Murakami und die Melodie des Lebens – Jay Rubin

Wer Haruki Murakami liebt, muss dieses Buch lesen, welches leider nur noch antiquarisch zu erwerben ist. Eine solche Fülle an Hintergrund zum Werk Murakamis, dabei in engener Zusammenarbeit mit dem Autor. Es hat nichts voyeuristisches, es ist wie eine neue Brücke, die Jay Rubin (einer seiner amerikanischen Übersetzer) uns zu seinem Werk schlägt. Zusammenhänge werden klarer, das Schaffen Murakamis bis 2004 wird begleitet. Ein sehr, sehr lesenswertes Buch, nach dessen Lektüre ich am allerliebsten jedes einzelne Buch von Murakami nochmal lesen wollte!

Nichts, was man fürchten müsste – Julian Barnes

Mit diesem Buch habe ich erstaunlich viel zu kämpfen gehabt, bedenkt man, dass ich Julian Barnes wirklich gerne lese. Ich glaube, ich hatte mir etwas anderes erwartet, eine noch persönlichere Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tode. Diese passiert zwar, allerdings nimmt Barnes sehr oft Bezug auf andere Schriftsteller und Künstler und zitiert diese häufig, setzt seine eigenen Erfahrungen in den Vergleich. Das las sich zuweilen sperrig, manchmal auch schwierig, gerade wenn man die erwähnten Persönlichkeiten nicht kennt.

28 Tage – David Safier

Safier stellt in seinem Roman, in dem er gewohnte Wege verlässt, eine Frage in den Vordergrund: Was für ein Mensch will ich sein? Es ist ihm anzurechnen, dass er aus persönlichen Gründen über eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte erzählen will. Ich kann mir vorstellen, dass er mit seinem Stil und seiner Perspektive vorallem Jugendliche ansprechen wird, denn eine gewisse Spannung und vorallem die Entscheidungen seiner jungen Protagonisten stehen im Vordergrund. Für mich ist aber genau da auch der Haken – ich find es schwierig, über eine wirklich grausame, menschenverachtende Zeit zu lesen und gleichzeitig das Gefühl zu haben, dass der Leser möglichst durch die erzeugte Spannung am Ball bleiben soll.

Kings of Nowhere – T.J. Forrester

Seitdem ich Picknick mit Bären von Bill Bryson gelesen habe, fasziniert mich der Appalachian Trail. Klar also, dass ich dieses feine, kleine Buch aus dem Blumenbar-Verlag aus dem Regal fischte. Drei Außenseiter auf einer Reise zu sich selbst – wohin diese führen wird, das wissen die Wanderer selbst nicht. Aber dass dieser Roman weit entfernt ist von Erleuchtung und spiritueller Selbstfindung – das kann ich euch sagen. Stattdessen ein wilder Ritt in Wanderschuhen, voller Angst, Drogen, Zweifeln und den Gedanken&Nöten derer, die am Rande des Trails leben.

Ganze Tage im Café – Sólveig Jónsdóttir

Manchmal brauche ich einen Schmöker. Nicht zu seicht, aber auch nicht zu schwer, mit Figuren die mich ansprechen, einer Umgebung, die ich so vielleicht noch nicht kannte. Volltreffer! Tatort: Island. Täter und Opfer: Vier junge Frauen. Was passiert? Das Leben – in jeglichen Facetten, in all seinen Höhen und Tiefen.

Sheila Levine ist tot und lebt in New York – Gail Parent

Eine kleine Zeitreise, die sehr slapstickartig beginnt, mit jüdischem Witz und Galgenhumor. Das Buch schlägt aber auch ernsthaftere Töne an und verliert ein wenig die Rasanz des Beginns, gewinnt dadurch aber nochmal an Tiefe. Eine ganz eigene Welt – die Welt von Sheila Levine. Begleiten wir sie ein Stück… denn der Weg lohnt!

Das grosse Los – Meike Winnemuth

Ich hatte den Blog zu ihrer Reise gelesen und war unsicher – wollte ich das alles nochmal lesen? Nachdem ich aber allenthalben Lob las, dachte ich: warum nicht. Und ja: auch wenn man den Blog kennt, lohnt sich die Lektüre. Die Aufteilung in Briefe an Freunde hat dem Ganzen einen persönlicheren Anstrich gegeben, angenehm auch, dass es kein feststehendes Schema gab und durchaus Unterschiede in ihrer Berichterstattung. Hier und da hätte ich mir ein in die Tiefe gehen gewünscht, andererseits ist es auch verständlich, wenn es innerhalb dieses Buches nicht stattfindet, das würde doch den Rahmen sprengen – im Endeffekt lässt das auch angenehm viel Platz für eigene Gedanken, Sehnsüchte und ein bisschen Fernweh.

Der Stundenzähler – Mitch Albom

Leider ist Albom eher Reporter, als Schrifsteller. Ich merke das wirklich deutlich: bei seinen beiden Büchern, bei denen er sich einer wahren Begebenheit annähert, mit lebenden Personen in Kontakt kommt und Recherche betreibt, bin ich begeistert. Versucht er, eine erfundene Geschichte zu schreiben, liest sich das für mich eher anstrengend. Obwohl die Ideen dahinter immer ganz schön sind, kann er es für mich nicht so transpotieren, wie er es in den beiden oben genannnten Büchern tat. Es bleibt an der Oberfläche. Schade!

And the mountains echoed – Khaled Hosseini

Wenn jemand den Titel „Geschichtenerzähler“ verdient, so ist es eindeutig Khaled Hosseini. Auch in seinem dritten Buch schafft er es wieder, ein ganzes Kaleidoskop an Geschichten, Schicksalen, Menschen, Gefühlen zu offenbaren. Anders als in vorherigen Büchern spielt dieser Roman an mehr Orten, umfasst eine größere Zeitspanne. Das tut dem Lesegenuß aber keinerlei Abbruch. Wieder ein sehr gelungener Roman!