Elefant – Martin Suter

Ein kleiner, rosafarbener Elefant. Ein pinker Fisch. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei der Sache Aber auch fernab von zufällig vorhandenen Farbvorlieben hat mich Suter wieder vollends überzeugt, als Großmeister des intelligent-gewitzten Unterhaltungsromans. Das kann er, darin macht ihm so schnell keiner etwas vor. Und ich begebe mich, mal wieder und mit großer Vorfreude in ein wahres Lesevergnügen und folge den Spuren des rund 20cm großen, im Dunkeln leuchtenden, rosafarbenen Elefanten, dessen schiere Existenz nicht wenige Menschen ganz schön ins Schwitzen bringen dürfte. Solch eine Kostbarkeit erweckt Begehrlichkeiten, doch nicht alle sind der Meinung, dass dieses besondere Geschöpf in die Öffentlichkeit gelangen sollte…

Das Jahr 2017 ist noch recht frisch und doch habe ich mit “Elefant” schon einen meiner Lieblinge für das Frühjahrsprogramm gefunden!

 

Nachtlesung in der Krypta mit Nadja Küchenmeister

Manchmal veredelt der Ort, an dem eine Lesung stattfindet, die gesprochenen Worte. Als wir in die Krypta des Grossmünsters in Zürich kommen, ist es noch hell und wir nehmen den Raum in Augenschein. Karg, zurückhaltend, die Mauern könnten viele Geschichten erzählen, würden sie sprechen können. So bleibt nur eine Ahnung, ein Flüstern. Das Licht erlischt, es wird dunkel, geradezu andachtsvoll. Kerzenlicht erhellt den Raum nur leicht, flackernde Schatten an den Wänden.

Und dann – liest Nadja Küchenmeister und sie hat mich schon nach dem ersten Gedicht für sich eingenommen. Unaufgeregt und doch mit einer Ernsthaftigkeit, die tief geht, trägt sie ihre Gedichte vor, findet den roten Faden mit uns gemeinsam. Ihre Darbietung wird von der Sängerin und Gitarristin Nadja Zela begleitet – beide gehen ganz in ihrer Kunst auf. Die Mischung ist reizvoll und ergänzt sich gut, musikalische und sprachliche Melodie treffen sich auf ein Stelldichein.

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Es herrscht gespannte Stille im Publikum, während ihre Gedichte in den Raum hineinschweben. Während sie erzählt und ein Gedicht nach dem anderen die Seiten verlässt und vor uns neu entsteht. Ich blicke nach rechts und nach links. Manche haben die Augen geschlossen. Andere blicken auf einen Punkt, weit entfernt von diesem Raum. Wieder denke ich: Lyrik. Was für ein Wunderwerk. Dass wir, in einer kurzen Betrachtung, sovieles finden. Dass wir ein Gedicht, mit zwanzig, dreißig, fünfzig hören – und es jedesmal anders tönt. Am Ende des Abends werden rund vierzig Menschen die Krypta verlassen, jeder in seinen Gedanken gefangen. Bei jedem wird eine andere Saite zum Klingen gebracht worden sein. Das ist es, was eine Lyriklesung unvergleichlich macht.

Wer mehr von Nadja Küchenmeister lesen möchte, dem seien “Unter dem Wachholder” und “Alle Lichter” empfohlen – beide Bände erschienen bei Schöffling & Co.   Ein wenig mehr zu ihrem Schaffen und ihrer Person gibt es in diesem Interview zu lesen – und wer lieber hört, dem sei dieses kleine Feature von WDR2 empfohlen.


Diese Lesung habe ich im Rahmen von Zürich liest besucht. Wer mehr zu diesem Festival erfahren möchte, findet ganz viele Infos, Tweets und Erfahrungsberichte unter dem Hashtag #zl16

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10 gute Gründe für Zürich liest!

Warum ihr 2017 Zürich liest besuchen solltet!
  •  Zürich hat eine sehr angenehme Größe. Die allermeisten Veranstaltungsorte ließen sich in 5-15 Minuten zu Fuß erlaufen, ansonsten fuhr das Tram auch sehr regelmäßig. So ist es leicht, einige Veranstaltungen pro Tag besuchen zu können. Zudem ist Zürich so schön, dass es einfach Spaß macht, sich die Stadt zu erlaufen.
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Wunderschönes Zürich

 

  • Tolle Locations. Ob im Literaturhaus Zürich, im wunderhübschen Ausstellungsort und Museum Strauhof, im kultigen Karl der Grosse, auf dem Schiff, im Tram oder in der Krypta des Grossmünsters  – über coole Locations muss man sich hier keine Gedanken machen, die gab es zuhauf. Ach, fast vergessen: sogar in einem Bett des Hotel Rothaus wurde gelesen – vom Autor höchstselbst!
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Nachtlesung in der Krypta von Nadja Küchenmeister

 

  • Das Programm selbst lässt keine Wünsche offen. Klassische Lesungen, Live-Performances von Spoken Word-Künstler*innen, opulentes Frühstück mit Kulturprogramm, Diskussionsrunden, Verlagsführungen, ein buntes Kinderangebot, kulinarische Verwöhnmomente, musikalische Darbietungen – wer hier nicht fündig wird…
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Lesung aus “Oh Schimmi” von Teresa Präauer im Literaturhaus Zürich

 

  • Die herrliche Buchhandelsdichte. Zürich bietet eine Fülle an Buchhandlungen, in denen man sich zwischen den Veranstaltungen treiben lassen kann. Mara war ausgesprochen umtriebig und hat hier ihre reiche Ausbeute an großartigen Buchhandlungen dokumentiert!
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Buchhandlung Beer

 

