Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

Es gibt Bücher, zu denen kehrt man gerne zurück. Die man nur widerstrebend beiseite legt, um sich im gleichen Moment darauf zu freuen, sie wieder zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Spannend, genau beobachtet und durchzogen von Erinnerungen, lässt dieser Roman, der fast ein Krimi sein könnte, keine Langeweile aufkommen, fesselt den Leser und obwohl er schon 700 Seiten umfasst, er hätte auch noch länger andauern können…Wunderbarer Schmökerstoff!

 

Wie ein Flügelschlag – Jutta Wilke

Eine gespannte Erwar­tung erfüllte mich, als ich das neue, wun­der­bar gestal­tete Buch von Jutta Wilke end­lich in den Hän­den hielt! Vom ers­ten Moment an steckte ich in der Geschichte von Jana, die als Leis­tungs­schwim­me­rin ein Sport­in­ter­nat besucht. Als ihre Klas­sen­ka­me­ra­din Mela­nie tot in der Schwimm­halle auf­ge­fun­den wird, ist Jana  ent­schlos­sen den Tod der Freun­din auf­zu­klä­ren – denn die offi­zi­elle Begrün­dung eines Herz­ver­sa­gens schluckt sie nach eini­gen selt­sa­men Bege­ben­hei­ten zuvor nicht mehr…

Die­ser Jugend­krimi lebt aber nicht nur von der bis zum Schluss gro­ßen Span­nung, er zeich­net sich beson­ders dadurch aus, das er einen ganz nah heran lässt an Janas Gefühle. Ich spürte die Was­ser­per­len auf mei­ner Haut, tauchte unter und fühlte die Frei­heit die Jana im Was­ser emp­fin­det, weit weg von der klam­mern­den Mut­ter, dem Leis­tungs­druck und der gan­zen Welt. Die Atmo­sphäre in der Schwimm­halle, die Ver­zweif­lung Janas die gegen Mau­ern des Schwei­gens anrennt — all das hat Jutta Wilke zu einem packen­den Jugend­krimi ver­ar­bei­tet, den ich an einem Abend ver­schlun­gen habe! Die­ses Buch ist kein Sprung ins kalte Was­ser, son­dern in bes­tes Lesegewässer!

Der Mann, der kein Mörder war – Hjorth & Rosenfeldt

Hier hat mich der Titel beim Auspacken der Neuheiten angesprochen und nachdem meine Kollegin dann auch noch meinte, sie könne mir ja ihr Leseexemplar mitbringen, nahm ich das zum Anlass, doch mal wieder einen Krimi zu lesen, was ich ja zugegebenermaßen selten tue. Und oftmals sind ja diese “Zufallsbücher”, die einem so über den Weg laufen, gerade genau das richtige. Ich sage nur: über 600 Seiten, ein Sofa und ein Sonntag – und ich war durch! Ein sehr sympathisches Ermittlerteam in Schweden, dazu ein unausstehlicher, eigenbrötlerischer Polizeipsychologe der seine ganz eigenen Gründe hat, sich in die Ermittlungen einzumischen – spannend bis zur letzten Seite, toller Plot und der Leser weiss sehr lange nicht, woran er ist. Definitiv meine Krimiempfehlung für 2011!

Paris Trout – Pete Dexter

Hier war ich eher enttäuscht. Das Buch hat sich für mich gezogen, die Geschichte kam nicht richtig in Gang und verlief sich wie Kaugummi der nicht recht vom Schuh will. Ich habe glaube ich eine ganz andere Auseinandersetzung mit Rassismus und Kleinstadt-Justiz erwartet und kam dann nicht klar. Ein bisschen schade, weil das Buch von einigen Kunden und Kollegen sehr geschätzt und oft empfohlen wurde, bei mir hat es leider nicht den Nerv getroffen.

Eine fast perfekte Affäre – Elizabeth Subercaseaux

Ich lese ja ab und an gerne mal ein Buch, was in einer Ecke der Welt spielt, die ich mit jemandem verbinde. In diesem Fall ist es meine Schwester, die für einige Zeit in Chile war. Schön in ähnlichen Straßen unterwegs zu sein. Der Titel beschreibt eigentlich den Inhalt schon perfekt – eine Affäre zwischen einer verheiraten Frau, Amalia und einem angesehenen Richter. Eines Morgens ist Amalia tot – erschossen von ihrem Geliebten. Doch die Affäre, die sie so sorgfältig unter Verschluss hielt, berührt doch noch 2 andere Menschen und ihre eigenen Geheimnisse – einen Reporter der unfreiwillig den Mörder flüchten sieht und durch den Vorall in einen Gewissenskonflikt gerät und die beste Freundin von Amalia – die verzweifelt versucht, die Wahrheit herauszufinden. Die “perfekte” Lösung ist Subercaseaux nicht so wichtig, vielmehr lotet sie die Grenzen zwischen den handelnden Personen aus, die eigenen Untiefen die durch das Verbrechen zutage treten und auch die Frage – wie hat Amalia gelebt und geliebt?

