Die Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen

Kindheit, Jugend, Abhängigkeit – ein ganzes Künstlerinnenleben in drei Worten. Sie bilden die Titel der sogenannten Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen (1917 -1976). In Dänemark vor über 50 Jahren erschienen und dort wahre Klassiker, die Autorin tief verehrt. Nun sind alle drei Bände in der Neuübersetzung von Ursel Allenstein aus dem Dänischen bei Aufbau erschienen. Endlich kann ich beglückt schreiben, was das für ein Gewinn für unsere Literaturlandschaft ist!

„Und mir wird immer stärker bewusst, dass ich zu nichts anderem tauge und von nichts anderem leidenschaftlich erfüllt werde, als Worte aneinanderzureihen, Sätze zu bilden und einfache, vierteilige Verse zu schreiben.“ „Abhängigkeit, S. 57

Entgegen aller Widerstände und Hindernisse, angefangen mit ihrer Kindheit im Arbeitermilieu, die Eltern lieblos und ohne rechte Hoffnungen für ihre Zukunft, weiß Tove doch schon früh, dass sie sich in der Welt der Worte heimisch fühlt – Dichterin möchte sie werden.

Das Leben wird, obwohl sie größer und unabhängiger wird, nicht leichter für Tove und wir verfolgen ihren Werdegang in den zwei Bänden Jugend und Abhängigkeit weiter. Sie schreibt über das schwierige Verhältnis zu den Eltern, Enttäuschungen in der Liebe, Affären, Schicksalsschläge um sie herum und ihre eigene verhängnisvolle Abhängigkeit und Depression. Obwohl der Tonfall oft sehr klar und nüchtern ist, gleitet er doch hin und wieder in eine sanfte Nachdenklichkeit ab, bei der man jedes Wort, jeden Satz unterstreichen möchte. Eine eindringliche Erzählweise, die mich sehr beeindruckt hat.

„Mein Buch![…] Es kann nicht mehr zurückgezogen werden. Es ist unwiderruflich. Das Buch wird immer da sein, unabhängig davon, wie sich mein Schicksal gestaltet.“ Jugend, S. 153

All den Ereignissen in Tove Ditlevsens Leben, all ihren Entscheidungen zugrunde liegt ihr tiefer Wunsch, Dichterin zu werden. In den Absätzen, in denen sie so dringlich, so unverrückbar fest von ihrem Wunsch zu schreiben erzählt, kommt sie mir am nächsten. Es gibt keinen Kompromiss – sie muss, sie wird schreiben. Und zeit ihres Lebens kehrt sie immer wieder an ihre Schreibmaschine zurück.

Für mich sind diese Bände von Tove Ditlevsen wirklich die literarische Wiederentdeckung des Jahres!

Leseexemplare

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