  • Die Fülle an Neuentdeckungen, die man machen kann. Weil das Programm so vielseitig ist, kann man hier Lieblingsautoren beschwärmen, sich auf ganz Neues einlassen und Unbekanntes erforschen. Die Kombination machts!
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Gomringer & Gomringer – hier ein “Hörraum” zum Gedichtband “Morbus” von Nora Gomringer

 

  • Das Essen. Ob Brioche, der gute Käse, die Schokolade (es gibt sogar das Schoggi-Tram!) oder das klassische Bircher Müsli – die Schweizer wissen schon, was schmeckt! (Und nicht zu vergessen: ein Food-Tasting ist ein sehr, sehr gutes Argument dafür, sich drei bis fünf neue Kochbücher zuzulegen…sieht man, dass die Buchbloggerin und ich im kulinarischen Himmel waren?)
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Food Tasting bei Orell Füssli

 

  • Zürich liest kann man auch gut gemeinsam mit der Familie besuchen. Ich war bei einigen Veranstaltungen für Kinder (Comic live zeichnen mit anschließendem Workshop z.B. und beim Bilderbuchkino “Armstrong” mit dem unfassbar sympathischen Torben Kuhlmann). Wenn man sieht, wie konzentriert und begeistert die Kinder bei der Sache waren, ging einem das Herz auf. Der literarische Nachwuchs ist so gesichert!
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Bilderbuchkino “Armstrong”

 

  • Der Züri-See. Kaffeepause am See. Morgenspaziergang zum See. See im Nebel. See in der Sonne. Need i say more?
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Kaffee am See

 

  • Dieses Lesefestival und die herrliche Stadt Zürich sind einfach das perfekte Gegenmittel zum Nachmesse-Blues.
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Die Stadt atmete während der Festivalzeit Literatur

 

  • Manchmal sagen Bilder ja noch mehr als Worte, daher ist der letzte Punkt ein kleines Album, das euch hoffentlich ganz viel Lust macht auf Zürich und Zürich liest 2017!

Ganz besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Monika Schubarth von Adibuma, die uns nach Zürich eingeladen hat. Bei den Organisatorinnen dieses Festivals Violanta von Salis & Nathalie Widmer, der Programmkommission und allen Helfern, die jederzeit Frage und Antwort standen und einfach unheimlich nett zu uns waren! Zürich Tourismus, die uns die Züri-Cards  gestellt haben, damit wir die Öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnten (und an die nette Tram-Fahrerin, die extra für uns nochmal wartete – Merci!). Auch dem Hotel Rothaus, für Gastfreundschaft & Service darüber hinaus – einen herzlichen Dank!

Und nicht zu vergessen: meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: Friederike, Janine, Mara und Uwe – mit euch zusammen war der Spaß gleich dreimal so groß! Ich finde, das sieht man uns auch an Es war einfach eine geniale Zeit!

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Zu wissen, was ich nicht will, macht Platz für Dinge die ich will!

Als Kinder wussten wir ganz genau, was wir einmal werden wollen und was uns wichtig ist. Wir hatten Träume, Ziele, unzählige Pläne. Und noch viel wichtiger – wir wussten, was wir NICHT wollen. Das haben wir dann ausgesessen, nicht gemacht, impulsiv abgelehnt, es kam uns gar nicht in den Sinn, unsere Zeit damit zu verplempern, Dinge zu tun, an denen unser Herz nicht hing.

Wir waren neugierig, sogen das Wissen auf, vertieften uns mit einer Hingabe in unsere Hobbies, die uns heute so oft fehlt. Uns stand die Welt offen, unsere Fantasie kannte noch nicht so viele Einschränkungen und Hürden. Waren mutig und unerschrocken, wir probierten uns aus. Wenn wir hinfielen, dann sahen wir das nicht sofort als Scheitern an. Wir standen auf und liefen eben wieder los. Es gehörte schlicht und ergreifend dazu.

In der letzten Zeit frage ich mich ab und an, ob wir das verlernt haben? Trottend durch einen Alltag, der aus ganz viel Müssen und wenig Wollen besteht. Und das Müssen kommt von überall her. Aus der Gesellschaft, aus unserem Job und aus den Ansprüchen, denen wir glauben genügen zu müssen. Sollten wir nicht in manchen Bereichen unseres Lebens (dass es einige gibt, in denen Kompromisse und Vorgaben nunmal dazugehören, sollte klar sein) deutlich mehr darauf achten, was WIR wollen und nicht, was andere uns als Vorgabe liefern?

Natürlich kann ich heute nicht mehr meine Jacke nehmen und meinen Kunden an der Kasse stehen lassen, um am Flüßchen meiner Heimatstadt das Wasser zu stauen, wie ich es als Kind stundenlang mit Freunden getan habe, völlig im Flow und mit mir im Reinen. Aber ich kann mich entscheiden, die Zeit, die mir bleibt um das zu tun, was ich wirklich will, aufs Schärfste zu verteidigen. Vor all den “Das solltest Du!” und “Das macht man aber so!

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Zu wissen, was wir wollen und noch wichtiger, was wir nicht wollen, kann der Augenöffner und der Anschub sein, den wir brauchen.

Nicht immer reicht es, vom Nicht-Wollen darauf schließen zu können, was unser nächstes Ziel, unsere Vision sein wird. Dazu gehört auch, dass wir in uns hineinhorchen – in diesen Gedanken steckt eine Menge Bewegung und es ist nicht die einfachste Übung. Aber, um eine erste Idee dafür zu bekommen, was ihr wollt, denkt darüber nach, an was ihr sehnsuchtsvoll denkt, wenn ihr in einer langweiligen Alltagstrott-Situation feststeckt. Wo wärt ihr gerade lieber? Was tut ihr? DAS ist es, was ihr auf eurem Zettel notieren solltet und nach und nach für euch und euer Leben als Priorität einstufen solltet.

