Acht Minuten – Péter Farkas

Sie sind schon lange ein Paar. Der Mann und die Frau. Doch eines Tages fangen die Dinge an sich zu verändern. Wer sind diese Menschen in ihrer Wohnung, die dem Mann zwar vage bekannt vorkommen, aber doch eher stören? Und warum wollen ihm alle erzählen was das Beste ist, für ihn und die Frau? Sie kommen doch gut zurecht und vor die Tür gehen…das müssen sie doch schon lange nicht mehr…

Wir alle kennen den Blick auf Demenz von aussen. Farkas wählt einen ganz anderen Ansatz – er beschreibt die Krankheit aus der Sicht des Betroffenen – und dieser sieht sich auch eher als Beobachter der ebenfalls erkrankten Frau. Die kleinen Rituale dieses Paares, der Kampf um Würde, um Selbstbestimmung – fein gezeichnet, sehr intensiv wird hier ein ganz neues Bild entworfen und die Frage, was das “Beste” ist wird nochmal auf andere Art und Weise aufgerollt!

Ein kleines, wichtiges Buch für alle die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Die fünf Sprachen der Liebe – Gary Chapman

Ratgeber sind ja immer so eine Sache für sich und definitiv Typsache. Dieses Buch hat bei mir aber einen Volltreffer gelandet und sogar meinen Mann konnte ich mit einigen Dingen daraus dafür begeistern und das will was heissen. Wie der Titel schon ahnen lässt, schreibt Chapman über die 5 verschiedenen Sprachen der Liebe und welche Schwierigkeiten daraus erwachsen, wenn nicht beide die gleiche Sprache sprechen. Auch erklärt er anhand von vielen Beispielen, wie man versuchen kann, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und die Sprache des anderen lesen zu lernen. Für mich hat dieses Buch einige sehr wichtige Gedanken aufgeworfen, mich inspiriert und verstehen lassen. Aufgabe perfekt erfüllt!

Alabama Song – Gilles Leroy

Wer kennt sie nicht: DAS Paar der Roaring Twenties – F.Scott Fitzgerald und Zelda Fitzgerald. Allerdings ist meist mehr über ihn bekannt – das auch seine Frau eine begabte Schriftstellerin war, der Autor geradezu andeutet, das ihr Mann bei ihr klaute…das ist schon unbekannter. Leroy mischtsein Buch aus der Biographie dieser bemerkenswerten Frau und es  eigenerVorstellungen – es könnte so gewesen sein. Insgesamt zeichnet das Buch eine interessante, zerissene Frau nach, eine Ehe in der es wenig Gemeinschaft gibt, 2 die nicht ohne einander sein können, aber auch nicht miteinander können. Wer sich für diese Epoche und Biographisches interessiert, wird an diesem Buch Freude haben. Ich fand es auch ansprechend, es hat einige ganz tolle Szenerien und wunderschöne Sätze, allerdings blieb mir doch zuvieles fremd. Ein ganz typischer Kandidat für “Ist Geschmackssache!”.

Eine fast perfekte Affäre – Elizabeth Subercaseaux

Ich lese ja ab und an gerne mal ein Buch, was in einer Ecke der Welt spielt, die ich mit jemandem verbinde. In diesem Fall ist es meine Schwester, die für einige Zeit in Chile war. Schön in ähnlichen Straßen unterwegs zu sein. Der Titel beschreibt eigentlich den Inhalt schon perfekt – eine Affäre zwischen einer verheiraten Frau, Amalia und einem angesehenen Richter. Eines Morgens ist Amalia tot – erschossen von ihrem Geliebten. Doch die Affäre, die sie so sorgfältig unter Verschluss hielt, berührt doch noch 2 andere Menschen und ihre eigenen Geheimnisse – einen Reporter der unfreiwillig den Mörder flüchten sieht und durch den Vorall in einen Gewissenskonflikt gerät und die beste Freundin von Amalia – die verzweifelt versucht, die Wahrheit herauszufinden. Die “perfekte” Lösung ist Subercaseaux nicht so wichtig, vielmehr lotet sie die Grenzen zwischen den handelnden Personen aus, die eigenen Untiefen die durch das Verbrechen zutage treten und auch die Frage – wie hat Amalia gelebt und geliebt?

