Alabama Song – Gilles Leroy

Wer kennt sie nicht: DAS Paar der Roaring Twenties – F.Scott Fitzgerald und Zelda Fitzgerald. Allerdings ist meist mehr über ihn bekannt – das auch seine Frau eine begabte Schriftstellerin war, der Autor geradezu andeutet, das ihr Mann bei ihr klaute…das ist schon unbekannter. Leroy mischtsein Buch aus der Biographie dieser bemerkenswerten Frau und es  eigenerVorstellungen – es könnte so gewesen sein. Insgesamt zeichnet das Buch eine interessante, zerissene Frau nach, eine Ehe in der es wenig Gemeinschaft gibt, 2 die nicht ohne einander sein können, aber auch nicht miteinander können. Wer sich für diese Epoche und Biographisches interessiert, wird an diesem Buch Freude haben. Ich fand es auch ansprechend, es hat einige ganz tolle Szenerien und wunderschöne Sätze, allerdings blieb mir doch zuvieles fremd. Ein ganz typischer Kandidat für “Ist Geschmackssache!”.

Vatermord und andere Familienvergnügen – Steve Toltz

Was für ein Roman! Nicht nur das er ziemlich dick ist, nein, er ist auch wirklich ein beeindruckendes Debüt eines Australiers! Der gute Herr Toltz hat ein klasse Leben vor sich, wenn er so weiterschreibt. Dieser Roman hat alles – irrwitzige Ideen, eine Verbrecher-Geschichte in der nichts so ist, wie es auf den ersten (einfachen) Blick scheint, Vater-Sohn-Erlebnisse der ganz anderen Art und viel philosophischen und skurrilen Witz. Ich habe viel gelacht, den Kopf geschüttelt, habe das Buch ungern weggelegt. Der Autor wechselt zwischen einigen Erzählpassagen hin und her – zu meinen Lieblingen gehört definitiv der Anfang, der als Erzählung des Vaters an den jungen Sohn gestaltet ist, als er ihn darüber aufklärt, das sein Onkel einer der meistgesuchten Verbrecher Australiens war… Erfrischend und so voller Charme des unangespassten. Mich hat das Buch durchweg begeistert, auch wenn Toltz an einigen wenigen Stellen etwas in Nebenhandlungen abgleitet, so bereiten diese nur den Weg zum furiosen Finale und müssen im Nachhinein genau dort stehen. Ein Feuerwerk, das sich perfekt über 800 Seiten selbst abfackelt…;-)

Das Regenorchester – Hans-Jörg Schertenleib

Zwei wunderschöne Geschichten werden hier verwoben: die des Schweizer Schriftstellers, der nach Irland ausgewandert ist um hier zum Schreiben zu finden. Nachdem seine Frau ihn verlässt, trifft er auf Niahm, eine etwas rätselhafte Irin, die ihn, es scheint fast so als spüre sie, er braucht eine Aufgabe, zum Chronisten ihres Lebens macht. Wunderschöne Sprache, die Verletzbarkeit einer Trennung fast zu schmerzlich geschildert… Mit der Lebensgeschichte von Niahm entsteht vor einem ein ganzes Leben das nicht immer war, wie es sein sollte. Wer von beiden mehr von dieser Freundschaft hat, weiss man garnicht zu sagen. Traurig, schön und ein aussergewöhnliches Buch, das in einer Ecke Hoffnung aufblitzen lässt…

Es wird mir fehlen, das Leben – Ruth Picardie

Zu diesem Buch kann ich eigentlich nur sagen, das es mich sehr tief berührt hat. Ruth Picardie war Journalistin, frischgebackene Mutter von Zwillingen und hatte eine so wunderbare Schreibe. Sie nahm den Kampf gegen den Krebs an, schrieb gegen ihn an, schrieb über das Leben mit ihm und die Angst vorm Sterben und das ganze so entwaffnend ehrlich, so berührend, das ich das ganze Buch über immer wieder Tränen wegwischen musste. In diesem Buch sind ihre Kolumnen und viele Mails und Briefe versammelt, die sie in dieser Zeit schrieb. Das Buch hat mich bewegt und ist etwas, was ich immer wieder aus dem Schrank holen werde…