Denn wenn wir ein Ziel vor Augen haben, den festen Wunsch, zu lernen und offen zu sein, dann fällt uns das Nein sagen plötzlich leicht. Die Sicht wird klarer und wir können uns für uns selbst und unsere Ziele einsetzen. In uns spüren wir, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind, dass wir wieder Freude haben, an dem was uns fasziniert. Dann reiben wir uns verwundert die Augen und fragen uns, warum wir das nicht schon längst getan haben. Ja, es mag einige irritieren. Ja, ziemlich sicher ecken wir damit sogar an, werden herausgefordert, uns zu erklären.

Ich habe nur ein Leben, dieses eine Leben, was ich gerade lebe und ich möchte es mit Tätigkeiten füllen, die mich ERFÜLLEN. Mit Liebe, mit harter Arbeit für Sachen, an die ich glaube, mit dem Entdecken und lebenslangen Lernen. Mit diesem Gefühl, welches das Herz weit macht, den Geist jung hält und vorallem – was es mir leicht macht, zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist, und was nicht.

Geht ihr momentan jeden Abend ins Bett, ein klares Ziel oder einen Wunsch, wie euer Leben aussehen soll vor Augen und sagt euch – heute habe ich einen weiteren Schritt dorthin getan, selbst wenn er mit bloßem Auge kaum sichtbar war? Wenn eure Antwort Nein lautet – Warum nicht?

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Haruki Murakami und ich

Die Beziehung, die Murakami und ich nun schon seit über einem Jahrzehnt führen, mag ein wenig seltsam anmuten, ja, geradezu einseitig. Ich habe fast alles von ihm gelesen, jedes Interview verfolgt, seine Bücher in mehreren Sprachen gekauft, sogar im japanischen Original. Er hingegen ahnt nicht einmal, dass es mich gibt. Und doch ist es eine der längsten und wichtigsten Beziehungen in meinem Leben. Und ganz so einseitig, wie es sich zunächst anhört, ist es vielleicht dann doch nicht.

In seinem neuen Essay-Band “Von Beruf Schriftsteller” gewährt Haruki Murakami uns in seiner bescheidenen und sehr zurückhaltenden Art einen Einblick in sein Schaffen. Eitelkeit liegt ihm fern, im Gegenteil, er ist demütig und bleibt immer realistisch in seiner eigenen Einschätzung. Er setzt sich besonnen und unaufgeregt mit Fragen auseinander, die ihm im Verlauf seiner schriftstellerischen Tätigkeit immer wieder gestellt wurden. Es geht um die Entwicklung seiner Figuren oder seine Einstellung dazu, wie Sport und körperliche Fitness für ihn die Grundlage für geistigen Tätigkeiten bilden. Er schreibt über Originalität, wie sich der künstlerische Prozeß für ihn selbst gestaltet und wie er dazu kam, sich überhaupt dem Schreiben zuzuwenden.

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An mehr als nur einer Stelle des Buches habe ich das Gefühl, dass diese Sätze nur für mich und für mich ganz allein dort stehen. Er schafft es, über all diese Kilometer hinweg eine Verbindung zu mir, seiner Leserin herzustellen, einen Moment, in dem ich die Worte und Sätze wieder und wieder lese um sie mir am Ende laut vorzulesen und das Gefühl zu haben als wäre es ein einziger, langer Brief an mich persönlich. Haruki Murakami ist 30 Jahre alt, als er seinen ersten Roman schreibt. Vielleicht kann er gerade deshalb dieses Jahr, in dem ich selbst 30 Jahre alt bin und mich künstlerisch ausprobiere, bei mir besonders Eindruck hinterlassen.

“Dennoch verspüren wir den Wunsch, uns auszudrücken, und erkennen dabei unvermutet unser eigenes Wesen”. (S.78)

Damit wären wir wieder bei der Beziehung angekommen. Murakamis Bücher begleiten mich, jedes hat seine Geschichte. Viele haben mich innehalten lassen, haben mir Mut gemacht, die Figuren gehören zu meinem Leben. Einige Zitate aus seinen Büchern sind Mantras geworden, Leitsprüche.

Ich habe bei den letzten Seiten der wilden Schafsjagd geweint, ich habe unzählige Male die “Sandsturm“-Stelle bei Kafka am Strand gelesen und zitiert, ich habe mich in Naoko verliebt und die Sinfonietta von Janacek aus 1Q84 gehört. Ich habe einen Blick auf das 100% Mädchen geworfen, bin neben Murakami-Sama die Marathonstrecken gelaufen, habe Spaghetti gekocht und in gedanklichen Brunnen gesessen.

Was für ein Geschenk ist es, jemanden zu bewundern und festzustellen, dass die Einstellung desjenigen zu Kunst und Literatur der eigenen ähnelt. Es ist, als würde ein Freund zur gleichen Zeit nach deiner Hand greifen, in der Du deine Hand nach ihm ausstreckst. Ein Mensch braucht hin und wieder Gleichklang, er braucht das Gefühl, dass ihn jemand versteht.

“Die Basis für alle Künstler muss immer eine überschäumende, spontane Freude sein” (S.77)

Wenn Murakami ein Buch herausbringt, dann ist das wie eine Verabredung für mich, etwas ganz Besonderes. Deswegen reiche ich schon seit Jahren für ein neues Werk Urlaub ein, um mich ganz diesem Ereignis widmen zu können. Er schreibt in diesem Buch von seinen Lesern: “Ich habe erstklassige Leser, wenn ich das selbst einmal so sagen darf” (S. 201). Diese Wertschätzung, die viele Arbeit, die er wieder und wieder für seine Leser*innen investiert, ist für mich in jedem seiner Bücher zu spüren.