Liest sich sehr angenehm, eine leichte Sprache, aber nicht belanglos oder seicht. Keine typische Liebesgeschichte, sehr wohl aber eine Geschichte um die Liebe und ihre Auswirkungen…

Geschichte einer Ehe – Andrew Sean Greer

Eine Dreiecksgeschichte der ganz anderen Art, angesiedelt in den USA der 50ger Jahre. Eine sehr dichte Sprache, unheimliche viele Gedanken, Erinnerungen, wunderschöne, traurig-ziehende Beschreibungen über die Ehe, die Liebe, das Leben. Die Geschichte tritt, obwohl sie wirklich von Anfang an Neugier und Spannung erzeugt, oft etwas in den Hintergrund, aufgrund dieser intensiven Beschreibungen, aber da diese so mitreissen, tut das keinen Abbruch. Ein toller Roman über die Liebe, vielleicht grade für diejenigen, die von der großen, perfekten Liebe mal eine Pause brauchen.

Tagsüber dieses strahlende Blau – Stefan Mühldorfer

Wieder ein Buch das ich mit meinem bewährten Lesekreis zusammen gelesen habe. Ich kannte es vorher nur vom Sehen und mich hat der Titel aber sehr angesprochen. Ein Buch dessen Handlung sich über nur einen Tag erstreckt, ist gewagt. Hier bleibt jedoch nicht der Handlungsstrang auf der Strecke. Robert Ames ist Vertreter für Lebensversicherungen, hat einen scharfen Blick und neigt dazu, sehr vieles zu analysieren, im Kopf durchzuspielen. Man hat das Gefühl, das dieser eigentlich normale Tag für ihn einige Erkenntnisse für sein Leben und seine Ehe bereithält, die er zwar wahrnimmt und auch im Kopf gedanklich beackert und dennoch am Ende fast fassungslos und handlungsunfähig vor dem Trümmerhaufen steht. Für mich sprachlich toll zu lesen, hatte auch genau die richtige Länge um zu “wirken”.

Englischer Harem – Anthony McCarten

Oft kommt die Anfrage: Ich brauche was zu lesen. Es soll Witz haben, gut erzählt und spannend sein. Aber nicht zu seicht, nicht zu hohe Literatur – eine packende Geschichte mit ungewöhnlichem Thema. Ab heute kann ich all diesen Menschen dieses Buch nur ans Herz legen.Ich habe einen herrlichen Urlaubstag damit verbracht und finde es richtig, richtig toll!

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dieser Geschichte durchaus um einen Mann und seine 3 Frauen. Allerdings ist in diesem Roman auch nichts wie es scheint – McCarten spielt mit den Klischees und den Erwartungen des Lesers, packt seine Gesellschaftskritik in schön gestaltete Szenen und auf 582 Seiten kommt kein bisschen Langeweile auf. Als Tracy Pringle, 20 Jahre und Supermarktkassiererin ihren Eltern verkündet das sie heiraten wird, sind diese entsetzt. Als sie mitbekommen das der Auserwählte Perser ist und bereits 2 Frauen hat – Schock! Aber das ist nur der Anfang dieses grandios erzählten Romans der einen in seinen Bann zieht – mit sehr viel Witz, Weisheit, einem Aufruf für Toleranz…McCarten gelingt es sehr authentisch, die verschiedenen Kulturen zu mischen und sie zu Wort kommen zu lassen – kein erhobener Zeigefinger, wohl aber ein kluges Hinterfragen der eigenen, doch allzu oft festgezurrten Meinung. Gespickt mit vielen absolut tollen Sätzen, die mich beeindruckt haben!

“Was ist denn Schlimmes daran, wenn manch einer mit dem Leben einen Kompromiss schließt? Wer hat ein Recht zu urteilen, wenn er nichts weiß über das Wie, Warum und Wozu? Das habe ich in meinem Leben gelernt – nach ein oder zwei Schiffbrüchen, da hält man sich an jedem Stück Treibgut fest, nur um zu überleben.”

Liebe ganz oder gar nicht – Peter Kihlgard

Dieses Buch zu beurteilen finde ich sehr schwierig. Hochgelobter schwedischer Autor, tolles Cover, schöner Titel und der Anfang – heftig aber ja…nach vielen Jahren der Ehe sitzen Kicki und Lasse zusammen im Auto. Kicki ist todkrank, Lasse will nicht weiter ohne sie. Also fahren sie, lösen die Sicherheitsgurte…Schnitt. Ab da wird im Roman erzählt, wie die beiden gemeinsam lebten, oder eben auch nicht gemeinsam. Seltsame Obsessionen von beiden, die Beziehung wirkt zwar schon liebevoll, aber auch ein bisschen „man kann nicht ohne den anderen, auch wenn man unheimlich leidet“. Manche Passagen fand ich sehr wirr. Insgesamt nicht so mein Fall, trotzdem gut genug, das ich es nicht weglegte, weil die Sprache schön und einige Begebenheiten aus beider Leben (die Lebensgeschichte der Eltern, vom anderen erzählt) dann auch wieder wunderschön waren.