftigt ist. Es präsentiert Dir die Lösung für etwas gänzlich anderes, was Dich umtreibt.

Ich war um eine Erkenntnis reicher. Nach Hause hatte mich folgendes gebracht: ich mich selbst. Alle Fähigkeiten, die ich dafür brauchte, steckten in mir. Denn am Ende habe ich es, nach einigen Anläufen und einem Zwischenstopp in einem anderen Land ganz alleine nach Hause geschafft. Und ich war so stolz.  So viele unnötige Kilometer ich auch verfuhr und soviel ich auch fluchte – ich brachte mich nach Hause. Und in diesem Moment verstand ich, dass diese Irrfahrt einen großartigen Effekt hatte. Ich fasste wieder Vertrauen in mich selbst und die Kräfte, die in mir stecken, die mich in manchen Situationen über mich hinauswachsen lassen und die ich über dem Alltag häufig vergesse.

So oft denken wir, dass die Lösung vielleicht in einer Veränderung steckt, in einer neuen Routine, in besseren Arbeitsbedingungen, weniger Störungen und wenn doch alles einfach mal laufen würde. Ein Frustkreisel, aus dem das Ausbrechen immer schwerer scheint, je länger wir uns in ihm drehen. Um dann, auf einer Autobahnraststätte zu entdecken, dass all diese Dinge nebensächlich sind, weil das, was uns am Ende zum Erfolg führt, schon längst da war. In uns.

 

3 thoughts on “Alles ist längst da. In uns.”

  1. ? toller Text.
    Ein Thema über das ich mich in letzter Zeit ganz oft mit Mama unterhalten habe.
    Freue mich auf viele weitere Texte und Gedanken.
    Meine Villa würde übrigens auch schon stehen …

  2. Hallo Sarah, schließe mich meinen Vorrednerinnen an: Ein schöner Text und ein tolles Erlebnis. Ich liebe Momente, in denen die Lösung eines Problems zur Lösung eines Problems führt. Könnte man mit Orientierungslosigkeit Geld verdienen – ich hätte keine Villa, ich wäre längst Königin einer eigenen Insel Freue mich auf weitere Beiträge dieser Art und wünsche weiterhin einen produktiven Montag!

    Grüßerl
    Shanty

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