Was wir Frauen wollen – Isabel Allende

Isabel Allende, eine Autorin mit einer unglaublich großen Leser*innenschaft. Wer noch nichts von ihr gelesen hat, hat meist zumindest von ihr gehört. Mit „Das Geisterhaus“ und „Paula“ wurde sie weltbekannt. Auch ich habe einiges von ihr mit großer Begeisterung gelesen (wenn auch nicht alles, wir hatten so unsere Ups and Downs). Nun also „Was wir Frauen wollen“ – der plakative Titel ließ mich gleichzeitig aufhorchen und auch etwas skeptisch werden – wie würde Isabel Allende das Thema wohl angehen?

Eingebettet in ihr eigenes Leben erzählt Allende davon, warum sie schon im Kindergarten Feministin war. Sie wirft einen Blick zurück und lässt uns teilhaben. Was ich daran geliebt habe, ist wie sie bei dieser Rückschau gleichzeitig die Zukunft mit im Blick hat. Das ist wirklich eine der großen Stärken dieses Buches, dass sie immer wieder versucht, die Brücke zwischen den Generationen zu schlagen, zu ihrer eigenen Mutter, zu ihren Kindern und ihren Enkeltöchtern. Diese respektvolle Art, anzuerkennen, was war und gleichzeitig offen zu sein, für die Entwicklung der letzten Jahre, das finde ich sehr stark. Was wir Frauen wollen – Isabel Allende weiterlesen

Ungezähmt – Glennon Doyle

Bei manchen Lektüren merke ich schon nach wenigen Kapiteln, dass ich zum Lesen meinen pinken Marker brauche. Wenn ich das dringende Bedürfnis habe, ganze Absätze zu markieren, kleine Notizen an den Rand zu schreiben, dann macht ein Buch gerade viel mit mir.

Wenn ich mir meine Ausgabe von Ungezähmt ansehe, dann strotzt sie nur so vor Markierungen, einzelne Sätze, zukünftige Mantras, eigene Gedanken, Stellen, an denen ich Glennon Doyle auch mal kontra gebe (wäre ja auch langweilig, wenn nicht!) Mich hat das Buch intensiv beschäftigt – das sieht man ihm an.

Nicht nur ist die persönliche Geschichte und Entwicklung von Glennon Doyle spannend und bewegend. Anhand ihres Lebens und der Ereignisse darin verhandelt Doyle eine Vielzahl an Themen. Ungezähmt – Glennon Doyle weiterlesen

City of Girls – Elizabeth Gilbert

Das perfekte Sommerbuch! Man taucht sofort in das Flair und die Atmosphäre der 40ger Jahre in New York ein, fast meint man, den Trubel und die Musik dieser Stadt beim Lesen zu hören. Die Geschichte von Vivian, die sich von heute auf morgen als Landei in der großen Stadt wiederfindet, und gemeinsam mit einigen äußerst exzentrischen Charakteren dort einige Höhen und Tiefen erlebt, schreibt Elizabeth Gilbert mit Verve und einer unheimlichen Freude am Geschichtenerzählen.

Ihre Heldin würde man gerne zur Freundin haben, denn sie bleibt sich, allen Stürmen zum Trotz, stets treu und geht ihren eigenen Weg. Wer aus diesem Buch wieder auftaucht, hat das Hupen der Taxis im Ohr, die Revue-Nummern der Showgirls vor Augen, hat den Geschmack von Zigarren auf der Zunge und ein aufgeregtes Kribbeln im Herzen. Schwungvoll, unterhaltsam und einer meiner Lieblinge in diesem Frühjahr!

Übersetzt aus dem Amerikanischen von Britt Somann-Jung

Vortreffliche Frauen – Barbara Pym

Es ist so schön, wenn man durch eine Neuübersetzung auf großartige Bücher stoßen darf! So passiert mit Barbara Pym, deren Roman “Vortreffliche Frauen” nun, aus dem Englischen übersetzt von Sabine Roth, bei Dumont erschienen ist.  Aufmerksam folgen wir im London der späten vierziger Jahre der über  dreißigjährigen, unverheirateten Mildred – in der damaligen Zeit ein Grund zur Annahme, dass dieser Zustand dauerhaft ist. Als neue, exzentrische Nachbarn in der Wohnung nebenan einziehen, wird das bisher eher ruhige Leben von Mildred ordentlich auf den Kopf gestellt…

Das Stichwort für dieses Buch ist “Sittenroman” und genau das bekommen wir geneigte Leser*innen serviert. Ausgesprochen unterhaltsam, mit Witz, leiser Ironie und “very british“. Am besten zu genießen mit einer frisch aufgebrühten Tasse Tee!

Feministin? Hell yeah! Nächste Lektüren und Empfehlungen.

Der Zeitpunkt, zu dem ich begann, mich langsam selbst als Feministin zu sehen, war bei mir etwa mit Mitte 20. Je mehr ich mich jedoch mit Feminismus beschäftigte, desto weniger konnte ich verstehen, wieso man heutzutage kein*e Feminist*in sein will. Umso mehr ich wusste, desto stimmiger konnte ich diesen Begriff für mich definieren und verstehen. Mittlerweile ist die Bezeichnung Feministin eine, die ich mit Stolz trage, ist Feminismus eine Bewegung, für die ich mich selbstverständlich im täglichen Leben einsetze.

