Englischer Harem – Anthony McCarten

Oft kommt die Anfrage: Ich brauche was zu lesen. Es soll Witz haben, gut erzählt und spannend sein. Aber nicht zu seicht, nicht zu hohe Literatur – eine packende Geschichte mit ungewöhnlichem Thema. Ab heute kann ich all diesen Menschen dieses Buch nur ans Herz legen.Ich habe einen herrlichen Urlaubstag damit verbracht und finde es richtig, richtig toll!

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dieser Geschichte durchaus um einen Mann und seine 3 Frauen. Allerdings ist in diesem Roman auch nichts wie es scheint – McCarten spielt mit den Klischees und den Erwartungen des Lesers, packt seine Gesellschaftskritik in schön gestaltete Szenen und auf 582 Seiten kommt kein bisschen Langeweile auf. Als Tracy Pringle, 20 Jahre und Supermarktkassiererin ihren Eltern verkündet das sie heiraten wird, sind diese entsetzt. Als sie mitbekommen das der Auserwählte Perser ist und bereits 2 Frauen hat – Schock! Aber das ist nur der Anfang dieses grandios erzählten Romans der einen in seinen Bann zieht – mit sehr viel Witz, Weisheit, einem Aufruf für Toleranz…McCarten gelingt es sehr authentisch, die verschiedenen Kulturen zu mischen und sie zu Wort kommen zu lassen – kein erhobener Zeigefinger, wohl aber ein kluges Hinterfragen der eigenen, doch allzu oft festgezurrten Meinung. Gespickt mit vielen absolut tollen Sätzen, die mich beeindruckt haben!

“Was ist denn Schlimmes daran, wenn manch einer mit dem Leben einen Kompromiss schließt? Wer hat ein Recht zu urteilen, wenn er nichts weiß über das Wie, Warum und Wozu? Das habe ich in meinem Leben gelernt – nach ein oder zwei Schiffbrüchen, da hält man sich an jedem Stück Treibgut fest, nur um zu überleben.”

Der goldene Kompass (1-3) – Philipp Pullmann

Die letzten Tage habe ich “Der goldene Kompass” von Philipp Pullmann gelesen und jetzt sitze ich an den letzten etwa 100 Seiten vom zweiten Teil “Das magische Messer”. Jetzt wo der Film anläuft wollte ich die Bücher unbedingt vorher gelesen haben

Der erste Teil ist sehr spannend, allerdings bin ich jetzt beim zweiten nochmal ganz anders begeistert, es kommt mir fast wie zwei unabhängige Bücher vor. Mir gefallen die Namen und die vielen Einfälle, hier gibt es meiner Meinung nach keinen natürlichen Spannungsbogen sondern ständig eine Kehrtwendung, unterschiedliche Perspektiven, so das man nie weiss was auf der nächsten Seite kommt. Das empfinde ich als sehr ungewöhnlich.

Ich hatte angenommen, mehr einem Kinderbuch zu begegnen, jetzt würde ich es aber erst ab 12 empfehlen, fast schon 13. Es sterben doch einige Personen (und das fast “undramatisch”) und die Beschreibung von Soldatenheeren mit Maschinengewehren die auf einen Trupp Kinder zielen – also für einen 10jährigen finde ich das viel…Zudem gibt es ja auch noch einen politischen und naturwissenschaftlichen roten Faden den ich als Erwachsene schon nicht sofort verstehe – ich fände das etwas viel. Bei HP z.B. habe ich das Gefühl man wird langsam herangeführt an alles, hat Zeit sich zu gewöhnen, hier wird man direkt reingeworfen.

Trotzdem, es sind spannende, ungewöhnliche Bücher. Denke den dritten Teil werde ich heute noch beginnen..heute Abend geht es ins Kino … denke aber man kann das filmisch sehr schwer umsetzen, die Charaktere – ja, die sind sehr gut dazu geeignet, aber die vielen einzelnen Stränge der Handlung…das stelle ich mir schwer vor…[…]
Habe die Trilogie “Der goldene Kompass” jetzt durch und bin ganz klar der Meinung: Der erste Band ist ganz schön, fast eine eigene Geschichte. Der zweite Band ist total klasse, sehr spannend und gefällt mir richtig gut. Mit dem dritten habe ich mich trotz Spannung recht schwer getan – die Verwicklungen kirchlich/politisch waren zwar abzusehen, aber irgendwie waren da plötzlich soviele “Baustellen” an Leuten/Völkern/Meinungen – etwas zu viel des Guten. Zumal der Autor manchmal einfach Wendungen benutzt wo ich mir denke “Okay, das ist jetzt wieder Kinderbuch” und dann wieder was total heftiges passiert. Das ist einfach ein Stilbruch. Aber es gibt auch viele sehr schöne Szenen, Dr. Malone gefällt mir ziemlich gut z.B.

Ps: Vom Film war ich mehr als enttäuscht…

Ihr ständiger Begleiter – Claudia Schreiber

Also, die Frau Schreiber war gut zu lesen. Beziehungsweise, das Buch bringt einen dazu über Religion und ihre Extreme nachzudenken, sie in Frage zu stellen. Es hat immer noch ihren Stil, allerdings ist es mit Emmas Glück nicht unbedingt vergleichbar. Trotzdem wirklich lesenswert, allein schon wegen der  ungewöhnlichen Darstellung “Gottes”.