Dein Herzensprinz, Prinzessin – Meg Cabot

Mit diesem zehnten Band findet die Reihe um Prinzessin Mia ihren Abschluss, pünktlich zur Volljährigkeit der Prinzessin. Mir hat er wieder deutlich besser gefallen als Band 9, den ich als etwas karg empfand. Hier ist wieder der Charme der Vorgängerbände zu spüren, das Drama, die herrische Grandmeré von Mia, die Liebe und die Frage – wer ist denn nun der Herzensprinz? Und natürlich: jede Menge Chaos. Außerdem sorgen Mias erste schriftstellerische Versuche für Abwechslung. Für mich ein gelungenes Ende!

Perlmanns Schweigen – Pascal Mercier

Puh, “Perlmanns Schweigen”  ist mit 637 Seiten nicht grade kurz geraten. Und es ist auch kein Buch das ich jederzeit zur Hand nehmen kann. Es ist von allem ein bisschen: Selbstfindungsroman, Krimi, philosophisch-sprachwissenschaftlich … grade das hat es mir manchmal etwas schwer gemacht, ich denke ich habe nicht alles immer verstanden, was dort behandelt wurde.
Perlmann ist Sprachwissenschaftler, allerdings schon länger nicht mehr innerlich “voll bei der Sache”. Bei einem Kongress den er an sich leitet, entgleitet ihm die Situation nach und nach und bringt ihn an moralische und physische Grenzen…
Spannend ist es trotz sehr großer “Langsamkeit” auf jedenfall, auch wenn die anderen Charaktere sich innerhalb der Zeit kaum entwickeln, hat man die Szenerie und die einzelnen anderen Teilnehmer dieses “Kongresses” direkt vor Augen. Man braucht ein bisschen Geduld, aber die hat sich für mich trotzdem gelohnt.

Ein eigenes Zimmer – Virgina Woolf

Nachdem ich daran relativ lange saß (zum einen weil es relativ “sprunghaft” geschrieben ist, zum anderen weil ich mich damit auseinandersetzen musste wie aktuell einige Ansichten von ihr doch immernoch sind…trotz das sie fast 100 Jahre her sind..). Ich fand es gut, aber man muss natürlich damit rechnen das man nicht jede literarische/persönliche Fußnote, Anspielung versteht. Viele Quintessenzen von ihr haben mir sehr gefallen und ich finde sie ist wirklich eine interessante, intelligente Frau gewesen, mit einer tiefen Seele. Trotzdem, es ist nichts zum Schnell-Weglesen und auch nicht ganz leicht. Gelesen hab ichs aber doch gern.

Freedom Writers – Erin Gruwell

Vielleicht hat ja jemand den Film gesehen. Eine junge, ehrgeizige Englischlehrerin beginnt, nachdem sie eine rassistische Karikatur im Klassenraum findet, mit ihren Schülern (eine “Problemklasse”) das “Tagebuch der Anne Frank” und andere Literatur über Jugendliche und ihre Erfahrungen zu lesen. Die Kids schreiben anonym Tagebuch über ihre Englischstunden. Diese Einträge sind sehr ehrlich, ungeschönt und sehr fesselnd. Mich fasziniert es schon sehr, wie sich einige Jugendliche im Laufe des Buches verändern, wie sich der Geist dieser Klasse erschliesst – aber auch, das es eben kein Hollywood-Ende gibt.

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100% Mädchen sah – Haruki Murakami

Ich las die Titelgeschichte und dachte nur “Wahnsinn, wie schön ist das denn!” Der Mann ist ein Wahnsinn..mit so wenigen Worten, mit so kunstvollen Sätzen..mit Genialität kann man da nur sagen. Würde am liebsten jede Geschichte lesen, nochmal lesen und dann 1-2 Stunden drüber nachdenken. Wow. Murakami ist einer der wenigen, der Kurzgeschichten richtg beherrscht – außerdem für mich der einzige, dem ich ein unklares Ende immer verzeihe!