Murakami-Sama, ich freue mich auf die nächsten Jahre mit Ihnen.

In tiefer Freundschaft,

Ihre Pinkfisch

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Formbewusstsein – Frank Berzbach

Dieses Buch ist kein Ratgeber. Es ist auch keine Anleitung zum Glück. Es ist besser – denn es ist eine Einladung, sich mit den vorherrschenden Themen in unserem Leben zu beschäftigen und ihre Formen auszuloten. Ganz oft fühle ich mich von Frank Berzbach in meinem Alltag abgeholt. Nehmt euch Zeit für dieses Buch, legt ein Notizbuch neben euch und lasst euch darauf ein.

Ich mag den intensiven Blick, den er auf das vermeintlich “nicht so wichtige” Alltägliche legt, denn das ist, was wir in unserem Leben bewusst gestalten sollten. Wenn er sich fragt, warum wir uns nicht die Zeit nehmen, für uns zu sorgen und unseren Frühstücksteller schön anzurichten, die Farben und verschiedenen Geschmacks13653181_10209956380376715_2014204786138074506_orichtungen zu genießen? Für uns allein – einfach, weil wir bei jedem Essen auch entscheiden, wie wir uns selbst behandeln? Oder welchen Einfluss Ordnung, Besitz und auch Smartphones auf unser heutiges Leben haben. Das klare und bibliophile Design des Buches schafft es, die Aussagen noch klarer hervorstechen zu lassen, bei vielen Zitaten krame ich das Notizbuch hervor, um sie schriftlich zu verinnerlichen.

Auch Dinge, die ich instinktiv bereits tue, werden hier aufgegriffen. Zum Beispiel, am Morgen einige Zeit darauf zu verwenden, mich dem Tag entsprechend anzuziehen, eine Aussage über mich und meinen Anspruch an diesen Tag durch meine Kleidung zu treffen. Erfrischend, dass er das nicht als Oberflächlichkeit abtut, sondern sehr viel tiefer in seiner Deutung geht, Kleidung unter anderem auch als “nonverbale Kommunikation” versteht. Eine weitere Gemeinsamkeit lässt mich lächeln – wir schreiben beide gerne mit der Hand und genießen diese bewusste Langsamkeit, die das Schreiben mit einem Füllfederhalter mit sich bringt. IMG_20160404_155136

Besonders sticht heraus, dass er in jedem Kapitel eine Vielzahl an Gedanken zusammenträgt und eigene Schlüsse daraus zieht, sich aber so weit zurücknimmt, dass der/die LeserIn beginnt, eigene Gedanken zu entwickeln und für sich zu philosophieren. Das Buch ist herrlich frei von strikten Vorgaben oder Verteufelungen, es bildet zunächst einmal den heutigen Zeitgeist ab und fragt sich – wie kann uns das, was wir jeden Tag erleben, bereichern? Oftmals spielt allein die Dosierung die entscheidende Rolle. Die Vernetzungen die in diesem Buch entstehen, spinnen mühelos neue Fäden in meinem Kopf weiter und lassen mich nachdenken und innehalten. Und was, frage ich euch, muss ein Buch mehr können?

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Leipzig, deine Indies! Leipzig, deine Blogger*innen!

Im Zug nach Hause flog mir die Überschrift für den diesjährigen Messeartikel wirklich einfach zu: denn für mich war es dieses Jahr einmal mehr wieder eine Aneinanderreihung von schönen Erlebnissen mit Buchmenschen aus allen Sparten, fast alles in Halle 5, wo viele der Unabhängigen Verlage und die Bloggerlounge beheimatet sind.

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Familientreffen mit Felix Wegner und Katharina von textverliebt. Wilder Haufen! (c) textverliebt

Als Reisebegleitung hatte ich die charmant-lässige Textverliebt an meiner Seite, deren Branchenwissen und kluge Betrachtungen von Dynamiken und Entwicklungen im Netz mich mehr als einmal begeistert haben. Noch dazu ist ihr Humor einfach fabelhaft – wie man sieht, hatten wir gemeinsam einfach eine richtig gute Zeit.

In Leipzig bin ich dieses Jahr gefühlt doppelt unterwegs gewesen. Als Buchhändlerin und Bloggerin. Es ist ganz witzig, dass je nach Stand mal das eine, mal das andere mehr im Vordergrund steht. Während ich, gerade bei den größeren Verlagen, ganz klar als Buchhändlerin mit meinen Verlagsvertreter*innen spreche und der Buchladen bekannt ist, verhält es sich bei den Indies oftmals so, dass eben auch der Blog bekannt ist. Ich profitiere aber sehr von dieser Zweigleisigkeit. Im Buchladen kann ich zum Beispiel den #indiebookday so richtig zelebrieren, da habe ich mit Schaufenster und Sortimentsgestaltung ganz andere Möglichkeiten als im Blog. Im Blog hingegen kann ich wunderbar schreiben und (Indie)-Büchern eine Bühne im Netz verschaffen. Ich liebe es, dass ich Beruf und Blog miteinander verbinden kann und das oftmals Synergieeffekte erzeugt. Begeistert hat mich dieses Jahr besonders, wieviel Wertschätzung meiner Arbeit entgegengebracht wurde – sowohl offline als auch online.

