Leipziger Buchmesse 2015 #lbm15

Dieses Jahr war ich also nach neun Jahren Abstinenz mal wieder in Leipzig auf der Messe. Die Frankfurter Buchmesse ist für mich ja ein Heimspiel und dort war ich nun 12 Jahre in Folge…es wurde also mal wieder Zeit! Und ich habe den Entschluss nicht bereut: auch insgesamt neun Stunden Fahrzeit an einem Tag konnten daran nichts ändern.

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Leipzig ist anders. Viele sagen, es wäre die Publikumsmesse, die Messe der Bücher, der vielen Lesungen, kleiner, mehr Zeit für Treffen. Für mich ist Leipzig überschaubarer als Frankfurt – und schlicht nicht vergleichbar.

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Kreatives und Buntes

Was mich begeistert hat, war die Kreativität, die dort sprudelte, viele junge Menschen im Verlagswesen, Design, Kunststudenten, Zusammenschlüsse, Kreativorte, literarische Gruppierungen. Das hatte einen tollen Charakter. Die vielen, vielen Lesungen, an quasi jeder Ecke – tolle Sache, aber mit nur einem Tag Zeit, da war selten Gelegenheit, wirklich länger zuzuhören. Aber hier und da blieb man doch mal hängen, bei einem besonderen Satz (Gila Lustiger!Mirjam Pressler!), einem gelungenen Slam, einer Lachsalve. Nach Frankfurt würde ich meinen Sohn erst in einigen Jahren mitnehmen. Nach Leipzig wahrscheinlich sofort: es gab tolle Angebote für Kinder, einen liebevoll bespielten Bereich, wo Kinder vor allem eines sein konnten: kreativ! Sich ausprobieren, etwas herstellen, Buchluft schnuppern. Das hat mir ausnehmend gut gefallen.

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Ich wollte dieses Jahr auf der Messe drei Dinge tun: kleine und unabhängige Verlage aufsuchen, meine Wunschliste für den Indiebookday verlängern und viele Menschen aus der Branche und dem Netz treffen. Der Plan ging auf: Nachdem ich bei Hermann Schmidt Verlag Mainz meine Wunschliste bis ins Unendliche verlängert hatte (u.a. mit diesem und diesem und diesem Buch hier…) und einen netten Plausch darüber hatte, wie man diese gestalterisch fantastischen Bücher besser in Buchhandlungen präsentieren konnte, ging es schon weiter zu Binooki. Hier hatte sich vor kurzem ein schöner Kontakt ergeben: ich hatte zum Indiebookday ein Schaufenster gestaltet und dieses online gestellt – binooki bedankte sich mit “Fragmente” von Semrah Erbes. Aus dem kurzen “Hallo” entwickelte sich ein nettes Gespräch über Indies, Literatur und natürlich traf ich dort auch den Literaturpirat, der gefühlt immer am Stand von Binooki abhängt – nach diesem Treffen kann ich Dich verstehen, Chris ;-).

Beim Verbrecher Verlag wuchs die Wunschliste weiter (dieses Buch und hier und dieses  ) und ich hatte einen kurzen Schwatz über Gestaltung und wieviele Bücher eigentlich in eine Wohnung passen und ob man trotzdem immer weiter kaufen darf. Auch schön, dass mein youtube-Video über “Eine Tonne für Frau Scholz” noch bekannt war – es ist immer schön, wenn Verlage bei solchen Aktionen wie der Herbstlese das Endergebnis teilen und verbreiten.

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Der Messerucksack

Beim schönsten Sofa der Messe (no kidding!) dürfte Pinkfisch sich erstmal poetisieren lassen. Das Verlagshaus J.Frank ist einfach so, ich sags gerne nochmal: wunderbar! Rockig, witzig, schräg, mit einem riesigen Herz für Poetik und das Besondere. Im Gespräch spürte man, wieviel Leidenschaft in diesem Team steckt. Und dass ich am Ende, den letzten Button von Verlegerrevers gepflückt bekam, damit dieser meinen Messerucksack schmücken kann – priceless.

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Die Indierunde endete natürlich, wie könnte es anders sein, bei mairisch – den Initiatoren des Indiebookdays. Nachdem wir eine örtliche Gemeinsamkeit entdeckten, fühlte man sich gleich noch ein wenig verbundener ;-). Auch hier: ein Team mit Spaß an der Sache, mit Büchern, die mich begeistern (für die Liste: Klick und Klick), mit dem Willen und der Kraft, den Indiebookday groß zu machen. Mehr davon, liebe Buchbranche, mehr davon!

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung, gerade mit dem Kontakt, der sich in den letzen Wochen über die sozialen Netzwerke zwecks Indiebookday ergeben hat, nochmal die Menschen hinter den Likes und Bildern kennenzulernen. Sowohl als Buchhändlerin, als auch hier bei Pinkfisch macht es mich glücklich, tolle Bücher aus engagierten Verlagen kennenzulernen und diese ins Sortiment aufzunehmen oder auf dem Blog zu beschwärmen.

