Die Ermordung des Commendatore I – Haruki Murakami

Wir alle kennen dieses Gefühl des Verlorenseins, welches Haruki Murakami in seinen Büchern oft beschreibt. Ich weiß, worauf ich mich bei ihm einlasse und doch kann er mich immer wieder aufs Neue überraschen.

“Ich griff nach dem Baumstamm und ließ mich mit der Strömung treiben. Um mich herum war es stockdunkel, und am Himmel waren weder Mond noch Sterne. Solange ich mich festhielt, würde ich nicht untergehen, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich mich gerade befand und wohin die Reise ging.” (S. 67)

Der erste Teil des neuen Romans zeigt ganz klassische Züge der Kriminalliteratur und es gelingt Murakami, kontinuierlich Spannung aufzubauen, die dann am Schluss mit einem echten Cliffhanger endet. Im Roman selbst gibt es ein paar Kunstgriffe, die mich beim Lesen leicht irritierten, die ich aber im Nachhinein als solche erkannte, beziehungsweise für mich deuten konnte – und daraufhin einmal mehr wieder beeindruckt war. Auch gibt es eine Szene, bei der ich fast ahne, dass sie für Irritationen sorgen wird. Und doch – es gehört einfach zu Murakami, denn auch scheinbar unpassende Offenbarungen sind ein wiederkehrendes Motiv in seinem Schaffen. Diese beiden Anmerkungen sind allerdings schon “Kritik auf hohem Niveau” und sie fallen für mich insgesamt nicht allzuschwer ins Gewicht.

Die Frage was und wieviel braucht es für ein gutes Leben ist unterschwellig den ganzen Roman lang spürbar. Was ist genug? Auch die Zeit spielt eine große Rolle.

“Es musste eine angemessene Zeit vergehen – dann würde ich wissen, worauf es ankam. Darauf musste ich warten. Wie man geduldig darauf wartet, dass das Telefon klingelt. Ich musste auf die Zeit vertrauen, dran glauben, dass sie auf meiner Seite war.” (S. 254)

Unser Alltag ist meist nicht allzu mysteriös.

Umso bereitwilliger nehmen wir uns den Vorfällen in Haruki Murakamis Romanen an und öffnen uns für diese Geschichten. Schlagen die Seiten auf und lassen uns ganz darauf ein, wieder mit Murakami in einen gedanklichen Brunnen zu steigen. Während über uns unser Leben vielleicht noch Wellen schlägt, sinken wir auf den Grund wo es nur noch uns und das Buch gibt.

Und was ist das wieder für ein Buch! Alle Musikliebhaber werden auch diesen Roman wieder mit Genuß lesen, speziell, wenn sie Opern-Fans sind. Die meisten Markierungen sind in meinem Exemplar an den Stellen, bei denen es sich um das Malen und das Erschaffen von Kunst dreht. Hier setzt Murakami für mich wieder kleine, feine Widerhaken, die sich zart in mich bohren und mich nicht loslassen wollen.

Ein kleiner Nachsatz sei mir an dieser Stelle gestattet.

Denn eine Frage, die mir auch gestellt wurde lautet: Ist es wieder ein echter, ein typischer Murakami? Zuerst will ich nicken, denn vieles kennen wir bereits aus seinen vorherigen Romanen und diese Kontinuität macht ja auch den großen Reiz aus. Allerdings fragte ich mich nach kurzem Zögern, warum manche (Kritiker) gefühlt mit einer inneren Checkliste herumlaufen – kommen diese und jene Elemente vor, ist das auch wieder mit dabei? Was hat es für einen Sinn oder Gehalt, diese Punkte abzuarbeiten um das Buch zu bewerten, statt sich lesend das Buch zu erobern? Sich zu fragen, was das Buch mit einem macht, auf welche Reise man sich gemeinsam begeben hat?

Aus den Dingen heraus, die über Haruki Murakami und sein Schreiben bekannt sind, würde ich sagen, dass es ihn persönlich wahrscheinlich kalt lassen wird, ob er auf einer fiktiven Murakami-Skala die höchste Punktzahl erreicht.         Was er sich aber meiner Vermutung nach wünschen würde ist, dass wir Leserinnen und Leser uns ein aufs andere Mal wieder auf seine Bücher freuen. Und uns verlieben.