Liest sich sehr angenehm, eine leichte Sprache, aber nicht belanglos oder seicht. Keine typische Liebesgeschichte, sehr wohl aber eine Geschichte um die Liebe und ihre Auswirkungen…

Die Akte Rosenherz – Jan Seghers

Der mittlerweile 4. Marthaler-Krimi von Jan Seghers alias Matthias Altenburg ist da – und wieder ist es ihm gelungen, mich, den nicht-so-sehr-Krimi-Fan zu fesseln. Ich finde es hier sehr schwer, nicht vorweg zu greifen, daher nur so viel: ein spannender Fall der auf einem echten Kriminalfall beruht, verknüpft mit der Kunst-Szene – und Marthaler bricht ein wenig aus der gewohnten Routine aus und grade das verleiht dem Fall eine ganz eigene Qualität.

Mir hat dieser Marthaler wieder sehr gefallen, tolle Figuren und Szenerien, nicht zu durchsichtig, intelligent und mit Verve geschrieben – besonders beeindruckend fand ich einige Schilderungen aus dem Privatleben Marthalers – wers gelesen hat, wird mich verstehen.

Kam in den Genuß einer Lesung bei uns und kann nur wieder betonen, das Jan Seghers durch und durch ein sympathischer und angenehmer Zeitgenosse ist. Auch war es wieder ein Vergnügen, einige Aspekte des Buches mit dem Autor durchzudiskutieren! Ich kanns jedenfalls allen Krimi-Fans empfehlen, nicht nur die Hessen werden ihren Spaß haben!

Stumme Schreie – Karin Fossum

Mal wieder ein Skandinavien-Krimi, hatte lange nichts von Fossum gelesen. Sie erzählt hier meisterhaft, unterstützt von ihrem Kommissar Sejer, wie eine ganze Dorfgemeinschaft in gegenseitiges Mißtrauen verfällt, als der Mord an einer schönen, fremden Inderin passiert, grausam zugerichtet. Fossum lotet die Untiefen zwischen den Dorfbewohnern aus, mögliche Motive, dabei ist sie leise und eindringlich. Mir gefällt das Ruhige, Bedachte sehr gut an ihren Romanen, in diesem besonders die Tragik der Geschehnisse, die sie zum Anfassen nah schildert und man mitleidet. Gerade aufgrund seines Spannungsbogens manchmal fast eher ein reiner Roman als Krimi.

Das Herz ihrer Tochter – Jodi Picoult

Eine neue Picoult ist ja an sich ein Grund zur Freude. Fans ihrer Schreibe werden auch von diesem Buch sicherlich nicht enttäuscht werden, es ist wieder gut recherchiert, soweit ich das überblicken kann, absolut süffig zu lesen und ja, auch spannend. Die Grundidee ist die Organspende (Herz) eines Todeszelleninsassen. Allerdings möchte er sein Herz nicht irgendwem spenden – sondern der schwerkranken Tochter von June Nealon, deren Ehemann und andere Tochter er vor Jahren erschoß. Echte Reue? Was steckt dahinter?

Picoult berichtet wieder aus den unterschiedlichen Sichtweisen der handelnden Personen, stellt diesmal die männliche Sicht etwas in den Vordergrund. Was mich zu einer etwas verhaltenen Reaktion bringt, ist das sie nicht nur ein oder zwei Hauptthemen bzw. “heisse Eisen” im Feuer hat, sondern gleich 3 große Themen, die viel Erklärung und Wissen brauchen. Den ein oder anderen mag dieses Konstrukt ein wenig erschlagen, zumal eines der großen Themen die unterschiedlichen Weltreligionen recht intensiv beleuchtet. Das ist einfach nicht jedermanns Sache. Wer Picoult noch nicht kennt, dem würde ich eher andere Werke von ihr empfehlen, für den Einstieg. Trotz allem hat dieser Schmöker absolut das Recht, im Bücherregal zu stehen. Diskussionsbedarf bietet er jedenfalls reichlich!

Eismond – Jan Costin Wagner

Kann ein Deutscher wirklich gut einen Krimi schreiben, der in Finnland spielt? Ja, er kann! Eine sehr zurückhaltende, ruhige Sprache, dazu eine gewisse Grundtraurigkeit und interessante Charaktere rund um den Ermittler Kimmo Joentaa. Hat mir gut gefallen, erinnert ein wenig an Karin Fossum, deren schwedische Krimis ich auch sehr schätze. Ist ja der erste Krimi mit Kimmo, ich denke das dort der Grundstein gelegt wird, für weitere Entwicklungen. Gut gelungenes Debüt! Für alle Krimi Leser, die leise Zwischentöne schätzen und die Schönheit Finnlands.

Mörder ohne Gesicht – Henning Mankell

Mein Mann hat grade seine Wohnung in Malmö bekommen und mir wurde dann im Laden von meinen Kollegen gesagt, Ystad, wo die Wallander meist spielen wäre ziemlich nah dran und ich sollte es doch mal versuchen…okay, i try! Sonst hätte ich glaub ich eher keinen Mankell in die Hand genommen… Aber ich versuch es nun einfach mal, als Einstimmung auf Schweden nächstes Jahr! […]

Toll! War ja mein erster Mankell bzw. Wallander und ich hab eigentlich nicht erwartet, das es mir SO gut gefällt. Der etwas verquere Wallander(und sein Privatleben…ich mag es wenn man immer mal Einblicke bekommt), ein spannender Fall mit richtig Geschichte drumherum, irgendwann hatte man den Kollegenkreis von Wallander auch im Kopf…und natürlich spielt es in Schweden was für mich grade recht wichtig ist…habs total schnell durchgehabt und war begeistert – werd mir nun nach und nach die restlichen Bände besorgen!  Bin immer noch überrascht, hab heute herrliche Lesestunden damit verbracht!