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Die berühmten Messeschuhe…

Wenn man charmante Verlegerinnen in den Arm schließen darf (Binooki), bei Open House  in Verzückung geraten darf über “Winternovellen” (mein liebster Indiebook-Tipp zur Zeit!), wenn ich beim Cass Verlag mit der Verlegerin, (Japanologin) über meine Vorliebe für Japan reden darf und mit einem interessanten Tipp versorgt werde – dann macht mich das glücklich! Auch bei Edition Nautilus, der Frankfurter Verlagsanstalt, Voland & Quist und Wallstein hatte ich herzliche Begegnungen. Imke Schuster vom Dumont nahm sich ebenfalls viel Zeit für mich, dieses Kennenlernen hat mich sehr gefreut! Und nur auf der Buchmesse nimmt Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag, die ja sowieso einen Stein bei mir im Brett haben, mich ins Schlepptau um mich einer Kollegin vorzustellen und auf dem Rückweg das Du anzubieten und mir noch zwei neue, fabelhafte Verlage gegenüber im Gang vorzustellen. So kam ich zu zwei ganz spannenden Gesprächen bei Hablizel und homunculus verlag – Menschen, die sich Zeit für mich nahmen und spontan Bücher empfohlen, die meinen Geschmack exakt treffen und deren Begeisterung mich ansteckt. Weiter so!) .

Herrlich auch, wenn man dann von Hörensagen bekannt ist und nach dem pinken Kleid Ausschau gehalten wurde, was zu einem sehr netten Gespräch mit Regine Vogel, einer der Vertreterinnen von indiebook.de führte – wieder ein Gesicht mehr, dass man nun nach der Messe kennt. Ebenfalls ein Gespräch, was durch das Pinkfisch-Outfit zustande kam, war das am Pink Ribbon Stand. Die Organisation ist mir aus persönlichen Gründen sehr nah, sie leisten wichtige Arbeit, haben Herzensprojekte und ich trage meine pinken Schleifchen mit Stolz! Ich freue mich, dass ich auch in Deutschland immer mehr davon sehe – Way to go!

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Pinkfisch auf dem pinken Teppich! (c) Punktum Verlag.

Und weil alle guten Dinge drei sind, führten Kleid und Schuhe auch noch zur Entdeckung von Punktum Bücher. Diese hatten nämlich einen sehr ansprechenden Stand – mit pinkem Teppich! Das führte nicht nur zu diesem schönen Bild, ich las mich fest und hatte am Ende quasi das gesamte Verlagsprogramm notiert – solche Entdeckungen sind das Salz in der Messesuppe! Oben drauf gab es ein angenehmes Gespräch und etwas zu lesen – mehr dann bald im Indiebookday-Beitrag!

Für poetische Selfies! (Na gut, Dominik hat geholfen. Merci!)
Für poetische Selfies! (Na gut, Dominik hat geholfen. Merci!)

 

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Dass das beste Sofa der Messe (und diesmal auch die Anlaufstelle für poetisierende Selfies) bei den Rockstars vom Verlagshaus Berlin zu finden ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Meine Secessions-Menschen machten mich mit Infos und einem Buch auf das ich mich sehr freue glücklich – sieht man doch, oder?

Auch das Gespräch mit Stefan Weidle und Petra Seitzmayer war ein Highlight. Die beiden haben die Mainzer Buchmesse der Unabhängigen Verlage gegründet, wo ich am 2. Juli bei einer Podiumsdiskussion den Buchhandel vertreten werde, zur spannenden Frage Das allmähliche Verschwinden älterer Titel aus dem Buchhandel – was kann man tun? Nach diesem angeregten Standgespräch freue ich mich noch mehr auf diese Veranstaltung!

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Danke für das Bild an @textverliebt !

Unbedingt zu den Lieblingsstunden der Messe gehörte ein Event, den die fabelhafte Susanne Bühler von Diogenes für einen kleinen Kreis organisiert hatte. Ein erster Blick auf das wirklich gut gemischte Diogenes-Herbstprogramm (vormerken!) und dann eine ganze Stunde zusammen mit Benedict Wells und einer sehr persönlichen Fragerunde. Nicht umsonst schwärmen soviele von “Vom Ende der Einsamkeit” – der Roman ist einer meiner Lieblinge im Frühjahr und auch seine älteren Bücher habe ich mit Begeisterung gelesen. Die Möglichkeit dieses Treffens war wirklich etwas Besonderes, Merci an alle die das möglich gemacht haben und diese Runde voller bekannter Gesichter zusammenbrachten.

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Austausch in der Bloggerlounge mit ThatYvo, Lost Pages, Shanty, Textverliebt und Was liest Du?_Team
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Flauschige Blogger? Das vielleicht nicht. Aber Zusammenhalt ist da! Mit Literaturen und Sounds & Books

Fast schon Tradition hat nun das inoffizielle Bloggertreffen von Papiergeflüster, die dann am Ende selbst nicht da war (und sehr fehlte!). Das Klassenfahrtgefühl kehrte zurück, neue Gesichter kennenlernen, zusammenrücken, fachsimpeln, sich in die Arme fallen. Nicht nur in dieser Runde hatte ich über die ganzen zwei Tage der Messe immer wieder ein Wort im Kopf: Vernetzung. Diese Bande, die das Jahr über auf Twitter, Instagram, Facebook und auf unseren Blogs geknüpft werden, diese sind in Messezeiten so stark spürbar und werden von Jahr zu Jahr intensiver. Projekte die gemeinsam angegangen werden, neue Ideen, die da hervorsprudeln, unterschiedliche Herangehensweisen – und all das setzt Kreativität und Motivation frei!

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Eindeutig eines der besten Buchbranche-Teams: Torsten und Maren von “Was liest Du?”

Ich bin Fan von vielen dieser Menschen, oftmals auch gerade von denen, die vielleicht nicht die größte Reichweite haben, aber die kompromißlos sie selbst sind, in dem was sie tun, wofür sie stehen. Das begeistert mich und das ist für mich täglich ein Ansporn. Auch bei immer wiederkehrenden Themen und Diskussionen rund um die Literatur im Netz nehme ich oftmals für mich eher mit, dass ich mich verbessern möchte, mir treu bleiben und mit dem was ich gern tue überzeugen will, statt mich in einem Strudel aus Negativität zu verlieren.

