Ein langes Jahr – Eva Schmidt

In diesem Roman begegnen wir den unterschiedlichsten Menschen. Wir werden mit Situationen konfrontiert, um auf der nächsten Seite direkt wieder einen Szenenwechsel zu erleben. Mit feinem Gespür sehen wir den Menschen dabei zu, wie und wo sie gerade in ihrem Leben stehen. Alle verbunden durch diese Stadt, die mal so weit und mal so klein erscheint und doch sind am Ende alle auf die ein oder andere Art und Weise alleine. Beobachtend, Abwartend. Die Faszination ist groß, so dass diese Schlaglichter einen richtiggehenden Sog entwickeln.

 

Kleine, fein gesetzte Akzente, vermitteln dem/der Leser*in schnell ein Gefühl der Person. Hier wird in kunstvollen Strichen erzählt, gerade soviel, dass man einen Blick, eine Ahnung für die einzelnen Schicksale bekommt, gleichzeitig aber doch ein wenig im Ungewissen bleibt, sich seine eigene Version, seinen eigenen Reim auf die Geschehnisse machen kann. Das Personal dieses Romans schwirrt einem noch eine Weile im Kopf herum, es hat sich unauffällig im Verlaufe des Romanes in meine Gedanken eingeschlichen und will nicht mehr hinaus.

Eva Schmidt blättert in einem Katalog des Lebens, fächert ihn mit all seinen Facetten vor uns auf. Mit der Tragik, unfreiwilligen Komik, mit Freude und schwarzen Schattenseiten, die doch untrennbar zu den Höhen dazugehören. Ein kluges, unaufgeregtes Buch und innerhalb der Shortlist eine meiner liebsten Entdeckungen!

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