Die Krimi-Reihe um Cormoran Strike von Robert Galbraith

Ich gebe es ehrlich zu – dass ich diese Krimi-Reihe nicht früher für mich entdeckt habe, ist ganz und gar meine Schuld. Ich bin ein großer Harry Potter Fan, J.K. Rowling hat mit diesen Büchern für immer einen Platz in meinem Leserherz. Und dann kamen die Krimis, unter dem Pseudonym Robert Galbraith, obwohl eben dieses nicht lange ein Geheimnis blieb. Und ich … zögerte. Ich bin sowieso keine große Krimi-Leserin und überhaupt, es reizte mich einfach nicht.

Nach einer kleinen OP lag ich also im Frühjahr auf meinem Sofa und durchforstete die Onleihe. Naja, reinlesen könnte ich ja einmal. Und zack – hatte ich innerhalb von zwei Wochen alle bisher erschienenen Bände (Der Ruf des Kuckucks, Der Seidenspinner, Die Ernte des Bösen) inhaliert. Die Krimi-Reihe um Cormoran Strike von Robert Galbraith weiterlesen

Geständnisse – Kanae Minato

Ich habe einen neuen Favoriten im Krimi-Regal. “Geständnisse” ist in Japan angesiedelt und mit jeder gelesenen Seite steigt die Spannung…denn die Autorin treibt nicht nur mit ihren Figuren ein perfides Katz-und-Maus-Spiel. Ein Krimi der etwas anderen Art, der bis zur letzten Seite spannend bleibt. Große Empfehlung!

Samariter – Jilliane Hoffman

Ich weiß noch, dass ich “Cupido” las und zart besaitet wie ich damals war, die halbe Nacht nicht schlafen konnte, weil ich meinen Balkon nicht verriegeln konnte … Hoffmans Thriller standen für mich also für Spannung und Gänsehautgefühl. Das kam bei diesem Krimi allerdings nicht so recht auf. Obwohl die Morde gewohnt brutal vonstatten gingen, lag der Fokus viel mehr auf der unfreiwilligen Zeugin und ihrem schleichenden Zusammenbruch. So richtig abgeholt hat mich das nicht, die Protagonisten wirkten hölzern, ich habe mir sehr viel Zeit gelassen, das Buch zu beenden. In diesem Falle, kein gutes Zeichen.

Die Anklage – John Grisham

Wer hat meinen John Grisham ersetzt?! Fing das Buch an wie ein klassischer Grisham (Lesen, Wohlfühlen, behaglich wie ein gemütliches und durchgesessenes Sofa…) so zerfaserte es immer mehr. Es gab einige sprachliche Entgleisungen, wo ich mich gefragt habe, ob ich gerade wirklich Grisham lese, zudem war der rote Faden zeitweise unter vielen anderen Fällen verdeckt. Man hatte das Gefühl, dass der Autor hier möglichst viel seines recherchierten Materials unterbringen wollte, was an sich auch hochspannend war – für meinen Geschmack aber in der Masse zuviel. Als Hardcover muss ich da ehrlich sagen: das ist zuviel Geld für einen mittelmässigen Fall…!

Geheimer Ort – Tana French

Bisher hatte ich noch nie etwas von Tana French gelesen. Durch eine Besprechung von hr-iNFO wurde ich auf den Krimi aufmerksam und futterte die 700 Seiten an zwei Tagen. Auch als Buchhändlerin gibt es doch immer Autoren, die man jahrelang vom Namen kennt und immer mal für Kunden bestellt, die trotzdem an einem vorbeiziehen. Was soll ich sagen: die Begeisterung für French war bei mir (und noch ausgeprägter bei meiner Kollegin) so groß, dass wir mittlerweile die komplette Backlist führen und verkaufen wie geschnitten Brot: Mission accomplished!

Die Falle – Melanie Raabe

Dieser Krimi begleitete mich auf der Fahrt zur Leipziger Buchmesse und wieder zurück. Es spricht für sich, dass ich, nach einem sehr langen Messetag, müde und hungrig, zuhause angekommen doch nicht gleich schlafen konnte. Ich musste, mit der letzten Energie des Tages die verbliebenen 30 Seiten noch lesen. Ein herrlich böses Kammerspiel, ein toller Krimi – ich will mehr davon!