Kreativität – Melanie Raabe

Liebe Melanie,

ich glaube, ich habe mich auf nur wenige Bücher in diesem Herbst so sehr gefreut, wie auf  dein Buch „Kreativität“. Dieses Jahr hat schon so einiges von uns allen abverlangt und ich habe das Gefühl, vieles ist dabei auf der Strecke geblieben. Die Zeit war oft knapp, meine Wahrnehmung, nicht allem gerecht zu werden überwältigend groß. So auf den Kopf gestellt, habe ich einige Dinge in meinem Leben auf den Prüfstand gestellt. Dabei habe ich die ein oder andere überraschende Entdeckung gemacht, neue Prioritäten gefunden und mich verändert.

Gleichzeitig habe ich mich ein wenig gelähmt gefühlt – ich habe so wenig geschrieben wie noch nie, der Blog lag häufig brach. Und auch wenn ich glaube, dass es vollkommen richtig war, zu versuchen, erstmal an einem Stück durch diese herausfordernden Zeiten zu kommen, auch wenn ich überzeugt davon bin, dass man nicht ausgerechnet in einer globalen Pandemie seine schaffenswütigste Phase haben muss: Es ist doch nicht die ganze Geschichte. Denn ich war, all den guten Gründen, die ich mir selbst und anderen erzählte zum Trotz, ganz schön unglücklich mit diesem „unkreativen“ Zustand.

Ich öffnete dein Buch in der Hoffnung, eine Art von Schlüssel zu meiner verschütteten Kreativität zu finden. Was ich bekam, liebe Mel, war zunächst eine heftig blinkende Glühbirne über meinem Kopf. 

Denn während ich das Gefühl hatte, im letzten Jahr so wenig wie nie zuvor für meine künstlerischen Ideen getan zu haben, hast Du dafür gesorgt, dass ich kapiert habe, dass ich mitnichten untätig war. Ich war es vielleicht nicht auf dem klassischen Weg, aber ich WAR kreativ.

Kreativität hat oft in irgendeiner Form mit Problemlösen zu tun.

Als ich diesen Satz auf Seite 17 lese, merke ich auf. Während des vergangenen Jahres nutzte ich meine Kreativität vielleicht nicht dafür, neue Gedichte zu schreiben. Aber ich löste eine ganze Reihe von Problemen. Ich brainstormte mit meinen Kolleginnen und Kollegen, wie wir die Schließzeiten des Buchladens überstehen sollten. Wir entwickelten ein neues Format für eine beliebte Veranstaltung. Ich bildete mich in einem Grafikprogramm weiter, um Inhalte besser transportieren zu können als bisher. Zu Halloween baute ich eine kontaktlose Möglichkeit der Süßigkeitenübergabe und schmückte das Haus mit viel Spaß, um anderen eine Freude zu machen. Ich bemalte ein großes Plakat für den runden Geburtstag einer Freundin, deren Feier ausfallen musste und hängte es mitten in der Nacht an ihrem Haus auf.

Dieser Ansatz, liebe Mel, für mich ein GAMECHANGER. Zu bemerken, für wie selbstverständlich ich diesen ganzen Output meinerseits genommen habe und wie sehr ich mich darin verheddert habe, zu wenig am Schreibtisch zustande zu bringen. Dabei zeigte sich meine Kreativität dieses Jahr nur an anderen Stellen als gewohnt…

Kreativität im Alltag

Ungefähr nach der Hälfte deines Buches setze ich mich aufs Rad, die Gedanken auslüften. Und während ich so in die Pedale trete, denke ich weiter nach. Das, was mir so absolut alltäglich erscheint, nämlich, sich mehrmals die Woche mit meinem Sohn eine Geschichte auszudenken, in der exakt drei Begriffe (und es sind immer die gleichen!) vorkommen müssen, ist ein Akt der Kreativität. Es ist herausfordernd, immer neue Ideen zu haben, aber wir machen es mittlerweile seit vielen Jahren und ich liebe diese besonderen Geschichtenerzähl-Momente zwischen uns. Es ist vermutlich und hoffentlich etwas, woran er sich später einmal erinnern wird.

Ich denke an meine Eltern und wie sie mir, vermutlich genauso unbewusst beigebracht haben, kreativ zu sein. Meine Mama, die aus einem einfachen Brotteig Kunstwerke entstehen ließ, die durch vermeintliche Begrenzungen wunderbares schaffen konnte. Mein Vater, der aus einfachen Spaziergängen eine Familienolypmiade machte. Beide haben mich geprägt und mir beigebracht, aus dem, was das Leben dir gibt, aus dem Alltag und auch schwierigen Zeiten das Besondere entstehen zu lassen. Durch dein Buch wird mir bewusst, was für eine wertvolle Lektion diese beiden Menschen mir da mitgegeben haben, die ich aus den Augen verloren hatte.

Während ich dein Buch lese, habe ich das Gefühl, dass Du mir keinen Schlüssel in die Hand gegeben hast, sondern mir liebevoll gezeigt hast, dass ich bereits die ganze Zeit in meinem kreativen inneren Atelier stand. Ich hatte vielleicht andere Werkzeuge in der Hand als sonst, aber da sind Farbkleckse an der Wand, da springen Ideen umher und da stecken noch viele Möglichkeiten in den verwinkelten Ecken. Und abgesehen von den vielen AHA-Momenten hast Du mir wieder unglaubliche Lust auf kreatives Arbeiten vermittelt.

Einmal lesen reicht noch nicht.

Ich habe Dir ja am Anfang geschrieben, wie sehr ich mich auf dein Buch gefreut habe. Und jetzt freue ich mich noch mehr darauf, es morgen erneut zu lesen. Denn es steckt voller kluger Gedanken, es ist hochinspirierend (so viele großartige Zitate, Buchtipps, TED-Talks, es ist ein Fest!). Es ist randvoll mit wertvollen Tipps, mit liebevoller Ermutigung, als würdest Du mit mir in deinem Lieblingscafé sitzen und ein intensives Gespräch mit mir führen. Du setzt in jedem Abschnitt kleine Widerhaken mit Fragen und Reflektionen, die mich herausfordern, mit denen ich arbeiten und die ich für mich beantworten möchte.

Liebe Melanie, du gehörst zu den Personen, die mich inspirieren, die mir (gemeinsam mit Laura in eurem grandiosen Podcast Raabe&Kampf) schon soviel gegeben hat. Deine Sicht auf die Welt, auf Kreativität und das Erschaffen ist unglaublich bereichernd. Ich gratuliere Dir von Herzen zum Erscheinen deines Buches. Der Untertitel von Kreativität lautet „Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht“ Ich bin überzeugt, dass die Leser*innen deines Sachbuchs sich nach der Lektüre genauso fühlen werden – ermutigt, bestärkt und eine ganze Ecke glücklicher. Danke, dass Du dieses Buch geschrieben hast – von Herzen!

Alles Liebe,

Sarah

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