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Bei Dumont traf ich nicht nur Frau Waltermann wieder sondern auch Dagmar die Geschichtenagentin und Vera von glasperlenspiel13, die mir per handschriftlicher “Leipziger Messe Gesetz” Widmung den Weg in die Bloggerlounge ebnete (Danke! :-*). Bei Diogenes gab es eine wunderhübsche Banana Yoshimoto Ausgabe für mich, ich stöberte bei Secession (noch was für die Liste) und Metrolit (definitiv noch für die Liste!). Bei Hoffmann & Campe hatte ich Glück und traf die entzückende Karla Paul (Was ist ihr Geheimnis? Online, Offline, immer sympathisch und mit einem Lächeln?). Bei vielen der etwas größeren Verlage ein kurzes Hallo mit unseren Verlagsvertretern, ein Gruß, ein Austausch, bis zum Herbst.

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Die erste Pause dann in der Bloggerlounge: über Sinn und Unsinn von Schuh-Selfies fachsimpeln, das Sitzen genießen und ich habe mich sehr gefreut, auf Mara zu treffen. Mara gibt es hier übrigens live zu sehen (genauso wie Sophie von Literaturen – da war ich leider einen Tag zu spät, um sie zu treffen). Es freut mich sehr, dass Bewegung in die ganze Blogger-Welt kommt und sich die Wahrnehmung verschiebt. Die Einrichtung der Bloggerlounge: ein guter, erster Schritt: ein zentraler Treffpunkt, an dem ich über den Tag den ein oder anderen erkannt habe, neue Kontakte geknüpft habe und der Austausch einfach unheimlich nett war. Das Projekt “Litaffin” kannte ich bis dahin noch garnicht, es war schön, Holly von “Umblättern” kennenzulernen und Katharina von “Textverliebt.” wiederzutreffen. Irgendwann gab es auch mal ein Gruppenfoto: unsere Frage, ob es für das Cover der Glamour oder der Vogue sein würde, blieb unbeantwortet, also dürfen wir uns wohl noch überraschen lassen ;-)))

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Kurz vor Schluss traf ich dann wieder das Team von “Was liest Du?“, was mich besonders gefreut hat: die beiden sind einfach große Klasse! Die Preisverleihung von “Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2014″ lief wunderbar, die Leute standen jedenfalls bis auf den Gang und ich traf die beiden in bester Stimmung vor. Dort dürfte ich mich dann über den Text von Jan Drees freuen und einen kurzen Schnack und das Siegerfoto mit Thomas Spitzer (für: “Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht” und dem Team schiessen: das nenne ich mal zur rechten Zeit am rechten Ort

dTorsten und Maren von “Was liest Du?”

Den Siegertitel dürfte ich dann auch noch mit nach Hause nehmen und so haben sich also doch drei Bücher in meine Tasche geschmuggelt.

Ein bewegender Moment: auf dem Weg nach draussen sang der Buchmessechor Jeruschalajim schel sahaw, auf den Stufen einer der berühmten Treppen, im Refrain in Begleitung des Publikums. Gänsehaut. Wunderschön.

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Einzig die Heimfahrt gestaltete sich als wahre Zitterpartie. Nachdem die S-Bahnen nicht fuhren wie sie sollten, dann, kaum einen Platz ergattert, nicht losfuhren und die Trams hoffnungslos überfüllt waren. So konnte ich nur dank netten Mitmenschen, die mir den letzten Tramplatz gönnten und den Tipps einer netten Mitfahrerin, wie ich am schnellsten zum Gleis komme (danke für das nette Gespräch über eBooks!) und einem Sprint (leider mit Sturz – sorry an diejenigen, denen ich in die Füße gefallen bin, aber ehrlich gestanden, der Sturz war schon schmerzhaft genug…) den Zug erreichen. Auf Gleis 7, um festzustellen, der IC fuhr auf Gleis 12… aber selbst das schaffte ich noch. Das nächste Mal plane ich dann 1,5 Stunden Pufferzeit statt 50 Minuten ;-).

Im Zug dann in Melanie Raabes “Die Falle” versinken und irgendwann feststellen, dass die netten Kollegen des Sortimenter-Ausschusses vier Reihen weiter auch auf dem Weg nach Hause waren: die Buchbranche ist eben doch ein Dorf.

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Die Nachlese

Leipzig – Du siehst mich wieder. Nächstes Jahr dann vielleicht mit Hotelzimmer und zwei Tagen Zeit!

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Ps: Ein ganz besonderer Dank an die Leipziger Messe, die mich als Buchhändlerin eingeladen hat und an eine der treuesten Pinkfisch-Leserinnen, die mir die Reise überhaupt erst ermöglicht hat. I had a blast!

One thought on “Leipziger Buchmesse 2015 #lbm15”

  1. Schöner Bericht und ein tolles Foto von dir!
    Mir gefällt es sehr, dass du jetzt scheinbar mit dem neuen Design auch ab und an aus dem aktuellem Pinkfisch-Leben plauderst. :-*

    Fetten Knutsch an dich!

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