Alle meine Wünsche – Grégoire Delacourt

Dieses Buch hatte ich auf der Buchmesse in der Hand, das Cover zog mich gleich an. Längere Zeit blieb es dann aber vergessen, bis ich es im Regal einer Freundin erspähte, die es mir auslieh und fast zeitgleich eine hymnische Rezension las. Leider kann ich mich dieser nicht vollumfänglich anschliessen: die Geschichte hatte mich einfach nicht so sehr gepackt, irgendwo blieb ein schaler Nachgeschmack. Ich merke immer wieder, dass ich dieses Gefühl öfter bei französischen Autoren habe…daher – Geschmackssache, wie so oft.

Mathilde und der Duft der Bücher – Anne Delaflotte

Ich habe so einen kleinen Sensor im Kopf, der beim Blättern in Vorschauen automatisch „Kaufen!“ brüllt, sobald ein Buch mit Buchhändlern, Antiquaren, Buchherstellung und ähnlichem zu tun hat. So also auch hier. Leider war das Innenleben nicht so schön wie das Äussere. Die Handlung plätscherte so vor sich hin, das Dörfchen war zwar nett aber doch recht vorhersehbar gestaltet und so richtig Stimmung kam nicht auf. Einzig die Buchbinderszenen fand ich sehr anschaulich zu lesen.  Es war okay, aber eigentlich habe ich selbst von so einer leichten Sommerlektüre mehr erwartet.

 

Night School: Du darfst keinem trauen – C.J. Daugherthy

Von aussen würde man das Buch wohl als einen weiteren Titel in Richtung Vampire, düster, geheimnisvoll einordnen. Geheimnisvoll ist es auch – allerdings kommt es von vorne bis hinten ohne übersinnliche Phänomene aus. Prima Lesefutter für Jugendliche (denn es wird einige weitere Bände geben) das sich, ganz klassisch, im Internat abspielt. Hier geht es aber wie gesagt mal weder um Magie, noch um Fantasiewesen sondern um knallharte Fakten: Elite, Konkurrenzkampf, Intrige, Macht – spannend erzählt.

Später Frost – Voosen/Danielsson

Wenn ich mal Krimis lese, dann gerne solche, die in Skandinavien beheimatet sind. So dachte ich, hier einen Volltreffer vorzufinden: Schweden, ungewöhnliche Ermittler, spannender Fall. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Schweden stimmte, die ungewöhnlichen Ermittler waren allerdings so abgefahren (zumindest eine von ihnen), dass ich wirklich nur dachte: im normalen Leben wären solcherlei Methoden garantiert direkt mit Entlassung geahndet worden. Dichterische Freiheit in allen Ehren, auch Wallander hat oftmals seine Kompetenzen überschritten, aber doch nicht in diesem Ausmaße. Noch dazu las es sich manchmal sehr flapsig – hier wurden große Themen, Zeitsprünge und politische Verwicklungen abgehandelt – für meinen Geschmack allerdings zu kurz, das hätte ruhig länger sein können, was dem Buch die benötigte Tiefe verliehen hätte. Der Fall an sich war allerdings recht spannend. Ich bleibe also sehr zwiegespalten, werde aber vermutlich nichts mehr von beiden lesen.

Alles voller Hoffnung – Renate Dorrestein

Igor wird von seiner Großmutter Nettie großgezogen, nachdem seine eigene Mutter, als er fünf Jahre alt ist, das Sorgerecht an die Großmutter verliert. Und Igor ist anders – er ist geistig behindert. Als Igor in einer Werkstatt anfängt und sich verliebt, scheint sich alles zum Guten zu wenden…zunächst! Dorrestein hat hier ein, ja, leider muss man es so sagen, heute immer noch „Tabu-Thema“ angesprochen – und daraus einen bewegenden Roman gemacht. Ich habe dazu einen persönlichen Bezug und kann nur für mich sprechen: ich finde sie hat sich der Thematik gut und sehr sensibel angenähert und der Titel passt (weniger das Cover – das verwirrt mich immernoch…). Eine besondere kleine Familie, mit zwei starken Charakteren. Ich würde durchaus noch mehr von ihr lesen.

Muttergefühle. Gesamtausgabe – Rike Drust

Im allgemeinen sind Mutterberichte ja etwas äusserst subjektives. Das eigene Leben und Erleben wird wohl niemals eines dieser Bücher in seinen Beschreibungen zu 100% treffen. Trotzdem, es gibt Unterschiede – und Rike Drust schneidet bei mir gut ab. Oftmals fühlte ich mich verstanden, hatte ich ähnliches erlebt und gerade ihre Einstellung zum Arbeiten mit Kind fand ich spannend (ein Thema, welches noch nicht allzuoft beackert wurde – leider!). Manchmal war sie mir fast ein wenig zu rotzig-trotzig, aber ein wenig provozieren will ein solches Buch ja auch. Gute Lektüre, wenn man gerade viel  zu wenig Schlaf abbekommt, der Haushalt überhand nimmt und man sich einfach mal ein wenig in elterlicher Solidarität wiegen möchte.

Der Sohn – Jessica Durlacher

Meine erste Begegnung mit dieser Autorin und nach der Lektüre kann ich sagen – ganz sicher auch nicht meine letzte! Durlacher beschreibt eine Familie die in einen Strudel von Ereignissen gerät, die diese zunächst nicht einordnen kann – und die doch zusammenhängen und deren Gründe weit in die Familienvergangenheit zurückreichen. Beklemmend mit vielen Spannungsmomenten und so packend geschrieben, dass ich teilweise fast das Gefühl hatte,  einen Thriller zu lesen. In diesem Familiendrama greifen die unterschiedlichen Rädchen der Geschichte lückenlos ineinander über, genauso wie mich viele der sehr direkten, ehrlichen Beobachtungen dieser Menschen berührt haben und ich so manche Sätze zweimal las. Definitiv ein Lesetipp!

Sieben Minuten nach Mitternacht – Patrick Ness/Siobhan Dowd

Ein Buch über eine Krankheit. Ein Buch über das Sterben. Ein Buch über den Tod. Ein Buch über die Liebe eines Sohnes zu seiner Mutter. Ein Buch über Angst. Ein Buch über Liebe. Ein Buch über Loslassen.

Und all diese Dinge machen dieses Buch zu einem besonderen. Die Ausstattung ist sehr auffällig, die Illustrationen bringen die Geschichte noch näher an den Leser heran. Es ist ein Buch das gleich auf drei Ebenen an ein sehr sensibles Thema rührt – Erzähltext, Grafik und Fabeln. Es gab einen kleinen Punkt der mich störte, der mir das ganze zu unrealistisch erscheinen lies, das mag aber auch Geschmackssache sein. Wichtig war, das ich zum Schluss doch etwas erschlagen von der Wucht die dieses Buch hinterlässt dasaß und ein wenig weinen musste.Was dieses Buch schafft ist, zu zeigen, das es im Angesicht des Todes einer geliebten Person kein richtig oder falsch gibt. Das manchmal der Tod selbst uns am meisten über das Leben lehren kann.

Paris Trout – Pete Dexter

Hier war ich eher enttäuscht. Das Buch hat sich für mich gezogen, die Geschichte kam nicht richtig in Gang und verlief sich wie Kaugummi der nicht recht vom Schuh will. Ich habe glaube ich eine ganz andere Auseinandersetzung mit Rassismus und Kleinstadt-Justiz erwartet und kam dann nicht klar. Ein bisschen schade, weil das Buch von einigen Kunden und Kollegen sehr geschätzt und oft empfohlen wurde, bei mir hat es leider nicht den Nerv getroffen.