Als Buchhändlerin habe ich das Glück, dass ich jeden Tag Feedback bekomme, dass mein Selbstbewusstsein, dass ich in diesem Bereich einen verdammt guten Job mache, gerechtfertigt ist. Als Bloggerin ist das manchmal ungleich schwerer zu bestehen – soviel gibt es im Netz zu lesen, zu erleben, zu sehen. Und doch – bleibt dran, denn Qualität setzt sich am Ende immer durch! Denn wenn ich mich in der Bloggerlounge (deren Existenz ich sehr befürworte, schönen Gruß nach Frankfurt!) umsah, dann sah ich da Ideen, Kreativität, Menschen die etwas bewegen und die etwas zu sagen haben. Davon kann es nicht genug geben!

Und außerdem auf dieser Messe, spontane Arbeitseinsätze in der Außenzentrale von “Was liest Du?

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Und plötzlich hat man wichtige Aufgaben für die Mayersche zu erledigen – Profi eben

Das Schlusswort lasse ich David Wagner und den Verbrecher Verlag sprechen. Am liebsten würde ich mir das mal übers Bett nageln! 20160319_141950

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Der Lesestoff für die nächsten Wochen ist gesichert – vielen Dank an alle Verlage! (Und einen Gruß von meiner Schulter!)

Bonus: Was wäre Leipzig ohne das Klassentreffengefühl? Ich habe mich so gefreut, dieses Jahr Maren und Torsten von Was liest Du?, Buchrevier, Klappentexterin, masuko13, glasperlenspiel13, Literaturen, 54Books, Lustzulesen, Tina Lurz von LB, Felix Wegner, Brasch Buch, Kaffeehaussitzer, Stefanie Leo, Mara von buzzaldrins und textverliebt wiederzusehen. Und genauso sehr darüber, endlich die Gesichter hinter Buchbüchse, Bücher Göre, Nordbreze von LB, Sonja von Lust zu Lesen, Shanty von Influenza Bookosa, lost pages, That Yvo, Studierenichtdeinleben, Sounds & Books, Et Tragalibros, Krimimimi, Frau Pixel und Stephanie von Nur Lesen ist schöner kennenzulernen. Danke für eure Zeit!

Und manchmal doch ein Film.

Ich bin ein Buchmensch, durch und durch. Wenn ich lese, dann läuft in meinem Kopf ein eigener Film ab, ich besetze die Figuren und sie erwachen in meiner Vorstellung zum Leben. Und so gerne ich diese Freiheit habe, manchmal interessiert mich doch, wie ein geliebtes Buch filmisch umgesetzt wurde. In den letzten Monaten habe ich einige Buchverfilmungen gesehen und einige noch auf der Liste stehen.

Ganz oben auf der Begeisterungsskala steht für mich “Der große Trip” von Cheryl Strayed. Das Buch habe ich verschlungen, mich hat der Weg dieser Frau sehr imponiert und ich war enorm gespannt, wie das alles im Film wirken würde. Das Buch geht natürlich weiter in die Tiefe was die Auseinandersetzung mit sich selbst von Strayed angeht, aber der Film kann absolut mithalten: Witherspoon (als Cheryl Strayed) ist genauso eine Top-Besetzung wie Laura Dern (als Mutter Bobbi) und beide sind exakt so, wie ich sie mir vorgestellt hätte. Dazu kommen natürlich die beeindruckenden Naturaufnahmen und die intensive Stimmung, die sich durch den ganzen Film zieht. Für mich definitiv ein Muss-man-sehen-Tipp!

 

 

Wenn ich große Gefühle möchte, greife ich sowohl im Buchregal als auch bei den DVDs nach Nicholas Sparks. Besonders gelungen (und für mich in diesem Falle fast einen Zacken besser als der Roman) war “Mit Dir an meiner Seite” . Ein Taschentuch-Film, ein Familiendrama und eine Liebesgeschichte mit Musik.

 

 

Im Jahr 2009 hat mich “Die Karte meiner Träume” von Reif Larsen total begeistert. Das Buch stach besonders durch seine Ausstattung hervor, zig Anmerkungen und wissenschaftliche Notizen der Hauptperson an den Seitenrändern, eine kleine Leseherausforderung, in der ich völlig versunken bin. Diese Besonderheit kann der Film nur in Teilen wiedergeben, dafür besticht er mit einer sehr überzeugenden Helena Bonham Carter. Der Regisseur Jean-Pierre Jeunet (Die fabelhafte Welt der Amelié) lässt die große Weite der U.S.A auf den Zuschauer wirken, er lässt mit bunten Farben und mit großem Spaß an den ungewöhnlichen Charakteren einen sehenswerten Film entstehen.

 

 

John GreensDas Schicksal ist ein mieser Verräter ist mittlerweile natürlich einem großen Publikum bekannt, hat sich zur Schullektüre gemausert und Green hat es wie kein zweiter Jugendbuchautor geschafft, seine jungen Leserinnen und Leser (und auch das ein oder andere ältere Semester) für sich einzunehmen. Das Buch hat mich weinen und lachen lassen, es hat lange gedauert bis ich mich entschliessen konnte, den Film zu schauen. Ich denke jeder Buchfreund kennt dieses bange Gefühl, ob die Verfilmung dem Buch gerecht werden kann. Man merkt dem Film an, dass hier eng mit dem Autor zusammengearbeitet wurde und die Veränderungen minimal sind. Ich brauchte genauso viele Taschentücher wie beim Lesen, den beiden Hauptfiguren nahm ich jede einzelne Sekunde ab, es gab Szenen bei denen ich ergriffen auf dem Sofa saß … Volltreffer!

