28 Tage – David Safier

Safier stellt in seinem Roman, in dem er gewohnte Wege verlässt, eine Frage in den Vordergrund: Was für ein Mensch will ich sein? Es ist ihm anzurechnen, dass er aus persönlichen Gründen über eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte erzählen will. Ich kann mir vorstellen, dass er mit seinem Stil und seiner Perspektive vorallem Jugendliche ansprechen wird, denn eine gewisse Spannung und vorallem die Entscheidungen seiner jungen Protagonisten stehen im Vordergrund. Für mich ist aber genau da auch der Haken – ich find es schwierig, über eine wirklich grausame, menschenverachtende Zeit zu lesen und gleichzeitig das Gefühl zu haben, dass der Leser möglichst durch die erzeugte Spannung am Ball bleiben soll.

Die Teilacher – Michel Bergmann

Dieses Buch habe ich von einer sehr lieben Freundin empfohlen bekommen. Die Teilacher (eine Bezeichnung aus dem Jiddischen für die jüdischen Haustürvertreter) beschreibt eine Gruppe dieser Händler in Frankfurt nach Ende des Krieges. Wir haben es (aufgrund der Nähe zu Frankfurt) sowieso schon ganz gut verkauft und wie es dann so ist – man will dieses Buch gerne lesen, was so läuft wie geschnitten Brot, es ist aber nicht die rechte Zeit dazu. Nun endlich habe ich es gelesen und fragte mich: Warum nicht schon früher? So ein feines Buch!

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll: der Mut dieser Männer, zurückzukommen, neu anzufangen? Die jiddischen Begriffe, eine Sprache die mir auf unbekannte Weise nahe geht? Die Chuzpe, mit der geschildert wird, wie sich die Teilacher durchschlagen? Das Erkennen von Straßen, Plätzen, Häusern innerhalb Frankfurts? Die wirklich spannende und bewegende Geschichte, in der sowohl Leid als auch der jüdische Humor immer wieder durchblitzen? Der pragmatische und doch so für sich einnehmende Stil? Es ist ein beeindruckendes Buch und ich freue mich schon auf “Machloikes“!