Natürlich gibt es nicht nur “den einen Feminismus” und durch die unterschiedlichen Strömungen kommt es immer wieder zu Diskussionen und Reibungen. Weswegen es für mich noch wichtiger wird, Bücher über Feminismus, von und über Frauen zu lesen um für mich persönlich auszuloten, wo ich stehe und Stellung beziehen zu können. Mich stark zu machen für das breite Spektrum an feministischen Themen, bei dem es noch viel zu tun gibt und meine Stimme mit in die Diskussion miteinzubringen. Feministin? Hell yeah! Nächste Lektüren und Empfehlungen. weiterlesen

Stand Up: Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene – Julia Korbik

Wenn man mich vor fünf Jahren gefragt hätte: Bist Du eigentlich Feministin? ich hätte eher ausweichend reagiert. In meinem Kopf gab es doch einige angestaubte Ideen davon, wie sich die feministische Bewegung inszeniert und ich fand mich dort nicht so recht wieder. In den letzten zwei Jahren hat sich das grundlegend geändert, was einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, sich Sachgebiete selbst zu erobern, sich mit Informationen zu versorgen und Klischees und Vorurteile stets kritisch zu hinterfragen. In letzter Zeit habe ich mich durch einige Literatur zum Thema gelesen und besonders beeindruckt hat mich Stand Up.

Das Buch punktet bei mir gleich in mehrfacher Hinsicht. Klug und unaufgeregt, und mit Spaß an der Sache erklärt Korbik Feminismus und all seine spannenden Facetten. Sie beginnt bei den Basics und führt uns über Imageprobleme der Bewegung bis hin zu unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Geschichte des Feminismus. Besonders ansprechend fand ich die eingestreuten Kurzvorstellungen von Feministinnen und Feministen – hier habe ich immer wieder Namen notiert und später recherchiert, habe mir Bücher dieser Autor_innen bestellt oder Youtube-Aufnahmen von ihren Aktionen angesehen (Anspieltipp Amanda Palmer – Dear Daily Mail). Das Buch macht dermaßen Lust darauf, selbst weiterzuforschen und ist eine Quelle der Inspiration für mich gewesen. Ich empfehle es momentan bei jeder sich bietenden Gelegenheit .

Es beinhaltet auch für die Fans von Fakten, Zahlen und Statistiken reichlich Material, was ich besonders als Untermauerungsstoff für Diskussionen hilfreich finde (ebenso den Anhang mit feministischem Glossar und Literaturempfehlungen). Noch dazu ist oftmals so ein Uff-Moment eingetreten, wenn man Zahlen schwarz auf weiss so geballt sieht (Gender Pay Gap als Beispiel). Im zweiten Teil des Buches widmet sich Korbik der Gleichberechtigung in fünf dicken Kapiteln zum Thema Biologie, Körper, Politik, Popkultur und Los geht’s. Auch hier finden sich wieder viele Aha-Effekte, Tipps zum Andersmachen, Weitermachen, Gedanken machen. Es gibt unzählige tolle Zitate und Fragen, die im Kopf bleiben und zum Nachdenken anregen – denn nach der Lektüre ist klar – es gibt noch viel zu tun!

Mein absolutes Lieblingszitat aus dem Buch ist das folgende:

You’re rooting for gender equality? Congratulations, then you are a feminist!

Und last but not least – Die Aufmachung. Knallbunt, modern und grafisch sehr ansprechend gestaltet ist das Buch ist eine wahre Augenweide!

Die beste Zeit unseres Lebens – Maeve Haran

Als ich als Buchhändlerinnenlehrling, als sogenannter “Stift” anfing, zählte Maeve Haran, auch aufgrund der Sortierung unserer Dorfbibliothek zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Ihr neuer Roman widmet sich der Generation 60+. Das Cover führt ein wenig in die Irre, leicht-lockere Sommerlektüre ist es nicht, die uns hier erwartet, allerdings kommt Haran leider auch nicht ohne eine Menge Klischees aus. Nett zu lesen – ja. Richtig begeistert – leider nein. Aus manchen Lesephasen wächst man wohl doch irgendwann heraus…

Wovon wir träumten – Julie Otsuka

Dieser Roman hebt sich von der Masse ab, denn er hat nicht einen oder mehrere Erzähler, er hat ganz viele. Die unterschiedlichsten Stimmen japanischer Frauen erzählen, teilweise nur in einem Satz, bevor eine andere den Faden aufnimmt, von ihrer Ankunft in den USA, in den zwanziger Jahren, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Dass sich ihre Vorstellungen mit der Realität nicht decken, das müssen sie alle feststellen. Gerade durch diesen seltenen Erzählstil kommt das Buch sehr eindringlich daher, wie ein Chor der Erlebnisse, dem man gerne lauscht.

Americanah – Chimamanda Ngozi Adichie

Ein hochaktueller Roman, der sich für mich durch gleich drei Dinge auszeichnete: er war intelligent, pointiert bis bitterböse und er behandelte ein Thema, was mir immer wieder vor die Füße gespült wird: Diskriminierung und Alltagsrasissmus (der oft etwas versteckte, den wir in unserer ach-so-aufgeklärten-Welt oftmals nicht sehen wollen und der doch so erschreckend verbreitet ist – immernoch!). Zu diesen Themen einen Text zu lesen, der zudem vom Handlungsverlauf her überzeugt, eine frische Stimme und eine authentische Protagonistin bereithält – das nennt man dann wohl einen Glücksfall in der Belletristik!