 

 

Auf meiner Will-ich-sehen-Liste für die nächsten Monate stehen noch diese Filme:

Mein Leben ohne gestern von Lisa Genova wurde unter dem englischen Titel “Still Alice” verfilmt. Der Trailer lässt mich einiges erwarten, das Buch hatte seinen ganz eigenen Ton und die Thematik hat mich länger beschäftigt. Julianne Moore ist eine großartige Schauspielerin, schon dieser kurze Einblick in der Vorschau zeigt dass sie die nötige Klaviatur von Emotionen schauspielerisch darzustellen weiss.

 

 

Das also ist mein Leben” von Stephen Chbosky (“Vielleicht lieber morgen“). Das Jugendbuch habe ich bereits vor Jahren gelesen. Was mich daran so berührte war, dass sich das Buch entblätterte und erst nach und nach klarwurde, worum es wirklich geht. Charlies Schicksal ging mir nahe und ich hoffe sehr, dass der Film diesen Aspekt gebührend behandelt. Ich bin außerdem ein Fan von Emma Watson und kann sie mir gut in dieser Verfilmung vorstellen.

 

 

Um diesen Film schleiche ich seit langem herum. “Naokos Lächeln” gehörte zu einem der allerersten Bücher von Haruki Murakami das ich las – zum Teil in meiner Mittegspause auf dem Rücksitz meines allerersten Autos, das Buch ist mittlerweile ordentlich abgeliebt und bleibt eines meiner Lieblinge. Ob ein Film da jemals heranreichen könnte? Ich bin nicht sicher, ob ich hier wirklich meine Vorstellung gegen die des Regisseurs eintauschen möchte – wir werden sehen

 

 

Was habt ihr in letzter Zeit für Literaturverfilmungen gesehen? Habt ihr Tipps oder ratet ihr vom ein oder anderen Film leidenschaftlich ab? Und welche Reihenfolge bevorzugt ihr – erst das Buch und dann den Film oder andersherum?

 Dieser Artikel entstand in Kooperation mit clipfish.com.

NaNoWriMo? Oh yeah!

Seit Jahren begegnet mir immer mal wieder dieser Hashtag: #NaNoWriMo. Dass es etwas mit Schreiben zu tun hat, war mir dunkel in Erinnerung, aber mehr auch nicht. Dieses Jahr habe ich mir das kurz vor dem 1. November näher angeschaut. Und in mir begann es zu arbeiten. Ich bin jemand, der mit Deadlines und Zielvorgaben sehr gut zurechtkommt. Wenn ich sage, ach ich mache regelmäßig Sport – Fail, das wird nichts. Gib mir aber einen Yoga-Monat mit Kalender zum Kreuzchen machen oder eine bestimmte Zielvorgabe und ich bin viel zu ehrgeizig, um mich da nicht irgendwie durchzubeissen.

NaNoWriMo also. Das ganze steht für National Novel Writing Month (mehr Infos gibt es hier: nanowrimo.org) Das Ziel ist es NICHT, innerhalb eines Monats einen perfekten und überarbeiteten Roman fertig zu haben, sondern zum einen täglich zu schreiben, komme, was da wolle. Und zum anderen, dranzubleiben, eine Geschichte zu entwickeln und sich nicht in Überarbeitung und Recherche zu verlieren, etwas, was nur allzuleicht passiert und einen total blockieren kann. Wer selbst schreibt weiss, dass die Stimmen im Kopf einen aufhalten können, die während des Schreibens beständig sagen: Das klingt nicht gut, Du kannst das nicht, Wen interessiert das überhaupt? Das beiseite zu schieben und überhaupt erstmal etwas zu Papier zu bringen, dabei soll der NaNo helfen.

Die Zielvorgabe sind 50.000 Wörter, wer mag auch gerne mehr. Dieses Ziel soll man innerhalb von 30 Tagen erreichen, wer also 1667 Wörter am Tag schreibt, schafft es genau in dieser Zeit. 1667 Wörter? Klingt doch ma20151129_182547chbar, so überlegte mein Hirn hin und her. Viele bereiten sich schon lange im Voraus vor, sie “plotten“. Das erscheint mir generell auch die erfolgsversprechendste Variante zu sein, wer ungefähr weiss, was wann passieren wird, kann sich gut an diesen Eckpunkten beim Schreiben orientieren.

Ich hatte nur eine Idee, eine Idee, die seit Monaten in meinem Notizbuch steht. Ich habe dann beschlossen: Ich mach das.

Mir war leicht schwummerig zumute. Ich war kein bißchen vorbereitet und wusste wirklich nur ganz grob, was mein Protagonist tut und was ihn umtreibt. Immerhin: ich hatte einen Schreib-PC, eine kleine, leichte Kiste, die ich dann auch den Monat mit mir herumgeschleppt habe und ich hatte Scrivener. Scrivener ist ein Schreibprogramm. Ich denke, damit ist es wie mit dem Thermomix. Man MUSS es nicht haben, das geht auch alles mit dem normalen Equipment. Aber diejenigen, die es benutzen, schwören darauf. Ich auch – die Möglichkeiten haben mir gefallen, die Aufteilungen, die Übersichtlichkeit und einstellbaren Projektziele, das hat mich motiviert. Und ich habe sicherlich noch lange nicht alle Funktionen voll ausgereizt. Für mich also definitiv ein JA zu Scrivener.

Zum Glück hat mir am 1. November der Herr Urbach die nötige Unterrichtsstunde gegeben, was mir passieren wird auf dem Weg, was so auf mich wartet, wenn ich schreibe. Er hat meine Geschichte durchlöchert um sie danach wieder mit mir zusammenzusetzen, ohne ihn wäre ich wahrscheinlich nach 10.000 Wörtern steckengeblieben. Wir saßen fünf Stunden in einem Café, danach rauchte mir der Kopf, ich schwankte zwischen Schnapsidee und Wow, ich will das. Das war für mich ein Kickstart und zu wissen, da ist jetzt jemand, der Dir das zutraut – priceless.

Also habe ich geschrieben. Ich bin an meinem sehr löcherigen Plot verzweifelt, ich habe meinen Mann und meinen besten Freund vollgequatscht mit Dingen, die einfach nicht funktionieren. Ich bin spät nach Hause gekommen, aber wenigstens 100, 200, 500 Wörter sollten es noch werden. Zwischen gefühlten 20 Terminen im November, Haushalt, Kind und dem fordernden Job habe ich mir dennoch immer Zeit zum Schreiben freigeschaufelt. Meine Familie hat deutlich weniger von mir gehabt aber – offensichtlich war klar, wie wichtig mir das ist, denn selbst mein 5jähriger Sohn sagte – Mama, Du musst schreiben, ich geh spielen. Ich habe kaum gelesen, vom Bloggen fange ich garnicht erst an. Mein Freundeskreis hat mein Vorhaben mitbekommen, hat mich angefeuert, mich unterstützt und vorallem – sie haben einfach allesamt daran geglaubt, dass ich das schaffen kann! Selbst wenn ich spät am Abend noch verzweifelte Whatsapp verschickt habe, dass ich das doch einfach nicht schaffen kann, dass mir nichts mehr einfällt, dass es nichts wird – es wurde bedingungslos geglaubt – daran, dass das etwas ist, was ich kann. Für mich ist das allein eine der wichtigsten Erfahrungen des Nanowrimo. Wie wichtig es ist, dass Du Dir Unterstützung holst. Stolz darauf bist, was Du tust und darüber sprichst, statt zu zweifeln.

Es war hart. An manchen Tagen habe ich das Tagessoll mit Müh und Not erreicht, an anderen nicht und bin dafür am Wochenende in Schreibklausur gegangen. Ich habe unfassbar viel gelernt. Über mich. Darüber, dass Protagonisten ab und an wirklich machen, was sie wollen. Darüber, was funktioniert und was nicht, dass Du Dich manchmal an einem schlechten Tag IMG_20151122_154512einfach durchbeißen musst, einfach anfangen musst, obwohl dein Kopf wie leergefegt ist. Und dass da manchmal, zwischen all den Sätzen, die Du niemandem zeigen würdest, etwas zu glänzen beginnt. Ich habe mit Learning by Doing gelernt, was zu einer guten Geschichte gehört, habe meine Ausdauer trainiert, bin drangeblieben, allen Widrigkeiten zum Trotz. Mein Mantra war die meiste Zeit “You can’t edit a blank page“. Ich bin nicht sicher, ob dieses Projekt je das Licht der Welt erblicken wird, im momentanen Zustand ist es noch ausgesprochen “roh”. Aber es liegt in meiner Schublade und es macht mich stolz. Wieviele sagen, ich will schreiben. Ich könnte ja mal. Später mal. Später, das war für mich JETZT. Und dafür war der Nano genau das Richtige, auch mit seiner großen Community. Man ist nicht alleine in dieser verrückten Geschichte und WordWars, ein täglicher Newsletter von Annika Bühnemann und die diversen Gruppen und Twitter-Writer waren ein toller Rundumsupport. Dieser Monat hat mir gezeigt, dass ich kann, wenn ich will und ich bin immer noch ein wenig erstaunt, dass es wirklich geschafft ist. Der NaNoWriMo ist ein guter Einstieg, denn dass ich noch viel zu lernen habe, das ist ganz klar. Gerade wenn man viel liest, hat man hohe Ansprüche an einen Text, etwas, was das eigene Schreiben schnell lähmen kann. Der Nano durchbricht diese Blockaden sehr effektiv, soviel kann ich sagen

Als ich dann heute die letzten Szenen schrie20151129_152022b, die letzten 2000 Wörter haben mich wirklich fast den ganzen Tag gekostet, da wurde ich ganz ruhig. Vor einem Monat erschienen 50.000 Wörter noch unfassbar viel. Und nun? Nun hatte ich es geschafft. Der letzte Satz war geschrieben, der letzte Punkt gesetzt.

Ich war so neben der Spur, dass ich danach erstmal zwei Stunden in der Küche verschwunden bin, Kuchen und Plätzchen backen, Kontrastprogramm zum Schreiben Ich freue mich auch darauf, jetzt wieder mehr Lesezeit zu haben. Und gleichzeitig will ich weiterschreiben. Noch soviel mehr, was zu sagen, zu schreiben, zu berichten wäre.

Für das Jahr 2015 kann ich also stolz sagen: I did the #NaNoWriMo – and i won!

Die Middlesteins – Jami Attenberg

Wäre die ein oder andere Bloggerkollegin nicht so hartnäckig in ihrem Lob gewesen, ich hätte das Buch vielleicht doch wieder zur Seite gelegt. So stolperte ich über den für mich eher schwierigen Anfang hinweg: und verstand, was die positiven Besprechungen so lobten. Die Middlesteins sind eine spezielle Familie, ein Geflecht, was hier Schicht für Schicht enthüllt und seziert wird. Das ganze gespickt mit Witz und ein wenig Skurrilität: so entsteht dann ein Roman, dem ich verzeihe, dass wir am Anfang nicht zueinander fanden und den ich gerne gelesen habe.